Wirtschaft, Umwelt ‐ 11/2021

Aus Tansania Information
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Klimaerwärmung und Wanderungen

In einem neuen Weltbankbericht werden erhebliche Wanderbewegungen in Ostafrika vorausgesagt. Durch die Erderwärmung sind Klimaveränderungen absehbar, die zu verringertem Regenfall in weiten Regionen Tansanias und heftigeren Fluten in den Küstenregionen aufgrund des steigenden Meeresspiegels führen werden. Tansania müsse damit rechnen, dass bis bis zum Jahre 2050 ca.16 Millionen Menschen ihre Wohnsitze verlassen müssen, da sie von der bisherigen Landwirtschaft nicht mehr leben können. Die Auswirkungen würden sich ab dem Jahr 2030 bemerkbar machen. Der Bericht erwartet eine Wanderung in die Gegend um den Viktoriasee, wo die Regenfälle weiterhin ausreichend sein sollen. Mit gezielten Maßnahmen für nachhaltige Entwicklung könnten die Auswirkungen der Klimaverschiebungen abgemildert werden. Auch die Nachbarländer werden in geringerem Ausmaß betroffen sein.

Citizen 29.10.2021

Unausgelastetes Schlachthaus

Das neue Schlachthaus in Longido nahe der kenianischen Grenze ist nicht ausgelastet. Präsidentin Samia ordnete deshalb eine Senkung der Gebühren und örtlichen Steuern an. Arusha ist die Region mit der höchsten Viehdichte in Tansania, dennoch war das neue Schlachthaus mit einer täglichen Kapazität von 500 Rindern und 2000 Ziegen nur zu einem Drittel ausgelastet. Als Grund stellte sich heraus, dass die Halter -viele von ihnen Massai- ihr Vieh lieber über die Grenze nach Kenia verkaufen, weil dortige Händler wegen geringerer Gebühren bessere Preise zahlen.

Guardian 18.10.21

Schein-heiligkeit

Die Zentralbank kündigte scharfe Maßnahmen gegen ungebührlichen Umgang mit Geldscheinen an. Der Gouverneur der Bank erklärte, dass in letzter Zeit immer häufiger auf sozialen Medien zu beobachten sei, wie Geldscheine bei Festlichkeiten zweckentfremdet werden. Sie würden auf den Boden geworfen, Menschen würden auf sie treten, man rolle sie zu Dekorationszwecken zusammen oder sie würden gar an schwitzenden Leibern anderer Personen befestigt. Da diese Praktiken, trotz aller Warnung seitens der Bank, andauern und die Lebensdauer der Geldscheine verkürzen, werde die Bank ab sofort mit allen juristischen Mitteln gegen Übeltäter vorgehen. Die Öffentlichkeit wurde aufgefordert, Verstöße umgehend der Zentralbank zu melden.

Guardian 29.10.21

Kaffeeschmuggel

Aus der Kageraregion wird ein Großteil der Kaffeeernte nach Uganda gebracht, weil die Bauern dort bessere Preise erzielen. Ein Grund liegt in den zahlreichen örtlichen Abgaben und Steuern, die auf der tansanischen Seite der Grenze an Kontrollpunkten erhoben werden und im Nachbarland nicht anfallen. Landwirtschaftsminister Adolf Mkenda rief dazu auf, die Genossenschaften zu stärken, damit diese durch Zugang zum Weltmarkt bessere Preise erzielen können.

Citizen 25.10.21

Düngermangel

Bauern in Tansania sehen sich einem Mangel an und Preiserhöhungen für Kunstdünger gegenüber. Durch die Covidepidemie wurden mehrere Fabriken getroffen, die den Weltmarkt beliefern. Große Hoffnungen liegen deshalb auf der neuen Düngemittelfabrik, die von einer Firma aus Burundi gerade bei Dodoma gebaut wird.

Citizen 26.10.21

Nachhaltige Holzkohle ?

Aus Kilosa bei Morogoro werden Erfolge für ein Projekt zur nachhaltigen Gewinnung von Holzkohle vermeldet. Mit Unterstützung der Schweizer Entwicklungshilfe soll es einer Waldschutzinitiative hier gelungen sein die Holzkohlegewinnung auf geplanten und überwachte Gebiete zu konzentrieren. Damit übersteige hier der Holzverbrauch nicht mehr die Menge, die nachwächst. Die örtliche Gemeinschaft habe TSh 27 Mil. (€10.000) an Ortssteuern auf Holzkohle eingenommen, von denen Klassenräume für die Schule ein Lehrerhaus sowie ein Büro für die Gemeindeverwaltung gebaut werden und auch die Gesundheitsversorgung verbessert werden konnten.

Guardian 26.10.21

Hirseanbau

200 Dörfer in der Region Dodoma profitieren von Einkäufen des Welternährungs-programms WFP der Vereinten Nationen, das Hirse für Südsudan in Tansania beschafft.

Hirse ist ein beliebtes Nahrungsmittel im kriegsgeschädigten Südsudan, wo das WFP Nahrungsmittelhilfe leistet. WFP versucht zunehmend, Nahrungsmittel regional zu beschaffen, statt sie in den großen Produzentenregionen wie EU oder USA einzukaufen. Hirse war das traditionelle Grundnahrungsmittel in vielen Regionen Tansanias, bevor sich der Maisanbau ausbreitete. Mais erzielt höhere Erträge als Hirse, ist aber empfindlicher für Ausfälle von Regen, die gerade in Zentraltansania um Dodoma herum öfters vorkommen.

Guardian 25.10.21

Magufulis Verschuldung

Erstmals wird jetzt in der tansanischen Presse offen das Ausmaß der Verschuldung angesprochen, die unter dem verstorbenen Präsidenten Magufuli entstand. Dieser hatte zahlreiche große Bauprojekte begonnen und immer wieder darauf hingewiesen, dass Tansania dies alles “mit eigenem Geld” finanziere, womit er nicht wenig zum Aufbau eines neuen Nationalstolzes beitrug. Aber im Wesentlichen hatte er Kredite auf dem freien Markt aufgenommen, Damit hatte er es mehrfach vermieden, mit Institutionen wie Weltbank oder IMF zu verhandeln, deren Kredite günstiger zu haben sind als auf dem freien Markt, deren Bedingungen wirtschaftlicher und politischer Natur ihm aber nicht gefielen. Unter Magufuli gab es einen starken Anstieg der Verschuldung, was aber zu seinen Lebzeiten eher verhalten und anonym in den sozialen Medien angesprochen werden konnte. Die Zeitung Jamhuri wies jetzt darauf hin, dass in Magufulis 5 Amtsjahren die Verschuldung stärker gestiegen sei als in den 10 Amtsjahren seines Vorgängers und dass der Schuldendienst bald eine Last werden könnte

Jamhuri 26.10.21

Hafenausbau Tanga

Der Ausbau des nordtansanischen Hafens von Tanga soll im kommenden Jahr abgeschlossen sein. Regionale Regierungsstellen begannen jetzt mit einer Kampagne unter Firmen in Nordtansania, den Hafen auch tatsächlich zu nutzen und verstärkt Bestellungen bzw. Exporte über Tanga laufen zu lassen. Bisher nutzen nordtansanische Firmen eher den Hafen von Mombasa. Ein Firmenvertreter äußerte, dass dafür die Hafenverwaltung in Tanga noch viel Bürokratie und Umständlichkeit ablegen müsse, bevor er von Mombasa nach Tanga wechselt.

Guardian 24. + 26.10.21

Bergbau

Graphitabbau bei Lindi

Die australische Firma Walkabout Resources rechnet damit, im kommenden Jahr mit der Produktion von Graphit bei Lindi beginnen zu können. Die chinesische Firma Yantai Jinpeng wurde mit dem Bau einer Verarbeitungsanlage beauftragt, die aus dem abgebauten Gestein Graphitkonzentrat herauswäscht, trocknet und in Säcke füllt. Graphit wird für Batterien und vielfältige Anwendungen in der Industrie vom Schmiermittel bis hin zu Kernreaktoren verwendet. In Lindi entstehen über 350 Arbeitsplätze.

Miningweekly 26.10.21

Neuer Goldtagebau bei Mwanza

Am Viktoriasee entsteht eine neue Abbaustätte für Golderze. Die australische OreCorp beginnt 60 km südlich von Mwanza das Nyanzaga Gold Projekt. Im Tagebau und später auch unter Tage soll hier das Golderz gewonnen werden. Die Firma hat eine Lizenz über 23 km² erworben. Der Goldgehalt wird auf 4g pro Tonne Gestein geschätzt, die Firma rechnet mit einer Abbauzeit von 12 Jahren. Hier sollen 1300 Arbeitsplätze entstehen.

Citizen 26.10.21

Nickelabbau in Kabanga

Die Regierung hat dem Temboprojekt grünes Licht für den Start des Nickelabbaus in Kabanga gegeben. Tembo ist eine gemeinsame Firma der in London registrierten südafrikanisch-norwegischen Firma Kabanga Nickel Limited und der tansanischen Regierung. Kabanga liegt nahe dem Dreiländereck Tansania-Burundi-Ruanda. Die Regierung erwartet aus dem Projekt Einnahmen von $7,5 Mrd im Laufe der geplanten Lebensdauer von 33 Jahren. Umweltprobleme der Nickelproduktion sind bekannt, vor allem die große Menge von giftigem Abraum, der nach der chemischen Herauslösung des Nickels aus dem Gestein entsteht. In der tansanischen Berichterstattung gibt es bisher keine Anzeichen eines Problembewusstseins zum Thema Nickel; im Bereich der Verwendung von Quecksilber bei der Goldgewinnung hat dieses immerhin eingesetzt.

Citizen 29.10.21