Thema: Landwirtschaft: Probleme - 09/2020

Aus Tansania Information
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Hemmende Faktoren

Tansania könnte sich weitgehend selbst mit Grundnahrungsmitteln versorgen, bleibt aber noch weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. So werden noch immer importiert:

  • 70% des Saatguts
  • 65% aller Speiseöle (570.000 t/Jahr für € 270 Mill.)
  • 90% des Weizens (ca 1 Mill. t für $ 225 Mill)
  • 50% des Zuckers (Import 350.000 t)
  • Fisch aus China - Gesamtverbrauch 730.000 t/Jhr
  • Milch für TZS 30 Mrd. / € 12 Mill.
  • Geflügel, Eier und Leder

Faktoren, die die landwirtschaftliche Entwicklung behindern:

  • Unvorhersehbare Politik-Änderungen (Ankauf- und Export-Vorschriften) schrecken Investoren ab. Der Landwirtschaftsrat beklagte Verluste, weil abrupte Exportverbote z.B. für Mais den Markt belasteten.
  • Die 2019 hastig eingeführte Warenbörse für Cashews wurde zunächst wieder suspendiert.
  • Unübersichtliche Regulierungsbehörden: ein Unternehmen in der Milchwirtschaft muss sich bei 26 Institutionen registrieren lassen
  • Vielfältige Steuern und Abgaben (laut Landwirtschaftsministerium wurden immerhin schon 105 verschiedene Abgaben gestrichen)
  • Schwierige Kreditbeschaffung; daher wird das Ziel des Zweiten Landwirtschaftlichen Entwicklungsplans verfehlt, 60% der Investitionen (TZS 3 Bill. / € 1,2 Mrd.) privat zu finanzieren.
  • Unzuverlässige Lieferung von Saatgut, Chemikalien und Düngemitteln; teils überhöhte Preise
  • Gefälschte Saaten, Pestizide und Düngemittel
  • Zwischenhändler betrügen die Bauern, indem sie die Produkte nicht nach Gewicht, sondern in überdimensionierten Säcken ankaufen.
  • Korruption und Inkompetenz bei Landwirtschafts- und Vermarktungskooperativen, Spar- und Kredit-vereinen und Produktionsgruppen von Frauen und Jugendlichen.
  • Unwissenheit: Besonders Kleinbauern schaden der Umwelt und sich selbst indem sie Pestizide, Fungizide und Herbizide unsachgemäß anwenden. Das Forschungsinstitut TPRI will untersuchen, ob das Herbizid Glyphosat („Roundup“) krebserregend ist. Tansanische Bauern setzten das Mittel in großem Umfang ein. Dennoch werden laut TPRI heute weniger Menschen durch Agrargifte geschädigt. Problematisch ist, dass Agrarchemikalien auf Kiswahili häufig mit dem euphemistischen Begriff „dawa“ (Heil- oder Hilfsmittel) bezeichnet werden.
  • Probleme ergeben sich auch aus dem verbreiteten Missbrauch von Antibiotika in der Tierzucht (Resistenzen gegen Krankheitserreger).
  • Obwohl Frauen die meiste Arbeit in der Landwirtschaft leisten, verfügen sie oft nicht oder nur eingeschränkt über Land und Verkaufserlöse. Dies vermindert ihre Produktivität.
  • Personalmangel: von 20.000 benötigten Landwirtschaftsberatern sind derzeit nur 8.000 aktiv.
  • Verspätete Bezahlung; z.B. mussten Cashew-Produzenten bis zu zwei Jahre auf ihr Geld für die vom Staat über Armee und Landwirtschaftsbank aufgekaufte Ernte 2018/19 warten. Diese Stützungsmaßnahme führte zu leicht verbesserten Preisen (TZS 3.300/Kilo), traf aber alle Cashew-Kooperativen schwer, weil damit ihre Kommissionseinnahmen entfielen. Sie konnten daher teilweise kein Verpackungsmaterial mehr vorhalten. Infolgedessen brach die Produktion 2019/20 ein, die Preise verfielen erneut.

Ein Kontrollsystem auf der Basis von Kontrollnummern auf jeder Packung erlaubt es neuerdings, per SMS zu kontrollieren, ob Saatgut, Pflanzenschutzmittel und Düngemittel authentisch sind. Schwieriger wird es sein, Auswirkungen des Klimawandels wie irreguläre Niederschläge zu kompensieren.

Auch die schnell wachsende Bevölkerung hat Folgen: die Kaffee-Produktion in den Regionen Arusha und Kilimanjaro fiel 2018/19 um gut 700 t, weil größere Flächen für Siedlungen und Nahrungsmittelanbau umgewidmet wurden, wie das Landwirtschaftsministerium im Parlament erklärte.

Citizen30.07.18; 26.02.; 19.04.; 25.05.; 27.,30.12.19; DN 21.08.; 11.,13.09.; 18.10.19; 19.03.; 27.05.; 09.08.20; Guardian 07.02.; 20.12.19; Tropical Pests Research Institute: www.tpri.go.tz

Pflanzenkrankheiten, Schädlinge

Eine Studie des Wissenschaftsjournals Plos One warnt vor einem aus China eingeschleppten Insekt, das über ein Bakterium Zitruspflanzen infiziert und zerstört. Bisher seien die Schäden in Ostafrika gering, aber in Asien habe die Krankheit große Plantagen verwüstet. Tansanias wichtigste Anbaugebiete für Orangen und Zitronen sind die Regionen Küste, Morogoro und Tanga.

Angesichts der zunehmenden Belastung von Nahrungsmitteln mit Aflatoxin (Toxin eines Schimmelpilzes) führt die Initiative TANIPAC eine fünfjährige Kampagne zur Aufklärung von Bauern, Transporteuren und Händlern in 11 Regionen durch. Die Regierung reservierte $ 35 Mill. für den Bau verbesserter Speicher und Silos. 2016 waren 16 Personen in Dodoma und Manyara an Aflatoxinen gestorben und 75 Weitere erkrankt. Ein seit 2013 geplantes Gesetz der Ostafrikanischen Gemeinschaft EAC harrt noch der Ratifizierung durch Tansania. Es würde u.a. strenge Kontrollen bei Mais-Ausfuhren erzwingen.

Citizen 16.08.20; DN 09.08.20; East African 21.03.20; Guardian 14.08.20; www.plos.org; Tanzania Initiatives for Preventing Aflatoxin Contamination (TANIPAC)

Lagerung, Ernteverluste

Der Landwirtschaftsrat (ATC) beziffert die Verluste durch unzureichende Infrastruktur (Lagerung und Transporte) auf 30 bis 40% der gesamten Produktion. Die Morogoro-Region produziert jährlich knapp 900.000 t Reis und Getreide, hat aber moderne Lagerräume nur für 200.000 t. Die Regierung will bis 2029 TZS 112 Bill. / € 45 Mill. für eine „Strategie gegen Ernteverluste“ aufwenden. Erfolgversprechend für Kleinbauern sind Vakuum-Verpackungen, die Getreide, Reis und Mais sicher vor Insekten, Nagetieren und Feuchtigkeit schützen. Ein solcher Sack kostet TZS 5.000 und spart TZS 15.000 an Verlusten ein. Das LWM untersagte die Verwendung von Insektizidpulver zur Konservierung von Mais, dies gefährde die Verbraucher.

Im Auftrag der Nationalen Nahrungsmittelreserve baut eine polnische Firma für $ 33 Mill. 36 Körnersilos (à 4.000 t) in Südtansania.

Citizen 16.11.19; 09.07.20; DN 31.10.18; 14.,18.10.19

Vermarktung

Die elektronische „Tanzania Mercantile Exchange“ (TMX) soll zukünftig als Warenbörse für landwirtschaftliche Rohstoffe und Produkte fungieren und Erzeugern, Händlern und Exporteuren eine Plattform bieten. Zunächst werden damit Sesam und Cashew gehandelt. Später sollen Baumwolle, Mais, Maniok, Kaffee, Linsen und Erbsen hinzukommen. TMX soll Kredithaie, Spekulanten und Zwischenhändler ausschalten.

In den Grenzregionen zu Burundi, Kenia, Malawi, Ruanda, Sambia und Uganda wurden insgesamt acht Handelszentren eingerichtet, die den grenzüberschreitenden Handel mit landwirtschaftlichen und Bergbau-Produkten koordinieren und kontrollieren.

Guardian 07.05.20; www.tmx.co.tz