Gesundheit III: Psychische und reproduktionsgesundheit: Psychiatrie - 09/2018

Aus Tansania Information
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Das Gesundheitsministerium hat keine Erkenntnisse darüber, wie viele Personen in TZ an psychischen Erkrankungen leiden. Es schätzt, dass etwa 1% der Bevölkerung solche Probleme hat (mit zunehmender Tendenz), also etwa 500.000 Personen. 48% der Patient/innnen wenden sich an Kliniken, 24% an traditionelle Heiler, andere an Glaubens- und Wunderheiler. Nicht Wenige irren unbehandelt umher. Die NRO „BasicNeeds Tanzania“ rechnet mit etwa 2,5 Mill. psychisch Kranken, von denen nur 20% eine rudimentäre Behandlung erhalten. Die WHO rechnet mit mehr als 2,1 Mill. Depressiven und 1,5 Mill. Menschen mit Angststörungen.

Etwa 1% der Gesundheitsausgaben werden für psychisch Kranke aufgewendet. Psychiatrische Fachkräfte gibt es nur in den großen Regionalkliniken. Das 1927 gegründete psychiatrische Krankenhaus Mirembe bei Dodoma steht vor großen Herausforderungen. Es soll demnächst aufwändig renoviert werden und bessere Dienste anbieten. Die Psychiatrie-Abteilungen der Kliniken sind überfüllt mit Patienten, die oft aus wohlhabenden Familien stammen und durch Konsum von halluzinogenen und stimulierenden Substanzen ihre geistige Gesundheit eingebüßt haben. Die Kliniken beklagen, dass Familien auch nach Besserung der Symptome ihre Patienten nicht zurücknehmen, was die Überfüllung verschärft.

Die Kirchen bieten neben der gewohnten Seelsorge in Gemeinden und Kliniken an einzelnen Krankenhäusern spezialisierte Beratung an und bilden in Kurzkursen Berater/innen aus. Die lutherische Kirche unterhält dafür eine Abteilung für Klinische Seelsorge am KCMC, Moshi (www.kcmc.ac.tz/index.php?q=chap). Die ELCT-Nordost-Diözese betreibt in Lutindi, Tanga-Region die älteste Klinik für psychisch Kranke in Ostafrika, gegründet 1896 von den Bodelschwing‘schen Stiftungen, Bethel.

Es gibt in Tansania nur sehr wenige Angebote für durch Unfälle, Naturkatastrophen oder Verbrechen traumatisierte Personen.

Eine Studie amerikanischer und tansanischer Forscher ergab, dass AIDS-Kranke etwa doppelt so oft an Depressionen leiden wie der Bevölkerungsdurchschnitt. Besonders schwere Symptome wiesen Mütter mit AIDS nach einer Geburt auf. Die Betroffenen vernachlässigten die ARV-Einnahme für sich und ihre Säuglinge. Als hilfreich für diesen Personenkreis hätten sich psychotherapeutische Gruppen erwiesen.

Im städtischen Milieu Simbabwes glauben 80% der Befragten, dass psychische Störungen wie Verwirrung und Depression durch spirituelle Faktoren wie erboste Vorfahren verursacht würden. Betroffene versprechen sich häufig Hilfe von traditionellen Sühne- und Beschwörungsriten. Die Forscher empfehlen daher, Anthropologen und traditionelle Heiler in die klassische Psychotherapie einzubinden.

In der Geita-Region, Nordwest-Tansania nahmen sich innerhalb eines Jahres 65 Personen das Leben. Die häufigsten Selbstmordgründe seien Liebeskummer bzw. Eifersucht, Verzweiflung am Leben und Trunksucht.

Citizen 10.10.17; 06.,07.02.18; DN 03.10.16; 02.09.17: Guardian 08.04.; 04.06.18; Mwananchi 24.07.18