Probleme Dar-es-Salaams: zum Wachstum, lästige Busbegleiter und Kleinhändler - 05/2006

Aus Tansania Information
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Zur Entwicklung

Bei einem von der Fakultät für Architekur der Dar-es-Salaamer Universität (UCLAS) und der Dortmunder Universität organisierten Workshop, sagte ein UCLAS-Professor, in Dar-es-Salaam sei das Wachstum unkontrolliert, Infrastruktur und Dienstleistungen seien schwach entwickelt, was Stadtplanern und Bewohnern große Sorgen bereite. Investitionen in und Entwicklung der Infrastruktur seien nicht koordiniert worden. Folglich seien die begrenzten, für Stadtverwaltung und Infrastrukturentwicklung zur Verfügung stehenden Mittel, suboptimal eingesetzt worden. Die nichtgeplanten Siedlungen breiteten sich ins Umland aus. Dar-es-Salaam gehöre zu den Städten in Afrika südlich der Sahara, die während des letzten Jahrzehnts am raschesten wuchsen. Man beobachte hier alle Probleme und Phänomene raschen Wachstums in Armut. (Guardian 22.2.06)

Wapiga Debe

Laut einer Verordnung der Dar-es-Salaamer Stadtverwaltung von 2000 ist es jungen Leuten, die Fahrgäste anwerben, verboten, sich an Bushaltestellen zu betätigen. Man nennt sie Wapiga Debe, Leute, die auf Benzinkanister schlagen. Die Fahrgäste zu bedienen sei Aufgabe der Busfahrer. Viele Dar-es-Salaamer klagten, die Wapiga Debe seien eine Plage, eine Gefahr für sie und ihr Eigentum.

Nach einem Treffen mit Innenminister Chiligati habe man beschlossen, 1.300 Leute des Nationalen Arbeitsdienstes, Jeschi la kujenga Taifa (JKT), einzustellen, berichtete der Geschäftsführer der S-Group Security Company Ltd. Sie stammten aus allen Teilen des Landes, hätten eine zweijährige paramilitärische Ausbildung durchlaufen und sollten jeden Tag vorerst von 4 Uhr bis 14 Uhr, später zwölf Stunden an 63 Busstationen Dienst tun. Wichtigstes Anliegen dieses Programms sei, Tansaniern mehr Arbeitsmöglichkeiten zu geben.

Die Wapiga Debe widersetzten sich den JKT-Leuten. An vielen Bushaltestellen kam es zu Zusammenstößen zwischen beiden Gruppen. 30 Menschen wurden z. T. schwer verletzt, unter ihnen 19 Sicherheitsleute, aber auch Unbeteiligte, ein Mitumba-Händler starb. Auch der Sachschaden ist groß. Aus Angst vor Plünderern schlossen Geschäftsleute ihren Laden. Die Einsatztruppe der Polizei stellte endlich wieder Ruhe her. Ein Polizeikommandant sagte, er befürworte, dass JKT-Leute die Wapiga Debe vertreiben und sich um den öffentlichen Verkehr kümmern. Das sei nicht Aufgabe der Polizei. - Berichten zufolge haben JKT-Leute mutwillig zerstört und Menschen zusammengeschlagen.

Auch im Vorjahr war es zu blutigen Zusammenstößen gekommen. Die Wapiga Debe hatten gelobt, sie würden sich allen Versuchen, sie von ihrem Arbeitsplatz zu vertreiben, widersetzen.

Premierminister Lowassa stoppte die Aktion gegen die Wapiga Debe und erteilte der Stadtverwaltung die Erlaubnis, die Polizei an allen Dar-es-Salaamer Bushaltestellen Acht geben zu lassen. Ein Mitarbeiter der S-Group Security Company Ltd. sagte, man habe die Aktion eingestellt, doch der Plan, die Wapiga Debe zu vertreiben, bestehe weiter.

An den Bushalten treiben die Wapiga Debe ihr Geschäft wie eh und je. Sie verteidigen sich "Wir bestehlen niemanden. Wir verdienen unser täglich Brot mit dieser Arbeit. Warum gibt man uns keine Alternative?" Sicherheits- oder JKT-Leute sieht man nicht.

36 an den Zusammenstößen beteiligte JKT-Leute mussten vor Gericht erscheinen. Sie weigerten sich, die Anklage zu akzeptieren. Vier wurden gegen Kaution freigelassen.

Die JKT setzte einen Ausschuss ein, der die Angeklagten verhören soll. Sie müssen mit strengen Strafen rechnen. JKT-Repräsentaten forderten, die Eltern und Erziehungsberechtigten der Jugendlichen, die beim JKT eintreten, sollten diese einen ordentlichen Beruf lernen lassen, damit sie eine Anstellung bekommen könnten. (DN 11.3.06; Guardian 9./10./11./14./ 18.3.06; Nipashe 12./14.3.06; ITV Habari 14.3.06)

Kleinhändler

<Vergl. Tans.-Inf. 3/98 S. 8; 5/02 S. 7; 3/04 S. 8> Die Verwaltung des Dar-es-Salaamer Stadtteils Ilala startete am 1. März die 'Operation City Clean-Up'. Alle Kleinhändler, Machinga genannt; die am Straßenrand ihre Waren feilboten, wurden vertrieben. Die Verwaltung setzte für diese Aktion 170 Leute der Miliz ein, 50 Polizisten und 28 Hilfskräfte der Polizei. Die Händler wurden aufgefordert, zu kooperieren und Konfrontationen zu vermeiden. Die Öffentlichkeitsbeauftragte des Gemeinderates sagte, nicht zugelassene Kleinhändler aus den Stadtteilen Temeke und Kinondoni trieben ihr Gewerbe in nicht genehmigten Gebieten Ilalas, verunreinigten die Straßen und behinderten Fußgänger und Autofahrer. Sie sollten in ihrem eigenen Stadtteil bleiben. Mindestens drei Monate lang werde man die Plätze überwachen. "Seit 04 forderten wir die Händler auf, die nicht genehmigten Gebiete zu räumen. Wir zögern nun nicht länger", betonte sie. Die Händler klagen, man habe ihnen keine anderen Gebiete zugewiesen.

Die Straßen- und Kleinhändler erreichten eine einstweilige richterliche Verfügung. Sie untersagt der Verwaltung von Ilala die Vertreibung aus dem zentralen Geschäftsbereich. Zum gleichen Zeitpunkt verfügte Premierminsiter Lowassa, die Ausweisung sei einzustellen, bis geeignete Gebiete zugewiesen seien. Er gebe den Stadtteilen Ilala, Kinondoni und Temeke drei Monate für ordnungsgemäße Umsiedlung. Sie sollten Plätze finden, an denen die Händler bleiben könnten. Auch Präsident Kikwete ärgerte sich über die Aktion. Man müsse ordnungsgemäß vorgehen, sagte er.

Einen Tag nach der Aktion stellten nicht zugelassene Händler ihre provisorischen Kioske und anderes, was wenige Tage vorher zerstört worden war, wieder auf. Lowassa aber sagte, seine Anweisung sei falsch interpretiert worden. Er wies die Stadtväter an, dafür zu sorgen, dass das, was man bereits entfernt hatte, nicht zurückgebracht werde. Ein Händler berichtete, er habe 100.000/- TSh ausgegeben, um seinen Kiosk wieder aufzubauen, und für Dinge, die verloren gingen, 500.000/- TSh. Ein anderer sagte, durch Zerstörung von Kiosk und Gemischtwaren habe er Schaden in Höhe von 450.000/- TSh erlitten.

Nach wenigen Tagen lief der Handel wieder auf vollen Touren. Viele hatten ihre Buden, Kioske u. a. wieder aufgestellt, manche sind sogar ansehnlicher als vorher.

Die Öffentlichkeitsbeauftragte von Ilala betonte, strenge Maßnahmen würden ergriffen gegen alle, die ihre zerstörten Kioske wieder aufstellten. Außerdem habe man gemerkt, dass Leute, die vorher nicht in den betroffenen Gebieten waren, die Anordnung des Premierministers ausnützten, um neue Kioske zu errichten. Der Gemeinderat begann, Kioske u. a., was wieder errichtet worden war, zu zerstören. Manche werfen den Leuten der Miliz vor, eine ganze Woche lang hätten sie von machingas Schmiergeld angenommen. "Sie sagten, wenn ich ihnen 30.000/- TSh gebe, zerstören sie meinen Kiosk nicht", berichtete einer. "Am nächsten Tag kamen sie wieder und sagten, ich solle verschwinden, oder ihnen 70.000/- TSh geben." Doch seinen Kiosk könne man bewegen. Er habe ihn weggebracht und versteckt.

Die Machingas baten Lowassa, er möge ihnen helfen, die konfiszierten Waren wieder zu bekommen. Einer klagte, von einem Kunden habe er sieben Tage bekommen, um ein Paar Schuhe im Wert von 120.000/- TSh, die während der Aktion weggenommen wurden, zurückzugeben.

Lowassa foderte die Machingas auf, in Absprache mit der zuständigen Behörde in neu zugewiesenen Gebieten das Geschäft wieder aufzunehmen, in ausgewiesenen, gut geplanten erschlossenen Ge-bieten.

Die Handelskammer freut sich, dass die Machingas und ihre schäbigen Kioske aus dem Geschäftszentrum entfernt wurden. Nun gebe es genug Parkplätze und Bewegungsfreiheit für Menschen und Waren. Besteuerung sei das einzige wirksame Rezept, die Rückkehr der Machingas zu verhindern. Auch elektronische Geräte im Wert von mehr als 15m/- TSh, z. B. Fernseher, seien ohne Handelslizenz in Containern verkauft worden. Das sei inakzeptabel, denn es schaffe ungleiche Handelsbedingungen. (DN 1./11./12./13./14./15.3./ 10.4.06; Guardian 11./14.3.06)