Reaktionen auf den Film 'Darwins Nightmare' - 10/2006

Aus Tansania Information
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Film

In dem Film geht es um das Nilbarsch-Geschäft zwischen Tansania und der EU. Der größte Teil wurde in Mwanza gedreht, wo die Fischverarbeitungsfabriken liegen. Der Film beleuchtet das Fischfilet-Geschäft in Verbindung mit Armut, Prostitution, HIV/AIDS, Umweltzerstörung und Waffenverkauf. Er zeigt auch, dass die Menschen in Mwanza nur Nilbarsch-Köpfe essen, unterernährt sind, während die Filets nach Europa gebracht werden. (DN 14./18.8.06)

Kikwete

In seiner monatlichen landesweit ausgestrahlten Ansprache, die er im August in Mwanza hielt, sagte Präsident Kikwete, die Behauptung, Mwanza sei das Eingangstor für Waffen, die den Konflikt im Gebiet der Großen Seen anheize, entspreche nicht der Wahrheit. Der von Hubert Sauper, einem in Frankreich lebenden Österreicher, gedrehte Dokumentarfilm mache glauben, die Flugzeuge, die in Mwanza Fischfilet laden, brächten Waffen. Er besudle das Bild Tansanias und schwäche den Fischhandel. Er behaupte, alles Filet werde nach Übersee verkauft, den Einheimischen blieben nur Fischköpfe, dazu verdorbene, und die Stadt sei voll Prostituierter. Er habe Sauper in Paris getroffen. Doch als er ihn gebeten habe, Belege für seine Behauptungen beizubringen, habe er sich aus dem Staub gemacht. "Tansania hat sich dem Frieden und der Einigkeit in der Region verpflichtet. Nie wird es zulassen, dass sein Land in eine Pro-Kriegszone verwandelt wird", betonte Kikwete. (Guardian 1.8.06; Nipashe 1.8.06)

CCM

Auch die CCM verurteilte den skandalösen Film. In einer CCM-Erklärung heißt es: "Bedauerlich, dass Tansanias guter Ruf ohne Grund beschmutzt wird, obwohl es eine Insel des Friedens blieb und unermüdlich für Konfliktlösung bei seinen Nachbarn arbeitete." Verurteilt wird auch die Darstellung, Menschen müssten verdorbene Fischköpfe essen. (DN 13.8.06)

Parlament

Auch das Parlament verdammte den Film, nachdem es diesen unter hörbarem Missfallen angeschaut hatte. CCM und Opposition formulierten eine gemeinsame Erklärung. Sauper habe die Pressefreiheit missbraucht, sei voreingenommen, habe übertrieben. Ein Regierungsmitglied berichtete, die Regierung habe Schritte unternommen, um die Vorwürfe zu entkräften. Dazu gehöre auch die Produktion des Films 'Die andere Seite von Darwins Nightmare'. Er zeige ein wahres Bild des Nilbarsch-Geschäftes. Der Namen des Landes müsse reingewaschen werden. Der Regierung wird jedoch geraten, einigen Behauptungen nachzugehen, vor allem denen, Flugzeuge würden benützt, um Waffen zu importieren.

Die Zeitung Uwazi reagierte auf die Parlamentserklärung mit einer Karikatur, die einen angeketteten mageren Hund zeigt. Der Parlamentspräsident sagte, Uwazi mache glauben, das Parlament sei ein zahnloser Hund, der bellt, ohne beißen zu können. Das Blatt müsse sich entschuldigen oder mit Strafmaßnahmen rechnen. (DN 12./17.8.06; Guardian 17.8.06)

Außenministerium

Auch das Außenministerium verurteilte den Film. Verschiedentlich sei Tansania Gastgeber für Friedensgespräche gewesen, was betroffene Län-der und internationale Gemeinschaft lobten. Der Minister für Naturschätze und Tourismus berichtete, Universitäten verschiedener Länder seien interessiert daran, einen Gegen-Film zu drehen, Titel: "Die andere Seite von Darwins Nightmare". Eine Presseerklärung des Ministeriums erschien im Guardian in vollem Wortlaut. (DN 14./ 15.8.06) <Im Internet Erklärung der tans. Botschaft in Frankreich: www.amb-tanzanie.fr/content-8.html>

Öffentlichkeit

In Mwanza wurde in einer Kundgebung gegen den Film protestiert. (DN 14.8.06)

Reporter ohne Grenzen

Der 'Medienwachhund' berichtete, Tansania habe gedroht, einen tansanischen Journalisten, der Sauper beim Filmen geholfen habe, zu deportieren. Innenminister John Chiligate sagte dem Guardian in einem Telefongespräch, diese Vorwürfe seien unbegründet. (Guardian 22.8.06)

Wirtschaftliche Auswirkung

In allen Ländern, die den Film zeigten, brach der Markt für Fisch aus Tansania ein. (The East African 7.8.06)

Kommentar des Observer

Verschiedentlich wird diskutiert, ob es weise war, diese Angelegenheit in einer landesweit ausgestrahlten Ansprache zu erwähnen, auch, weil alle den Film nun sehen wollen. Außerdem sind einige der Argumente nicht stichhaltig. Im Parlament versuchten einige vernünftige Stimmen, Gutes und Schlechtes des Films auszubalancieren. Was wirklich zu einem Alptraum wird, ist die Art, in der die Regierung mit der Sache umgeht. Angemessen wäre eine Reaktion der Umweltschützer, nicht eine der Regierung. Wenn Ausländer nicht die Freiheit haben, zu sprechen, zu filmen und aufzuzeigen, haben das auch Einheimische nicht und der Despotismus herrscht. (Observer 20.8.06)

Ein Buch 'Anti-Darwins Nightmare' erscheint in engl. und franz. Sprache Mitte Okt. Es widerlegt im Detail Behauptungen Saupers. Autor: Prof. FrancoisGarcon, bekannter Historiker der Pariser Universität.