Glaube an und Furcht vor Zauberei und Hexen - 12/2012

Aus Tansania Information
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Zahlen, Ausbreitung

Laut Bericht des Legal and Human Rights Centre (LHRC) wurden in Tansania von 2005-11 jedes Jahr etwa 500 Personen, vor allem ältere, getötet, weil man vermutete, sie betrieben Zauberei. Die meisten Morde geschahen in den Regionen Mwanza und Shinyanga. (Guardian 21-6-12; Citizen 29.5.12)

Laut LHRC wurden von 2004-09 mehr als 2.585 ältere Frauen in acht Regionen wegen vermuteter Hexerei getötet. (Guardian Global Development Network, London 1.10.12)

Vorfälle

Im Sumbawanga-Distrikt (Rukwa-Region) starb ein junger Mann. Nachdem er in mehreren Gesundheitseinrichtungen erfolglos behandelt worden war, entschied er sich für eine traditionelle Behandlung; doch später starb er. Die Hinterbliebenen überlegten, wie sie die angeblichen Zauberer am besten bestrafen könnten. Endlich beschloss man, sie zu töten.

Während sich viele Trauernde am Haus des Verstorbenen versammelten, steckte eine Gruppe Jugendlicher mehr als 40 Häuser in Brand und lynchte zwei ältere Männer, weil sie Zauberei betrieben und mehr als 20 Kühe geschlachtet hätten. Viele Einwohner, vor allem Frauen, Kinder und Alte, flohen aus dem Dorf. (DN 13.5.12)

Im Sumbawanga-Distrikt (Rukwa-Region) beschuldigte ein Dorfbewohner einen anderen, ein Zauberer zu sein, und sagte, er müsse das Dorf innerhalb von einer Woche verlassen; andernfalls werde er ihn töten, danach alle seine Tiere schlachten.

Das Distrikts-Gericht verurteilte ersteren zu sieben Jahren Haft mit der Begründung, er habe jemanden Zauberer genannt. Es sei gefährlich, eine solche Vermutung zu äußern, weil das zum Lynchmord aufstacheln könne. (DN 23.5.12)

Aberglaube und Kriminalität sind vermutlich die Ursachen dafür, dass im Tarime Distrikt (Mara-Region) acht Verbrecher neun Häuser niedergebrannt, seine Tiere getötet und Besitz vernichtet haben. Die Polizei sucht nach den Schuldigen. (Guardian 21.6.12)

In Mererani (Simanjiro-Distrikt, Manyara-Region) entging ein Bergmann aus der Democratic Republic Congo nur knapp der Ermordung durch eine wütende Menge. Er soll bei einem Zauberritual sein eigenes dreijähriges Kind verwendet haben, in dem Glauben, auf wunderbare Weise zu mehr Tansanit zu kommen. Er hatte des Kind im Gesicht, an den Handflächen und am Rücken verletzt, weil er Blut haben wollte, um sein Gesicht damit zu bestreichen. Nachbarn berichteten, bisweilen habe er das Kind in einem Zauberritual, das ihn reich machen sollte, unter seinem Bett schlafen lassen.

Der Bergmann wurde verhaftet. Eine große Menge versammelte sich an der Polizeistation und verlangte seine Freilassung, damit man ihn lynchen könne. Doch die Polizei gab nicht nach. (Arusha Times 23.6.12)

Im Muleba-Distrikt (Kagera-Region) drangen etwa 1.000 Menschen in die Polizeistation ein, überwanden die wenigen Polizisten und töteten einen Verdächtigten. Er soll im Glauben an Zauberei ein Kind entführt haben. Ein weiteres Kind wurde vermisst, nach acht Tagen endlich gefunden; Geschlechtsorgane, Augen und Zunge waren abgeschnitten worden. (DN 12.9.12)

Mehrere Jugendliche setzten 20 Häuser in Brand; sie sagten, die Eigentümer beschäftigten sich mit Zauberei. Die Polizei verfolgte sie. Viele junge Leute flohen in die benachbarten Dörfer und in den Busch. Die Schulkinder wagten nicht mehr, in die Schule zu gehen, sie verstecken sich zu Hause. (Citizen 24.9.12)

Eine 73-jährige Witwe aus dem Sukumaland wurde eines Nachts auf dem Heimweg von einem Mann mit einem Buschmesser angegriffen und bewusstlos geschlagen. In einem Drohbrief war ihr geraten worden, das Dorf zu verlassen. Wahrscheinlich hatte ein Nachbar, dessen Kind gestorben war, diesen verfasst. Ein traditioneller Heilkundiger hatte ihm gesagt, die Frau sei für den Tod seines Kindes verantwortlich, sie habe es verhext.

Die Frau verbrachte drei Wochen im Krankenhaus. Als sie entlassen wurde, erfuhr sie, ihr Fall sei verhandelt worden, sie habe verloren. "Ich erfuhr keine Gerechtigkeit, weil ich nicht dafür bezahlen konnte, niemand tritt für die ein, die arm sind", klagte sie

HelpAge International berichtet, im Sukumaland seien Fälle enormer Gewalt gegen ältere Frauen, die angeblich mit Zauberei zu tun haben, häufig. Aber oft seien andere Probleme der Gesellschaft die Ursache. Mangelndes Wissen über HIV/AIDS und andere Krankheiten führten dazu, dass viele glauben, eine Familie sei verhext.

Um herauszufinden, wer sie verhext hat, wenden sich Personen, die in der Familie Unglück, Krankheit oder Tod erlebten, häufig an traditionelle Heilkundige. Diese deuten normalerweise auf eine ältere, schutzlose Frau im Dorf.

Es heißt, Hexen hätten rote Augen; das ist bei älteren Frauen, die ihr Leben lang an rauchigen, primitiven Herden für ihre Familie gekocht haben, normal

HelpAge und seine lokalen Partner entwickelten Wege, um einige Wurzeln der Beschuldigung anzugehen. Sie kooperieren mit traditionellen Heilern und der Polizei, um beim Bau von Häusern und der Beschaffung effizienter Herde für gefährdete, ältere Frauen zu helfen. Das motiviert die Bevölkerung, ältere Glieder ihrer Gemeinschaft zu schützen. (Guardian Global Development Network, London 1.10.12)

Ein Einwohner der Stadt Sumbawanga (Rukwa-Region) wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt, weil er seinem Bruder vorgeworfen hatte, ein Zauberer zu sein; er werde ihn umbringen, weil er ihren jüngeren Bruder verhext habe. Dieser war laut Artzbericht infolge von Malaria und Typhus gestorben. (DN 17.11.12)