Thema: Flucht und Migration: Migration - 06/2020

Aus Tansania Information
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Einwanderer

Auf dem afrikanischen Kontinent gibt es ausgeprägte Migrationsbewegungen. Die Internationale Arbeitsorganisation ILO schätzt, dass 2025 jeder zehnte Afrikaner außerhalb seines Herkunftslandes leben und arbeiten wird. Die UN-Konferenz für Handel und Entwicklung UNCTAD gibt an, 2017 hätten 17 Mill. Personen Afrika verlassen, 19 Mill. seien in ein anderes afrikanisches Land gewandert, 5,5 Mill. seien aus anderen Kontinenten zugewandert. Frauen bilden 47% der Migranten. Hauptmotiv für die Wanderung ist die Hoffnung auf bessere wirtschaftliche Verhältnisse im Zielland.

Das African Capacity Building Centre der Internationalen Migrationsorganisation (IOM ACBC) in Moshi führte seit 2009 241 Trainingskurse für Mitarbeiter von Einwanderungs- und Grenzbehörden afrikanischer Staaten auf arabisch, englisch, französisch, kiswahili und portugiesisch durch. Besonderes Augenmerk gilt dabei den Bereichen, Gesundheit, Entwicklung, Datenschutz und Digitale Identifikation.

Tansanische Behörden ermittelten 2018 13.393 illegale Zuwanderer. 2019 wurden 9.610 nicht Aufenthaltsberechtigte in ihre Herkunftsländer abgeschoben.

Bei Razzien Anfang 2020 wurden in der Songwe-Region 73 illegale Zuwanderer aus so unterschiedlichen Ländern wie China, Indien, Kenia, Malawi, Sambia, Somalia und USA aufgegriffen. In der Mbeya-Region wurden 71 illegal beschäftigte Ausländer verhaftet. In Dar es Salaam brachte eine Razzia 81 Irreguläre aus Burundi, Kenia, Malawi und Mosambik auf.

DN 03.11.17; 07.03.20; Guardian 01.06.; 12.12.18; 25.04.; 24.09.19; 20.03.20

Transit-Migranten

Die Internationale Organisation für Migration IOM schätzt, dass jährlich mehr als 12.000 Migranten aus Äthiopien, Eritrea, Burundi, Ruanda und Somalia von Schlepperorganisationen über Tansania nach Mosambik, Sambia und Südafrika geschleust werden. Die Meisten sind junge Männer zwischen 15 und 25 Jahren. Sie bezahlen € 2.500 bis 4.500 an die Schlepper, die ihnen eine komfortable Reise und gutbezahlte Arbeit versprechen.

2019 repatriierte Tansania 1.900 als Irreguläre Aufgegriffene nach Äthiopien. Im Februar 2020 wurden 463 äthiopische Migranten abgeschoben. Insgesamt saßen zu Jahresbeginn über 1.400 Äthiopier in tansanischen Gefängnissen, die als illegale Immigranten auf ihrem Weg nach Südafrika verhaftet worden waren. Einige hatten über vier Jahre in tansanischer Haft verbracht. Die Rückführung wurde durch Vermittlung der IOM mit finanzieller Unterstützung durch die EU ermöglicht. Die IOM betreute die Repatriierten medizinisch und psychologisch und versorgte sie mit Bekleidung und Schuhen.

51 somalische und äthiopische Migranten wurden Mitte März 2020 bei Bagamoyo aufgegriffen. Sie waren mit Segelschiffen (Dhaus) gereist und wurden nach ihrer Verhaftung zunächst Coronatests unterzogen.

African Renewal 27.02.20; DN 11.02.19; East African 21.04.18; ITV 19.03.20

Schlepper, Menschenschmuggler

Das Innenministerium bedauerte, dass Tansania zunehmend von Menschenhändlern und Schleppern als Durchgangsroute missbraucht werde. Wer solche Organisationen unterstütze oder illegale Zuwanderer beherberge, müsse mit Strafe rechnen. Besonders in Grenzorten kollaborierten Einheimische mit den kriminellen Schleppern. Wer Illegale transportiere, beherberge oder beschäftige, werde mit bis zu 20 Jahren Gefängnis bestraft. Haus oder Fahrzeug, die dabei eingesetzt würden, würden beschlagnahmt. Illegale Grenzübertritte zwischen Kenia und Tansania haben sich zum Geschäftsmodell für jugendliche Motorradfahrer (boda-boda) entwickelt. Für TZS 100.000 / € 40 kann man sich vergleichsweise komfortabel über die grüne Grenze bringen lassen.

Die Schlepper behandelten ihre Opfer skrupellos. Daher würden immer wieder unidentifizierte Leichen an Stränden und in Absteigen aufgefunden. Mehrfach wurden Lastwagen beschlagnahmt, in die Migranten unter prekären Bedingungen gepfercht waren. Im Mbinga-Distrikt wurden 47 junge Äthiopier halb verhungert in Transport-Containern gefunden, acht waren bereits tot. Ende 2018 wurde bei Morogoro eine Gruppe von 26 Äthiopiern aufgefunden, darunter 13 Tote. Im März 2020 erstickten 64 Äthiopier in einem Container in Mosambik.

Die Einwanderungsbehörde der Manyara-Region suchte vergeblich nach einer Kenianerin mit somalischen und südafrikanischen Pässen, die als Chefin eines Schlepper-Netzwerks verdächtigt wird. Trotz wiederholter Andeutungen, man habe Spuren der Drahtzieher, wurde noch kein führendes Mitglied der Schlepperorganisationen festgenommen.

EU und IOM luden äthiopische, kenianische und tansanische Experten zu Beratungen über Migration und Reintegration gestrandeter Migranten ein. Die Fachleute suchen nach Wegen, den kriminellen Menschenschmuggel einzudämmen und Festgenommene menschenwürdig unterzubringen und mit einer Zukunftsperspektive zu repatriieren. Citizen 11.06.16; 31.12.18; DN 08.04.; 29.09.17; 16.04.18; 13.05.20; East African 15.05.20; Guardian 16.05.; 22.09.17: 13.05.20

Auswanderer, Diaspora

Als Diaspora werden im Ausland, meist in Europa oder den USA, ansässige Bürger tansanischer Herkunft bezeichnet. Sie stärken die Devisenreserven Tansanias indem sie Angehörige in der Heimat unterstützen. Die Regierung möchte sie darüber hinaus dazu bewegen, die Entwicklung des Landes vermehrt durch Wissenstransfer und Investitionen zu fördern. Diaspora-Tansanier/innen überweisen jährlich etwa $ 450 Mill. in die alte Heimat. In Gesamtafrika machen die Transfers der Auslandsafrikaner mit etwa $ 70 Mrd. / Jahr 51% aller privaten Investitionen auf dem Kontinent aus. Im Gegensatz zu ökonomisch motivierten Investitionen wachsen die privaten Transfers in Krisenzeiten an.

Der Sicherheitsausschuss im Parlament forderte die Regierung auf, eine konsistente Diasporapolitik zu formulieren. Anfang 2020 seien nur 98.658 Auslandstansanier/innen gezählt worden, was nicht realistisch sei, vielmehr lebten zwischen 500.000 und 1 Mill. Bürger im Ausland. Innerhalb eines Jahres hätten Diaspora-Tansanier allein für TZS 2,5 Mrd. / € 1 Mill. Häuser in Tansania gekauft, dies lasse eine beträchtliche Finanzkraft erkennen. Diese solle die Regierung planmäßig für Entwicklungsinvestitionen erschließen. Motivierend für ein verstärktes wirtschaftliches Engagement von Auslandstansaniern könne die Möglichkeit einer doppelten Staatsangehörigkeit sein.

Eine Untersuchung des Guardian von 2017 ergab, dass etwa 70% der Afrikaner, die im westlichen Ausland studieren, beabsichtigen, in ihre Heimat zurückzukehren, weil sie dort gute wirtschaftliche Perspektiven sehen.

Das sansibarische Parlament beschloss den „Diaspora Affairs Act of 2020“, um die Beziehungen zu den Auslands-Sansibaris zu formalisieren und zu intensivieren. Diese dürfen nicht Mitglied einer inländischen Partei sein oder an Wahlen teilnehmen. Sie müssen die sansibarische Revolution von 1964 als Befreiung von der Feudalherrschaft anerkennen. Im Büro des Präsidenten wird eine eigene Diaspora-Abteilung eingerichtet. Sie soll alle im Ausland lebenden Sansibaris erfassen und mit ihren Organisationen Kontakt halten. Ferner soll sie wirtschaftliche und philanthropische Aktivitäten erleichtern, politische Grundideen verbreiten und Sprache und Kultur des Kiswahili im Ausland lebendig erhalten.

Tausende von Tansaniern arbeiten vor allem in Bergwerken in Mosambik und Südafrika, viele von ihnen ohne formale Arbeitserlaubnis. 2017 gab es in diesen beiden Ländern Ausschreitungen gegen Tansanier und Abschiebungen. DN 03.11.17; 06.02.; 29.04.20; Guardian 01.03.; 21.12.17; 01.06.18; 14.05.20