Thema: Menschliche Entwicklung - 01/2019

Aus Tansania Information
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Der Index für Menschliche Entwicklung des UN-Entwicklungsprogramms (HDI) platziert Tansania 2017 auf Rang 154 von 198 Ländern. Mit einem Index von 0,538 könnte es bald die Kategorie „Geringe menschliche Entwicklung“ verlassen und die Schwelle zu Ländern mit „mittlerer Entwicklung“ (ab Index 0,55) überschreiten. Der „Multidimensionale Armutsindex“ des UNDP zeigt, dass der Anteil der Armen seit 2010 von 64% auf 46% zurückging (2015/16). Fortschritte gab es bei Kindersterblichkeit, AIDS-Kontrolle, Ernährung, Hygiene, Trinkwasser, Elektrizitätszugang, Impfprogrammen und Geburtensteuerung. Der Prozentsatz der „extrem Armen“ fiel von 31,3 auf 17,7% (2015).

Citizen 29.11.18; DN 29.11.18; Guardian 29.11.18

Bildung

Das Bildungsbudget stieg 2018/19 um 5% auf TZS 1,4 Bill. Der kostenfreie Schulbesuch bis zur Mittleren Reife trieb Schülerzahlen und Klassengrößen in die Höhe. Allein für Grundschulen gibt Tansania monatlich TZS 25 Mrd. aus. Dennoch beklagen viele Schulleiter, sie bekämen nicht genügend Mittel entsprechend der Schülerzahl zugewiesen. Nach Einführung der Kostenfreiheit an staatlichen Schulen stiegen die Schülerzahlen um 84,5% an. 127.000 Klassenräume fehlen.

Trotz der hohen Schülerzahlen bestanden 2018 78% die Abschlussprüfung der Grundschule (2016: 70%). Infolgedessen können 130.000 berechtigte Kinder wegen fehlender Schulräume zunächst nicht auf eine Sekundarschule gehen. Z.B. fehlen in der Arusha-Region 18.719, in der Rukwa-Region 5.000 Schulplätze.

Experten betonen, dass Bildung und Ausbildung den Erfordernissen einer Industriegesellschaft entsprechen müssen. Das Bildungswesen soll daher mit Hilfe neuer Lehrpläne „soft skills“ wie Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit oder Belastbarkeit fördern. Ebenso soll es die junge Generation mit solider Grundbildung und Innovationsfähigkeit ausstatten.

Dies erscheint fragwürdig angesichts der Zahlen, die ein Vertreter des Präsidentenamts vor der Jahreskonferenz der Schulleiter präsentierte: 14% der Lehrer erschienen selten zum Unterricht; 50% seien zwar anwesend, lieferten aber unterdurchschnittliche Leistungen; Gelder würden unterschlagen: so verschwanden TZS 1,1 Mrd. einer englischen NRO für ein Qualitätsförderungsprogramm an Schulen. Viele Schulleiter tolerierten solches Fehlverhalten.

2018/19 wurden Studiendarlehen in Höhe von TZS 428 Milliarden an 124.000 Studierende vergeben.

Citizen 04.10.17; 28.10.; 06.,10.,11.,16.,24.12.18; DN 25.03. 17; 15.,22.12.18; Guardian 14.,27.12.18; Mtanzania 16.11.18

Gesundheitswesen

Das Gesundheitsbudget 2018/19 schrumpfte um TZS 200 Mrd. auf 900 Mrd. Der Haushalts-Ansatz für Medikamente, Impfungen und medizinisches Material steigerte sich 18/19 auf mehr als TZS 300 Mrd. Allerdings waren im Finanzjahr 17/18 von zugesagten TZS 260 Mrd. nur 80 Mrd. ausgezahlt worden. Für TZS 100 Mrd. werden 67 Distrikts-Krankenhäuser gebaut. Mit TZS 30 Mrd. werden Regionalhospitäler renoviert. Das Gesundheitsministerium will Kinder- und Müttersterblichkeit weiter verringern. Experten sind sich einig darin, dass Geburtenplanung dabei ein entscheidender Faktor sein wird. Wie weit sie nach Magufulis ablehnenden Äußerungen beibehalten werden kann, ist noch unklar. Noch sterben jährlich 11.000 Frauen an Geburtskomplikationen. Weitere Schwerpunkte sind Zivilisationskrankheiten wie Diabetes und Übergewicht. Schließlich soll baldmöglichst eine flächendeckende Krankenversicherung eingeführt werden. Aktuell sind etwa 30% der Bürger krankenversichert.

Erfolge meldet das Ministerium bei Nierentransplantationen, Cochlea-Implantationen, Wirbelsäulen-, Gehirn- und Herzoperationen. Dies spart gegenüber der Behandlung solcher Fälle im Ausland bis zu 90% der Kosten ein. Die Herstellung von Pharmazeutika durch einheimische Firmen kam bisher kaum in Gang.

Leichte Fortschritte meldet das Gesundheitsministerium beim Kampf gegen die Weibliche Geschlechtsverstümmelung.

Citizen 13.11.; 30.12.18; DN 10.,13.12.18

Wasserversorgung

Die Fortschritte in der Wasserversorgung blieben auch im abgelaufenen Finanzjahr weit hinter den Erwartungen zurück, weil viele beauftragte Unternehmen schlampig und verzögert arbeiteten. Hinzu kam, dass von den im Entwicklungshaushalt veranschlagten TZS 623 Mrd. nur 350 Mrd. freigegeben wurden. Der Wasserminister forderte die stattlichen Versorger auf, wesentlich effizienter und kostendeckend zu arbeiten. Offiziell haben 75% der Städter und 60% der Landbewohner Zugang zu sauberem Wasser. In den letzten Jahren wurden 1.801 Wasserprojekte realisiert, 500 sind noch in Arbeit. Eine Sonderkommission untersucht Veruntreuungen und Pfuscharbeit bei Wasserprojekten.

Citizen 13.11.18; DN 27.12.18; Guardian 25.12.18

Landkonflikte

Konflikte um Landnutzung und -besitz sind immer noch häufig, vor allem zwischen Viehhaltern und Ackerbauern. Die Fünfte Regierung macht große Anstrengungen, das Konfliktpotential zu reduzieren, indem umstrittene Flächen beschleunigt vermessen und amtliche Besitztitel ausgestellt werden. Die Gebühr dafür wurde von 2,5 auf 1% des Wertes gesenkt. Vermessungen fanden bisher in 1.840 Siedlungen statt. Umstritten bleibt, unter welchen Bedingungen Landbesitz als Sicherheit für Bankkredite verwendet werden darf.

Citizen 11.,20.01.; 13.11.18