Thema: Nationalparks und Schutzgebiete in Tansania: Konflikte, Probleme, Maßnahmen - 12/2018

Aus Tansania Information
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Viehhalter, Siedler bedrängen Parks

Der Tourismus-Minister sagte, die professionelle Wilderei sei zwar zurückgedrängt, aber Nationalparks und Wildschutz-Gebiete würden zunehmend durch große Rinderherden geschädigt. Besonders in Trockenperioden trieben die Hirten ihre Tiere bei Nacht zum Grasen in die Parks. Die Herden konkurrierten mit den Wildtieren um Gras und Wasser und schleppten Seuchen ein. Hunderte von Rindern wurden beschlagnahmt, die Geldbuße pro Tier auf TZS 50.000 erhöht. Die Serengeti ist von den Eindringlingen besonders betroffen. Im Biharamulo-Wald beschlagnahmten Forstbeamte 2 Lastwagen, 7 Motor- und 50 Fahrräder, die illegal hergestellte Holzkohle transportierten. Sie zerstörten auch 127 ha illegal angelegte Felder.

Nachdem sich die Bevölkerung im Ngorongoro-Schutzgebiet (NCA) vervielfacht hat, warnen Fachleute vor schweren Schäden durch Störung des Wildes, Überweidung, Wilderei und Töten von Raubtieren. Die Regierung ordnete eine statistische Erfassung der Haushalte und Nutztierzahlen an [vgl. u. „Loliondo“]. Der Arusha-Regionalchef schlug vor, die Zahl der Nutztiere durch lokale Regelungen zu begrenzen. Die NCA-Verwaltung baute eine große Viehtränke, um zu vermeiden, dass die Tiere zum Tränken in den Krater getrieben werden. Auch ein großes Tauchbad gegen Zecken wurde neu eingerichtet.

Der Ostafrikanische Gerichtshof verbot der tansanischen Polizei mit einer einstweiligen Verfügung, Wamaasai und ihre Herden aus Siedlungen nahe der Serengeti im Ngorongoro-Distrikt zu vertreiben. Die Viehhalter sagen, sie seien eingetragene Eigentümer des Landes. Die Parkverwaltung moniert, dass sie regelmäßig große Viehherden im Serengeti NP weiden.

Das Naturministerium identifizierte ein Geldwäsche-Kartell, das mit Schwarzgeld Rinder kaufte, sie dann in Nationalparks weiden ließ und „legal“ weiterverkaufte.

Die TANAPA baute für Dörfer im Tarime-Distrikt, die an die Serengeti grenzen, einen 3,5 Mill.-Liter-Staudamm. Er soll die Viehzüchter davon abhalten, ihre Tiere in der Trockenzeit am Mara-Fluss zu tränken, wo sie die Wildtiere irritieren. Siedler, die im Serengeti NP und der Pufferzone illegal Häuser gebaut und Felder angelegt haben, müssen das Gebiet innerhalb von drei Monaten verlassen.

Das Naturministerium befahl 82 Familien, den Katavi NP kurzfristig zu verlassen. Sie hatten sich dort widerrechtlich angesiedelt, nachdem sie von bestochenen Landvermessern die Erlaubnis dazu beschafft hatten. Aus dem Uwanda-Reservat, Rukwa-Region wurden 4.360 Rinder vertrieben. Die Behörden fürchten jedoch, dass ihre Besitzer sie nach kurzer Zeit wieder zurückbringen.

Mit finanziellen Anreizen will das Naturministerium die Bewohner von zwei Dörfern, die sich im Tarangire NP angesiedelt haben, zum freiwilligen Umzug bewegen. Der Park besteht seit 1970 und ist 2.850 km² groß. Da der Tarangire-Fluss immer öfter austrocknet, ist die bedeutende Elefantenpopulation des Parks gefährdet.

Präsident Magufuli kündigte an, die Regierung werde 12 Wildschutz- bzw. Jagdgebiete überprüfen mit dem Ziel, Land für die seit der Staatsgründung 1961 verfünffachte Bevölkerung freizugeben.

Citizen 29.05.; 05.10.17; 03.05.18; DN 07.02.; 22.05.; 05.,29.10.17; 11.03.; 28.05.; 04.08.; 26.09.18; Guardian 10.12.16; 26.02.;15.04.; 12.06.17; 28.02.18

Kigoma: Schwere Anschuldigungen

Der Vorsitzende der oppositionellen ACT-Wazalendo Z. Kabwe sagte der Presse, im Distrikt Uvinza, Kigoma-Region seien bei Kämpfen zwischen Polizei und Viehhirten in einem Waldschutzgebiet Dutzende von Menschen getötet worden. Polizisten hätten sogar vier Verletzte in einem Krankenhaus getötet. Ferner seien etwa hundert Wanyantuzu ums Leben gekommen. Die Polizeiführung sprach von je zwei getöteten Beamten und Zivilisten. Kabwe wurde wegen Aufwiegelung und Friedensstörung angeklagt. Abgeordneten wurde nicht erlaubt, im Parlament Fragen zu den Vorfällen zu stellen. Eine CCM-Abgeordnete sagte, der Staatspräsident hatte den Angegriffenen gestattet, vorübergehend in den illegalen Siedlungen zu bleiben, bis ihnen die Regierung einen Platz zuweist.

Citizen31.10.; 02.11.18; East African 02.11.18; Mwananchi 07.11.18;

Konflikte mit Wildtieren

Abgeordnete aus Distrikten, wo Elefanten und Nilpferde häufig Ernten zerstören, forderten mehr Schutz für die Bauern. Der Tourismusminister versprach häufigere Patrouillen und Aufklärung über Abwehrmaßnahmen wie Bienenstöcke, Pfefferpflanzungen und Altöl-Streifen um die Felder. Mit Pfefferpaste bestrichene Zäune habe man in den Parks Manyara und Mikumi versucht; Elefanten seien dadurch aber nicht zu stoppen. Derzeit laufen Versuche mit LED-Lichtblitzen. Tansania besitzt etwa 110.000 Elefanten. Wildhüter wiesen darauf hin, dass die Tiere nur schwer von gewohnten Wildwechseln abzubringen sind.

Die Singita Grumeti Stiftung stattete Elefanten in der Mara-Region mit Funkhalsbändern aus. Diese melden via Satellit die Wanderungen der Tiere in- und außerhalb der Schutzgebiete. Die Anwohner beklagten sich häufig, dass Elefanten ihre Felder verwüsteten und sie Hunger litten. Bei Korogwe töteten Elefanten zwei Personen. Auch in den Distrikten Bunda, Chalinze, Iringa, Karatu, Nachingwea, Serengeti, Singida und Tunduru kamen Menschen durch Elefanten, Hyänen und Krokodile ums Leben. Krokodile haben sich in jüngster Zeit stark vermehrt. Die TAWA will daher Lizenzen für die Krokodiljagd ausstellen.

Jährlich werden etwa 250 Löwen getötet. Im Serengeti NP wurden neun, im Ruaha NP sieben Löwen vergiftet. 70 Hyänen und etwa 100 Geier verendeten zusätzlich, nachdem sie von den Kadavern gefressen hatten. Der Tourismus-Minister bedauerte die Racheakte und erklärte, Angriffe von Wildtieren seien unvermeidlich, wenn man zu nahe an den Parks siedele. Vor allem dürfe nicht auf alten Wildwechseln gebaut werden. In TZ gibt es noch 20.000 Löwen, davon leben 20% außerhalb von Schutzzonen. Ferner wurden 21.000 Leoparden und 1.200 Geparden gezählt.

Die Oxford University untersucht seit 2009 mit dem „Ruaha-Raubtier-Projekt“ in fünf von 22 an den Ruaha NP grenzenden Dörfern Konflikte zwischen Dorfbewohnern und Löwen, Hyänen und Geparden. 80% weniger Raubtiere wurden getötet, wo verstärkte Zäune eingerichtet, spezielle Hüte-Hunde eingesetzt und Maasai-Krieger als Löwen-Wächter angestellt wurden.

Citizen 02.06.16; 28.08.; 08.09.17; 05.06.; 21.08.; 13.10.18; DN 27.05.17; 22.04.; 10.11.18; Guardian 06.,07.06.17; 17.02.; 06.03.18; www.theconversation.com/africa 21.08.15

Schutzmaßnahmen

Der Umweltschutz-Verband der Journalisten (JET) und das Umwelt-Aktionsteam der Anwälte unterstrichen, dass Wild- und Naturschutz nur funktionierten, wenn die lokale Bevölkerung spürbare Vorteile davon habe. Sie müsse daher an Einkünften aus Tourismus und Auslandshilfen beteiligt werden. Lokale Arbeitskräfte müssten bevorzugt angestellt werden. Wenn die Menschen vom Wildbestand profitierten, könnten auch Wilderei und Tierhandel bekämpft werden.

Das Landministerium entwickelte für 392 Ortschaften, die an Schutzgebiete grenzen, einen Landnutzungsplan. Er soll in Zusammenarbeit mit TANAPA, NROs und Entwicklungspartnern helfen, Landkonflikte zu lösen, indem er die Flächen für Wildschutz, Viehweiden und Ackerbau getrennt ausweist. Premier Majaliwa ordnete an, dass zunächst die Nationalparks und später alle Schutzgebiete neu vermessen und mit Grenzpfählen markiert werden. Der Parlamentspräsident empfahl jedoch, zuerst die zahlreichen Landstreitigkeiten zwischen TANAPA und lokalen Gemeinschaften zu klären. Diskussionslos gesetzte Grenzpfähle würden die Konflikte nur verschärfen und Hass auf die Regierung schüren.

Der Vorsitzende der TANAPA sagte, gefährlicher als Wildern sei für die Parks, dass zunehmend Randzonen besiedelt und beweidet und viele Bäume für Bauten und Holzkohle gefällt würden. Je näher die Menschen den Wildtieren kämen, desto größer seien die Schäden durch Raubtiere und Pflanzenfresser.

Im Mikumi NP werden auf der TANZAM-Straße, die auf 50 km durch den Park führt, zahlreiche Wildtiere von Fahrzeugen überfahren. Täglich durchqueren mehr als 2.000 Autos den Park. Die Regierung will Überwachungskameras installieren und eine Durchfahrtsgebühr erheben.

Die TANAPA berichtete, dass das Wildern im Mikumi NP zurückging, nachdem viele Jugendliche Arbeit im Kultur-Tourismus fanden. Die Ortschaft Mikumi errichtete ein Haus für Kulturtourismus. Die TANAPA will ein ganzes Museumsdorf für kulturell interessierte Gäste bauen.

Der Manyara-See (220 km²) im gleichnamigen Nationalpark ist akut gefährdet, weil in der Regenzeit Tausende von Reisbauern an den Zuflüssen des Sees Wasser entnehmen. Aus ihren Feldern gelangen zudem Düngemittel und Sedimente in den See, der zeitweise zu 95% austrocknet. Die Karatu-Distrikt-Kommissarin will gerichtlich gegen die ausufernden landwirtschaftlichen Aktivitäten vorgehen. Der Manyara NP ist für seine mehr als 400 Vogelarten bekannt.

Die TANAPA baut in mehreren Parks Rückhaltebecken für Regenwasser. Sie sollen verhindern, dass Wildtiere auf Wassersuche die Parks verlassen.

Citizen 23.06.17; DN 06.01.17; 25.05.; 18.08.18; Guardian 27.02.; 29.05.; 04.08.17; 05.03.; 25.05.; 08.,17.08.; 03.11.18

Serengeti-Frauen rennen

Die Singita Grumeti Stiftung organisierte einen Lauf für Frauen durch die Serengeti über 30 und 90 km, um Mittel für die Frauen-Förderung in den umliegenden Dörfern einzuwerben. Für den Natur- und Tierschutz sollen bevorzugt Frauen ausgebildet werden. Guardian 14.08.18

Stiegler‘s Gorge Staudamm

Die UNESCO hat das Selous-Wildreservat, das sie 1982 als Welterbe anerkannt hatte, auf die Liste der bedrohten Welterbe-Stätten gesetzt. Großflächige Abholzung für den in der Rufiji-Schlucht geplanten Stausee, zurückgehaltene Sedimente und hohe Wasserverluste durch Verdunstung würden irreparable Schäden verursachen. Gefährdete Arten wie das Schwarze Rhinozeros verlören Terrain, während sich Krokodile und Flusspferde vermehren könnten. Auch das Rufiji-Delta mit seinen reichen Mangroven-Wäldern würde irreparabel beeinträchtigt.

Auch sei der von Tansania vorgeschlagene Fünf-Jahres-Plan zum Schutz des Selous-Nyassa-Korridors nicht überprüft und seine Finanzierung unklar. Nach mehreren Gutachten, die die Auswirkungen des geplanten Staudamms als negativ bis katastrophal beschrieben, hält ein neues Umwelt-Gutachten des Naturministeriums die Auswirkungen für beherrschbar.

Natur-Minister Kigwangalla erläuterte, für den Stausee müssten zwar drei Mill. Bäume gefällt werden. Sie würden aber nicht vernichtet, sondern für TZS 5 Mrd. verkauft werden. Ein Experten-Team aus acht Ministerien werde alle exotischen und endemischen Arten von Gräsern, Bäumen, Amphibien, Fischen, Landtieren und Vögeln erfassen und ausgewählte Exemplare in andere Schutzgebiete umsiedeln.

Das geplante hydro-elektrische Kraftwerk (Kapazität 2.100 Megawatt, Kosten $ vier Mrd.) würde die Stromerzeugung Tansanias mehr als verdoppeln, vorausgesetzt, dass die Wasserführung des Rufiji-Flusssystems nicht weiter zurückgeht. Bestehende Wasserkraftwerke müssen in Trockenzeiten ihre Produktion regelmäßig stark zurückfahren. Experten meinen daher, dezentrale Wind- und Sonnenkraftwerke würden Tansanias Energielücke wesentlich schneller, billiger und nachhaltiger schließen als ein Großkraftwerk.

In den an das Selous-Wildreservat angrenzenden Distrikten Mahenge und Malinyi (Morogoro-Region) wies die Geologische Forschungsstelle (GST) Kupfer, Silber, Zink, Kobalt und Gold nach. - Der Naturminister will Teile von Feuchtgebieten im Kilombero-Becken dem Selous-Reservat zuschlagen, um es vor Trockenlegung durch Landwirte zu schützen. Das fruchtbare Becken erfährt eine starke Zuwanderung durch Landwirte und Viehhalter. Der Kilombero ist ein wichtiger Zufluss zum Rufiji-Fluss (s.o.).

Das Wildern im Selous-Wildschutzgebiet wurde zurückgedrängt. Seit 2017 läuft ein Rehabilitierungsprogramm von KfW, Frankfurter Zoologischer Gesellschaft und WWF. Auch das Grab des 1917 gefallenen Sir Frederick Selous wurde wieder hergerichtet.

Citizen 11.,18.12.16; 25.06.17; DN 24.05.; 26.09.18; East African 07.07.18; Guardian 27.06.; 09.07.17; 10.01.18