Thema: Kirchen und Religionsgemeinschaften in Tansania: Einzelne Religionsgemeinschaften – 01/2020

Aus Tansania Information
Wechseln zu: Navigation, Suche

Lutherische Kirche

Die erste „Internationale Afrikanische Lutherische Konferenz“ versammelte in Moshi etwa 100 Afrikanischstämmige aus USA, Karibik, Afrika und der weiteren afrikanischen Diaspora unter dem Thema „Ubuntu – ich bin, weil wir sind“. Der Generalsekretär der Gesamtafrikanischen Kirchenkonferenz AACC Dr. Mwombeki betonte, man müsse zwischen dem Evangelium und schlechter Theologie unterscheiden und Letztere bekämpfen. Beispiele dafür seien die pseudo-christliche Rechtfertigung von Apartheid und Sklavenhandel. Unchristlich sei alles, was unfrei mache und der Menschenwürde entgegenstehe. Dr. H. Mbowe (Tumaini-Universität) bedauerte, dass heute Kirchenmitglieder an Korruption, Veruntreuung und Stammesegoismus teilhätten. Dies sei ebenso verwerflich wie früher der Sklavenhandel. Die gegenseitige Fürsorge, die früher Clans und Ethnien geleistet hätten, müssten heute die kirchlichen Gemeinschaften gewähren.

Der Leitende ELCT-Bischof Dr. F. Shoo warnte die Lutheraner vor den vielen neu entstehenden Kirchen. Nicht alles Neue sei auch gut. Manche dieser Kirchen bedienten sich satanischer Einflüsterungen wie die Schlange im Garten Eden. Dr. Frederic Shoo wurde für weitere vier Jahre zum Leitenden Bischof der ELCT mit ihren 26 Diözesen und mehr als sechs Mill. Mitgliedern gewählt.

Die Familie des Wachagga-Häuptlings T. Marealle finanzierte den Druck der ELCT-Geschichte auf Kiswahili. Sie lag bisher nur in englischer Übersetzung aus dem Deutschen vor.

Der Kirchenvorstand von Babati, Manyara-Region beschloss, alle Einlagen zurückzuhalten, bis die Dekanin versetzt würde, deren Amtsführung er für untragbar hält.

Citizen 25.03.19; DN 20.05.; 25.08.19; ELCT Press Release 27.08.; 10.09.18

Katholische Kirche

Präsident Magufuli versicherte bei der 150-Jahr-Feier der Katholischen Kirche in Tansania Ende 2018, seine Regierung werde weiter mit den Kirchen zusammenarbeiten und ihren Rat suchen. Er erkannte den Beitrag der katholischen Kirche zur Entwicklung des Landes an. Sie unterhalte 228 Grund-, 162 Sekundar- und 262 Handwerkerschulen sowie vier Universitäten.

Die Katholische Universität für Gesundheit im Bugando-Hospital, Mwanza beging Ende 2018 ihr 15-jähriges Bestehen. Sie ging aus der St. Augustin-Universität hervor. 42% der 645 Studierenden sind weiblich.

Die katholische Kirche Kenias führt eine groß angelegte Kampagne gegen die ausufernde Korruption in Gesellschaft und Kirche durch. Jede Gemeinde eröffnet ein Antikorruptionsbüro, wo man Korruptionsfälle melden kann. Gaben von Politikern werden nur noch unbar entgegengenommen und müssen ab $ 500 veröffentlicht werden. Politiker dürfen nicht mehr in Gottesdiensten sprechen.

Personalien:

Polycarp Kardinal Pengo (75) wurde auf Antrag in den Ruhestand versetzt. Er war seit 1992 Erzbischof von Dar es Salaam. Er wurde 1998 zum Kardinal ernannt und nahm an den Papstwahlen von 2005 und 2013 teil. Dr. Pengo profilierte sich zunächst als furchtloser Kritiker der jeweiligen Regierung, wenn er Kirche oder Verfassung bedroht sah. Seit 2014 jedoch distanzierte er sich wiederholt von regierungskritischen Pastoralbriefen der Bischofskonferenz TEC.

Sein Nachfolger wird Thomas Ru‘ichi (65), seit 2011 Erzbischof von Mwanza und später erzbischöflicher Koadjutor.

Die Diözese Mbeya wurde zur Erzdiözese erhoben. Sie umfasst die die Diözesen Iringa, Sumbawanga und Mbeya. Erster Erzbischof wurde Gervas Nyaisonga. In Tansania gibt es sieben katholische Erzdiözesen: Arusha, Dar es Salaam, Dodoma, Mbeya, Mwanza, Songea und Tabora.

Dr. Ludowick Minde (67), bisher Kahama-Diözese, wurde zum Bischof von Moshi ernannt. - Filbert Mhasi wurde neuer Bischof der Diözese Tunduru-Masasi.

Citizen 18.11.18; 16.,18.08.19; DN 29.04.19; East African 07.10.19; Guardian 05.11.18; Habari Leo 10.12.18; Mtanzania 18.12.18; Mwananchi 02.12.19

Muslimische Gemeinschaften

Der Muslimrat BAKWATA beging sein 50-jähriges Bestehen. Der aktuelle Mufti für Tansania Scheich Abubakar Zubeiry stellte seine Amtszeit unter das Motto: „Erkenne dich selbst, sei offen für Neues, lasse alte Gewohnheiten los“. Zubeiry leitete die Aufarbeitung undurchsichtiger Landverkäufe ein. Er sorgte für eine transparente Ernennung der leitenden Scheiche, der Koranlehrer und der Trauungsbeauftragten für alle Regionen und Distrikte. Auch zahlreiche Streitigkeiten innerhalb einzelner Moscheen konnte er schlichten. Auf einem Seminar zum BAKWATA-Jubiläum forderte er die 350 Scheiche und Imame auf, sich aktiv für das Wirtschaftswachstum Tansanias einzusetzen. Für die Koranschulen wird ein einheitlicher Lehrplan erarbeitet. Die Lehrkräfte sollen auch säkulare Kenntnisse erwerben und weitergeben, z.B. Informations- und Kommunikationstechnik und Landwirtschaft.

Der BAKWATA weist 513 offiziell anerkannte Moscheen aus, 348 Imame, 475 Koranschulen mit 692 Koranlehrern sowie 1904 zu Eheschließungen Berechtigte. Nach dem Muster der ELCT will der BAKWATA Einnahmen durch Wirtschaftsunternehmen erschließen. So sollen u. a. soziale Dienste in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Berufsausbildung finanziert werden.

Der Mufti für Tansania A. Zubeiry forderte alle Muslime auf, ein friedliches Zusammenleben zu suchen. Terrorismus und Islam seien unvereinbar. Die Muslime seien die Bewahrer des Friedens im Land, wie sich schon am alltäglichen Friedensgruß (salaam) zeige. Der Mufti bedauerte, dass sich nicht alle Muslime vom offiziellen Muslimrat BAKWATA vertreten wüssten. Der Rat mache große Anstrengungen, alle Muslime zu unterrichten und an ihre Pflichten zu erinnern. Zubeiry erinnerte auch diskret daran, dass 22 Scheiche der Islamischen Erweckung seit vielen Jahren ohne Gerichtsverhandlung in Untersuchungshaft sitzen.

Ein BAKWATA-Sprecher forderte die Regierung auf, sicherzustellen, dass ihre Bediensteten gerecht und unparteiisch handeln und auf Bestechlichkeit, Unterschlagung und unnötige Bürokratie verzichten. Dies werde Vertrauen aufbauen und ein friedliches Zusammenleben sichern.

Präsident Magufuli spendete bei einem Koran-Lesewettbewerb TZS 10 Mill. für die Koranverbreitung. Der Mufti, so fügte er scherzhaft hinzu, möge das Geld aber nicht zur Heirat einer weiteren Frau verwenden. Der Wettbewerbssieger aus dem Senegal erhielt TZS 20 Mill. und ein Ticket zur Wallfahrt nach Mekka. Dr. Magufuli sagte, die Regierung sei im Gespräch mit der saudischen Regierung über den Bau einer Universität für Muslime in Tansania.

Der „Rat Islamischer Organisationen in Tansania“ konkurriert mit dem BAKWATA. Er ist deutlich regierungskritischer und forderte, ähnlich wie die christlichen Kirchen, eine neue Verfassung, die einer Mehrparteien-Demokratie entspricht. Ohne eine Verfassungsrevision könne es 2020 keine freien und fairen Wahlen geben.

Mufti Zubeiry wies alle regionalen Scheiche an, sogenannte „heiße Tänze“, die bei Hochzeiten stattfinden, landesweit zu verbieten. Diese Musik sei unislamisch, verderbe die Jugend und rücke alle Muslime in ein schlechtes Licht. - Ein 76-jähriger Koranlehrer wurde wegen Missbrauchs einer Neunjährigen zu lebenslangem Gefängnis verurteilt.

Citizen20.11.18; 20.,25.05.19; DN 13.05.19; 23.04.; 10.09.19; Guardian 20.04.19; Habari Leo 17.12.18; Mtanzania 11.01.; 11.12.19; Mwanahalisi 20.05.19; Mwananchi 17.12.18; 12.08.19

Zusammenarbeit, Ökumene, Ostafrika

Der CCT (Christian Council of Tanzania) besteht seit 53 Jahren und vereint die nicht-katholischen Kirchen des Landes. Er will sich bis 2022 durch wirtschaftliche Projekte zu 80% selbst finanzieren und von ausländischen Sponsoren unabhängig werden. Das erste Projekt in diesem Rahmen ist eine Versicherungsgesellschaft. Sie bietet umfassende Leistungen an wie KFZ-, Feuer- Hausrats-, Erdbeben- und Überschwemmungsversicherung.

Christliche und muslimische Religionsführer trafen sich in Moshi zu einem interreligiösen Symposium. Sie betonten, es sei besser als Geschwister gemeinsam zu leben als als Narren gemeinsam unterzugehen. Gesellschaftlicher Friede sei Grundvoraussetzung für wirtschaftlichen Fortschritt. Wenn allerdings Bürger ihrer Rechte beraubt würden, sei der soziale Zusammenhalt gefährdet.

Auf Sansibar tauschten jüdische, muslimische und christliche Delegierte aus Afrika, Asien und Europa Gedanken aus zu Migration, Flucht, Menschenhandel und Menschenrechte. Veranstalter waren die Vereinigte Evangelische Mission und die Interreligiöse Aktion für Frieden und Inklusive Gemeinschaften. Eine ähnliche Veranstaltung gab es bereits 2017 in Deutschland.

Die katholischen Bischöfe Kenias kritisierten mit scharfen Worten den ethischen Verfall des Landes: „Korruption, Gier und tiefe Fäulnis fressen das Herz des Landes“. Dies verursache ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit. Ein anglikanischer Erzbischof warnte vor der „wachsenden symbiotischen Beziehung zwischen Kirche und korrupten Politikern“. Auch muslimische Geistliche warnten vor der kleptokratischen Elite.

East African 20.0519; Guardian 28.11.18; DN 16.09.19; Mtanzania 06.07.19; www.cct-tz.org 01.01.19

Weitere Gemeinschaften,Extreme Positionen

Der Rat für Umweltschutz NEMC erließ eine Regelung zum Schutz gegen unnötige Lärmbelästigung aus Bars und Kirchen. Sie bedroht Übertretungen mit zwei Jahren Gefängnis und/oder Bußgeld von TZS 12 Mill. Geplagte Anwohner verlangen weitere Maßnahmen gegen die vielen neuen Kirchen: Gottesdienste sollten nur tagsüber stattfinden, Pfarrer, „Propheten“ und „Apostel“ sollten eine minimale Ausbildung nachweisen. Kirchenführer, die mit Dämonenaustreibungen und Reichtumsversprechen viel Geld verdienen, sollten Steuern entrichten.

Eine Pfarrerin der „Calvary Church“ im Serengeti-Distrikt wurde festgenommen, nachdem ein 22-Jähriger bei einer Dämonenaustreibung schwere Verbrennungen erlitten hatte. Das Feuer sollte zusammen mit seinen Habseligkeiten die Dämonen verbrennen, sprang aber auf den Klienten über. Dies sei passiert, weil er insgeheim Kirchenälteste ermorden wollte, erklärten Kirchenvertreter.

Die leitende Pfarrerin der „Kirche vom Feuerberg“ Rwakatare erklärte, bei den Gebetskampagnen ihrer Kirche mit dem Markenzeichen „Wirbelsturm“ (upepo wa kisulisuli) erfülle Gott den jeweils dringendsten Wunsch der Hilfesuchenden. Dies könne Auto, Ehemann, Ehefrau, Nachkommen, Prüfungserfolg oder beruflicher Aufstieg sein. Vorbild dafür sei der Wirbelsturm, der den Israeliten in der Wüste Wachteln geliefert habe (4. Mose 11,4).

Die „Wachtturm-Kirche“ im Kalambo-Distrikt, Rukwa-Region verbot ihren mehr als 2.000 Mitgliedern, an den Kommunalwahlen teilzunehmen. Dies widerspreche Gottes Gebot. Wachtturm-Mitglieder dürfen auch ihre Telefone nicht selbst registrieren, sondern nur über Mittelspersonen. Die Kirche hat einen „Heiligen Papst“ und feiert Weihnachten am 1. Oktober und Neujahr am 14. April. Sie ist nicht offiziell registriert.

Geschädigte eines Schneeball-Systems der „Jesus Christus Erlösungskirche“ müssen laut Innenminister mit Anklage rechnen, wenn sie Entschädigung aus dem beschlagnahmten Vermögen der Kirche verlangen. Die Betreiber des betrügerischen Plans hatten eine „Ernte“ von 200% innerhalb von vier bis acht Wochen versprochen. Etwa 700.000 Personen hatten teils hohe Summen „gesät“ und verloren.

Das Magazin Forbes listete für 2019 die elf reichsten christlichen Kircheninhaber in Afrika auf. Die Geistlichen in Nigeria, Simbabwe und Südafrika verfügen über ein persönliches Vermögen zwischen $ 10 und 150 Mill. und reisen in Luxuswagen und eigenen Flugzeugen.

Der ELCT-Bischof Dr. F. Shoo ersuchte die Regierung, nach dem Muster von Ruanda Kirchen streng zu beobachten, die ihre Gläubigen finanziell ausbeuten. Eine wahre Kirche diene den Menschen spirituell und materiell, ohne sich an den Nöten der Menschen zu bereichern. Viele selbsternannten Pastoren und Propheten hätten keinerlei Ausbildung. Ein Kirchenmitglied meinte, die vielen neuen „Propheten“ seien gefährlicher als die Politiker. Man müsse mit katastrophalen Ereignissen rechnen wie 2000 in Uganda, wo mehr als 1.000 Gläubige in Erwartung des Weltuntergangs in der Kirche eines geistesgestörten „Bischofs“ verbrannten. Die ruandische Regierung hatte kürzlich 700 Kirchen geschlossen, die bauliche Mängel aufwiesen oder extremen Lärm verursachten. Geistliche müssen dort eine theologische Grundausbildung nachweisen.

Citizen 29.,30.04.; 10.05.19; DN 2.08.; 17.10.19; Mtanzania 19.10.19; Mwananchi 07.03.; 10.05.19