Wirtschaft ‐ 06/2026

Aus Tansania Information
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UN-Tourismuskonferenz

Auf der zweiten regionalen UN-Tourismuskonferenz vom 29. April bis 1. Mai in Zimbabwe führte Tansanias Tourismusministerin Dr. Ashatu Kijaji Gespräche mit UN-Generalsekretärin für Tourismus Shaikha Naser Al Nowais über die Vorbereitungen für den Afrika-Cup, der vom 19. Juni bis 18. Juli 2027 in Kenia, Uganda und Tansania abgehalten wird, und bat um technische/digitale Unterstützung. Außerdem wird Tansania im Dezember 2026 Gastgeber der World Travel Awards (Oscars der Reiseindustrie) sein. Tansania will Sport, Kultur und internationale Veranstaltungen als Teil seiner Tourismuswirtschaft fördern.

Guardian, 01.05.2026

Treibstoffpreise

Am 6. Mai wurden die Preise für Benzin auf 4.115 TZS/l (im Januar noch 2.778 TZS/l und zuletzt 3.820 TZS/l), von Diesel auf 4.248 TZS/l (zuletzt 3.806 TZS/l). In Dar es Salaam sind Treibstoffpreise landesweit am niedrigsten. Der ländliche Raum ist für das Kochen und die Beleuchtung überwiegend auf Kerosin angewiesen. Der Transportsektor gerät in Not. Minibusbetreiber müssten ihre Dienste nach der Mai-Erhöhung einstellen, wenn die Regierung die Fahrpreise nicht anpasse – mit katastrophalen Folgen für Millionen Tansanier, die vom ÖPNV abhängig sind.

Steigende Benzinpreise haben in Tansania nun doch eine Inflationssteigerung von 3,2 % (März) auf 4 % (April) bewirkt. Die höheren Transportkosten wirken sich auf die Lebensmittelpreise aus.

Chanzo, 06.05.2026/EastAfrican, 09./16.05.2026

Tanga-/Mombasa-Raffinerie

Am 23./24. April fand in Nairobi der „Africa We Build“-Gipfel statt. Dort hatte der nigerianische Unternehmer Aliko Dangote den Bau einer Riesenraffinerie für Ostafrika in Tanga vorgeschlagen. Kenia und Uganda hatten ihre Unterstützung zugesagt, Ruanda sich positiv geäußert. Die einzige ostafrikanische Raffinerie in Mombasa hatte 2013 wegen Unrentabilität den Betrieb eingestellt.

Eine Raffinerie in Tanga wäre schuldenfinanziert und hätte Mühe mitzuhalten, sobald Israel und die USA ihren Krieg gegen Iran beendet hätten und die Golfstaaten ihre Öllager würden abbauen wollen. Hinzu kommt, dass die Vereinigten Arabischen Emirate am 29. April formell die OPEC verlassen haben, um größere Förder- und Preisflexibilität zu erreichen. Außerdem pusche der gegenwärtig hohe Ölpreis die erneuerbaren Energien. Die entscheidende Frage lautet, ob die Raffinerie rasch genug fertiggestellt werden kann, bevor die Energiewende gelungen ist. Eine neue Ölinfrastruktur in Ostafrika lohne sich nur bei einer instabilen Golfregion.

Bei seinem Besuch in Tansania am 4./5. Mai hatte Kenias William Ruto eine Raffinerie in Tanga als regionale Bereicherung für einen gemeinsamen Wirtschaftsraum apostrophiert. Eine vereinte Freihandelszone, ob für Kenia und Tansania oder in der gesamten EAC oder als AfCFTA in ganz Afrika, sei der Schlüssel zu Wohlstand und Ernährungssicherheit. Präsidentin Hassan beschwerte sich bei Ruto darüber, dass sie nicht einbezogen worden war und gibt das diesbezügliche Missbehagen ihrer Landleute an.

Chanzo, 05.05.2026, Citizen, 06..05.2026, EastAfrican, 05./16..05.2026, Aljazeera, 12.05.2026

Die EACOP-Pipeline macht den Bau einer Raffinerie in Tanga für Tansania und Uganda sinnvoll. Da der Ausbau des Hafens von Tanga bereits in Gang gesetzt ist, wird von Tansania eine positive Reaktion erwartet. Doch Uganda hat seinen Rohölüberschuss bereits Total versprochen. Und welche Auswirkungen sind auf das Hoima-Raffinerieprojekt zu erwarten, dessen größter Investor Apha MBM aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ist? Wäre Tanga Konkurrenz oder Unterstützung? Wie stünde es mit den politischen und finanziellen Risiken? Eine Regierung, die ihre Jugend unterdrücke, um ihr Demokratieverständnis durchzusetzen, statt sie einzubinden, erhöhen das Risiko und machen die Finanzierung teurer. Und zuletzt: Wieviel Rohöl steht überhaupt zur Verfügung? Tansania hat bisher keine Ölreserven entdeckt, auch wenn die Aussichten gut sind. Wie also kann eine stabile Rohölbelieferung sichergestellt werden?

Kommentar von Mohamed Adow, Direktor von Power Shift Africa: Die Raffinerie in Tanga sei eine schlechte Idee, weil die Energiewende Afrikas anderenorts stattfinde. Während die Oligarchen ihre nächsten Schritte planten (eine neue Riesenraffinerie), damit sich politische Eliten, Ölriesen und Baufirmen bereichern könnten, wendeten sich afrikanische Haushalte, Unternehmen und Regierungen den Erneuerbaren zu. Solarenergie weise Steigerungsraten von 300 % auf, ermächtige Gemeinden direkt und innerhalb von Monaten. Afrikaner bräuchten nicht raffinierte Ölprodukte sondern Strom für Eigenheime, Krankenhäuser, Schulen und Unternehmen. Warum sollte Afrika Mrd. $ in ein auslaufendes System investieren?

EastAfrican, 09.05.2026

Am 16. Mai hielt sich Aliko Dangote zu Besuch im State House Dar es Salaam bei Präsidentin Hassan auf. Wegen des größeren, tieferen Hafens und Kenias größerer Wirtschaft ziehe Dangote Mombasa vor. Techniker sollten entscheiden, welcher Standort am besten sei. Investitionen in Landwirtschaft und Infrastruktur wurden besprochen. Dangote versprach, in der Region innerhalb von einem Jahr eine NPK-Düngerfabrik (N: Stickstoff bzw. Urea/Harnstoff aus Erdgas; P: Phosphat; K: Potash bzw. Kalium – die drei wichtigsten Pflanzennährstoffe) zu bauen. William Ruto lässt bei Mombasa bereits nach einer für die Raffinerie geeigneten Fläche suchen.

Chanzo, 17.05.2026, Financial Times, 17.05.2026, AfricanIntelligence, 26.05.2026

Straßenbau

Tansanias Straßenbaubehörde hat die ersten fünf Verträge eines durch die Weltbank finanzierten Programms für Straßenbau in Süden, Mitte und Nordwesten des Landes im Wert von 117 Mio. $ an chinesische Unternehmen vergeben.

AfricaIntelligence, 06.05.2026

Normalspurbahn

Der Finanzierungsvertrag über 1,28 Mrd. $ für den 3. und 4. Abschnitt der Normalspurbahn (SGR) von Makutupora/Singida nach Isaka/Shinyanga (430 km, 150 km auf ruandischer Seite, zu bauen vom türkischen Yapi Merkezi) sowie für den 5. Abschnitt zwischen Isaka und Mwanza (249 km, zu bauen von der chinesischen China Civil Engineering Construction Corporation und bereits zu 63,4 % fertiggestellt) wurde von Geschäftsführer Herman Kasekende von der Standard Chartered Bank Tanzania und dem Staatsekretär Dr. Natu El-Maamry Mwamba im Finanzministerium unterschrieben. Zuletzt wird der Zentralkorridor die Strecke von Dar es Salaam nach Mwanza mit 1.219 km Haupt- und 377 km Nebenstrecke umfassen. Der zweite Streckenabschnitt zwischen Morogoro und Makutupora ist weitgehend abgeschlossen bzw. in der Endphase.

EastAfrican, 05.05.2026, Citizen, 11.05.2026

Ruanda und Tansania wollen 2,5 Mrd. $ in SGR zwischen Kigali und Dar es Salaam über Isaka investieren, so wurde es bei Präsident Kagames Staatsbesuch am 3. Mai beschlossen. 70% der Ruandischen Im- und Exporte Laufen über Tansania; bisher existiert keine Eisenbahnverbindung. Ruanda plant, die SRG bis in die DR Kongo fortzusetzen.

EastAfrican, 09.05.2026

AGOA

Die USA haben den African Growth and Opportunities Act (AGOA) rückwirkend um ein Jahr bis zum 31.12.2026 verlängert; afrikanische Länder haben also zunächst weiterhin zollfreier Zugang zum US-Markt. Das Programm war zwischen Ende September 2025 und Februar 2026 ausgesetzt gewesen und hatte starke Verunsicherung bewirkte.

EastAfrican, 23.05.2026