Gesundheitswesen - 08/2013

Aus Tansania Information
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Diskriminierung bei Gesundheitsversorgung

In einem Bericht von Human Rights Watch (HRW) und Wake Up and Step Forward Coalition (WASO) mit dem Titel “Treat Us Like Human Beings” heißt es Diskriminierung von Prostituierten, Personen, die Drogen nehmen, homosexuellen und transsexuellen Minderheiten, sei ein Vergehen gegen lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle (LGBTI) Personen und Prostituierte. Zu diesen Vergehen gehörten Verweigerung von Gesundheitsversorgung, Vertrauensmissbrauch, Verweigerung der Freiheit, sich zusammenzuschließen, verbale Belästigung, willkürliche Verhaftung, Beleidigung, Folter, Vergewaltigung und Mord. Diese Verstöße gegen die Menschenrechte machten Schwule, Prostituierte und Drogenkonsumenten immer misstrauischer der Regierung gegenüber. Ihre Furcht untergrabe öffentliche Gesundheitsinitiativen, die auf Kooperation und Partnerschaft basieren zwischen Regierung und den Menschen, bei denen die Gefahr, sich mit dem HIV zu infizieren, am größten ist.

Vielfach wiesen Mitarbeiter des Gesundheitswesens Prostituierte und LGBTI-Personen ohne irgendeine Dienstleistung ab, demütigten sie statt dessen. Ständig würden sie belästigt, missbraucht, vergewaltigt, oft verhaftet; um freigelassen zu werden, müssten sie Schmiergeld bezahlen oder für sexuellen Kontakt zur Verfügung stehen, berichtete eine Aktivistin. Nur einige private Einrichtungen versorgten die betreffenden Personen.

Selten hätten LGBTI-Personen den Mut, sich frei zu äußern, weil sie fürchten, ihren Job zu verlieren, von ihrer Familie verstoßen oder verhaftet zu werden.

Nach tansanischem Gesetz wird Homosexualität mit lebenslanger Haft bestraft. Mitarbeiter des öffentlichen Gesundheitswesens glauben immer mehr, Diskriminierung sei das Entscheidende beim Kampf gegen HIV in Hochrisikogruppen.

Doch Kriminalisierung treibt diese Personen immer mehr in den Untergrund, beraubt sie des Zugangs zu Gesundheitsinformationen, Vorbeugung und Behandlung.

Für den Bericht der HRW und der WASO wurden 121 Personen der Risikogruppe, Regierungsbeamte, Versorgungsleute und Akademiker interviewt. (Guardian 22.6.13; IRIN 18.6.13)

Medikamente

Sieben von zehn Patienten, die sich in einer privaten Klinik behandeln lassen, erhalten wahrscheinlich eine Spritze, die sie nicht benötigen. Einige private Einrichtungen bitten ihre unwissenden Patienten zum eigenen Vorteil zur Kasse; “So überleben wir”, sagte ein Dentist. Untersuchungen zeigen, dass mehr als 70 % der Patienten bei einer Beratung mindestens eine Spritze bekommen. Laut WHO sind 70% der Spritzen, die in einem Teil der Entwicklungsländer gegeben werden, vermeidbar. Doch viele Patienten halten als Spritze verabreichte Medikamente für sehr effektiv. Ein weiteres Problem ist, dass die Spritzen oft nicht steril sind. (Citizen 6.7.13)

Die Tanzania Food and Drug Authority (TFDA) warnte davor, Baobab-Öl einzunehmen, es enthalte krebserzeugende Fettsäuren. In vielen Teilen Afrikas wird Baobab-Saft als Allheilmittel verwendet. Für die Kosmetik taugen Baobab-Produkte, aber nicht als Medikament, betonte die TFDA. Es ist möglich, die schädlichen Stoffe zu extrahieren; aber diese Technik steht in Tansania noch nicht zur Verfügung. (DN 8.7.13)

Traditionelle Medizin

Die Regierung plante, 75.000 traditionelle Heiler und Verkäufer von Kräutermedikamenten zu registrieren. Aber nur 1.000 tauchten auf und ließen sich registrieren. Einige verbergen ihr Gesicht, wenn Beamte kommen, um sie zu registrieren. Sie betreiben ihr Geschäft fast in totaler Verborgenheit. Was sie für die Patienten tun, kann surreal und furchterregend sein. Unter den von ihnen verwendeten Dingen können Amulette, Fetische, Knochen, Wurzeln, Federn, Muscheln, Tierhäute, Kalabassen, Pulver aus Rinde, Flüssigkeiten u. a. sein. Unter ihren Kunden sind bekannte Geschäftsleute, Politiker, Lehrkräfte, Geistliche, Polizisten, Studenten, Landwirte, sogar ausgebildete Mediziner. Einige ihrer Kräutermedikamente scheinen zu nützen, wenn die moderne medizinische Wissenschaft versagt.

Die Regierung will die Arbeit der Heiler bekanntmachen, erreichen dass sie mit den konventionell arbeitenden Medizinern zusammenarbeiten, um das Leben der Kranken zu retten. (DN 17.4.13)

Das Ministerium für Gesundheit und Soziales plant, eine Fabrik für traditionelle Medikamente zu errichten. 60 % der Bevölkerung verlassen sich auf diese. Weil ihre Zahl so groß ist, richtete die Regierung eine eigene Abteilung ein und bildete einen Ausschuss für traditionelle Medizin. Sie wird Forschung betreiben, damit die traditionelle Medizin einen Beitrag leistet für die Entwicklung und sie im Land und international anerkannt wird. Ein Verantwortlicher des Ministeriums betonte, die traditionellen Heiler müssten registriert werden, um sicherzustellen, dass sie sich an die ethischen Normen halten und sie von den Menschen, die sie versorgen, geachtet werden. Er bat die Regierung, sich mehr um die Registrierung der traditionellen Heiler zu kümmern, um diesen Sektor international zu entwickeln.

Die Traditional Medicine Association in Tanzania wurde 1961, nach der Unabhängkeitserklärung, gegründet. (DN 25.5.13)

Anreicherung von Lebensmitteln

Das von der Regierung gestartete Programm zur Nahrungsmittelanreicherung soll in ganz Tansania durchgeführt werden, damit alle Tansanier nahrhafte Lebensmittel erhalten. Beim offiziellen Beginn der Aktion sagte Präsident Kikwete, das Augenmerk werde vor allem auf die ländlichen Gebiete gelenkt, denn die Landwirte verwendeten kaum Industrieprodukte. Angereichert werden die Industrieprodukte Salz, Speiseöl und Mehl. Er berichtete, die Gesundheitserhebung 2010 zeige, dass 42 % der Kinder unter fünf Jahren wachstumsgestört sind, 16 % zu wenig wiegen. 59 % der Kinder zwischen 5 und 59 Monaten haben Eisenmangel, 33 % der Kinder unter sechs Jahren Vitamin-A-Mangel, ebenso 40 % der Stillenden und 45 % der Schwangeren. Mühlen in der Stadt und auf dem Land sollen Zink erhalten, Speiseöl wird mit Vitamin-A angereichert, Salz mit Jod.

Der Stellvertretende Gesundheitsminister berichtete, jeden Tag stürben 130 Kinder infolge von Komplikationen, die mit Unterernährung zusammenhängen. (DN 25.5.13)

Im MNH neues System bei Bezahlung

Das Muhimbili National Hospital (MNH) kooperiert mit der National Microfinance Bank (NMB), damit die Patienten über diese ihre Rechnung begleichen können. Die NMB-Geschäftsführerin hofft, dieses System werde die Einnahmen um mehr als 50 % steigern. Man kann an drei Stellen innerhalb des MNH-Geländes bezahlen; zwei sind im neuen Block für ambulante Behandlung, eine im Röntgen-Bau. Alle Patientinnen und Patienten erhalten eine Rechnung mit der zu zahlenden Summe und der vorgesehenen Behandlung. Die Quittung muss vor der Behandlung vorgelegt werden. Eigens dafür eingestellte Mitarbeiter begleiten die Patienten und beantworten ihre Fragen. Die NMB-Stellen sind Mo-Fr von 8.00 bis 16.30, am Samstag von 8.30 bis 14 Uhr geöffnet. Sind sie geschlossen, wird wie früher bezahlt. Sonst gibt es keine Barzahlung an der Kasse mehr.

Viele fürchten, das neue System werde zu Gedränge und Verzögerung bei der Behandlung führen. Bei Notfällen kommt das neue System nicht zur Anwendung. Das MNH ist in Tansania das Krankenhaus mit den meisten Patienten. Pro Tag sind es nahezu 2.500. Es wurde kürzlich gemäß WHO-Standard zu einem Super Specialist Scale Hospital aufgewertet, denn es hat für je 10.000 Patienten einen Facharzt. (DN 28.2.13; Guardian 28.2.13)

Kosten

Die Regierung ist entschlossen, gegen unehrliche Verwalter einiger öffentlicher Krankenhäuser disziplinarisch vorzugehen, wenn sie weiterhin von Schwangeren und Kindern unter fünf Jahren für Gesundheitsversorgung bezahlen lassen. Das sei ein Verstoß gegen die Gesundheitspolitik von 2007. In einigen Einrichtungen müssten die Schwangeren die bei der Entbindung benötigten Dinge selbst einkaufen und mitbringen. Offiziell sind Impfungen, Unterricht für Schwangere über Ernährung und sichere Entbindung kostenlos. (Guardian 6.6.13)

Mitarbeiter

Im Mai stellte die Regierung 5.000 Mediziner ein, die meisten in Gesundheitseinrichtungen auf dem Land. In einigen Dörfern errichteten die Einwohner die nötigen Gebäude. Im kommenden Jahr sollen 11.000 neue Mediziner gleichfalls in ländlichen Gebieten eingesetzt werden. Unser Ziel ist, die Verknappung von Mitarbeitern im Gesundheitswesen auf dem Land zu beenden”, betonte eine Abgeordnete. “Nicht einer oder eine werde in einer Stadt positioniert”. Einige ländliche Gesundheitsstationen würden von einer einzigen Krankenschwester geleitet, die nicht die nötigen Qualifikationen hat.

Die Regierung Sansibars stellte 800 Mediziner ein. Trotzdem herrscht weiterhin Mangel an Spezialisten. Deshalb müssten mehr Jugendliche als Ärzte ausgebildet werden, sagte der Gesundheitsminister. Die Regierung wird ihnen ein Stipendium gewähren.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte, der Staat werde alle Absolventen der unterschiedlichen Sparten, Laboranten, Zahnärzte, Augenärzte und Physiotherapeuten u. a., einstellen. Im Augenblick kümmere sich ein Arzt um 10.500 Personen; vor zehn Jahren seien es 26.000 gewesen.

Weil es an Fachleuten fehlt, müssen Krankenschwestern und -pfleger mehr als 80 % der Arbeit übernehmen, die Fachkräfte erledigen müssten. (DN 7./18.4./9./29.5./5.7.13; Guardian 16.4.13)

Nichtgenehmigte Ausbildungsstätten

Der Tanzania Nurses and Midwives Council (TNMC) wies Personen und Einrichtungen, die Krankenpfleger/innen ohne permanente Registrierung ausbilden, an unverzüglich zu schließen. Andernfalls werde gerichtlich gegen sie vorgegangen. Es gibt etwa 200 Hochschulen, die illegalerweise ausbilden. Sie schießen wie Pilze aus dem Boden. (Guardian 13.6.13)

Arbeit der Gemeinde-Gesundheitsmitarbeiter

210 Gemeinde-Gesundheitsmitarbeiter des Tarime Distrikts (Mara-Region), die im Gesundheitsprojekt Tuimarishe (lasst uns stärken) mitarbeiten, erhielten von der Africa Medical Research Foundation (AMREF) ein Fahrrad. Bisher mussten sie entweder per Anhalter fahren oder bis zu 10 km laufen, um zu den Familien, denen sie helfen, zu kommen. Ein Mitarbeiter sagte, nun könne er am Tag fast 200 Familien besuchen; bisher habe er zu Fuß nur etwa fünf erreicht. Wenn die Mitarbeitenden in den Ruhestand gehen, dürfen sie das Fahrrad behalten.

Im Rahmen des Projektes hat jedes Dorf zwölf ausgebildete Gemeinde-Gesundheitsmitarbeiter. Sein Anliegen ist, das informelle und das formelle Gesundheitssystem zu verknüpfen. Es geht vor allem um Malaria, HIV/AIDS, Gesundheit von Schwangeren und Kindern und um Gewalt gegen Frauen. (DN 3.7.13)

Gesundheitseinrichtungen

Die St. Joseph University in Dar-es-Salaam richtet ein modernes Überweisungskrankenhaus für komplizierte Krankheiten ein, die bisher viele Tansanier zwangen, sich im Ausland behandeln zu lassen. (Citizen 25.2.13)

Weil nicht genug Mittel zugeteilt werden, können die Einrichtungen nicht das kaufen, was sie benötigen. Die meisten Geräte halten nur eine kurze Zeit. In anderen Ländern werden sie nach fünf Jahren entsorgt. Aber in Tansania müssen sie sehr viel länger verwendet werden, was ihre Effektivität reduziert. Viele äußerten sich verärgert darüber, dass viel Geld für Behandlungen im Ausland ausgegeben werde, was unnötig wäre, würden die lokalen Möglichkeiten verbessert. (Citizen 19.3.13)

Das Muhimbili National Hospital (MNH) ist stolz auf sein gut funktionierendes System für die Entsorgung infektiösen Abfalls. Andernorts ist die Lage ziemlich schrecklich. Es gibt eine Tendenz, infektiösen Abfall nicht vom anderen Müll zu trennen. Auch Verbrennungsöfen werden kritisiert, weil das Umweltproblem nun international sehr ernstgenommen wird. Man müsste sich für Entsorgung ohne Verbrennungsöfen einsetzen, oder das modernste Modell verwenden. Ein Krankenhaus in der Küstenregion hat ein derartiges. (Citizen 19./27.4.13)

In den Regionen am Viktoriasee können Diabetiker und andere Patienten mit einer nichtansteckenden Krankheit (NDC) nun Dank einer mobilen Klinik “an der Haustüre” behandelt werden. Die Arbeit dieser mobilen Klinik verbindet Basisgesundheitsversorgung mit der Behandlung durch einen Facharzt, ohne dass man sie transportiert”, sagte der Gesundheitsminister. Er berichtete, 7 % der Erwachsenen hätten Diabetes, doch weniger als 1/3 von ihnen wüssten es; 1/3 der Erwachsenen hätten hohen Blutdruck, weniger als 10 % wüssten es; sie fallen gewöhnlich einem Schlaganfall oder Herzversagen zum Opfer, was meistens auf Zau-berei zurückgeführt werde. Die NDC Mobile Clinic ist mit modernen, hochwertigen Geräten, auch solchen für Zahnbehandlung, für EKGs, einem Labor u. a. ausgestattet. (DN 25.4.13)

Fahrten mit dem Krankenwagen sind kostenlos. Es sei ein Verstoß gegen das Gesetz, von Patienten dafür Geld zu verlangen, betonte ein Regierungsmitglied. (DN 9.5.13)

Die Aga Khan University (AKU) gründete in Arusha ein Gesundheitszentrum. Es soll hochwertige Versorgung anbieten, Beratung durch Ärzte, eine Vielzahl von Untersuchungen, auch mit CT,== ==Scanner und Ultraschall, ein modernes Labor und eine Apotheke. Die AKU plant, auf ihrem Hauptgelände, ein Krankenhaus zu errichten. (Capital FM 11.5.13)

Die deutsche Regierung unterstützt den Ausbau des CCRBT-Krankenhauses in Dar-es-Salaam mit 8,5 Mill. €. (DN 1.6.13)

Die psychiatrische Klinik Sansibars erhielt Medikamente und Ausrüstung im Wert von 87m/- TSh. Sie kann sich nun intensiver um ihre Patienten kümmern. Die meisten sind Jugendliche, die Drogen nahmen. (DN 5.6.13)

Die Regierung wird Räume zur Verfügung stellen, in denen Schwangere, die in großer Entfernung von einer Gesundheitseinrichtung leben, vor der Entbindung regelmäßig untersucht werden können. In Dar-es-Salaam besuchen 90 % der Schwangeren die Beratungsstellen, doch nur 51% entbinden in einem Krankenhaus. Weil es an Transportmittelns fehlt, ist die Müttersterblichkeit hoch. (DN 11.6.13)

Die Regierung wird strafrechtlich vorgehen gegen Personen, die nichtregistrierte mobile Kliniken betreiben, und gegen alle, die ohne Zulassung arbeiten. Ein Mitglied der CUF hatte eine Erklärung der Regierung gefordert in Bezug auf Personen, die auf der Straße Medikamente für Probleme wie Bluthochdruck oder Diabetes verkaufen. (Guardian 13.6.13)

Bukobas Stadtverwaltung errichtet ein Distriktkrankenhaus für ambulante Behandlung, um das Überweisungskrankenhaus in Bukoba zu entlasten. 2012 nahm es 15.933 Patienten auf, 12,5 % mehr als 2011; es fehlt an Fachleuten und Medikamenten.

Im Finanzjahr 2012/13 baute die Verwaltung des Bukoba-Distrikts sechs Krankenstationen. Sie erhielten Fachleute und ausreichend Medikamente. (DN 28.6.13)