Berichte über Menschen mit Albinismus, Versuche, ihnen zu helfen - 07/2013

Aus Tansania Information
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Fälle von Tötung, Verstümmelung

Ende 2011 wurden dem 13-jährigen Adam der Daumen und zwei Finger abgehackt. Es heißt, Adams Vater sei beteiligt gewesen. Weil Adam sich wehrte, schrie und biss, verlor er nicht seinen ganzen Arm. In Kanada wurde die Hand in einer Operation wieder hergestellt. “Ich kann meinen Namen richtig schreiben”, berichtet Adam. Dank eines Stipendiums der Organisation Under The Same Sun (UTSS) besucht er nun eine private Sekundarschule. In Adams Dorf ist er der einzige mit heller Haut und hellen Haaren. Er wurde bereits diskriminiert, als er noch klein war. (Guardian 15./17.12.12)

In der Tabora-Region wurde ein 95-Jähriger ermordet, weil er seinen Urenkel (7) verteidigte. Angreifer wollten einen seiner Arme abtrennen.

In der Simiyu-Region überfielen Bewaffnete ein Haus, um einen 7 Monate alten Albinojungen zu töten. Dorfbewohner vertrieben die Angreifer und umstellten das Haus, um das Kind zu schützen. Am Morgen wurde die Familie zur Polizeistation gebracht, wo sie eine Weile blieb.

In einem Dorf des Sumbawanga-Distrikts (Rukwa-Region) schlugen Unbekannte einer 39-jährigen schlafenden Frau den linken Arm ab und flohen. Die Frau wird im Regionskrankenhaus behandelt.

Im Distrikt Sumbawanga-Land wurde ein 10-jähriger Albinojunge auf dem Heimweg von der Schule entführt. Zwei Unbekannte hackten ihm seinen linken Arm ab und ließen ihn blutend, hilflos liegen. Ein Vetter fand ihn. Er wurde ins Krankenhaus der Rukwa-Region, später ins Muhimbili Orthopedic Institute in Dar-es-Salaam gebracht. UTSS will zusammen mit den Eltern planen, welche Schule der Junge besuchen kann, wenn sich sein Zustand verbessert hat.

Die Verwaltung der Rukwa-Region nimmt diese Fälle sehr ernst. Im Zusammenhang mit ihnen verhaftete die Polizei einige Personen. (Guardian 13./20.2./15.3.13)

Vorurteile, Stigmatisierung

Häufig will der Ehemann nichts mehr von seiner Frau wissen, wenn sie ein Kind mit Albinismus geboren hat, es kommt zur Scheidung.

Familien mit Albino-Kindern werden noch immer stigmatisiert.

Albino werden für Geister gehalten, nicht für menschliche Wesen. (DN 22.7.12)

Medizinische Versorgung

Weil Albino spezielle Gesundheitsfürsorge benötigen, richtete der Distriktrat des Magu-Distrikts (Mwanza-Region) für sie ambulante Versorgung zweimal pro Woche ein. Ärzte tragen eine besondere Hautschutz-Lotion auf, kontrollieren die Sehkraft der Albino und geben ihnen Sonnenbrillen. (Guardian 8.1.13)

Laut Tanzania Albino Society (TAS) gibt es in allen Regionen Hautspezialisten. Doch die Albinos werden in ihrem Regionskrankenhaus nicht rechtzeitig behandelt. “Die Verantwortungsträger der Regionen sollten von den Ärzten verlangen, dass sie die Albinos besuchen und untersuchen”, sagte die TAS-Sekretärin.

Afrikanische Albino bekommen häufig Hautkrebs. Deshalb werden sie selten älter als 40 Jahre.

Der TAS-Vorsitzende berichtete, häufig könnten Albino-Kinder die Schule nicht besuchen, oder dem Unterricht nur mit Mühe folgen, weil sie schlecht sehen. Außerdem seien sie sehr empfindlich gegen Sonne, bekämen oft Hautkrebs.

Die Albino Society der Mwanza-Region bat um Sonnenbrillen und Sonnenschutz für ihre Mitglieder, damit die Kinder die Schule besuchen könnten. (DN 1.5./9.6.13; Guardian 5.2.13; Citizen 29.4.13; The point 7.3.13)

Schutz

Die Regierung richtete Internatsschulen für Albino ein, um ihren Schutz zu gewähren. (Guardian 17.12.12)

Der Tanga-Zweig der Albino Society rühmte, der strategische Plan der Regierung zum Schutz der Albino habe in der Region erreicht, dass 2012 kein Albino getötet wurde. Das bedeute nicht, dass es keine Mörder mehr gibt, aber sie hätten Angst, weil die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt worden seien. In der Tanga-Region wurden 518 Albino registriert. (DN 30.12.12)

Weil ihnen Tötung oder Verletzung angedroht worden war, lebte eine fünfköpfige Albino-Familie vier Jahre lang im Büro des Verwaltungschefs eines Dorfes im Musoma-Distrikt (Mara-Region). Ein Haus für die Familie ist im Entstehen. Der Familienvater, früher Fischer, ist nun gezwungen, in der für ihn sehr gefährlichen glühenden Sonne zu schuften, um etwas für seine Familie zu verdienen.

Bei einem Seminar eines UTSS-Teams zum Verständnis des Albinismus berichtete der Verwaltungschef, im Dorf lebten neun Albinos, fünf Männer, vier Frauen. Seit er vor zwei Jahren ins Dorf kam, habe er nichts gehört von Todesdrohungen; das zeige, das sich die Lage beruhigt hat. (Guardian 20.8.12)

Aktionen

Als er die ‘Pamoko One Love Tour 2012', eine Kampagne der Organisation Under The Same Sun (UTSS) in den Regionen am Viktoriasee, startete, sagte der Regional Commissioner der Geita-Region, die Regierung sei verpflichtet, den Kampf gegen Greueltaten, denen Menschen mit Albinismus ausgeliefert sind, anzuführen. Sie müsse sicherstellen, dass Albinos und die Öffentlichkeit in Frieden leben. Berichte, ein Gebräu, für das Körperteile von Albinos verwendet werden, basierten auf Aberglaube und bloßen Lügen, betonte er. Die Mörder müssten angezeigt werden.

Ein UTSS-Verantwortlicher sagte, die Regional Commissioner ganz Tansanias sollten dafür sorgen, dass die Albinos kostenlos ins Kilimanjaro Christian Medical Centre in Moshi oder ins Ocean Road Cancer Institute in Dar-es-Salaam gebracht und dort von Fachärzten behandelt werden. Nur dort gebe es Krebsspezialisten.

Bei der Kampagne wird der Dokumentarfilm “White and Black: Crime of Colour” vorgeführt. (Guardian 7.8.12)

Die Leiterin des UTSS-Büros in Tansania berichtete, noch immer werde ihr von Zauberdoktoren gedroht. “Sie können meine Bewegung nicht leiden. Wenn ich mich in den Medien zu etwas äußere, rufen sie mich an und fragen, warum ich immer noch über dieses Thema spreche, obwohl ich nichts über sie sage.” Einige gehörten einer Organisation von Zauberdoktoren in Dar-es-Salaam an. Sie mach-ten den Menschen weis, sie könnten mit Hilfe von Körperteilen von Menschen mit Albinismus reicher sein. (Citizen 8.1.13)

2009 erklärte die Regierung den Personen, die Jagd auf Albino machten, den Krieg; den “traditionellen Doktoren”, die Albino-Körperteile in ihren Fetischen verwendeten, entzog sie die Lizenz. (DN 9.6.13)

Weil in den Regionen Rukwa und Tabora jüngst zwei Albino getötet wurden und drei anderen eine Hand abgehackt worden war, wird der Gründer der humanitären Organisation UTSS diese “Verbrechen gegen die Menschlichkeit”, wie er sie nennt, internationalen Gremien vorlegen. Sie könnten nicht mehr geduldet werden. Er drängt die Behörden, rasch entschieden gegen die Verbrecher vorzugehen. Schuld daran, dass die Fälle wieder zunehmen, seien die mangelhaften Aktionen. Seit 2006 habe es nur in 6 % der Fälle eine Gerichtsverhandlung gegeben, nur 10 Personen seien zum Tod verurteilt, die anderen wegen mangelnder Beweise freigelassen worden.

Das Verschleppen der Verurteilung werde immer mit Mangel an Finanzmitteln begründet, berichtete ein UTSS-Verantwortlicher. Ein anderer sagte, meistens seien Familienangehörige an den Morden direkt oder indirekt beteiligt. (Citizen 23.2.13)

Die spanische Botschaft organisierte eine Ausstellung, die Fotos vom Leben tansanischer Albinos zeigt. Eine spanische Journalistin hatte einen Monat im Tanzania-Spanish Red Cross Centre verbracht, wo sie die NGO AIPC Pandora kennenlernte. Dort leben 200 Menschen mit Albinismus. Sie können kaum nach draußen gehen, weil sie fürchten, entführt zu werden. (DN 6.3.13)

Bei einem vom UN Development Programme (UNDP) und dem Parlamentsbureau für Abgeordnete organisierten Workshop zum Thema ‘Herausforderungen der Albinos’, riet die TAS der Regierung, Unterstützung des FBI zu erbitten, für die Ermittlung gegen Personen, die verdächtigt werden, hinter der Tötung von Albinos zu stecken, damit man juristisch gegen sie vorgehen könne. Ein Abgeordneter sagte, die Städte sollten spezielle Zentren einrichten, die medizinische Behandlung anbieten und sich um besondere Bedürfnisse der Albinos kümmern.

Premierminister Pinda nannte das Vorgehen gegen Albinos schändlich und entmutigend. Er versorgt drei Albino-Kinder in seinem Haus und zwei weitere andernorts. (DN 14.4.13)

Die Polizei der Rukwa-Region verhaftete neun Personen, als sie die Hand eines Albino-Jungen für 500m/- TSh verkaufen wollten. Einwohner hatten der Polizei einen Tip gegeben. (DN 4.5.13)

Für eine Albino-Frau, der die Arme abgehackt worden waren, wird mit UTSS-Unterstützung ein Haus errichtet, das Dream House heißen soll. Der Grundstein wurde im Rahmen des ‘Fackellaufes’ 2013 gelegt. (Guardian 3.6.13)

Zahlen

Tansania ist eines der Länder, die prozentual am meisten Albino haben. Schätzungsweise 170.000 Tansanier sind Albino. (Guardian 17.12.12)

2008/09 wurden 54 Albinos ermordet, von 2009 bis 2012 kein einziger. Beobachter weisen jedoch auf Berichte von Verstümmelungen hin. (DN 23.11.12)

Morde und Gewalt gegen Albinos verschwanden jüngst fast ganz. Aber in letzter Zeit nehmen sie wieder zu. (Guardian 13.2.13)

Nachdem 2010 zehn Personen wegen der Ermordung von Albinos zum Tod verurteilt worden waren, wurde 2011 kein Albino mehr umgebracht. Doch 2012 gab es wieder Morde und Verstümmelungen. Vor allem in den Regionen am Viktoriasee versuchen Zauberdoktoren, Körperteile von Albinos zu bekommen. Manche glauben, die Zauberkraft sei besonders stark, wenn das Opfer bei der Amputation schreit; deshalb werden die Körperteile häufig von Lebenden abgetrennt. (Guardian 8.3.13; United States Department of State 19.4.13)