Fährunglück zwischen Tansania Festland und Sansibar - 08/2012

Aus Tansania Information
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Am 18. Juli verunglückte eine Fähre auf der Fahrt von Dar-es-Salaam nach Sansibar infolge starker Stürme und hoher Wellen. Sie hat Platz für 230 Passagiere; vermutlich waren 290 Personen an Bord.

1989 wurde die Fähre in den USA für Kurzstreckenverkehr auf Flüssen produziert, 2005 wegen technischer Probleme aus dem Verkehr gezogen.

Sansibar ersteigerte das Fährschiff. für einen 'Spottpreis'. Seine Lizenz galt bis August 2012. Politiker tadeln die Zanzibar Maritime Authority, weil sie Schiffe fragwürdigen Sicherheitsstandards registriere.

Dies ist das zweite Fährunglück in diesem Gebiet in weniger als einem Jahr. Bei dem bis dahin schwersten Fährunglück kamen mindestens 200 Menschen ums Leben. <Siehe 10/11 S. 2> Der Guardian berichtet nun von 1.529.

Für die Rettung Überlebender und die Bergung der Toten waren mindestens sieben Schiffe, unter ihnen ein Militärschiff, im Einsatz. Präsident Kikwete wies alle Verteidigungs- und Sicherheitskräfte des Festlands und Sansibars an, sich an der Aktion zu beteiligen.

Auch die EU unterstützte die Rettung. Die EU Naval Force Somalia Operation Atalanta (EU NAVFOR) schickte eine Luxembourg Maritime Patrol and Reconnaissance Airkraft (MPRA), die für Patrouillen gegen Piraten eingesetzt war. Der Flieger half, die Rettungsaktionen zu koordinieren; er leitete die suchenden Schiffe zu den Rettungsbooten.

Die USA spendete Medikamente u. a.

Die Tanzania Red Cross Society schickte Freiwillige, die bei der Suche nach Überlebenden helfen sollen. Sie stellte nahe beim Hafen fünf Zelte auf; dort wartet ein zweites Team mit warmen Decken u. a., ebenso zwei Ambulanzen, die Überlebende in ein Krankenhaus bringen können.

Die Rettungsversuche wurden trotz ungünstigen Wetters bis zum Einbruch der Dunkelheit fortgesetzt.

Die Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Das Parlament gedachte des Unglücks in einer Schweigeminute und vertagte die Sitzung auf den nächsten Tag. Die Abgeordneten spendeten die Zuwendungen eines Tages für die Opfer des Unglücks. Die Abgeordneten aus Sansibar baten Premierminister Pinda, einigen Abgeordneten einen Flug nach Sansibar mit einem Regierungsflugzeug zu gestatten, denn wahrscheinlich sei jeder und jede in der einen oder anderen Weise von der Tragödie betroffen.

146 Passagiere wurden gerettet; man nimmt an, dass 144 Menschen starben; 76 Tote wurden geborgen.

Ein Überlebender berichtete, zwei Stunden hätten sie sich abgestrampelt, bis ein Rettungsboot kam. Viele, die nicht schwimmen konnten, seien ertrunken.

Die Regierung übernimmt die Bestattungskosten für nicht zu identifizierende Tote.

Nachdem es den Tauchern zwei Tage lang nicht gelungen war, die Fähre zu lokalisieren, schwand die Hoffnung, noch Lebende zu finden. Die Taucher konnten nicht tiefer als 50 m unter die aufgewühlte See kommen, denn ihnen fehlte die nötige Ausrüstung, modernes Gerät. Möglicherweise liegt die Fähre in einer Tiefe von 100 m.

Die Polizei verhaftete den Eigentümer der Fähre, den Manager und den Kapitän; sie sollen bei den Nachforschungen helfen. Im Zusammenhang mit dem Unfall kamen einige Ungereimtheiten ans Licht. Sansibars Präsident beauftragte ein Komitee, die Tragödie zu untersuchen.

Am 23. Juli fanden in allen Moscheen der Inseln Sansibar und Pemba Gebete zur Erinnerung an die Opfer statt.

Für den Katastrophenfonds wurden 320m/- TSh gespendet.

Sansibars Minister für Infrastruktur und Kommunikation übernahm die Verantwortung für das Unglück und trat zurück. Im Parlament hatte es eine heftige Auseinandersetzung gegeben. (DN 19./20./ 23./24./25.7.12; Guardian 19./22./ 23./24.7.12; Citizen 19./24.7.12; International Red Cross and Red Crescent Societies 19./22.7.12)

Am 20. Juli versammelten sich Mitglieder der Uamsho, einer selbsternannten muslimischen Erweckungs-Gruppe, bei einer Moschee für Gebete zu Ehren der Verstorbenen. Bei einer Kundgebung ab 17.30 wollten sie die Regierung Tansanias kritisieren, weil es ihr offensichtlich nicht gelungen sei, die Rettungsaktion zu organisieren.

In den Straßen Sansibars entstand ein Aufruhr, der öffentliche Verkehr kam zum Erliegen. Da setzte die Eingreiftruppe der Polizei Tränengas und Wasserwerfer ein, um die Mitglieder der Uamsho zu zerstreuen. 43 Verdächtige wurden verhaftet, die führenden Leute der Uamsho entkamen. Alle sollen wegen illegaler Versammlung, Friedensstörung, Straßenblockade und Anzündens von Reifen vor Gericht gestellt werden. (DN 22.7.12; Guardian 21.7.12)