Magere Ernte in vielen Teilen Tansanias, Unterstützung Notleidender - 08/2011

Aus Tansania Information
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Lage

In 16 Regionen herrscht in insgesamt 56 Distrikten eine Versorgungskrise. In einigen Gebieten blieb der Regen 2010 aus; in diesem Jahr waren die Niederschläge häufig sehr gering.

Sieben Regionen haben einen Ernteüberschuss. Dort kauft die National Food Reserve Agency (NFRA) Getreide und bringt große Mengen in die von Hunger betroffenen Gebiete, verkauft es dort zu einem subventionierten Preis oder verteilt es kostenlos als Hungerhilfe. Die Verknappung treibt die Preise hoch. Viele Menschen können sich nur eine Mahlzeit pro Tag leisten und diese besteht meist aus Maniok.

Die Regierung untersagte in einigen Gebieten, Getreide für das Bierbrauen zu verwenden; sie rät den Menschen, dürrebeständige Getreidesorten anzubauen und Lebensmittel zurückzulegen, um bis zur kommenden Ernte überleben zu können. Die Viehhalter forderte sie auf, einige Tiere zu verkaufen, damit sie Geld hätten, um Nahrung zu kaufen.

Die Verwaltung des Ngorongoro-Distrikts bat die Regierung um die Erlaubnis, Getreide direkt von der NFRA zu kaufen; die Lebensmittelhilfe aus Dar-es-Salaam reiche einfach nicht aus. Die Versorgungslage ist dort besonders beunruhigend, weil die Regierung im Gebiet der Ngorongo-ro Conservation Area Authority (NCAA) Subsistenz-Landwirtschaft untersagte. Die NCAA verteilte 535m/- TSh an Hunderte von Einwohnern, damit sie sich Mais kaufen könnten.

Die Manyara-Region erhielt 8.097 t Mais vom Amt des Premierministers. 1 kg wird für 60/- TSh verkauft; wer das nicht aufbringen kann, erhält den Mais kostenlos. (DN 6./ 30.6./7.7.11; Guardian 23./24./31.5./20./30.6./7./18.7.11; Citizen 23./25.5./13.6.11; Arusha Times 2./ 16.7.11)

Exportverbot und Schmuggel

Schon im April '10 hatte die Regierung den Export von Getreide untersagt; Reis durfte mit einer Sondergenehmigung ausgeführt werden. Am 1.7.11 wurde die Ausfuhr von Getreide erneut verboten. Doch skrupellose Händler kaufen es direkt von den Landwirten und exportieren es. In einigen Nachbarländern herrscht Hungersnot. (DN 7.7.11; Guardian 7.7.11)

Im Tarime-Distrikt (Mara-Region) beschlagnahmte die Polizei acht Lastwagen Getreide, das nach Kenia geschmuggelt werden sollte. Pro Tag sind es schätzungsweise 10.000 t. Dazu sollen 5.000 Rinder, 15.000 Ziegen und 8.000 Schafe verbotenerweise durch Kenia bis Somalia und in den Sudan gebracht werden. Die dortige Bevölkerung ist von einer Hungersnot bedroht. 20 l Mais kosten statt bisher 5.000/- TSh nun 12.000/- TSh; in Kenia werden 16.000/- TSh geboten. (DN 6.6.11; Guardian 6./21.6.11)

Der Distrikt Commissioner von Rombo (Kilimanjaro-Region) drohte Händlern, die Mais nach Kenia transportieren, strenge Strafen an; sie trieben Sabotage, sagte er, bestächen einige Polizisten und Mitarbeiter der Steuerbehörde, damit man sie gewähren lasse. Während der Nacht brächten sie das Schmuggelgut über Schleichwege ins Nachbarland. (DN 5.7.11)

Kenianische Händler klagten, es sei gegen den Geist der East African Community (EAC), wenn tansanische Behörden ihnen verbieten, bei ihrem Nachbarn Mais zu kaufen. "Heißt das, dass Tansania einem sterbenden Bruder oder einer sterbenden Schwester in einem anderen Land der EAC nicht helfen kann, und wir trotzdem von regionaler Integration sprechen?", fragte ein kenianischer Händler. Ein tansanischer Beamter antwortete: "Wir dürfen Mais nicht über die Grenze lassen, denn auch bei uns herrscht eine Lebensmittelkrise." (Daily Nation 11.7.11)

Im Kahama-Distrikt (Shinyanga-Region) wurde verhindert, dass 100.000 t Mais nach Burundi, Ruanda, Uganda und Kenia gebracht werden konnten. Ein Abgeordneter berichtete, jeden Tag schmuggelten 200 Laster Mais nach Kenia. Dort stieg der Preis für Mais um 130 %. (DN 13./14.7.11; Citizen 12.7.11)

Nach Schätzungen der tansanische Polizei werden pro Tag über die Regionen Arusha, Kilimanjaro und Mara mehr als 400 Mais außer Landes transportiert und nach Kenia, Somalia, Äthiopien, Burundi, Uganda, in die DRCongo und den Südsuden gebracht. (DN 22.7.11; Guardian 22.7.11; Citizen 22.7.11)

Die Landwirte der Rukwa-Region baten die Regierung das Ausfuhrverbot aufzuheben, sie hätten genug Vorräte. In dieser Ernte habe die Region mehr als 1 Mio. t geerntet; der Bedarf betrage 400.000 t. Aus Geldmangel habe die NFRA in diesem Jahr die Ernte nicht aufgekauft, sagte ein Händler; sie habe noch viele t Getreide, die im letzten Jahr gekauft wurden. Die Landwirte wüssten nicht, wo sie die Ernte lagern sollen. (Guardian 14.7.11)

Die Regierung lässt durch die National Food Reserve Agency (NFRA) in den Regionen, die Getreideüberschuss haben, Vorräte kaufen. Es sind neben den 'vier Großen', Iringa, Mbeya, Rukwa und Ruvuma, die Regionen Kagera, Kigoma und Mtwara. (DN 13.7.11)

Angebot für Nachbarländer

Tansania öffnet seine Türen und lädt die von der Dürre heimgesuchten Nachbarländer ein, direkt mit der Regierung zu verhandeln, nicht mit Landwirten, Händlern und Agenten. Der Minister für Landwirtschaft, Versorgungssicherheit Cooperative sagte, man solle mit der Regierung Kontakt aufnehmen, statt sich auf informellen grenzüberschreitenden Handel zu verlassen. Tansania habe einen Nahrungsmittelüberschuss von 1,7 Mio. t. (DN 22.7.11; Guardian 22.7.11; Citizen 22.7.11)

Zu Hirse und Sorghum

Die Koordinatorin der Projektes Harnessing Opportunity for Enhancement of Productivity of Sorghum and Millet (HOPE), eine Landwirtschaftsexpertin, drängt die Landwirte in semiariden Gebieten dürrebeständige Sorten anzubauen. Auch Geld könnten sie mit Hirse verdienen, denn bei Brauerein und Fabriken, die Getreideflocken herstellen, sei die Nachfrage groß. Im Rahmen eines von der Melinda Gates Foundation finanzierten Projektes wird der Anbau von Hirse und Sorghum in vier Regionen gefördert. Einige landwirtschaftliche Forschungseinrichtungen beteiligten sich an diesem Projekt. Sie frage sich, warum viele Landwirte trotz ungünstigen Wetters am Mais festhalten, sagte sie. (Citizen 11.7.11)

Widerstand gegen Bewässerung

Im Hanang-Distrikt (Manyara-Region) pumpen Landwirte Wasser aus dem Lake Bassostu, um ihre Zwiebelfelder zu bewässern. Viele Einwohner, vor allem die Frauen des Barabaig und des Iraqw-Volkes, fürchten, der See, ihr Wasserreservoir, könne austrocknen. Sie fordern die Behörden auf, das Bewässern zu verbieten, der See sei laut ihrer Tradition heilig. Der Lärm der Pumpen störe die Götter. Ihr Ärger könne dazu führen, dass der See austrocknet. Die Landwirte sind nicht bereit, die Felder vor der Ernte zu verlassen. Das Land sei ihnen von eben den Leuten zugeteilt worden, die jetzt ihre Ausweisung forderten. (Citizen 15.7.11)

Lage im Ngorongoro-Schutzgebiet

Der Minister für Naturschätze und Tourismus betonte, der am Rand der Ngorongoro Conservation Area Authority (NCAA) lebenden Bevölkerung sei es streng verboten, Subsistenz-Landwirtschaft zu betreiben; das koste dem Gebiet die Anerkennung als Weltnaturerbe. Die Leute sollten den Hunger nicht als Entschuldigung für ihre Feldbestellung verwenden. Auch in Gegenden, in denen Ackerbau erlaubt ist, herrsche Lebensmittelknappheit. Viehhalter, die Landwirtschaft betreiben wollen, sollten aus dem NCAA-Gebiet am Kraterrand wegziehen. Der Minister schlug den Dorfverwaltungen vor, auf den Märkten Lebensmittel einzukaufen, um weniger bezahlen zu müssen.

Ein NCAA-Verantwortungsträger versprach, man werde den Betrag für den Kauf von Nothilfe-Lebensmittel für Menschen, die im Schutzgebiet leben, erhöhen. Jedes Jahr verwende die NCAA 1mrd/- TSh, um dieser Gruppe zu helfen. "Traditionell leben die Maasai von Fleisch und Milch, aber in den letzten Jahren ging die Zahl der Rinder zurück. Das zwingt die Menschen sich auf andere Nahrung zu verlassen", klagte ein Maasai. (Guardian 12.7.11)

Kommentar

Wieder einmal herrscht in Tansania Hungersnot. Interessanterweise sind nur Getreidearten wie Mais und Reis knapp. Reichlich sind die Vorräte an anderen Nahrungsmitteln. Die Tansanier müssen ihre Essgewohnheiten und ihren Speiseplan ändern. Für viele ist Ugali die einzige richtige Nahrung, andere geben Reis den Vorzug, oder sie akzeptieren nur Bananen. Wenn Ostafrika für Jahre hintereinander nicht genug Regen bekommt, können wir es uns nicht leisten wählerisch zu sein. Es gibt viele Ernteprodukte, die auch mit wenig Niederschlägen gedeihen, z. B. Jams, Maniok, Sorghum, einige Kartoffelsorten, Hirse, und Hülsenfrüchte. Man sollte den Anbau dürrebeständiger Sorten intensiver fördern. Wenig kann man tun, um die Wetterverhältnisse zu verändern, aber wir können ihre negativen Auswirkungen abmildern. (Citizen 7.7.11)