Tourismusindustrie - 05/2008

Aus Tansania Information
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Neues Gesetz

Die Regierung legte den Entwurf eines neuen Gesetzes (The Tourism Act, 2008) vor. U. a. sieht es die Einrichtung eines Tourismus-Ausschusses und eines ministeriellen Direktoriums vor, der die Hotels eingruppiert, sich um Eigentum, das verlustig ging, und um Entschädigung kümmert. Investoren sollen ein günstiges Umfeld haben und die lokale Bevölkerung beteiligt werden. Ausschließlich Tansanier dürfen als Fremdenführer eingestellt werden, damit Einheimische in diesem Sektor einen beträchtlichen Anteil bekommen. Sie müssen sich jährlich ärztlich untersuchen lassen. Vor allem beim Besteigen des Kilimanjaro dürfen sie nur anerkannten Routen folgen. Zuwiderhandelnde werden mit mindestens 10m/- TSh Bußgeld oder höchstens zwei Jahren Haft oder beidem bestraft. (DN 2./4.2.08)

Im Okt. 07 war verbreitet worden, das geplante Gesetz untersage Ausländern, sich im Tourismussektor zu betätigen. Das Ministerium könne Ausnahmen genehmigen, vor allem im Hinblick auf bereits bestehende Unternehmen. Einige würden zum Verlassen des Landes aufgefordert, erwartete man. Viele begrüßten diese Maßnahmen. Aber der Exekutivdirektor des Tanzania Investment Centre sagte, er vermute, der Minister sei falsch zitiert worden. (Guardian 27./30.10.07 Citizen 15.11.07; Arusha Times 27.10.07; East African 23.10.07)

Statistik

06/07 hatte der Tourismus an den Deviseneinnahmen einen Anteil von ca. 25 %.

Die Zahl der Touristen aus dem Ausland betrug 07 719.031; im Vorjahr 644.124, zwischen 05 und 06 wuchs sie um 5,1 %. Für 2010 rechnet man mit 1 Mio. Gästen. In Kenia sind es 1,5 Mio. Der Tourismus ist nach der Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftssektor. 300.000 Menschen sind dort direkt beschäftigt. Ihre Familien sind wohlhabender als von Landwirtschaft, Fischfang oder Bergbau lebende.

Früher reisten 50 % der Touristen über Nairobi ein; jetzt tun das nur noch 20-30 %.

60 % der Touristen kommen, weil sie Tiere beobachten wollen. 80 % von ihnen besuchen die legendären 'Big Three', Serengeti National Park, Ngorongoro-Krater und Kilimanjaro. (DN 2.2,08; Guardian 1.4.08; Citizen 10.1.08; Arusha Times 10.1./12.3.08)

Attraktionen

Tansania hat sieben als Welterbe klassifizierte Örtlichkeiten. Nach Äthiopien und Marokko, die acht besitzen, liegt Tansania in Afrika damit auf Platz drei. Kilimanjaro, Ngorongorokrater, Selous und Serengeti, wurden zum Welt-Naturerbe erklärt, Mji Mkongwe (Sansibars Altstadt), die Insel Kilwa (Lindi-Region) und die Felsmalereien im Kondoa-Distrikt (Dodoma-Region) zum Welt-Kulturerbe. (DN 2.2.08; Arusha Times 8.2.08)

Die starken Regenfälle in Nordtansania schrecken die Touristen nicht ab, denn die Straßen sind jetzt viel besser. Dortige Reiseunternehmen erwarten, in der Regenzeit könne ihr Gebiet dem Strandtourismus, der vom Sonnenschein abhängt, den Rang ablaufen. (Arusha Times 12.4.08)

Förderung

Die Regierung plant, Transportwesen und Unterkünfte zu verbessern, in internationalen Medien, bei Ausstellungen und Messen zu werben, den heimischen Tourismus zu fördern.

In Zusammenarbeit mit der französischen wird die tansanische Regierung in Arusha, Dar-es-Salaam, Mwanza und dem Serengeti-Nationalpark Eigentümer von Hotels und andere heimische Investoren mit einem Darlehen bis zu 300m/- TSh fördern. Wer ein Einstern-Hotel besitzt, soll es zu einem Fünfsterne-Hotel ausbauen können.

Im Serengeti Nationalpark gibt es bisher nur 940 Betten, in Kenias Maasai Mara-Gebiet, das nur den sechsten Teil der Serengeti umfasst, dagegen 7.400. Bis 2012 sollen dort 4.500 Betten zur Verfügung stehen.

16 km vom Serengeti-Nationalpark entfernt soll auch ein Flugplatz entstehen. Außerdem plant man Lande-streifen anzulegen.

Die Regierung will auch andere Touristenattraktionen fördern, z. B. historische Stätten wie die Felsmalereien bei Kondoa und die Olduvai-Schlucht.

Ein Verantwortlicher des Arusha National Park sagte, man plane, jeweils in den Ferien am Ende des Jahres während der Woche des heimischen Tourismus den Einwohnern der Regionen Aru-sha und Kilimanjaro die Tore zu öffnen. (DN 10.1.08; Guardian 10.1.08; Citizen 10./11.1.08; Arusha Times 12.1.08; East African 1.8.07)

Werbung

Zum 28. Mal besuchten Tansanier die International Tourism Exchange Fair in Italien. In diesem Jahr nahmen elf Tourismusfirmen aus Sansibar und vom Festland teil. Was die Zahl der Tansania besuchenden Tou-risten angeht, nimmt Italien nach Großbritannien und den USA den dritten Platz ein.

51 heimische private Firmen der Tourismus- und Reisebranche aus Arusha, Dar-es-Salaam, Moshi und Sansibar nahmen an der ITB Berlin, der internationalen Tourismusbörse, der weltweit größten Fachmesse dieses Sektors, teil, um Erfahrungen auszutauschen und Verträge zu schließen.

Um Touristen zu einem Besuch Tansanias zu ermuntern, veranstalteten zwei US-amerikanische Organisationen in New York eine dreitägige Kampagne. 13 Reiseveranstalter, Hoteliers und Vertreter öffentlicher Einrichtungen nahmen teil.

In Arusha wird unter der Schirmherrschaft der Africa Travel Association im Mai ein internationaler Tourismus-Kongress stattfinden. Er soll den Tourismus zwischen den ATA-Mitgliedern fördern. In einer Ausstellung sollen gleichzeitig kunsthandwerkliche Gegenstände und Reiseprodukte gezeigt werden.

Die kürzlich gegründete Mkuru Camel Safaris (MCS), eine Initiative für Kultur- und umweltbewussten Tourismus, von Oikos East Africa unterstützt, will Informationen über Natur- und Kultur-Ressourcen des Meru-Kilimanjaro-Lengai-Berggebietes weitergeben. Vor allem die dörfliche Bevölkerung soll vom Tourismus profitieren. Die MCS lehrt Jugendliche, Touristen zu führen, die Natur zu schützen, Techniken der Ersten Hilfe und Englisch. Viele junge Leute betätigen sich schon als Touristenführer. Man erwartet, dass nun nach Gründung der MCS mehr Touristen kommen, denn einige Reiseunternehmen wurden zum Reiten auf einem Kamel eingeladen, zum Zelten und anderen Abenteuern. Und viele sagten zu. Mkuru ist ein Maasai-Dorf, das nördlich des Meru, in der Nähe des Arusha-Nationalparks liegt.

Eine Tourismus-Website soll im In- und Ausland für den Tourismus werben. (Guardian 18./21.2./5.3./1.4.08; Arusha Times 29.3.08)

Ausbildung

Im Stadtzentrum von Dar-es-Salaam und im Stadtteil Temeke entsteht das National College of Tourism. Ein Zweig soll mit dem Arusha Hotel and Tourism Training Institute verschmelzen. Universitätsstatus wird nicht angestrebt. Für praktische Ausbildung wird ein Fünfsterne-Restaurant zur Verfügung stehen. (DN 11./12.1.08; Guardian 12.1.08)

Kritik an der Tourismuspolitik

Kommentar: Trotz massiver Opposition von Seiten der Umweltschützer hält die Regierung fest an dem Plan, im Serengeti-Nationalpark Hotels, Straßen und einen Flugplatz zu errichten.

Ein großer Teil des am Tourismus verdienten Geldes verlässt das Land, denn für die Touristen-Einrichtungen taugt heimisches Material nicht. Die Touristen wollen so versorgt werden, dass sie sich "zu Hause" fühlen.

Der größte Teil des von Tou-risten ausgegebenen Geldes geht an die Reiseunternehmen im Ausland, denn die meisten Touristen kommen in einer Reisegruppe.

Mehr als 50 % des Tourismus sind in Händen von großen Reiseunternehmen des Auslands. Die sog. heimischen kleinen und mittleren Unternehmen sind nur ihre Juniorpartner.

Häufig wurde kritisiert, die Regierung tue wenig, um den Tourismus zu fördern, meis-tens gehe es um Korruption während Trophäenjagden, bei denen sich eine Clique einflussreicher Politiker und Geschäftsleute im Zentrum befinde. Wir sind gespannt, ob die jüngste Gesetzesänderung etwas bewirkt. Schon oft gab es Regierungsprogramme. Aber sie verstaubten in der Schublade. (Citizen 11.1.08; Arusha Times 8.2.08; E. A. 7.8.07)