Thema: Rausch und Betäubung: Drogen: Psychoaktive Drogen - 05/2020

Aus Tansania Information
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Pflanzliche Drogen

Marihuana aus Cannabis-Pflanzen, auch Bhang genannt, ist das am weitesten verbreitete Rauschmittel. Im Kahama-Distrikt betrieben Gold-Mineure in Bulyanhulu eine größere Cannabis-Farm, die offenbar wesentlich profitabler war als das Goldschürfen. Daraufhin ordnete der Distriktskommissar an, alle privaten Schürfbetriebe auf illegalen Hanf-Anbau zu überprüfen.

Stimmen in- und außerhalb des Parlaments verlangten, den kontrollierten Hanf-Anbau für medizinische Anwendung zum Export zu legalisieren. Mehrere afrikanische Länder haben diesen Schritt bereits vollzogen, z.B. DR Kongo, Sambia, Simbabwe, Südafrika und Uganda. Cannabisprodukte dürfen in Lesotho, Simbabwe und Südafrika für medizinische Behandlungen, in Südafrika auch für den privaten Konsum verwendet werden. Afrika erzeugt jährlich etwa 38.000 t Cannabis. 13% der Afrikaner konsumieren regelmäßig Marihuana, dessen Jahreswert auf $ 37 Mrd. geschätzt wird. Tansania steht mit 3,6 Mill. Konsumenten an fünfter Stelle in Afrika. [Zum Vergleich: Europa hat 12%, die USA 15%, Asien 2% Marihuana-Konsumenten].

In der Njombe-Region werden geröstete Hanfsamen als Gewürz, im Seengürtel die Blätter als Gemüse verwendet. Das Gesundheitsministerium wies darauf hin, dass auch dies illegal sei und nach den Anti-Drogengesetzen verfolgt werde. Cannabis sativa enthalte 113 toxische Substanzen, wovon THC die schädlichste sei. Folgen des Cannabis-Konsums seien geistige und psychische Verwirrung, Arbeitsunlust, Beeinträchtigung männlicher und weiblicher Hormone und Arteriosklerose.

Nicht wenige Bauern produzieren trotz des Verbots lieber Cannabis als Nahrungsmittel, nachdem Tabak weniger rentiert. Ein Hektar Cannabis bringt dem tansanischen Erzeuger $ 400 ein, wogegen dieselbe Fläche mit Mais bebaut $ 40 bis 60 abwirft.

Cannabis wird vor allem in sechs Regionen angebaut: Arusha, Kagera, Mara, Morogoro, Ruvuma und Tanga. Wiederholt zerstörte die Polizei Hanf-Plantagen, die in den dichten Wäldern des Mount Meru angelegt worden waren. 2017 konfiszierte die Drogenbehörde bei Razzien im Arumeru-Distrikt 700 Säcke getrockneten Indischen Hanf und sechs Säcke Hanf-Samen.

Das Ostafrikanische Netzwerk zur Vorbeugung und Behandlung von Alkohol- und Drogenmissbrauch wandte sich gegen einen legalen Cannabis-Anbau für medizinischen Gebrauch. Er widerspreche den von Tansania unterzeichneten UN-Abkommen zur Drogenkontrolle. Die Droge würde mit Sicherheit missbraucht und unabsehbare Schäden durch psychische Störungen in der jungen Generation des Landes anrichten.

Khat (auch Qat, Miraa oder Mirungi) enthält stimulierende und euphorisierende Substanzen und ist in den Regionen Arusha und Kilimanjaro (besonders im Same-Distrikt) verbreitet, obwohl in TZ verboten. Das Innenministerium führte 2019 eine Bekämpfungskampagne durch, die besonders auf Polizeibeamte zielte, die im Khat-Handel tätig sind. Ein Khat-Bauer konnte mit einem Hektar Khat monatlich bis zu TZS 2 Mill. verdienen.

Die Behörde zur Drogenbekämpfung DCEA entdeckte, dass aus Äthiopien eingeführtes Khat in Postpaketen als Meerrettich und Tee nach England versandt wurde. 300 kg davon wurden beschlagnahmt. Khat ist in Äthiopien und Kenia legal und wird von der WHO als moderat suchtgefährdend eingestuft.

Citizen 03.,05.06.; 14.07.17; 25.02.18; 27.05.; 06.11.; 22.12.19; 02.01.20; DN 09.02.20; Guardian 14.01.16; 14.02.20; Mwananchi 03.04.19; Mtanzania 26.07.19; www.prohibitionpartners.com/africareport

Synthetische Drogen

Nachdem klassische Rauschgifte neuerdings schwerer zu beschaffen sind, stellten sich viele Drogenhändler auf synthetische Drogen bzw. Medikamente wie Crystal Meth, Ecstasy, Fentanyl oder Mandrax um, die sowohl eingeführt als auch lokal hergestellt werden. Die synthetischen Rausch- und Betäubungsmittel sind billiger und haben ein noch höheres Suchtpotential als Drogen auf pflanzlicher Basis. Konsumenten vermischen sie häufig mit Heroin.

Die DCEA warnte Eltern vor Süßigkeiten, die mit synthetischen Drogen vermischt und in der Nähe von Schulen billig an Kinder verkauft würden. Die dabei verwendeten Designerdrogen wirkten ähnlich wie Heroin und machten die jugendlichen Konsumenten besonders schnell süchtig.

Zunehmend wenden sich Drogenabhängige rezeptpflichtigen Medikamenten wie Valium, Morphin und Schmerzmitteln zu, die ihrerseits physisch oder psychisch süchtig machen.

Citizen 10.02.18; 12.,14.02.19; East African 14.01.16; Guardian 02.08.17; 27.03.18

Jugendliche Konsumenten

Die Drogen-Ringe sprechen neuerdings besonders Kinder reicher Eltern in Schulen an und rekrutieren sie als Wiederverkäufer unter ihren Mitschülern. In der Kilimanjaro-Region mischten sich Drogenhändler mit Schultaschen unter die Schüler. Bei Razzien wurden in dieser Region 2019 564 kg illegale Drogen konfisziert und drei Fahrzeuge beschlagnahmt.

Die Polizei stellte fest, dass viele Motorradtaxi-Fahrer anstelle der 2017 verbotenen Alkoholika aus Plastikbeuteln vermehrt Marihuana rauchen, was die Unfallgefahren vermehre. Beliebt unter Jugendlichen ist ein „kokteili“ aus Heroin, Marihuana und Tabak.

Die Anti-Drogenbehörde DCEA klärt Schüler/innen mit Broschüren und Vorträgen auf. Einschlägiges Wissen soll auch in den Lehrplänen verankert werden. An vielen Schulen wurden Anti-Drogen-Klubs gegründet, die Diskussionen und Aufsatz-Wettbewerbe veranstalten. Premier Majaliwa wies auf den Zusammenhang zwischen Drogenkonsum und HIV-Infektionen hin.

DN 02.08.18; 19.02.19; Guardian 27.03.18; 09.04.20