Thema: Fünf Jahre Fünfte Regierung: Infrastruktur, Großprojekte - 10/2020

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Große Infrastrukturprojekte bringen Prestige und sind manchmal leichter an Geber zu „verkaufen“. Fraglich ist jedoch, ob die Investitions- und Finanzierungskosten jemals erwirtschaftet werden können, ob wenigstens die laufenden Kosten zu erwirtschaften sind und, ob qualifiziertes Personal für Verwaltung, Wartung und Weiterentwicklung verfügbar ist. Großprojekte sind auch anfälliger als lokale Strukturen gegenüber Vandalismus, Diebstahl und Terrorismus.

Die Neigung der Fünften Regierung zu zentral gesteuerten Strukturen erklärt sich auch aus jahrzehntelangen Erfahrungen mit unzähligen lokalen Entwicklungsvorhaben, die an Korruption, Inkompetenz und Nachlässigkeit der Verantwortlichen gescheitert sind, vor allem bei Wasser- und Stromversorgung. Der Anteil der Entwicklungsinvestitionen am Staatsbudget stieg unter Magufuli von 26 auf 40%. Insgesamt will der Präsident in fünf Jahren TZS 126,8 Bill. / € 47 Mrd. für „strategische Projekte“ ausgegeben haben.

Einzelne Großprojekte

  • Die neue Hauptstadt Dodoma investierte TZS 89 Mrd. in Infrastrukturmaßnahmen. Hinzu kommen hohe Ausgaben für Neubauten für Ministerien, Behörden, Botschaften und den Regierungssitz. Geschäftsleute beklagten Infrastruktur-Mängel und überhöhte Abgaben.
  • Das Julius-Nyerere Wasserkraftwerk im früheren Selous-Wildschutzgebiet ist zu 40% fertiggestellt. Bei Kosten von TZS 6,5 Bill. / € 2,4 Mrd. wird es 2.115 MW Generatorenleistung haben.
  • 240-MW-Gaskraftwerk Kinyerezi II, Dar es Salaam, Kosten TZS 800 Mrd.
  • Das Rusumo-Wasserkraftwerk (80 MW) in der Kagera-Region ist zu 80%, weitere hydroelektrische Projekte (103 MW) zu 36% fertiggestellt.
  • Rohölleitung von Uganda (Hoima am Albertsee) nach Tanga (1.445 km, Kosten $ 3,5 Mrd.)
  • Die ehrgeizige Entwicklung des Stadtteils Kigamboni, Dar es Salaam durch die staatliche National Housing Corp. wird als unter Milliardenverlusten gescheitert betrachtet.

Citizen 16.07.; 04.,14.,16.09.20; DN 17.06.; 07.08.20

Schwerpunkt Verkehrsinfrastruktur

  • Die neue elektrische Zentralbahn von Dar es Salaam nach Kigoma / Mwanza und Ruanda mit einer Gesamtstrecke von 1.447 km ist auf TZS 7 Bill. / € 2,6 Mrd. veranschlagt. Die 300-km-Teilstrecke bis Morogoro soll bis Juni 2021 fertig sein.
  • Die nördliche Schmalspurbahn von Tanga über Moshi nach Arusha (644 km, 1926 angelegt, seit 2003 außer Betrieb) wurde für TZS 6 Mrd. rehabilitiert. Die Züge erreichen 70 km/h.
  • Dar es Salaam: Selander Bridge (TZS 270 Mrd.); insgesamt wurden 13 große Straßenbrücken gebaut, darunter „Furahisha“, Mwanza und „Magufuli“, Simiyu-Singida (TZS 61 Mrd. / € 23 Mill.)
  • DSM: Ubungo Großkreuzung (TZS 250 Mrd.)
  • DSM: Tazara-Überführung: Mfugale-Bridge
  • DSM: Nyerere-Brücke Kigamboni
  • Kigongo-Busisi-Brücke: 3,2 km über einen Aus-läufer des Victoriasees: € 260 Mill. - im Bau
  • Bus-Terminals in mehreren Städten
  • Sechsspuriger Ausbau der Autobahn von DSM bis Kibaha, kostet TZS 148 Mrd. / € 55 Mill.
  • 3.500 km neue Straßen mit Teerdecke; damit verfügt das Land über 13.000 km Teerstraßen, das gesamte Straßennetz umfasst 108.946 km und soll in den nächsten fünf Jahren um 35.000 km wachsen.
  • Vier Radarstationen in DSM, Kilimanjaro, Mwanza und Songwe (Kosten TZS 67 Mrd.) ermöglichen die Überwachung des gesamten Landes.
  • J. Nyerere-Flughafen, Terminal III fertiggestellt
  • Die Flughäfen Kilimanjaro International und Abeid Karume, Zanzibar werden ausgebaut
  • 11 lokale Flugplätze werden renoviert
  • Die bankrotte Air Tanzania erhielt acht neue Flugzeuge für TZS 1,3 Bill. / € 482 Mill. Sie fliegt derzeit 13 nationale und sieben ostafrikanische Destinationen und Indien an. Es ist nicht bekannt, wie weit sie kostendeckend arbeitet.
  • Die Häfen Dar es Salaam, Tanga und Mtwara werden z. Zt. Für insgesamt TZS 2,2 Bill. / €815 Mill. vertieft und ausgebaut, um große Hochseeschiffe aufnehmen zu können. Die Regierung erhofft sich hohe Einnahmen aus dem Transitverkehr in die ostafrikanischen Binnenländer.
  • Fünf Fährschiffe auf dem Victoriasee wurden repariert, ein neues, „MV Mwanza – Hapa Kazi tu“, ist im Bau. Auf dem Tanganyikasee wurden zwei Schiffe rehabilitiert, darunter die ehrwürdige MV Liemba. Der Nyassasee erhielt eine neue Fähre.

Citizen 17.06.; 06.08.20; DN 17.,21.06.; 01.,02.07. 06.,20.08.; 05.09.20; Guardian 08.,25.08.20