Berichte über Kinderarbeit - 06/2012

Aus Tansania Information
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Unterschiedliche Arbeitsgebiete

Die verbreitetste Kinderarbeit ist die Hausarbeit, vor allem bei den Mädchen. Aber die Kinder, die am schlimmsten ausgebeutet und entwürdigt werden, sind die kommerziellen Prostituierten. Die Anstellung für diese beiden Tätigkeiten wird meistens von den Eltern oder Familienangehörigen unterstützt. Es heißt, Dorfverantwortliche stellten den Jugendlichen einen falschen Personalausweis aus, Lehrkräfte ein gefälschtes Abschlusszeugnis. Auch Polizisten, Krankenschwestern, Ärzte und Sozialarbeiter sollen beteiligt sein. Unter den sexuell ausgebeuteten Kindern sind Analphabetinnen und Sekundarschülerinnen. Die Eltern sind Alkoholiker, getrennt lebend oder geschieden oder ihre kulturellen Werte lassen Schulbesuch nicht zu.

Kinder aus ihrer ländlichen Heimat abzuholen und sie als Haussklaven oder Prostituierte abzusetzen, gleicht Menschenhandel.

Viele Kinder arbeiten viele Stunden ohne Freizeit unter schwierigen und gefährlichen Bedingungen und verdienen fast nichts. In den Städten trifft man Kinder als Steineklopfer, Schuhputzer, Schubkarrenfahrer, Hausmädchen, Prostituierte, sogar als Fabrikarbeiter u. a. Auf dem Land müssen sie Vieh hüten, Feuerholz sammeln, auf dem Feld helfen und vieles mehr. Manche arbeiten auf Fischkuttern auf hoher See. Viele Kinder sind wirklich Sklaven, moderne Sklaven.

Sozialarbeiter berichten, die Kinderarbeit sei in Tansania etwas Normales geworden, das meistens nicht mehr für ein schlimmes Vergehen gehalten wird. (DN 7.4.12)

Das Ministerium für Arbeit und Anstellung plant, Distrikt-Koordinatoren einzustellen. Sie überwachen, wie verbreitet Kinderarbeit in dem Distrikt ist und gehen gegen sie vor. Das Ministerium erstellt eine Liste der Jobs, die als gefährlich für Kinder gelten, und veröffentlicht diese.

In Tansania verrichten die meisten Kinder täglich eine Arbeit, meistens Hausarbeit; oder sie übernehmen nach der Schule irgend einen Job. Doch laut International Labour Organization (ILO) werden einige Kinder für Jobs eingestellt, die gefährlich sind, oder bei denen sie ausgebeutet werden. Seelische, physische und psychologische Folgen sind gravierend.

Laut ILO-Bericht nimmt die Kinderarbeit in Afrika südlich der Sahara geringfügig ab. (DN 23.3.12)

Kinder in Gold-Minen

Im Gebiet nahe bei der North Mara Gold Mine leben mehr als 1.500 Bergleute, die ohne Schutzvorrichtung gesundheitsschädliche Chemikalien wie Quecksilber verwenden. Im Auftrag der Bergleute schuften hier viele Kinder; sie holen Wasser und waschen stundenlang Goldsand, was lebensgefährlich ist. Einige Kinder haben sich Gangs angeschlossen, die in die Minen schleichen, um Goldsand zu stehlen

Die Kinder geben zu, sie schwänzten die Schule, um Geld zu verdienen für Federhalter, Hefte und Uniformen. "Anders schaffe ich das nicht", sagte ein Junge. (DN 29.3.12)

Im Geita-Distrikt

Zusammen mit Plan International kämpfen die Mwanza Miners Association (MWEREMA), lokale Verwaltungen u. a. gegen die schlimmsten Formen der Kinderarbeit. Die European Commission gewährt Plan International Tanzania 1,6mrd/- TSh für ein Projekt im Geita-Distrikt (Mwanza-Region). Es geht um Vorbeugung, Reintegration und Leitlinien in diesem Gebiet. Man will ein starkes Netzwerk schaffen, das die Öffentlichkeit einbezieht. Voraussichtlich werden mindestens 30.200 Jungen und 30.800 Mädchen zwischen 5 und 13 Jahren erreicht.

Es heißt, einige Eltern und Erziehungsberechtigte ermutigten ihre Kinder, eine Arbeit anzunehmen, damit sie Geld für ihre Familie verdienen. Der Regional Commissioner sagte, die Regierung werde diese Leute streng bestrafen. (DN 17.2./27.4.12)

Im Rombo-Distrikt

Kenianer und Tansanier kommen in den Rombo-Distrikt (Kilimanjaro-Region) und locken Mädchen, ihnen in die Stadt zu folgen. In Dar-es-Salaam, Arusha, Mwanza und Nairobi werden sie gezwungen, für Peanuts Hausarbeit zu verrichten. Viele trauen sich nicht, heimzukehren, weil sie davongelaufen waren. Sie haben Angst, von ihren Eltern geschlagen und von den Kameradinnen ausgelacht zu werden.

Mit Träumen, schnell reich zu werden, lockt man Jungen. Sie müssen Waren in zwei kenianische grenznahe Städte bringen.

Der Distriktrat von Rombo startete Haus-zu-Haus-Kont-rollen, um Schüler und Schülerinnen zu finden, die für die Sekundarschule ausgewählt wurden, aber lieber zu Hause bleiben. Man sucht auch Eltern, die ihre Kinder ermuntern, daheim zu bleiben und etwas zu verdienen. Solche Leute haben mit Strafen zu rechnen. Viele Eltern dieses Distrikts meinen, mehr als Primarschule sei überflüssig. (Arusha Times 18.3.12)

Auf Sansibar

An der Küste Sansibars sieht man Jungen während der Schulzeit beim Schuppen der Fische. Die Kinder sagen, sie mögen diese Arbeit, weil sie dabei Geld verdienen. Und ihre Eltern interessiert nicht, dass das vielleicht als Kinderarbeit gilt.

In einem Bericht über die schlimmsten Formen der Kinderarbeit heißt es, Kinderarbeit sei Arbeit in der Landwirtschaft, vor allem in Nelkenpflanzungen, im Steinbruch, im Hotel- und Tourismussektor, Ernte von Seegras, Fischfang, Kinderprostitution, Kleinhandel, Steineklopfen, Hausarbeit u. a. Laut Umfrage von 2006 sind in Sansibar mehr als 9 % der Kinder zwischen 5 und 17 Jahren in der einen oder anderen Art beschäftigt.

Ein 58-jähriger Dorfbewohner betonte, er erlaube seinen Kindern beim Fischfang tätig zu sein. "Die Definition Kinderarbeit passt für uns in Afrika nicht, weil wir arm sind. Ich habe sieben Kinder, die viel über Fischfang lernen. Die Arbeit verhilft den Kindern zu Verantwortungsgefühl. Den Kindern keine Aufgaben zu übertragen, führt zu Faulheit. Und wir lieben unsere Kinder. Dem Kind einen Auftrag zu erteilen, trainiert es und sollte nicht als Kinderarbeit gelten."

Auch andere Eltern verteidigen ihr Tun. "Mein Sohn ist neun, meine Tochter sieben. Sie helfen mir. Zusammen holen wir Holz und Wasser. Ich erlaube ihnen, Fische zu fangen, um Geld für die Schule zu verdienen. Die Armut treibt fast alle Armen, die Kinder bei allen möglichen Arbeiten zu beteiligen", sagte eine Mutter. (DN 25.4.12)