Landwirtschaft - Probleme - 04/2014

Aus Tansania Information
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Geflügelimporte, Exportpreise

Geflügelzüchter, vor allem in städtischen Gebieten, müssen aufgeben, weil sie nicht mehr mit Importen aus Nord- und Südamerika konkurrieren können. Vor allem Geflügel aus Brasilien wird zu Dumpingpreisen verkauft. Reporter der Zeitung The Citizen fanden umgepacktes Fleisch ohne Verfallsdatum. Geflügelimporte sind in Festland-Tansania zum Schutz gegen Vogelgrippe verboten, nicht aber auf Sansibar, von wo aus die Importe massenhaft eingeschmuggelt werden. Der Gesundheitsminister wies auf das bestehende Einfuhrverbot hin und versprach, es durchzusetzen und nach Lösungen für die sansibarischen Erzeuger zu suchen.

Tansanische Bauern leiden unter fallenden Weltmarktpreisen für Kaffee und Baumwolle. Letztere wird zunehmend durch Kunstfasern ersetzt, der Kaffeepreis sinkt wegen steigender Produktion in Brasilien, Kolumbien, Vietnam und Indonesien. Von der Sorte Robusta wurden 11,9%, von Arabica 8,5% mehr erzeugt. Allerdings stiegen die Weltmarktpreise für Robusta in jüngster Zeit nach einer Trockenperiode in Brasilien wieder an.- Der Teepreis stieg leicht an, nachdem sich die politische Lage in Ägypten, dem Hauptabnehmerland, relativ stabilisiert hat.

Pflanzenkrankheiten, Unkraut

Im Nordwesten Tansanias (Kagera / Bukoba) breitet sich eine bakterielle Krankheit der Bananenstauden aus. Die Panamakrankeit, bei der die Stauden verwelken, befällt alle Bananenarten. Man versucht, die Krankheit mit menschlichem Urin, Asche und durch Verbrennen befallener Stauden zu bekämpfen. Wenn ganze Plantagen befallen sind, hilft nur, die Pflanzen komplett auszureißen und mit einer Neupflanzung mindestens ein Jahr zu warten. In den betroffenen Regionen ist die Banane das Hauptnahrungsmittel, daher bedroht diese Krankheit die Ernährung der Bevölkerung.

Das Striga-Unkraut verursacht Ernteausfälle bei Mais in Höhe von 1,7 Mill. t jährlich, d.h. einen Verlust von USD 356 Mill. Nachforschungen des Landwirtschaftsministeriums ergaben, dass das Schadkraut durch gefälschtes und verunreinigtes Saatgut verbreitet wurde. Nach der wirtschaftlichen Liberalisierung nach 1990 machten Privatunternehmen der staatlichen Tanseed Konkurrenz und lieferten minderwertiges Saatgut. Nur strengere Gesetze und Überwachungsmaßnahmen könnten das Problem lösen.

In der Mara-Region verbreitet sich ein neues Unkraut, das noch keinen wissenschaftlichen Namen erhalten hat. Es wächst sehr schnell und hindert sämtliche Nutzpflanzen am Keimen. Es ist zudem schwer zu bekämpfen, weil es beim Abschneiden oder Hacken heftiges Jucken verursacht. Im Landkreis Butiama werden daher schwere Ernteausfälle erwartet.

In der Victoriasee-Zone haben virale Maniok-Pflanzenkrankheiten bis zu 90% der Ernte vernichtet. Die Pflanzen stellen das Wachstum ein und die Wurzeln verrotten vor der Ernte. Versuche mit Fruchtwechsel und alternativen Manioksorten brachten bisher kaum Erfolge. Daher bleiben momentan nur andere Nahrungspflanzen wie Mais, Reis oder Bohnen, die allerdings wiederum wegen unregelmäßiger Regenfälle problematisch sind. Forscher des Mikocheni-Institute glauben, mit Gewebekultur-Techniken resistente Maniok-Sorten entwickeln zu können [s.u. „Pflanzentechnologie“].

Das Institut für Tropische Landwirtschaft (IITA) stellte ein Mittel zur Bekämpfung der in vielen Grundnahrungsmitteln verbreiteten Aflatoxine vor. Diese verursachen Leberkrebs, Wachstums- und andere Störungen. US-Forscher haben nicht-toxische Stämme des Schimmelpilzes Aspergillus flavus gezüchtet, die die giftproduzierenden Stämme verdrängen sollen.

Citizen 02.12.14; DN 13.,27.12.13; 30.01.; 21.02.14; Guardian 17.11.13; 02.,08.,09.03.14

Pflanzentechnologie, Genmanipulation

Forscher des Mikocheni Landwirtschaftsforschungs-Instituts (MARI) forderten die Regierung auf, entweder Gentechnische Forschung zuzulassen oder die Gewebekultur-Technologie finanziell zu fördern. Durch Letztere könnten gesunde, schädlingsfreie Pflanzen sehr schnell vermehrt und auch variiert werden. Dies sei unverzichtbar, um in kurzer Zeit Anpassungen an Klimaveränderungen oder großflächigen Schädlingsbefall wie jüngst in Bukoba und Kagera [s. o.„Pflanzenkrankheiten“] zu erreichen. Im Haushalt 2014/15 soll die Gewebekultur-Technologie spezielle Förderung erhalten.

Die ostafrikanische Forschungsstelle „Wasser-effizienter Mais für Afrika“ (WEMA) hat mit US-Unterstützung drei dürre-resistente Maishybriden entwickelt. Der Saatgutbedarf liegt bei etwa 60.000 t. Derzeit werden 25.000 t erzeugt, Vieles davon kommt aus Südafrika. Der neue Mais bringt bis zu 25% mehr Ertrag. Allerdings können die neuen Sorten nach dem strengen Gesetz zu genmanipulierten Organismen (GMO) von 2009 in Tansania nicht verwendet werden. Dasselbe gilt für virusresistente Manioksorten, die am Mikocheni-Institut Dar-Es-Salaam entwickelt wurden.

Gruppierungen, die Umweltschutz und organische Landwirtschaft vertreten, haben sich in der „Tanzania Alliance for Biodiversity“ zusammengeschlossen und fordern, dass die strenge GMO-Gesetzgebung beibehalten wird. Sie sehen in der Initiative der Pflanzenforscher einen Versuch, den großen, meist amerikanischen, Saatgutfirmen den Weg zu ebnen. Diese wollten die tansanischen Farmer gänzlich von sich abhängig machen. Umgekehrt sehen die Vertreter einer GMO-Technologie die Umweltschützer unter übermäßigem Einfluss Europas, wo GMO mehrheitlich abgelehnt werden und von wo die bisher benötigten Argro-chemikalien kommen (11 der 19 Allianz-Mitglieder haben europäische Partner). Monsanto habe die dürretoleranten Mais-Gene lizenzfrei zur Verfügung gestellt.

Weitere Beispiele für umstrittene genmanipulierte Nahrungspflanzen sind die Orange Süßkartoffel (enthält Vitamin A; vgl. TI März 14, S. 5) und stickstoff-effizienter Mais, der weniger Nitrogen-Dünger benötigt. Manche befürworten auch die genveränderte Bt-Baumwolle, die weniger Insektizid benötigt. Sie ist in Burkina Faso bereits weit verbreitet.

Der Landwirtschaftsminister sagte, er habe grundsätzlich keine Probleme mit GMO, sofern wissenschaftlich zweifelsfrei erwiesen sei, dass sie für Menschen, Tiere und Umwelt unschädlich sind. Die Beraterin des Präsidenten der EU-Kommission, Prof. Anne Glover, äußerte in einem Interview mit dem Guardian, viele afrikanischen Länder hätten keine Alternative zu genetisch veränderten Nahrungsmitteln, während sich Europa den Luxus des Verzichts darauf leisten könne. Bisher sind GMO uneingeschränkt zugelassen in Burkina Faso, Ägypten, Sudan und Südafrika. Länder wie Kamerun, Kenia, Nigeria und Uganda betreiben Feldversuche mit biotechnischen Produkten.

Ein Sprecher der Kommission für Wissenschaft und Technologie versicherte auf besorgte Anfragen hin, die neuerdings angebotenen größeren und süßeren Mangos und Ananas seien nicht gentechnisch manipuliert, sondern auf Züchtung, Pfropfung und optimale Wachstumsbedingungen zurück zu führen.

Kleinbauern und Experten äußerten sich besorgt über das rasche Verschwinden traditioneller und lokaler Nahrungspflanzen. Ein Sprecher des Landwirtschafts-Forschungsinstituts Uyole / Mbeya nannte als Beispiel die Loti-Kartoffel im Makete District, die von modernen CIP-Sorten verdrängt wird (CIP – Internationales Kartoffel-Zentrum in Peru). Auch lokale Maissorten verlieren Terrain, obwohl sie besser schmecken, schneller reifen, leichter zu speichern und zu mahlen und vierfach billiger als Hybridsorten sind.

Homepages

Mikocheni Agricultural Research Institute: http://www.ari-mikocheni.org; Water Efficient Maize for Africa: http://www.wema.aatf-africa.org; Tanzania Alliance for Biodiversity: http://www.envaya.org.tabio; Uyole Agricultural Research Institute: http://www.ariuyole.go.tz

DN12.,13.02.; 20.03.14; Guardian 21.,25.10.13; 12.01.; 11.02.; 08.03.14; Citizen 17.10.13