Mädchen - 05/2014

Aus Tansania Information
Wechseln zu: Navigation, Suche

Mädchenhandel

Der Außenminister berichtete Journalisten bei seinem Chinabesuch, dort sei ein 14-jähriges tansanisches Mädchen als Zwangsprostituierte gestorben. Es kam heraus, dass wiederholt Mädchen ab 14 Jahren mit falschen Versprechungen nach China gelockt wurden. Nach ihrer Ankunft wurden ihnen alle Ausweispapiere abgenommen und sie wurden gezwungen ihre Reise- und Unterhaltskosten als Prostituierte oder unbezahlte Kräfte in Haushalt und Landwirtschaft abzuarbeiten.

In der Provinzhauptstadt Guangzhou wird ein Netzwerk tansanischer Krimineller vermutet, die diesen Menschenhandel betreiben. Außenminister Membe forderte das Innenministerium auf, Untersuchungsbeamte nach Guangzhou zu senden, um die Schuldigen zu identifizieren. Da Ähnliches auch von Thailand und arabischen Ländern berichtet wurde, ermahnte der Minister junge Tansanierinnen, solch lockende Angebote sehr kritisch zu prüfen. Manchen seien auch schon Organe entnommen worden. Es gibt keine Zahlen zu Minderjährigen, die ins Ausland reisen. (Guardian 27.03.14; DN 29.03.14)

Schutzmaßnahmen für Mädchen

Da sich in der Küstenregion und auf Sansibar die Fälle von Verführung und Vergewaltigung minderjähriger Schülerinnen durch Lehrer häuften, forderten Frauenorganisationen Eltern, besonders Mütter, auf, ihre Töchter über derartige Gefahren und Verteidigungsstrategien zu informieren [zu Frauenorganisationen siehe TI 02/2014]. Ein Lehrer dürfe nicht mit einer Schülerin allein in einem Raum sein.

In Dar-Es-Salaam arbeitet das Projekt „Mädchen, seien wir selbstbestimmt“ (Mabinti, tushike hatamu) mit 10- bis 19-jährigen Mädchen. Ziel ist es, die Zahl der Frühschwangerschaften und HIV-Infektionen zu verringern. In der Altersgruppe bis 25 Jahren stellen Mädchen und Frauen 75% der HIV-Infizierten. Ursachen seien vor allem mangelndes Selbstbewusstsein der Mädchen und Armut der Herkunftsfamilien. Diese Faktoren machen sie anfällig für die Avancen skrupelloser Männer.

Das Bildungsministerium plant, 30 Internate für Grundschülerinnen zu bauen, um allzu weite Schulwege zu vermeiden. Schwangere Schülerinnen sollen zukünftig leichter mit ihrer Schulbildung fortfahren können.

Die Stiftung „Frauen und Fortschritt“ (Wanawake na Maendeleo - WAMA) unterhält eine Sekundarschule für Waisenmädchen. Sie hat zur Zeit 339 Schülerinnen. Eine weitere derartige Schule ist geplant.

Die Organisation „Frauen in der Gesellschaft“ (gefördert vom Sozialministerium) führt an Dar-Es-Salaamer Grundschulen ein Aufklärungsprogramm zu Geschlechtskrankheiten und Abtreibung durch. Damit will man Informationsdefizite der Grundschüler/innen beheben.

Die Frauen in der Verfassunggebenden Versammlung schlossen sich über Parteigrenzen hinweg zu einem Bündnis zusammen, um Menschen- und Frauenrechte besser in der neuen Verfassung zu verankern. Besonders die Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation – FGM) soll ausdrücklich geächtet werden. Das Spezielle Gesetz gegen Sexualverbrechen von 1998 sieht zwar Gefängnisstrafen bis zu 5 Jahren für Erziehungsberechtigte und Ausführende vor, die FGM praktizieren, wurde bisher allerdings kaum angewandt.

Nach einer Statistik des UN-Bevölkerungs-Fonds (UNFPA) führt in Tansania die Manyara-Region mit 71% „beschnittener“ Frauen und Mädchen. Weitere Zahlen: Dodoma 64%, Arusha 59%, Singida 51%, Mara 40%, Kilimanjaro 22%, Morogoro 21%, Tanga 20%, Iringa 13%, Tabora und Küstenregion 6%, Dar-Es-Salaam 4%, Ruvuma 2%. Ein Prozent oder weniger: Kagera, Kigoma, Mwanza, Shinyanga, Rukwa, Mbeya, Lindi, Mtwara, Pemba und Sansibar. Nach einem UNICEF-Bericht sind in Tansania insgesamt 7,1 Mill., entsprechend 14,9 % der Bevölkerung, verstümmelt. Eine andere Quelle bezeichnet 50% der Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren als betroffen.

Frauenorganisationen führen gegenwärtig neben der gewohnten Basisarbeit eine breite Medienkampagne (Zeitungen, Radio, Fernsehen und Plakatwände) gegen die FGM durch. Sie berichten von Erfolgen in manchen Regionen, wo Gemeinden einen Bann der FGM beschlossen haben. [Vgl. TI 02/2014, Seite 8 ff; dort auch homepages von Frauenrechts-Organisationen].

Homepages

Girls, let's be leaders: www.mabinti.org (engl.); WAMA: www.wamafoundation.or.tz;

Guardian 11.12.13; 24.01.;05.04.14; DN 27.02.;03., 04.04.14; Citizen 03.02.14;