Menschen mit einer Behinderung - 06/2013

Aus Tansania Information
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Mordversuch

Die Tanzania Parents of Children with Cerbral Palsy Association (TAPACEPA) verurteilte die Einwohner eines Dorfes der Mara-Region, weil sie versucht hatten, einen Säugling zu töten, der ohne Hände und Beine geboren war. Er sei ein schlechtes Omen für ihr Dorf, sagten manche. Tötet man ihn, könne er im Bergbau nützlich sein, behaupteten andere.

In einer TAPACEPA-Erklärung heißt es, die Beteiligten hätten gegen das Kinder-Gesetz von 2009 verstoßen; sie müssten verhaftet werden. Der zuständige Abgeordnete wird gebeten, dafür zu sorgen, dass der Mutter, sie ist Schülerin, und ihrem Kind nichts geschieht. (Guardian 29.8.12)

Integration, Rechte

Die Tanzania Federation of Disabled People’s Organisation (Shvyawata) will vorschlagen, dass die Gruppe der Menschen mit einer Behinderung laut neuer Verfassung mindestens zwei Sitze im Parlament erhalten. (Citizen 4.10.12)

Der Direktor der NGO Lake Victoria Disability Centre sagte, die Tansanier müssten Menschen mit einer Behinderung respektieren und ihnen, wann immer nötig, helfen. Lange Zeit seien Menschen mit einer Behinderung, vor allem Kindern, ihre Recht vorenthalten worden. Deshalb sei sein Zentrum entschlossen, in der Öffentlichkeit bewusst zu machen, dass Menschen mit einer Behinderung Respekt, gleiche Behandlung, Bildungschancen und Gesundheitsversorgung verdienen wie andere. Es gebe nun im Bewußtsein der Gesellschaft eine Veränderung im Bezug auf Menschen mit einer Behinderung. Früher hätten die Eltern behinderte Kinder versteckt, nun würden in der Stadt Musoma viele eingeschult. (Citizen 8.10.12)

Ein Verantwortlicher der Regierung sagte, bei einem Medien-Workshop zum Thema ‘Berichte über Personen mit psychischen Störungen’, man müsse die Privatsphäre solcher Menschen achten und Diskriminierung vermeiden. “Sie sollten über die Not dieser Menschen berichten, aber auch über ihre Entwicklung”, betonte er. “Inklusive Erziehung hilft vielen behinderten Kindern. Deshalb sollten wir sie fördern; die Vorzüge sind größer als die Nachteile.” (DN 12.12.12)

Das Arbeitsministerium erarbeitet Leitlinien, die private und staatliche Betriebe mit mehr als 20 Angestellten zwingen, mindestens 3 % der registrierten Arbeitsstellen für Menschen mit einer Behinderung zu reservieren. Bisher tun das wenige Firmen.

Um die Diskriminierung von Menschen mit einer Behinderung zu beenden, initiierte eine Organisation für Kleinkredite in der Tanga-Region eine Kampagne mit Seminaren und Sensibilisierungsprogrammen für die Anstellung dieser Menschen. Es sei ein Verstoß gegen die Verfassung, jemandem wegen Rasse, Religion, Geschlecht oder Behinderung die Anstellung zu verweigern, vorausgesetzt er oder sie ist dafür qualifiziert, sagte, der Direktor der Organisation. Behinderte, vor allem Frauen, erhalten ein Darlehen, damit sie ein Unternehmen aufbauen können. (Guardian 1.2./26.3.13)

Beteiligung an der neuen Verfassung

Menschen mit einer Behinderung (People Living with Disablities - PLWDs) verbanden sich mit Menschen anderer marginalisierter Gruppen, um gemeinsam dafür einzutreten, dass sie sich an der Formulierung einer neuen Verfassung beteiligen können.

Die Vorsitzende der Tanzania Association for Mentally Handicapped Persons sagte, obwohl etwa 15 % der Bevölkerung PLWDs sind, sei das noch nicht möglich gewesen.

Die Union for Entrepreneurs with Disablities in Dar-es-Salaam (Uwawada) wünscht, dass die neue Verfassung die Grundrechte der Menschen mit einer Behinderung respektiert, die Öffentlichkeit sollte dazu verpflichtet werden. Der Uwawada-Vorsitzende forderte die Regierung auf, die PLWDs in Ausbildungsstätten und Gesundheitseinrichtungen zu unterstützen, für Klauseln sorgen, die vorsehen, dass die Behinderungen bei der Benotung berücksichtigt werden. “Unser Lernprozesse ist anders, die Lernvoraussetzungen sind für uns nicht günstig; warum gilt für uns die gleiche Benotung”, fragte er.

Die Commission für die Formulierung einer neuen Verfassung (CRC) wird nun für PLWDs besondere Veranstaltungen organisieren, eine auf dem Festland, eine auf den Inseln. Die Delegierten werden von den PLWDs auf Straßen und Dorfebene nominiert. (DN 20.12.12; Guardian 14.2.13; Citizen 29.4.13)

Barrierefreie Gebäude gefordert

Die Dodoma Urban Disabled People Association (Chawata) drängt die Regierung, für Infrastruktur in Gebäuden und andernorts zu sorgen, die für Menschen mit einer Behinderung, z. B. für Rollstuhlfahrer, günstig ist. (DN 26.10.12; Citizen 16.10.12)

9 % der Bevölkerung sind körperbehindert. Obwohl die Regierung Zugang zu öffentlichen Gebäuden, Transportmitteln und ihren Dienstleistungen für sie anordnet, sind nur wenige Gebäude zugänglich; doch die Mittel fehlen, um sie entsprechend auszustatten. Neu errichtete entsprechen dem Gesetz. (United States Department of State 19.4.13)

Ausbildung, Förderung

In der Kagera-Region können 90 % der Menschen mit einer Behinderung nicht lesen und schreiben. Der regionale Vorsitzende der Association of People with Disabilities (Chawata) sagte, schuld daran sei, dass einige Eltern ihre Kinder nicht in die Schule schicken, sondern verstecken.

Die Kagera-Region wurde aufgefordert, die Wiedereröffnung der Ausbildungsstätte für berufliche Bildung für Menschen mit einer Behinderung zu ermöglichen. Es wurde 1995 mit finanzieller Unterstützung Schwedens eingerichtet für Schreiner, Schneider u. a. 2008 wurde die Einrichtung wegen Geldmangels geschlossen.

Die Chawata organisierte ein viertägiges Seminar für Menschen mit einer Behinderung, damit sie ihre Recht verstehen und einfordern können. (DN 20./26.10.12)

Der Stellvertretende Minister für Gesundheit und Soziales berichtete, die Ausbildungsstätten für Behinderte in Tanga und Tabora (mit 144 bzw. 40 Plätzen pro Jahr) würden repariert, damit die Bevölkerung erkenne, dass solche Menschen Teil der Gesellschaft sind. Im Augenblick seien im Yombo Disabled College mindestens 120 behinderte Auszubildende, im Disabled Women College in Singida 81. (Guardian 10.11.12)

Geistig behinderte Kinder im Alter von 2-7 Jahren können im National Indoor Stadium Dar-es-Salaams zweimal pro Woche ein von den Special Olympics Tanzania (SOT) organisiertes Sportunterrichts-Programm besuchen. Man will ihnen helfen, Sport zu lieben. “Ist das erreicht, fällt es ihnen leicht, sich mit anderen zu mischen”, erklärte der SOT-Direktor Tansanias. Er betonte, die Eltern sollten behinderte Kinder nicht verstecken. (DN 11.5.13)

Eine Expertin sagte, Hindernisse für ein inklusives Bildungsangebot seien mangelnde Motivation der Lehrkräfte und der prüfungsorientierte Lehrplan. In vielen Schulen und Bildungszentren seien die Arbeitsbedingungen nicht für Behinderte geeignet. Das müsse sich ändern, betonte sie. (Citizen 1.4.13)

Medizinische Behandlung

Das House of Hope der Comprehensive Community Based Rehabilitätion in Tanzania in der Stadt Moshi erreichte 1.771 Kinder mit einer Behinderung und ihre Familien. 917 wurden im Rehabilitationszentrum behandelt, 355 ambulant, 235 während der Wochen der Intensivpflege, 69 Säuglinge mit Klumpfüßen, 153 erhielten einen Rollstuhl, 104 mit Hörproblemen besuchten die Sprachklinik. Die Mitarbeiter machten 2.722 Hausbesuche. 391 Kinder wurden in ein Krankenhaus überwiesen. (DN 7.9.12)

Spezialisten für Knochen und Haut aus den USA weilten sieben Tage im Mvomero-Distrikt (Morogoro-Region), um mindestens 1.000 Behinderte kostenlos zu behandeln. Organisator und Gastgeber war das Nashera Tourist Hotel in Morogoro. Alljährlich will es eine derartige Aktion durchführen. (Guardian 14.2.13)

Gehörlose, Hörbehinderte

Mitlieder des Tanzania Network for Women with Hearing Disabilities im Kisarawe-Distrikt (Küsten-Region) baten die Distrikt-Verwaltung, sie zu beteiligen, wenn der Hauhaltsplan entworfen wird, damit sie ihre eigenen Projekte der Armutsbekämpfung betreiben könnten. Fatuma Kimario, District Commissioner, schlug Imkerei, Anbau von Pyrethrum und Suche nach einem Absatzmarkt vor. (Guardian 2.10.12)

Am Ghona Vocational Training Centre für Gehörlose in Moshi schlossen sieben Frauen und drei Männer ihre zweijährige Ausbildung in Schneiderei und Tischlerei ab. Das Zentrum hat zwei moderne Klassenzimmer und zwei moderne Schlafräume; eine moderne Werkstatt ist im Entstehen. (DN 11.12.12)

In Sansibar sind von den 3.500 Gehörlosen die meisten Kinder, die dringend Hilfe und Bildung benötigen. Unglücklicherweise werden die meisten noch von ihren Eltern versteckt, weil diese denken, Gehörlose könnten nicht lernen. Am Rand der Stadt Sansibar wurde eine Gehörlosenschule und ein Post-Hearing Aid Rehabilitation Centre errichtet. Es hat Platz für 30 Kinder. Die Eltern wurden aufgefordert, ihre Kinder anzumelden, damit sie wenigstens Grundwissen erwerben. Kinder in Sansibar und Pemba, die zwischen drei und elf Jahre alt sind, können angemeldet werden. Es gibt einen Schulbus.

Das Zentrum bietet auch Stipendien für die Ausbildung von Fachleuten an, die Kinder mit Hörproblemen versorgen. Noch fehlt es an ausgebildeten Lehrkräften für die gehörlosen Kinder. (DN 21.2.13)

Blinde, Sehbehinderte

Die die Behinderten vertretende Abgeordnete, sagte, wenn man den Behinderten Almosen gibt, mache man sie abhängig, sie werden als Last angesehen; aber wenn wir in ihre Bildung investieren, machen wir Fortschritte bei der Entwicklung unseres Landes. Im vergangenen Jahr lernten 15 Menschen mit Sehbehinderung Informations und Kommunikations-Technologie; in diesem Jahr unterrichten einige von diesen 27 Sehbehinderte. Die Absolventen erhielten für sie geeignete Laptops. Die Sightsavers Tanzania planen, in den kommenden vier Jahren 200-300 Sehbehinderte die Verwendung eines Computers zu lehren. Diese gemeinnützige Organisation versprach, weiterhin die Ausrüstung für drei Zentren zu finanzieren. (DN 9.10.12)

Die Regierung wird den Blindenschulen Bücher in Blindenschrift, zur Verfügung stellen; sie werden im Ausland hergestellt, kosten viel und sind z. Zt. knapp. Es fehlt auch an Lehrkräften und Einrichtungen.

Im nächsten Haushalt sollen genügend Mittel vorgesehen werden.

Der Minister für Gesundheit und Soziales dankte den Religionsgruppen dafür, dass sie in Tansania Schulen für Menschen mit Sehbehinderung einrichteten. Seit 1998 errichtete das Tanzania National Institute for the Blind (TNIB) 32 Primar- und 10 Sekundar-schulen für Sehbehinderte. 95 % gehören dem Staat, 5 % religiösen Einrichtungen. Es gibt auch ein College. (Guardian 5.1.13)