Thema: Umwelt II - Gewässer, Industrie, Abfälle: Großprojekte, Bergbau, Öl und Gas

Aus Tansania Information
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Großprojekte

Die Regierung schob alle Einwände von Umwelt- und Energie-Experten gegen das Aufstauen des Rufiji im Selous-Reservat beiseite. 2,6 Mill. Bäume werden gefällt, ein ägyptisches Staatsunternehmen ist mit dem Bau des Staudamms beauftragt. Der Umweltrat NEMC wies auf die wirtschaftliche Bedeutung des Staudamms hin und genehmigte ihn „nach erschöpfender Untersuchung der ökologischen und sozialen Auswirkungen“. U.a. hatten WWF, Weltbank und Bundestag die tansanische Regierung aufgefordert, das Projekt zu überdenken und Alternativen in Betracht zu ziehen. Deutschland gab 2019 € 18 Mill. für das neue „Selous-Schutzprogramm“. Einheimische Kritiker wurden mit Gefängnis bedroht. Ihre wichtigsten Einwände:

  • Wasser und Sedimente (16 Mill. t/Jahr) der Überschwemmungen des Rufiji sind wesentlich für die Feuchtgebiete des Selous-Parks, die Anbauflächen der Warufiji am Unterlauf des Flusses und die Mangroven-Wälder des Rufiji-Deltas. Letztere sind die Größten in Ostafrika und bieten (noch) bedeutende Fischgründe. Der geplante Groß-Staudamm wird diese fruchtbaren Sedimente zurückhalten.
  • Die Elektrizitätsversorgung wäre mit kleineren Wasser- oder lokalen Wind- und Sonnenkraftwerken billiger und vor allem zuverlässiger zu gewährleisten. Es ist daher zweifelhaft, ob sich die immensen Kosten des Rufiji-Damms ($ 3,6 Mrd.) und der Fernleitungen in das abgelegene Gebiet jemals amortisieren werden.
  • Der Bau mit seinen Zufahrtswegen und Siedlungen für 8.000 Bauarbeiter wird Wilderer, Goldsucher und Bauern den Zugang in das Wildreservat öffnen und damit die touristische Attraktivität schmälern.

Für den Bau wurden 36 Monate veranschlagt. Als Erster hatte der deutsche Ingenieur Stiegler um 1900 den Staudamm am größten Fluss Tansanias vorgeschlagen; er wurde aber rechtzeitig von einem Elefanten in die nach ihm benannte Schlucht gestoßen. - Zurzeit erkunden Fachleute das Selous-Reservat auch nach Öl-, Gas- und Uranvorkommen.

Umweltschützer begrüßten es, dass Tansania die Planungen für eine riesige Soda-Fabrik am Natronsee zurückgestellt hat. Dort sollten jährlich 500.000 bis 1 Mill. t Natriumkarbonat (benötigt für Glas- und Papierherstellung, Wasch- und Reinigungsmittel, Wasseraufbereitung) abgebaut werden. Der Natronsee, an dem ¾ aller Zwergflamingos leben, würde durch die Sodagewinnung austrocknen. Ersatzweise will man in Engaruka, ebenfalls im Natronsee-Becken gelegen, Natriumkarbonat abbauen.

Der „Mwambani-Wirtschaftskorridor“ (geplante Bahnverbindung Tanga - Kisangani, DR Kongo) beinhaltet einen neuen Tiefseehafen bei Mwambani für extrem große Schiffe. Dies gefährdet die seltenen Quastenflosser, für die der Tanga-Quastenflosser-Meerespark eingerichtet worden war. Das Projekt ist noch nicht finanziert.

Citizen 15.03.; 22., 26.09.18; 29.01.19; DN 07.08.17; 13.03.19; Deutsche Welle 24.05.18; East African 11.04.18; Guardian 29.03.; 13.12.18; 13.03.19

Bergbau

Bergbau-Minister D. Biteko erlegte der Nord-Mara-Goldmine (Acacia) auf, das Einsickern von Schadstoffen ins Grundwasser bis Ende Februar zu unterbinden. Widrigenfalls müsse die Mine schließen. Im Januar wurde der Mine eine Geldstrafe von TZS 300 Mill. auferlegt, weil Restschlämme aus einem Reservoir austraten. 2013 mussten sieben Goldminen in der Mwanza-Region TZS 450 Mill. Strafe für leckende Staubecken zahlen. Präsident Magufuli berichtete, dass er schon zu seiner Zeit als Bergbauminister mit frisierten Umwelt-Prüfungen der Nord-Mara-Mine zu tun hatte. Dies würde nun nicht mehr geduldet.

Das Bergbauministerium überprüft 86 Schürflizenzen für Gold und Kupfer im Wildschutzgebiet Makao, das an die Serengeti grenzt. Eigentlich hätten dort keine Lizenzen erteilt werden dürfen.

Der Natur- und Tourismusminister befahl der Firma Tanzam 2000 alle ihre Maschinen aus den Wildschutzgebieten Moyowosi und Kigosi im Bukombe-Distrikt, Kigoma-Region zu entfernen. Sie zögen Goldsucher aus dem Ausland an, die zudem illegal im Schutzgebiet Ackerbau, Viehzucht und Wilderei betrieben. Tanzam hatte 2013 eine Bergbaulizenz erhalten, die nach Gesetzesänderungen widerrufen wurde. Ähnliche Verwüstungen hätten Invasoren im Makere-Waldreservat im Kasulu-Distrikt angerichtet.

Umweltminister J. Makamba kündigte 2018 an, alle Goldsucher zu erfassen, um den unkontrollierten Einsatz von Quecksilber einzudämmen. Tansania solle auch baldmöglichst das schon 2013 signierte Minamata-Abkommen zu Schwermetallen ratifizieren (bisher 105 Ratifizierungen). Quecksilber schädigt Nerven und Gehirn-Entwicklung bei Ungeborenen, Nieren und Herz-Kreislauf-Organe. Die von DANIDA unterstützte „AGENDA for Environment and Responsible Development“ fand im Haar von Bewohnern von Makongolosi und Mtundasi, Mbeya-Region stark erhöhte Quecksilber-Werte. Die Gesundheitsschäden dort verursachten Kosten von TZS 7 Mrd.

Ein von der EU finanziertes Pilotprojekt wird in Malawi, Namibia, Sambia und Tansania die technischen und gesetzlichen Voraussetzungen prüfen und synchronisieren, die für einen sicheren Abbau und Transport von Uran erforderlich sind. Die Ergebnisse der Experten sollen dann entscheiden helfen, ob Uran auf verträgliche Weise gewonnen werden kann.

DN 05.03.; 09.10.17; 14.09.18; 11.01; 07.03.19; Guardian 27.,30.07.; 08.09.18; 27.02.19; Mwananchi 28.02.19

Gas, Öl

Die Behörde für gefährliche Chemikalien (GCLA) erinnerte daran, dass Chemie-Produkte, die bei der Öl- und Gas-Gewinnung verwendet werden, professionell entsorgt werden müssen, ebenso Treib- und Schmierstoffe sowie Hydraulikflüssigkeiten. Bisher sind dafür zwei Firmen qualifiziert, eine in Kisarawe und eine in Mtwara. Das UN-Entwicklungsprogramm UNEP finanziert Schulungen zum Umgang mit Petro-Chemikalien. Die NRO „MANET“ will, finanziert vom WWF, darüber wachen, dass die Öl- und Gasindustrie die gesetzlichen Auflagen.

DN 24.11.18; Guardian 28..02.18; www.gcla.go.tz; www.mazingiranet.org