Militärische Einsätze - 05/2008

Aus Tansania Information
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Darfur

Präsident Kikwete sagte, als Teil der Friedenstruppe der African Union (AU) und der UNO werde Tansania 1.000 Soldaten in die Region Darfur (Sudan) schicken, doch erst dann, wenn die logistischen Vorbereitungen abgeschlossen seien. Er betonte, dass in Tansania 1.000 Soldaten der somalischen Regierung ausgebildet werden, sei Teil der Bemühungen des Kontinents, dem vom Krieg erschütterten Horn von Afrika eine funktionsfähige Regierung zurück zu geben.

Im Nov. 07 sagte der damalige Verteidigungsminister, im März 08 werde Tansania zur Unterstützung der dort bereits eingesetzten Truppen 800 Soldaten nach Darfur schicken. Sie seien dort der UNO unterstellt. Die Regierung des Sudans habe Tansania gebeten, sich an den Befriedungsaktionen der dort eingesetzten Truppen zu beteiligen. "Sie werden nur dann zurückschießen, wenn sie angegriffen werden", sagte er. (DN 20.9.07; Guardian 21.11.07)

Komoren

Die Komoren, aus drei Inseln bestehend, sind eine Union mit drei Präsidenten, die einem Bundespräsidenten unterstehen. Mohamed Bacar, Präsident der Insel Anjouan, weigerte sich im April 07, am Ende seiner Amtszeit, die Herrschaft abzugeben. Er organisierte eine illegale Wahl mit von ihm gedruckten Wahlzetteln und erklärte sich zum Sieger derselben.

Verhandlungen blieben ergebnislos. Sanktionen hätten den Komoren insgesamt geschadet, denn ihr wichtigster Hafen liegt auf Anjouan. Die African Union (AU) stimmte einer militärischen Aktion zu. Die USA und Frankreich unterstützten sie. Die Außen- und die Verteidigungsminister Afrikas trafen sich in Addis Abeba, um zu beraten, wie die militärische Aktion mit minimalem Kollateralschaden und ohne Todesopfer durchgeführt werden könne. Südafrikas Präsident ist gegen die Operation. Er forderte weitere Verhandlungen.

Tansania erklärte sich bereit, 750 Soldaten abzustellen, der Sudan 600, Senegal 150 und die Komoren 300. Weil Tansania die Geographie der Komoren kennt, übertrug man ihm die Führung des vereinigten Heeres.

Beobachter meinen, die AU hoffe auf einen relativ leichten Sieg, um dringend nötiges internationales Ansehen zu gewinnen und die Fehlschläge seiner kämpfenden friedenserhaltenden Missionen im Sudan und in Somalia zu kompensieren.

Einige Tage vor dem Einmarsch warf ein Militärflugzeug Flugblätter über Anjouan ab mit der Bitte, die Bevölkerung möge die Häuser nicht verlassen, während die Soldaten die Rebellen verfolgen würden.

Am 25. März landeten die AU-Soldaten auf Anjouan. Der Sprecher der komorischen Armee berichtete, sie hätten die Kontrolle über die Insel. Es habe keinerlei Widerstand gegeben, keine Opfer. Bacar flüchtete in muslimischer Frauenkleidung. Der Präsident der Komoren beschwor die Einwohner Anjouans, keine Rache an den Rebellen zu üben. Präsident Kikwete lobte die von den Tanzania People's Defence Forces (TPDF) angeführten Soldaten der AU. "Der Auftrag wurde mit klinischer Präzision durchgeführt, ohne Todesfälle auf Seiten der Soldaten und der Zivilbevölkerung Anjouans."

Ein Teil der tansanischen Soldaten kehrte am 21. April zurück. Die anderen sollen noch bis zu drei Monate dort bleiben, um für Frieden auf den geplagten Inseln zu sorgen, bis demokratische Wahlen organisiert sind. (DN 14.3./3.4.08; Guardian 15./25./ 26.2.08;ThisDay 13.3./21.4.08; The Nation (Nairobi) 18.3.08)

Libanon

Anfang 07 schickte Tansania Militärpolizei in den Libanon. <Siehe Tans.-Inf. 2/07 S. 2> Sie seien vorbildlich, was Disziplin und Engagement angeht, hieß es. Der Premierminister des Libanon habe der tansanischen Regierung ein anerkennendes Schreiben übermittelt, sagte der Verteidigungsminister. Im Sept. 07 bat die UNO Tansania, so schnell wie möglich weitere 100 Soldaten zu friedenserhaltenden Maßnahmen in den Libanon zu entsenden.

Erstmalig schlossen Friedenswächter der TPDF, die ihre Ausbildung im Rahmen der African Contingency Operations Training Assistance (ACOTA) im Land gemacht hatten, diese ab. Der TPDF-Ausbildungsleiter sagte, zum ersten Mal in der Geschichte Tansanias habe sich US-amerikanisches Militär an der Ausbildung tansanischer Soldaten auf tansanischem Boden beteiligt. Bisher habe man sie immer in deren Ausbildungseinrichtungen geschickt.

Ende 07 wurde die Entsendung von 71 Militärpolizisten und sechs Militärpolizistinnen mit Sonderausbildung vorbereitet. Sie sollen die seit Anfang 07 dort stationierten 75 Militärpolizisten und zehn Militärpolizistinnen ablösen. "Tansania ist Mitglied der UNO. Deshalb sind wir dafür verantwortlich, dass Frieden und Stabilität außerhalb unserer Grenzen gefördert werden", sagte der Ausbildungsleiter der TPDF. Tansania ist das einzige Land, das im Libanon mit einer Einheit der Militärpolizei vertreten ist. Die Kosten incl. Ausrüstung und Uniformen trägt Tansania. (DN 21.9./8.12.07; Guardian 8.12.07)