Für und gegen Verstümmelung der weiblichen Geschlechtsorgane (FGM) - 01/2012

Aus Tansania Information
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In Tansania ist FGM illegal, dennoch weit verbreitet. Schätzungsweise 20 Mio. Frauen sind Opfer der FGM.

Von 50 weiblichen Säuglingen, die in einem kirchlichen Krankenhaus untersucht wurden, waren 48 beschnitten worden. (DN 9.3./25.7.11; Guardian 23.5.11)

FGM in der Mara-Region

In dieser Region handelt es sich bei der FGM um einen öffentlich vollzogenen Übergangsritus für geschlechtsreife Mädchen. Im Tarime-Distrikt werden bisweilen bis zu 1.500 Mädchen für die FGM vorbereitet - trotz Kampagnen von Regierung und Anti-FGM-Aktivisten. Eine von ihnen erlebte bei einer Kampagne, dass einige Hundert junge Männer, traditionelle Krieger, Macheten, Äxte, Keulen, Pfeil und Bogen schwingend in den Dörfern herumzogen, um die Mädchen zu schützen. Sie drohten, alle zu töten, die versuchen, ihre Mädchen an der Initiation zu hindern.

Eine Aktivistin schlug vor, die Mädchen in das Erwachsenenalter einzuführen, ohne Geschlechtsorgane abzuschneiden. (DN 4.4.11)

Einige ältere traditionelle Oberhäupter aus Sambia kamen für sechs Tage in den Tarime-Distrikt, um eine Kampagne gegen FGM und Verheiratung von Kindern zu unterstützen. In Sambia hatten sie geholfen, beides zu beenden. Sie tauschten ihre Erfahrungen mit etwa 20 traditionellen Ältesten der Kurya-Volksgruppe aus und besuchten Dörfer, in denen FGM durchgeführt wird, und trafen lokale Führungspersönlichkeiten. Die in Dar-es-Salaam ansässigen Children Dignity Forum (CDF) koordinierte den Einsatz.

Bei den Kurya wird FGM von den Ältesten immer abgesegnet; bisweilen sind sie davon abhängig, was ihre Einkünfte angeht.

Wenige Tage nach dem Besuch aus Sambia gründeten 13 sehr einflussreiche Älteste aus 13 Klans der Kurya-Volksgruppe ein Netzwerk, das im Tarime-Distrikt helfen wird, FGM und Verheiratung von Kindern einzudämmen. Lange Zeit hatten die traditionellen Oberhäupter der Kurya gezögert, die Anti-FGM-Kampagne zu unterstützen. Das CDF versprach dem Netzwerk Unterstützung.

Ein Ältester berichtete: "Wir schneiden die Mädchen nicht mehr wie früher, machen lediglich ein kleines Zeichen an ihre Geschlechtsorgane, nur damit die Leute mit Tänzen feiern können. Wir wollen nicht, dass sie bluten."

Die Ältesten sollen eine Möglichkeit bekommen, Sambia zu besuchen, um mehr Erfahrungen zu sammeln. (DN 9./15.3./7.4.11)

FGM im Verborgenen

Um dem Arm des Gesetzes und der Aufmerksamkeit von Menschenrechtsaktivisten zu entrinnen, wird die FGM in Zentraltansania insgeheim in Verstecken durchgeführt. Traditionell waren es Mädchen, an denen die FGM vollzogen wurde, doch nun sind es Säuglinge kurz nach der Geburt. (DN 4.4.11)

Die Maasai führen die traditionellen Beschneidungsriten an Jungen und Mädchen nun im Geheimen durch. Ein Polizist wurde Zeuge eines FGM-Festes. Er sagte, die Regierung werde traditionelle Zeremonien, die verwendet werden können, um FGM zu verbergen, genau beobachten. (Citizen 31.7.11)

Aktionen des Children Dignity Forum (CDF)

Das CDF setzt sich gegen FGM und Verheiratung von Kindern ein. Es verhaftete zwei Beschneiderinnen, nachdem sie mindestens 450 Mädchen beschnitten hatten. Eine, die sich für schuldig erklärte, wurde sofort zu 10 Jahren Haft verurteilt.

Mehr als 20 Frauen des Tarime-Distrikts, die als Kinder verheiratet worden waren, erhielten vom CDF Nähmaschinen und Geld, damit sie kleine Wirtschaftsunternehmen starten können. (DN 9./15.3./7.4.11)

Seminar des Legal and Human Rights Centre (LHRC)

Für traditionelle Älteste, Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen, Polizisten, Polizistinnen und Beschneider und Beschneiderinnen veranstaltete das LHRC ein zweitägiges Seminar zum Thema FGM und häusliche Gewalt. Ein LHRC-Mitarbeiter forderte die Teilnehmenden auf, in Kneipen, religiösen Einrichtungen und wo immer möglich, über die Übel von FGM und häuslicher Gewalt zu sprechen. Er sagte: "Es ist offensichtlich, dass unbeschnittene Mädchen in unserer Gesellschaft stigmatisiert werden. Das ist so, weil es an Wissen über die Auswirkungen fehlt." Er drängte das Bildungsministerium, Unterricht über FGM in den Lehrplan aufzunehmen, damit Kinder deren negative Wirkungen kennenlernen. (Guardian 9.2.11)

Verzicht auf FGM

In der Singida-Region gaben mindestens sechs Frauen, die FGM durchführten, diese auf, nachdem sie über die Nebenwirkungen informiert und sensibilisiert worden waren. (Guardian 23.5.11)

Kritik an Regierung

Das Parlament kritisierte die Regierung, weil sie im Kampf gegen die FGM zögerlich sei. Bei der Eindämmung der Vergehen gegen Albinos sei sie erfolgreich gewesen. Wo es darum geht, Beschneider und Beschneiderinnen, die junge Frauen verstümmeln, zu bestrafen, lasse sie ein entsprechendes Vorgehen vermissen. (Citizen 22,7.11)

Aktionen des Network Against FGM (NAFGEM)

Das NAFGEM plante für 2011 mehrere Projekte: In Gemeinden startete es Anti-FGM-Gesprächsgruppen für Männer, Frauen, Jugendliche und lokale Verantwortungsträger. Es lehrte 40 Hebammen, FGM bei Kindern, die zur Kleinkinder-Mütterberatung kommen, zu untersuchen.

40 Beschneider/innen wurden über die Rechte der Frauen und andere Möglichkeiten des Broterwerbs informiert.

30 Führungskräfte der Religionsgruppen wurden am Kampf gegen FGM beteiligt.

Mit der Vision, alle Arten der sexuellen Misshandlung von Frauen, vor allem FGM, zu verhindern, wurde NAFGEM 1999 gegründet. Es hat seinen Sitz in Moshi (Kiliman-jaro-Region). (DN 25.7.11)