Schwerpunkt: Darlehenskassen und Kooperativen: Kooperativen - 06/2015

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Genossenschaften in Schieflage

Der legendäre Verband von Landwirtschafts-Genossenschaften „Kilimanjaro Native Cooperative Union“ (KNCU) ist seit längerer Zeit außer Stande, eine TZS 4 Mrd.-Schuld an die CRDB zurückzuzahlen. Dies soll nun durch Verkauf einer 3400-ha-Plantage ermöglicht werden. Das Landwirtschafts-Ministerium hatte den Notverkauf zunächst untersagt, lenkte dann aber ein und forderte die Mitglieder auf, ihre Querelen einzustellen. Allerdings leben auf und von der Plantage Bauern, die heftig gegen den Verkauf protestierten. Nach Meinung des Vorsitzenden ist der Verband durch die Wirtschaftskrise 2008/09 und stark schwankende Kaffeepreise in Schieflage geraten.

Viele Mitgliedsgenossenschaften kritisierten das Registrierungsbüro für Genossenschaften in Dodoma. Die Bürokraten hatten im März die Neuwahl der KNCU-Geschäftsführer, zu der bereits 184 Delegierte angereist waren, ohne klare Begründung verschoben. Vermutungen gehen um, dass etwas Schwerwiegendes vertuscht werden soll.

Die KNCU ist der älteste und größte Genossenschaftsverband Schwarzafrikas. Er wurde schon 1925 als „Kilimanjaro Native Planters Association“ gegründet, 1930 als Verband von 90 Genossenschaften unter dem Namen KNCU zur Kaffee-Vermarktung etabliert, 1977 verstaatlicht und 1984 reprivatisiert (KNCU 1984 Ltd). Zu ihren Blütezeiten in den 50er und 60er Jahren trug die KNCU entscheidend zur wirtschaftlichen Entwicklung der Kilimanjaro-Region bei, finanzierte Grund- und Sekundarschulen und schließlich auch die „Moshi Cooperative University“.

Auch die Arusha Cooperative Union, die Kagera Cooperative Union und die Karagwe District Cooperative Union mussten Grundbesitz bzw. Bankanteile verkaufen, um aufgelaufene Schulden in Milliardenhöhe zu begleichen.

Business Times 12.12.14; 10.04.15; Citizen 26.11.; 15.12.14; DN 26.11.14;

Reformvorschläge

Die Chefin der Küstenregion machte veraltete Gesetze für das Scheitern mehrerer Genossenschaften verantwortlich. Die derzeitige Gesetzeslage favorisiere unehrliche Führungspersonen und benachteilige Mitglieder, Lieferanten und Banken. Bei einer Tagung der Cashew-Entwicklungs-Initiative nannte die Regionalchefin als Beispiel die bankrotte „Coast Region Cooperative Union“. Diese hatte bei CRDB und der Nationalen Mikrofinanz-Bank Schulden in Höhe von TZS 9 Mrd. angehäuft und zudem die Bauern nicht bezahlt, die ihr Cashew-Nüsse zur Vermarktung geliefert hatten.

Der Vizekanzler der Genossenschafts- Uni Moshi (MoCU) forderte, alle Verantwortlichen in Kooperativen müssten eine standardisierte Ausbildung erhalten. Nur so könne das in Misskredit geratene Genossenschaftswesen gesunden. Es sei ferner überholt, nur landwirtschaftliche Kooperativen zu betreiben. In Europa führten Genossenschaften erfolgreich Hotels, Tankstellen, Ladenketten und andere Unternehmen. Jugendliche in Arusha und Moshi könnten Milchprodukte vermarkten anstatt sich herumzutreiben. Allerdings seien gute Fachkenntnisse Voraussetzung jeder erfolgreichen genossenschaftlichen Arbeit.

DN 03.,14.10.14