Thema: Klimawandel: Anpassung und Ausgleich - 03/2020

Aus Tansania Information
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Landwirtschaft, Viehzucht

Um die Folgen von Dürre und Starkregen zu mildern, werden hohe Investitionen in Terrassierung von Hängen und Rückhaltebecken erforderlich. Dürreresistente Pflanzen müssen entwickelt und verteilt werden. In natürlichen Überschwemmungsgebieten sollten keine Siedlungen erlaubt werden. Dafür existiert aber noch kein umfassender Plan, da die Aktivitäten einzelner Ministerien zu Klimafolgen noch nicht koordiniert sind. Umweltminister Simbachawene ermahnte die Bevölkerung, Abholzung und Überweidung zu vermeiden, da diese den Klimawandel beschleunigten. - In allen größeren Flüssen wurden automatische Wasserstandsmelder installiert.

Die Stiftung für Afrikanische Landwirtschaftstechnologie AATF züchtete die Maissorte WEMA, die dürretolerant und insektenresistenter als traditionelle Sorten ist. Es ist jedoch für Kleinlandwirte nicht einfach, solche Hybrid-Züchtungen rechtzeitig und zu erschwinglichen Preisen zu erwerben.

Die Landwirtschaftsorganisation FAO finanziert neue Anbautechniken für Reis, die von der Sokoine Landwirtschaftsuniversität entwickelt wurden. Dabei wird der Wasserverbrauch minimiert und der Ertrag verdreifacht. Das Projekt in der Morogoro-Region läuft fünf Jahre lang.

Acht Dörfer im Muheza-Distrikt (Usambaraberge) erproben klimagerechte Anbaumethoden. Die insgesamt 810 Familien lernten Felder zu terrassieren, Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, und Gewürze wie Vanille, Muskat Zimt und Pfeffer anzubauen. Das seit 2013 laufende Projekt finanziert die EU über die „Global Climate Change Alliance“, zusammen mit sieben ähnlichen Eco-Village-Programmen in Tansania.

Die Hilfsorganisation Oikos East Africa schulte Viehhalter in den Distrikten Arumeru und Longido, deren Herden unter Dürre litten; sie bauten Wasser-Rückhaltebecken mit Erddämmen und lernten dürretolerante Nutzpflanzen kennen. Günstig gelegene Felder können mit Wasser vom Mount Meru bewässert werden. Das auf vier Jahre ausgelegte Projekt „EcoBoma“ wird von der EU finanziell unterstützt. Im Arumeru-Distrikt verteilte das Katastrophen-Büro kostenlose Mobiltelefone, über die die Landbevölkerung aktuelle Wetterinformationen und -Warnungen erhält.

Citizen 03.07.17; 01.11.19; DN 21.,29.11.19; Guardian 27.07.; 04.10.; 19.11.17; 06.08.19; www.aatf-africa.org

Schutzmaßnahmen

Die Regierung legte, zunächst in Dar es Salaam und der Lindi-Region in Überflutungsgebieten Sperrzonen fest, deren Bewohner umziehen müssen. In der Lindi-Region waren 26.481 Personen davon betroffen. Premier Majaliwa ordnete an, die evakuierten Zonen zu bewachen, damit die Umgesiedelten nicht erneut dort bauen. In Dar es Salaam wohnen trotz mehrerer Aufklärungs- und Umsiedlungskampagnen Tausende in Überschwemmungszonen. Zudem verstopfen feste und flüssige Abfälle Bäche und Kanäle und verstärken damit die regelmäßigen Überschwemmungen.

Die sansibarische Umweltbehörde ZEMA pflanzt verstärkt Mangroven an Stränden an, die zu erodieren drohen. Die Küsten sind zusätzlich durch ungeregelten Abbau von Bausand bedroht.

Die EU finanziert ein Forschungsprojekt zur Defluoridierung von Trinkwasser in der Arusha-Region. Mit steigenden Temperaturen erhöht sich der Fluorgehalt in den natürlichen Quellen, die damit bis zum Zwanzigfachen der empfohlenen Konzentration enthalten. Wenn dieses Wasser unbehandelt verwendet wird, verursacht es gesundheitliche Schäden bei Menschen und Tieren.

Finanziert vom UN-Umweltfonds UNEP, errichtete Tansania am Indischen Ozean bisher sieben Betonwälle von bis zu 920 m Länge (insgesamt 2,4 km) als Schutz gegen Bodenversalzung und Erosion. Auf der Insel Panza, Pemba-Distrikt wurden dadurch und durch ausgedehnte Mangroven-Pflanzungen Friedhöfe und Felder vor Überflutung bewahrt. Wie lange solche Maßnahmen dem steigenden Meeresspiegel standhalten, ist ungewiss. Die Ocean Road in Dar es Salaam erhielt einen Schutzwall, um die Erosion durch Wellen aufzuhalten.

„Carbon Tanzania“ finanziert Waldschutz-Projekte im Yaeda-Tal (Mbulu-Distrikt; Hadzabe-Bevölkerung), in der Makame-Steppe (Kiteto-Distrikt; Maasai-Bevölkerung) und in den Ntakata-Bergen (Mpanda; Tongwe-Bevölkerung). Die Hadzabe-Gemeinschaft im Yaeda-Tal erhielt den Äquator-Preis 2019 des UN-Entwicklungsprogramms ($ 10.000). Diese auf traditionellen Gemeinschaften basierenden Schutzprojekte sind durch Zuwanderer bedroht, die großflächig Landwirtschaft betreiben wollen.

Citizen 28.05.17; 05.06.18; 10.08.19; DN 24.10.18; DN 20.07.17; Guardian 07.02.20; TRF 07.02.18;www.carbontanzania.com

Planungen

Die Südafrikanische Entwicklungsgemeinschaft SADC berät über gemeinsame Katastrophenschutz- und Frühwarn-Einrichtungen, um besser auf Wirbelstürme u.ä. vorbereitet zu sein. Besonders wichtig sei es, große Flächen wieder aufzuforsten, um Regenwasser zurückzuhalten.

Mit britischer Finanzhilfe richtet der Wetterdienst ein Frühwarnsystem für Klima- und Wetterereignisse im Victoriasee-Becken ein. Steigende Wassertemperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit und starke Winde beeinträchtigen den Fischfang, von dem Millionen Menschen abhängen.

Tansania plant mit Geldern aus Klima-Fonds Baumpflanzungen und Aufforstungen in allen Distrikten. Am stark entwaldeten Kilimanjaro sollen 1 Mill. Bäume gepflanzt und gepflegt werden. Die Holzkohle-Steuer (5%) soll diese Aktionen mitfinanzieren.

Die Bahnverwaltung TRC plant, Teile der Zentralbahn zwischen Kilosa, Morogoro-Region und Makutupora, Singida-Region auf höher gelegenes Gebiet zu verlegen, um die wiederkehrenden Ausfälle durch Überschwemmungen zu vermeiden.

DN 23.01.20; Guardian 20.07.19; 05.,06.02.20;