Wirtschaft ‐ 07/2026
Graphit
Tansanias neues Graphitabbaugebiet befindet sich im Ruangwa-Distrikt in der Lindi-Region. Der Vertragsschluss zwischen der tansanischen Regierung und Lindi Jumbo Ltd. führte zur Gründung von Ndovu Graphite Ltd. und erfolgte am 28. Mai in Macambarale. Die Regierung habe sich 16 % der Erträge gesichert und sei Anteilseigner ohne vorherige Investitionskosten, berichtet Mineralienminister Anthony Mavunde während der Pressekonferenz. Erwartet werden 40.000 t Graphitkonzentrat in 24 Jahren. Projektleiter Andrew Cunningham gibt an, das Projekt habe sich seit 2015 entwickelt und inzwischen seine Aussichten bezüglich seiner Lebensdauer noch verbessert.
Guardian/TanzaniaInvest, 01.06.2026
Uran
Das Uranprojekt am Mkuju-Fluss im Namtumbo-Distrikt in der Ruvuma-Region (geschätzte 139 Mio. Tonnen Uranerz, bewertet mit ca.1 Mrd. $, Arbeit für 20 Jahre), dessen Förderlizenz 2028 ausläuft, dürfte bei Präsidentin Hassans Besuch in Moskau ein zentrales Thema gewesen sein. Der Lizenznehmer ist Mantra Tanzania Ltd., ein Tochterunternehmen von Uranium One Group unter der russischen Rosatom. Unternehmenschef Ilya Shchukin erklärte, die Finanzierung befinde sich auf einem guten Weg. Die tansanische Regierung räumt dem Projekt strategische Bedeutung ein und genehmigte im Juli 2025 den Bau einer Pilotanlage, die bisher ca. 2.500 t Uranerz gefördert und verarbeitet hat. Im Gespräch ist auch ein zukünftiges Atomkraftwerk vor Ort. Eine Hürde ist die Nähe zum Selous Ökosystem. Das Pilotprojekt wurde 2012 von der UNESCO genehmigt.
Citizen, 04.06.2026
Tansania suche nun Russlands Unterstützung bei der weiteren Erschließung von Bodenschätzen, so Mineralienminister Anthony Mavunde, und wolle beim Abbau Kleinstbergbau, mittlere Betriebe und Großinvestoren zusammenführen. Der erste tansanische Atommeiler soll 2028/29 ans Netz gehen, so Präsidentin Hassan am 5. Juni in ihrer Rede auf dem internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg.
Citizen, 09.06.2026, AfricaReport, 03./09.06.2026
Textilbranche
Vom 8. bis 10. Juni erfolgte der Staatsbesuch von Singapurs Präsident Tharman Shanmugaratnam mit Gattin Mane Ittogi Shanmugaratnam und einer Wirtschaftsdelegation. Die tansanische Textilbranche ist von besonderem Interesse für Singapur. Tansanias Textilindustrie strebt an, die Wertschöpfung im Land zu halten und will nicht mehr nur Rohbaumwolle exportieren. Dabei werden insbesondere umweltverträgliche Produktionsmethoden und handwerklich produzierte hochpreisige Baumwollstoffe favorisiert. Mane Ittogi Shanmugaratnam besucht Kleinsthandwerksbetriebe der Baumwollverarbeitung und zeigte sich beeindruckt.
TanzaniaInsight, 09.06.2026
In den bilateralen Gesprächen zwischen den Präsidenten von Singapur und Tansania ging es um gegenseitige Wirtschaftsförderung. Tansania exportiert Kakao, Kaffee, Nelken, Kupfer, Edelsteine und tiefgefrorenen Fisch im Wert von 137,5 Mio. $ (2024/25) nach Singapur und importierte Treibstoffe, Maschinen, Elektronik, Medizinprodukte, chemische Stoffe sowie handwerklich gefertigte Produkte für 672 Mio. $. Die bedeutendste singapurische Investition erfolgte durch Pavilion Energy in 20 % der offshore-Gas-Blocks 1, 3 und 4.
Verhandelt wurde außerdem zu einem Freihandelsabkommen zwischen Singapur und der EAC. Ein Besuch auf Sansibar bei Präsident Dr. Hussein Ali Mwinyi erfolgte ebenfalls.
Citizen/Chanzo, 09./10.06.2026, Citizen, 11.06.2026
Schiffsbau
Forbes Africa lobt Tansania für erstklassigen Schiffsbau. Eine zentrale Rolle spiele die Dar es Salaam Merchant Group mit ihrer erfolgreichen Restaurierung der MV Liemba für 1,3 Mio. $ und ihren Schiffsneubauten (Passagierschiff für Kigoma für 58 Mio. $ für 1.200 Passagier und 400 t Fracht). Alle Mitarbeiter seien Tansanier außer neun südkoreanischen Experten.
Guardian, 09.06.2026
Nickel
Für das Nickelabbaugebiet in Kabanga an der burundischen Grenze (als Nebenprodukte Kupfer und Cobalt) ist die Implementierungsphase erreicht. Es wird für das Vorkommen von 52,2 Mio. Tonnen Erz mit einem Nickelgehalt von 1,98 % eine Abbauzeit von 18 Jahren angenommen. erreicht. Der tansanische Staat und Lifezone Metals Ltd. wollen Ostafrika damit in der Lieferkette für elektrische Fahrzeuge positionieren. Tansania hält eine 16-%-ige Aktienbeteiligung. Die Vorabinvestition belaufen sich auf 942 Mio. $ und die Kosten über die Gesamtlaufzeit sollen 2,49 Mrd. $ betragen. Ein Pfund Nickel wird ca. 3,36 $ kosten und liegt damit preislich im unteren Bereich. Kabanga wird als Meilenstein für Tansanias Industrialisierung, Arbeitsmarkt und Wirtschaftswachstum betrachtet, u.a. auch deshalb, weil die Veredelung im Land stattfindet.
Bergbau erwirtschaftet gegenwärtig 56 % der Deviseneinnahmen in Tansania und 10,1 % des BIP (Stand 2024). Bis 2030 soll die Abbauquote der bereits ermittelten Vorkommen von 16 auf 50 % ansteigen – immer verbunden mit einer inländischen Wertschöpfung.
Citizen, 10.06.2026
Zucker
Das Kilomberotal (14.918 km2) ist Tansanias Brotkorb. Dort werden 40 % des Zucker- und 30 % des Reisbedarfs produziert und außerdem der Wasserbedarf von 1,6 Mio. Menschen und des Nyerere Hydroelectric Power Plant am Rufiji (zu 81 %) gedeckt. Zuletzt seien in die Fabrikerweiterung Kilombero Sugar Company und in den Zuckerrohranbau 290 Mio. $ investiert worden, um Tansanias Eigenversorgung mit Zucker zu sichern, so Tansanias Ministerin für Industrie und Handel Judith Kapinga. Die Anlage gehöre zu 75 % Illovo Sugar Africa und zu 25 % dem Staat und liefere 50 % des heimischen Bedarfs. Die Erweiterung erhöhe die Produktion von 127.000 auf 271.000 t/Jahr. Es gebe sechs weitere Zuckerfabriken, die gemeinsam 800.000 t/Jahr produzierten. Die Branche beschäftige direkt 28.500 und indirekt weitere 95.000 Menschen. Tansanias Jahresbedarf liege bei 550.000 t. Liefernde Bauern würden nicht nach Gewicht bezahlt, sondern nach Zuckergehalt. Anbauverbesserungen hätten Steigerungen von 70 % pro Hektar erbracht.
EastAfrican, 13.06.2026
E-Mobilität
In Ostafrika ist Tansania am langsamsten und droht, abgehängt zu werden. Investoren neigen eher zu Äthiopien und DR Kongo, so auch Spiro. Im Mai 2025 hatte Spiro zehn Batterietauschstationen, die Errichtung einer Montagefabrik und die Zusammenarbeit mit einer Jugendorganisation zur Absatzförderung zugesagt, doch bisher ist nichts geschehen. In Tansania fahren ca. 10.000 E-Fahrzeuge; in Äthiopien sind es 115.000, in Kenia 24.574 und in Ruanda 5.500.
EastAfrican, 13.06.2026
Stahlwerk
Am 15. Juni verkündeten Mineralienminister Anthony Mavunde und Generaldirektor Himanshu Tiwari von A1 Iron & Steel Tanzania Ltd. den Bau einer Stahlfabrik in Nala Dodoma. Tansania will als wichtiger Schritt auf dem Weg zur Wertstoffveredelung und Beendigung des Eisenerzexports 600 Mrd. TZS investieren. Das Erz soll ausschließlich aus tansanischen Vorkommen stammen. Das Werk wird 1.500 direkte und 5.000 indirekte Jobs schaffen und einen Blashochofen für die Eisen und einen Sauerstoffaufblashochofen für die Stahlproduktion und die anschließende Herstellung von fertigen Produkten wie Stahlstangen, Blechbedachung, Draht, Maschendraht und Nägel umfassen. Der gesamte Prozess finde an einem Ort statt. Bisher gibt es in Tansania 19 Stahl- und Wellblechproduktionsstätten. Der heimische Bedarf liege bei 600.000 Tonnen und die Kapazität 1,2 Mio. Tonnen. Baubeginn sei im Juli 26 und die Fertigstellung innerhalb von 15 Monaten erfolgen.
Citizen, 18.06.2026
Stromversorgung
Tansania ist der größte Profiteuer von Mission 300, ein von der Weltbank aufgelegtes Programm zur Versorgung von 7,5 Mio. Menschen mit einem Stromanschluss innerhalb eines Jahres. Es wurde 2025 in Dar es Salaam beschlossen und von Weltbank und AfDB finanziert, um bis 2030 300 Mio. Menschen in Subsahara-Afrika mit dem Stromnetz zu verbinden. Seither wurden 50 Mio. in 23 Ländern angeschlossen, davon 15 % in Tansania. Mission 300-Chef Andrew Herscowitz führte dies auf dem Africa Energy Forum in Kapstadt auf Tansanias erhöhte Fortschrittsbereitschaft zurück. Zum Vergleich: Kenia habe bisher nur 2 Mio. Menschen mit Strom versorgt. Zu Beginn des Programms vor 1,5 Jahren hatten trotz des nationalen Stromnetzes nur 46 % der Festlandsbewohner und 40 % auf Sansibar Zugang zu Strom. Bis 2030 sollen 21 Mio. und damit 75 % der Bevölkerung angeschlossen sein, was angesichts der aktuellen Zahlen erreichbar scheint.
EastAfrican, 20.06.2026
Mehrwertsteuererstattung
Bisher mussten Unternehmen monate- manchmal jahrelang auf Erstattung warten. Bis 2025 hatte der Staat um die 650 Mio. $ ausstehende Mehrwertsteuererstattungen – ein wichtiger Entscheidungsfaktor für Investoren. Mit dem Budget 2026/27 erfolgt die Einführung einer verpflichtenden Erstattung innerhalb von 30 Tagen mit festgesetzter Zinsfälligkeit für den Staat. Tansania ist mit dieser Maßnahme Vorreiter in der EAC.
Guardian, 26.06.2026
Stromausfall
Am 27. Juni, einem Sonnabend, sorgte der Zusammenbruch des Stromnetzes für einen landesweiten Blackout, der auch die Normalspurbahn betraf und von 19 Uhr bis Mitternacht andauerte. Die Tanzania Electric Supply Company (TANESCO) und die Regierung versprachen Abhilfe. Energieminister Deogratius Ndejembi kündigte Untersuchung an.
Chanzo, 28./29.06.2026
Dangote Industries
Durch den Iran-Krieg stieg der Preis für Harnstoff (mit 45 % Stickstoffgehalt die wichtigste Basis für Stickstoffdüngerherstellung, wird überwiegend aus Erdgas synthetisiert) weltweit von 509 $/Tonne im Februar 2026 auf 658 $/Tonne im Mai 2026. Landwirtschaftsminister Daniel Chongolo versichert, dass Tansania für dieses Jahr ausreichende Reserven zur Verfügung habe. Zwischen Juli und September würden Importe von 300.000 Tonnen erwartet. Stickstoff ist als Motor des Pflanzenwachstums die wichtigste Düngerform.
Citizen, 04.06.2026
Am Wochenende reiste Aliko Dangote zu Gesprächen mit Präsidentin Hassan nach Dar es Salaam. Verabredet wurden Investition in eine Düngerfabrik, die aus tansanischem Erdgas Stickstoff synthetisiert, in Frachtlogistik, Stromerzeugung und -verteilung sowie in die Transportinfrastruktur zwischen Mtwara und Mbamba Bay. Formale Verhandlungen sollen unmittelbar folgen. Dangote Idustries besitzt bereits eine Zementfabrik in Mtwara im Wert von 500 Mio. $ und mit einer Produktionskapazität von drei Mio. Tonnen jährlich. Die ostafrikanische Ölraffinerie soll nun in Lamu/Kenia und nicht in Tanga gebaut werden.
Guardian, 29.06.2026, BusinessInsiderAfrica, 01.07.2026
Treibstoff
Mitte des Monats kostete Benzin in Dar es Salaam 4.086 TZS/l, Diesel 4.333 TZS/l und Kerosin 4.685 TZS/l. Zum Monatsende sanken die Preise moderat auf 3.990 TZS/l für Benzin, 4.182 TZS/l für Diesel und 4.443 ZTS/l für Kerosin. Die durch den Krieg mit dem Iran verursachte Krise verursachte bisher eine Kostensteigerung von 9,2 % für Transport und von 5,7 % für Nahrungsmittel.
Citizen, 11.06.2026, Chanzo, 01.07.2026