Reaktion auf Protestaktion der Organisation Avaaz - 10/2012

Aus Tansania Information
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<Siehe www.avaaz.org/de/save tge maasai>

Widerspruch

Das Ministerium für Naturschätze und Tourismus (MNRT) betonte in einer Presseerklärung, eine reine Lüge sei die Behauptung, die Regierung plane, 48.000 Maasai, die in der Serengetisteppe ansässig sind, zu vertreiben, um Platz zu schaffen für Jagdunternehmen von Ausländern.

Die Klarstellung galt einer irreführenden Kampagne der Organisation AVAAZ.Org. Sie hatte offensichtlich Unterschriften für eine Petition gegen die gar nicht existierende drohende Vertreibung gesammelt. Mehr als 800.000 Menschen hatten den Aufruf 'Stopp den Verkauf der Serengeti' unterschrieben.

(Ursprünglich lautete die Petition, die Maasai würden aus der Serengeti vertrieben. Nach der Erklärung des MNRT, in der Serengeti lebten keine Menschen, änderte Avaaz den Wortlaut. Es heißt nun 'aus dem Serengeti Ökosystem'.)

Das MNRT bat die internationale Gesellschaft, ihre Zeit nicht mit der Unterschrift unter etwas, das es nicht gebe, zu verschwenden. Alle, die die Petition unterschrieben hatten, lud der Sprecher der Ministeriums ein, als Touristen Tansania zu besuchen und die Wahrheit über die Naturschutzpläne zu lernen und zu bestätigen, dass die Avaaz-Kampagne falsch ist. Touristen jagten normalerweise in Wildreservaten, nicht in den Ansiedlungen der Bevölkerung. (DN 25./27.8.12; Guardian 16.8.11)

Unterstützung, Richtigstellung

Auch lokale Organisationen schlossen sich der globalen Protestkampagne an: Coalition of Feminist Civil Society (FENACT), Tanzania Land Alliance (TALA), Pastoralist Indigenous Non-Government Organization (PINGOS) Forum und Ngorongoro Non-Government Organization Network (NGONET). In einer Erklärung der Organisationen heißt es, "wir unterstützen die Avaaz-Kampagne."

Der Streit über das Land, auf dem Maasai leben, begann 1992, als die Emirate's Ortelo Business Corporation (OBC) in Loliondo ihr Jagdlager einrichtete. <Siehe Tans.-Inf. 6/93 S. 5; 4/95 S.6; 7/00 S. 3; 4/02 S. 7, 11/09 S. 8>

Die Einwohner hätten sich von der Vertreibung im Jahr 2009 noch nicht erholt, erklärten die Organisationen.

Der DC des Ngorongoro-Distrikts (Arusha-Region) erklärte, es gebe keine Pläne, Maasai zu vertreiben, im Augenblick gehe es lediglich um Planung der Landnutzung. (DN 6.9.12, Arusha Times 8.9.12)

Unterschiedliche Darstellungen

Ortelo Business Corporation widerlegte die Behauptung, gemeinsam mit dem Staat zwinge sie Tausende von Maasai, ihr Land zu verlassen, plane, es zu kaufen. Tansania lasse überhaupt nicht zu, dass Ausländer Land kaufen. Der OBC-Verantwortliche erklärte, genau wie andere Jagdfirmen arbeite die OBC im Rahmen eines fünfjährigen Konzessions-Arrangements mit Verlängerung. "Von Anfang an waren wir Entwicklungspartner der Bewohner Loliondos. Es gab keine Probleme mit den Menschen in dem Gebiet, in dem wir tätig sind", betonte er.

Ein lokaler Aktivist wirft der Regierung vor, sie plane, für die Jäger der United Arabic Emirates (UAE) einen 1.500 km5 großen Korridor zu schaffen. Er sagte: "Die Regierung betont, wir sollen Entgegenkommen zeigen, aber die Leute sagen, sie hätten genug aufgegeben. Den Serengeti National Park aufzugeben, war ein lebenslanger Kompromiss. Sie lassen sich nicht noch einmal verdrängen." Ein anderer Verantwortlicher sagte, die letzte Vertreibung war 2009, als Tausende Maasai ihr Land aufgeben mussten. Ein Dozent der Tumaini University in Moshi betonte, um den endlosen Landkonflikt in Loliondo zu beenden, müsste die Regierung ein System schaffen, in dem Einwohner, Wildtiere und Investoren in Harmonie leben können.

Vor zwei Jahren schlug die Regierung einen Landnutzungsplan vor, in dessen Rahmen eine Pufferzone zwischen Weide, Wild, Ökosystem und Ökologie geschaffen werden sollte. Aber gestützt von Organisationen der Zivilgesellschaft verwarfen die Einwohner diese Idee.

OBC ist die erfolgreichste Jagdfirma; pro Jahr zahlt sie Tansania an Gebühren für Konzession und Jagdtrophäen etwa 800.000 US$ (560.000 an die Zentralregierung, 150.000 an acht Dörfer, 109.000 an den Distriktsrat); laut District Commissioner hielt sie sich immer an den Vertrag. zusätzlich finanzierte sie den Bau der Loliondo Sekundarschule, eine Brücke, Gesundheitseinrichtungen u. a. Das Wildschutzgebiet von Loliondo ist eine Pufferzone für den Serengeti National Park, der wichtigste Korridor für die Wanderung der Gnus zwischen Maasai Mara, der Ngorongoro Conservation Area und dem Serengeti National Park.

Seit 1992 jagte die OBC im Gebiet von Loliondo. Doch der Vertrag endete im Dezember 2009 und wurde 2011 erneuert.

Beobachter äußerten, es sei fast unmöglich, dass die Regierung etwas so Lukratives wie OBC verlässt und sich Anderem zuwendet, allein wegen Drucks von außen. (Guardian 8.9.12)

Avaaz betreibt eine internetbasierte Beteiligungsplattform in 14 Sprachen und organisiert globale politische Kampagnen. (aus Wikipedia)