Finanzwesen - Banken - 01/2014

Aus Tansania Information
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Finanzielle Inklusion

Königin Máxima der Niederlande, in ihrer Eigenschaft als Sonderanwältin für finanzielle Inklusion und Entwicklung des Generalsekretärs der Vereinten Nationen (UNSGSA), besuchte mit einer hochrangigen Delegation Tansania. Sie nahm teil am Start des Rahmenwerks für finanzielle Inklusion der tansanischen Nationalbank (BoT). Dieses soll die Voraussetzungen dafür schaffen, dass bis 2016 die Hälfte der Bevölkerung über ein Konto verfügt und Finanzdienstleistungen wie Sparen, Kredite, Überweisungen, Versicherungen in Anspruch nehmen kann. Bisher haben diese Möglichkeiten erst 10% der Kleinunternehmen und 32% der Agrarunternehmen. Die meisten Subsistenz-Bauern können allenfalls von Kredithaien Geld leihen und werden dadurch oft noch ärmer als vorher.

Die Firma Smart Banking Solutions bietet ein elektronisches Konto unter dem Namen B-Pesa an. Außer Überziehungen kann der Inhaber alle Kontobewegungen mit dem Mobiltelefon vollziehen, ohne eine Bankfiliale aufsuchen zu müssen. Solche Optionen sind interessant für alle, die keine Filiale in ihrer Nähe haben, auch Rentenempfänger, kleine Händler und Landwirte. Nach einem Kooperationsabkommen mit der international tätigen UnionPay sind auch grenzüberschreitende Geldbewegungen möglich.

Versicherungswirtschaft - Rahmenwerk

Die Regierung beabsichtigt, Richtlinien für das Versicherungswesen zu formulieren, um den Beitrag dieser Branche zum Bruttoinlandsprodukt von jetzt 0,0% auf 3 bis 5 Prozent anzuheben. Die Regulierungsbehörde für Versicherungen (TIRA) teilt mit, dass z. Zt. 19% der Tansanier eine Versicherung haben. Die Regierung strebt an, dass die Mehrheit der Bevölkerung von Versicherungen (z.B. Krankenkasse oder Ernteausfallversicherung) profitiert, besonders die Einkommensschwachen. Auch sollen Fahrzeuge und Bauten des Staates versichert werden, was bisher nicht der Fall ist. Seit der Liberalisierung des Versicherungsgeschäfts im Jahr 2000 gibt es keine Leitlinien für den Markt.

Kleinkredite

Als erste Mikro-Finanzinstitution erhielt die FINCA (Foundation for International Community Assistance) die Lizenzierung der Zentralbank (BoT) als Bankinstitut (www.finca.org). Sie unterhält derzeit 25 Filialen mit 73.000 Kunden in ländlichen Gebieten. Sie möchte ihre Kund/innen zum Sparen animieren und ihnen Kleinkredite für Investitionen geben. Dies soll mit einem Minimum an Bürokratie geschehen, demnächst auch über Mobiltelefone.

Die Zahl der Spar- und Kreditgenossenschaften (SACCOS) in der Kagera-Region stieg seit 2005 von 225 auf 289. Sie verfügen über ein Eigenkapital von Tshs 6,3 Mrd.

Die Tansanische Frauenbank (Tanzania Women's Bank – TWB) gibt 77% ihrer Kreditsumme an Männer aus und nur 23% an Frauen. Die stellvertretende Ministerin für Gemeinschaftsentwicklung, Geschlechtergerechtigkeit und Kinder, U. Mwalimu, räumte diese Tatsache ein und begründete sie mit der geschäftsorientierten Ausrichtung der Bank. Dennoch erhielten Frauen Priorität. Die Frauenbank will demnächst auch auf Sansibar Filialen eröffnen. Sie gehört zu 97% dem Staat und zu drei Prozent Privatleuten und Organisationen. Sie besteht seit 2009. (www.womensbank.co.tz)

Bonitätsauskunft gegründet

Die Zentralbank (BoT) gab bekannt, dass das neue Kreditauskunfts-Büro (Credit Reference Bureau – CRB) in etwa sechs Monaten seine Dienste anbieten werde. Zur Zeit würden noch kreditrelevante Informationen gesammelt. Die deutsche Creditinfo International GmbH und eine amerikanische Auskunftei sollen den Aufbau begleiten. Die zentrale Datenbank wird von dem deutschen Unternehmen entwickelt. Man erhofft sich eine Ermäßigung der hohen Zinssätze, wenn die Banken potentielle Kreditkunden besser einschätzen können und damit weniger Ausfälle haben.

Allgemeine Finanzdaten

Die Weltbank bestätigte Tansania ein jährliches Wirtschaftswachstum von 7% und hält zukünftig eine Inflationsrate von 5% für möglich. Allerdings bleibe die tansanische Wirtschaft gefährdet durch schwankende Rohstoffpreise, etwa für Gold und Öl. Die Staatsverschuldung müsse in einem vernünftigen Rahmen bleiben, indem der Staat seine Einkünfte erhöht und seine Ausgaben verringert. Das Wachstum geschehe hauptsächlich in Städten und in den Bereichen Kommunikation, Transport, Bauwesen und Einzelhandel. Die Landwirtschaft hinke weiter hinterher. Auch der Arbeitsmarkt sei angespannt: 800.000 Universitätsabsolvent/innen suchten Arbeit.

Eine führende Wirtschaftsanwältin forderte, die Staatsausgaben müssten sehr sorgfältig kontrolliert werden. Manche öffentlichen Dienstleistungen seien mangelhaft, weil Millionen ausgegeben würden, um wichtige Leute zur Behandlung ins Ausland zu schicken. Auch die hohen Sitzungsvergütungen sollten überprüft werden.

Der tansanische Shilling (Tsh) blieb 2013 im Verhältnis zum US-Dollar stabil, nachdem er 2012 um 15% an Wert verloren hatte. Damit ist es der Bank of Tanzania gelungen, Liquidität und Inflation in den geplanten Grenzen zu halten.

Die Inflationsrate lag Ende November 2013 bei erträglichen 6,2% und setzte damit die Abwärtstendenz der letzten Monate fort; Dezember 2012: 12%; Januar 2013 10,9%; Mai 8,3%; Juli 7,5%; Die höchste Inflationsrate war im Dezember 2011 mit 19,8% festgestellt worden. Mit den inflationsdämpfenden Maßnahmen steigen allerdings die Kreditkosten an.

Die Banken betrachten 2013 als gutes Geschäftsjahr. Drei Banken erzielten besonders hohe Profite: Die National Microfinance Bank wird 2013 einen Rekordprofit von über 100 Mrd. ausweisen können. Die Bank betreut in ihren 150 Filialen 1,8 Mill. Kund/innen und ist damit das führende Finanzhaus in Tansania. 60% ihrer Filialen liegen in ländlichen Regionen. CRDB blieb gewohnt rentabel. Die Anteile dieser Banken werden an der Börse Dar-EsSalaam gehandelt und ihre Profite verbleiben weitgehend in Tansania. Auch die Maendeleo Bank konnte ihren Ertrag um 41% steigern.

Die Zentralbank führte mit den Daten von 2012 Stresstests durch. Die Untersuchung nach den Risikogruppen Kredite, Wechselkurse, Zinssätze und Liquidität zeigte, dass der Bankensektor insgesamt den angenommenen Belastungen gewachsen ist.

(DN 28.02., 03., 11., 13., 12., 16., 24., 27., 30., 31.12.13; Guardian 24.10., 09., 18.12.13)