Schwerpunktthema Bevölkerung und Städte: Lösungsansätze in städtischen Zentren - 08/2014

Aus Tansania Information
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Träume oder Alpträume?

Investitionsberater und Grundstücksmakler schwärmen von zukünftigen afrikanischen Großstädten nach dem Vorbild von Dubai, Singapur oder Shanghai. Dabei wird häufig übersehen, dass die Mehrheit der afrikanischen Stadtbewohner in Armut und mit minimalen öffentlichen Dienstleistungen lebt. Oft sind auch die Eigentumsverhältnisse an Grundstücken unklar.

Eine südafrikanische Professorin wies darauf hin, dass durch modernistische Stadtplanungen viele einkommensschwache Bewohner verdrängt würden und fern von sozialen Diensten leben müssten. Dies könnte starke soziale Diskrepanzen und Spannungen verursachen. Auch die sogenannte Mittelklasse mit USD 2 bis 10 Tageseinkommen werde sich die schicken Wohnungen nicht leisten können. Damit drohe eine afrikanische Spekulationsblase.

Ein Sprecher des Internationalen Instituts für Umwelt und Entwicklung (www.iied.org) warnte vor modischen Schlagworten wie „elegante oder nachhaltige oder ökologische Stadt“. „Eine Stadt, die die Bedürfnisse der meisten Einwohner, auch der Ärmsten, ignoriert hat nichts Elegantes oder Nachhaltiges“. Solche Ideen stammten aus autoritären Stadtstaaten, die demokratischer Entwicklung misstrauten.

Die tansanische Regierung beauftragte die Firma Surbana aus Singapur, die Städte Arusha, Mbeya und Mwanza neu zu planen und die Skyline modern zu formen. Damit sollen moderne und gesunde Wohnungen, sowie Raum für Industrie, Handel und Verkehr entstehen. Ähnliches sollen chinesische Planer für DSM, Mtwara und Lindi leisten. Letztere wurden nach bedeutenden Erdgas-Funden als „strategische Städte“ eingestuft. Ungeplante Siedlungen sollen dort von vorn herein vermieden werden.

In den Städten Dar-Es-Salaam, Sansibar, Mwanza, Tanga, Arusha, Dodoma, Moshi und Mbeya sollen Überwachungskameras die öffentliche Sicherheit verbessern. Pilotanlagen werden zunächst in DSM und Sansibar errichtet. Das Innenministerium wird die Planungen koordinieren und die gesetzlichen Grundlagen erarbeiten.

Business Times 10.,24.01.14; DN 12.06.14; Guardian 15.01.; 20.05.14

Dar-Es-Salaam

Ein Beispiel in Tansania ist Kigamboni City bei Dar-Es-Salaam. Die Satellitenstadt soll von Firmen aus Dubai und China nach einem koreanischen Masterplan entwickelt werden. Dabei soll es 5 Zonen geben: Handel, Industrie, Bildung, Wohnbereiche und Tourismus. Die Straßenplanung soll auf Privat-PKWs ausgerichtet sein. Eine neue Hängebrücke (680 m) und eine sechsspurige Autobahn verbinden das neue Stadtviertel mit DSM-Kurasini (Fertigstellung Mitte 2015).

In vier Jahren will der Nationale Pensionsfonds (NSSF) für USD 653 Mill. eine neue Wohnsiedlung namens Ras Dege in der Satellitenstadt Kigamboni erbauen. 30.000 Einwohner sollen in 7.460 Wohneinheiten Platz finden. Von Geringverdienern über Mittelklasse-Bewohner bis zu Gutverdienern und Ausländern sollen alle sozialen Schichten vertreten sein. 7 Wohnungstypen von Villen über Reihenhäuser bis zu Etagenwohnungen stehen zur Wahl. Umweltfreundliche Energie- und Entsorgungssysteme sollen neue Standards setzen. Einkaufszentren, Schulen, Kindergärten, Sportstätten und Schwimmbäder sind geplant.

Die Regierung setzte die Entschädigung für Kingamboni-Grundstückseigner auf Tshs 35.000 / m² fest. Chinesische Städteplaner sollen Kigamboni und weitere Satellitenstädte bei Lindi und Mtwara entwerfen. Das Kigamboni-Projekt mit Kosten von Tshs 11,6 Bill. soll in drei Phasen bis 2022 / 27 / 37 realisiert werden. Die parlamentarische Opposition kritisierte, dass die Bewohner von Kigamboni praktisch nicht in die Planungen einbezogen würden. Die Regierung versprach, dies künftig besser zu handhaben.

Die Weltbank und DANIDA (Dänemark) stellen USD 175,5 Mill. für das „DSM Metropolitan Development Project“ zur Verfügung. Damit sollen städtische Dienstleistungen verbessert werden: Müllabfuhr und -deponien, Kanalisation, Straßenbeleuchtung, Erschließung ungeplanter Siedlungen (Wasser, Elektrizität) und Verbesserung der Transportwege auf Straßen, der Bahn und per Schiff. Seit 2010 läuft auch das „Strategische Stadtentwicklungs-Projekt, das die Infrastruktur in Arusha, Kigoma, Dodoma, Mtwara, Mwanza, Mbeya, Ilemela und Tanga verbessern soll. Damit verbindet sich ein neues elektronisches Stadtverwaltungs-Programm, das Steuererhebung, Wartung von Anlagen und Landverwaltung erleichtern und beschleunigen soll.

In DSM sollen zur Verkehrsentlastung Straßen verbreitert und Zubringerstraßen gebaut werden. Bahngeleise in der Stadt sollen für eine Stadtbahn genutzt werden. Anstelle der beschrankten Bahnübergänge sollen Unterführungen treten. Eine Fähre soll DSM-Zentrum und Bagamoyo verbinden. Eine private Firma bietet einen Hubschrauber-Dienst vom Stadtzentrum zum Nyerere-Flughafen an. Für den neuen „Dar Rapid Bus Transit“ mit 27 Haltestellen werden 20 km eigene Straße, verschiedene Zubringerstraßen und 2 Depots gebaut.

Eine italienische Expertin kritisierte, dass wichtige langfristige Probleme wie die fortschreitende Versalzung des Grundwassers nicht beachtet würden.

Citizen 01.06.14; DN 13.12.13; 03,02,; 16.,29.,30.05.14; Guardian 12.,29.,30.05.; 01.17.14; AlertNet Climate 21.07.14

Dodoma

Seit 2008 arbeitet die „Hauptstadt-Entwicklungsbehörde“ (CDA) an einem Rahmenplan für Dodoma. Nun wurden koreanische Stadtplaner beauftragt, den Plan zu überarbeiten. Dodoma hat zur Zeit etwa 400.000 Einwohner. Seit 1973 ist Dodoma („Es ist versunken“ in der lokalen Gogo-Sprache) offiziell die Hauptstadt Tansanias, jedoch sind die meisten Regierungsstellen immer noch in Dar-Es-Salaam ansässig. Das Büro des Premierministers hat neuerlich 2012 und 2014 Konsultationen einberufen, um auf breiter Basis Meinungen zu sammeln und dem Kabinett ein neues Hauptstadt-Gesetz vorzulegen. Dann will man endgültig über den Hauptstadt-Status Dodomas entscheiden.

Der Polizeipräsident ermahnte die Einwohner Dodomas, keine Gebäude ohne behördliche Zustimmung zu errichten. Alle Bauten müssten auf ausreichend breiten Straßen erreichbar sein. Vor Kurzem war ein Marktgebäude mit 63 Geschäftsabteilen nach einem Kurzschluss ausgebrannt, weil die Feuerwehr keine Zufahrt zu dem Brandort fand.

Citizen 16.07.14; Guardian 06.12.13; 21.03.14

Arusha

Der Stadtrat ließ in den Bezirken Kilombero, Kaloleni und Fire 330 Häuser abreißen. Die etwa 1000 Bewohner hatten zweimal eine 6-monatige Räumungsfrist ignoriert und mussten nun einem Gerichtsbeschluss weichen. Auf dem Gelände sollen moderne Wohnblocks entstehen. Die bisherigen Häuser waren in der Kolonialzeit für einfache Regierungsmitarbeiter errichtet und seitdem von deren Nachkommen bewohnt worden.

Die National Housing Corporation errichtet auf einem Gartenbau-Gelände im Bezirk Tengeru eine neue Wohnsiedlung mit 600 Häusern und diversen Infrastruktur-Einrichtungen. Auch in den Arusha benachbarten Distrikten Meru und Arusha will NHC Satellitenstädte bauen. Damit soll die hohe Nachfrage nach Wohnungen im Hauptquartier der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC) befriedigt werden.

Arusha wurde 1948 zur Kleinstadt, 1980 zur Stadtgemeinde und 2012 zur Großstadt erklärt.

Citizen 24.02.14; DN 16.12.13; 08.01.; 07.02.14; Guardian 25.02.14