Aktuelles: Dürre - 02/2017

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Ernteausfälle, Viehsterben

Die Frage, ob sich eine Dürreperiode und damit Nahrungsmittel-Knappheit ankündigt oder nicht, beherrschte die Meldungen. Der Wetterdienst teilte mit, dass auf der Hälfte der Mais, Reis, Hirse und Bohnen produzierenden Flächen seit November zu wenig Regen fiel. Während die Regionen um den Victoriasee normale Niederschläge verzeichneten, meldeten Dar es Salaam, Tanga, Küste, Morogoro, Kilimanjaro, Arusha, Manyara, Kigoma, Katavi, Tabora, Dodoma Singida und Sansibar unterdurchschnittliche Regenmengen.

Die Mara-Region forderte 4.000 t Mais aus der Nationalen Reserve an, Kiteto, Manyara 500 t. Im Kilosa-Distrikt, Morogoro verhungerten 4.000 Stück Vieh. Der Regionalkommissar erlaubte nicht, die Tiere im Mikumi-Nationalpark zu weiden. Die Besitzer hätten ihre Flächen durch Überweidung selbst zerstört. Wegen der Futterknappheit brachen die Fleischpreise um die Hälfte bis zu 2/3 ein: ein Rind kostet nur noch TZS 200.000 (ca € 90), eine Ziege 40.000, ein Huhn 4.000. Dennoch steigen die Preise für Grundnahrungsmittel: Mais 12,6%, Linsen 12,5%, Sorghum 9%, Maniokmehl 3,5%. Im Kongwa-Distrikt verdoppelten sich die Maispreise. Maismehl kostete in Dar-Es-Salaam TZS 1.700/kg (vor einem Monat: 1.200).

Die Viehhalter hatten ihre Herden in den letzten Jahren stark vergrößert. Viele wanderten aus den traditionellen Weidezonen der Regionen Arusha, Manyara, Shinyanga und Simiyu in die Ackerbauregionen Kilimanjaro, Morogoro und Tanga ein. Dies führte zu zahlreichen blutigen Landkonflikten. Die Regierung forderte die Viehhalter auf, nicht die Zahl, sondern die Qualität ihrer Tiere zu steigern und Wasserreserven für die Trockenzeiten anzulegen.

Der Wetterdienst sagte Probleme für die Viehhalter in der nächsten Trockenzeit voraus: knappes Futter, austrocknende Wasserstellen, Konflikte zwischen Viehhirten und Bauern. Wildtiere auf Nahrungssuche würden vermehrt in die Felder eindringen. Mehrere Agenturen und Experten forderten die Regierung zu einer Bestandsaufnahme und rechtzeitiger Steuerung der Nahrungsmittelpreise auf. Premier K. Majaliwa instruierte die Zuständigen, die Bauern zur Aussaat von dürreresistenten Pflanze wie Hirse und Maniok anzuhalten. Getreide der Nationalen Nahrungsmittel-Reserve (NFRA) in Songea darf nicht mehr verkauft werden. Mehrere Regionen verboten es, lokales Bier aus Getreide zu brauen. Auch die traditionellen Tänze, bei denen viel Nahrung verbraucht wird, sollen eingeschränkt werden. Mais-Exporte wurden untersagt. Studien zeigen allerdings, dass solche Verbote dem Land eher schaden als nutzen.

Die Vorräte der NFRA werden unterschiedlich angegeben. Die Nationalbank nannte 90.000 t (Vorjahr: 254.000 t). Der Oppositionsabgeordnete Z. Kabwe meinte, die Reserve reiche für 10 Tage, der Landwirtschaftsminister gab mehr als 30 Tage an. Die NFRA-Songea plante, 22.000 t Mais anzukaufen, erreichte aber nur 10.335 t. Ihre Kapazität soll bis 2020 von 29.000 auf 70.000 t ausgebaut werden.

Im Maswa-Distrikt, Simiyu wurde die Wasser-Rationierung verschärft, nachdem mehrere Flüsse ausgetrocknet waren.

Citizen 03.,06.,10.,12.01.17; DN 27.12.16; Guardian 03.,05.,17.01.17

Kontroverse Ansichten

Präsident Magufuli und Premier Majaliwa betonten wiederholt, es herrsche kein Mangel an Nahrungsmitteln. Nur die Regierung könne einen solchen offiziell verkünden. Aus dem Ernteüberschuss der letzten Saison seien 1,5 Mill. t ins Ausland verkauft, 1,5 Mill. t eingelagert worden, so dass genügend Reserven bestünden.

Gerüchte über Knappheit würden von eigennützigen Geschäftsleuten gestreut, die brasilianischen Mais mit hohem Gewinn verkaufen wollten. Die neue Ernte werde auf 9,5, der Bedarf auf 8,4 Mill. t Getreide geschätzt. Hinzu kämen 6,7 Mill. t weitere Nahrungsmittel. 11 Regionen produzierten Überschüsse von 122 bis 222%, 12 Regionen hätten ausreichende Ernten, nur 2 Regionen, DSM und Tanga, verzeichneten Defizite. Magufuli sagte, es werde keine Hilfslieferungen geben. Bedürftige sollten hart arbeiten und mit ihrem Verdienst Nahrung kaufen. Landwirte müssten anbauen, was bei den lokalen Witterungsbedingungen gedeihen kann. Viehbesitzer sollten einige Tiere verkaufen, um Maismehl zu beschaffen. Der Landwirtschaftsminister sagte, die Regierung beobachte die Situation und gebe, wo erforderlich, Nahrungsmittel frei, um die Preise zu stabilisieren. Steigende Nahrungsmittelpreise rührten hauptsächlich von Engpässen in Nachbarländern her.

Demgegenüber erklärten Oppositionsvertreter, Versorgungsmängel und Preissteigerungen seien real. Örtliche Beamte fürchteten sich, die Wahrheit zu berichten, da der Präsident angekündigt habe, ihre Leistung an der Nahrungssicherheit ihres Gebietes zu messen. Die ACT-Wazalendo will im Parlament die Vertrauensfrage stellen, falls es Hungertote geben sollte.

DN 10.,11.,13.,17.01.17; Citizen 11.,12.,13.,16.,17.01.17; Guardian 10.,12.,23.01.17

Christen und Muslime beten um Regen

Die katholische Bischofskonferenz und der Muslimrat (BAKWATA) forderten ihre Gläubigen auf, um Regen in den Dürregebieten zu beten und Vigilien, Bittgottesdienste und Wallfahrten zu organisieren. Die Regierung wäre gut beraten, sich rechtzeitig der Realität zu stellen. Der Leitende Bischof der ELCT Dr. F. Shoo sagte, vor allem in den nördlichen Landesteilen drohe Hunger und die lutherische Kirche gebe Nahrungsmittel an Bedürftige aus. Mitglieder der Evangelistic Assemblies of God riefen vom 2. bis 23. Januar eine Periode des Fastens und Betens um Regen aus.

Der ugandische Präsident Museveni meinte, Gebete reichten nicht aus, da der ausbleibende Regen auf menschliche Aktivitäten zurückginge. 40% der innerafrikanischen Niederschläge stammten aus Verdunstungswasser von Seen und Sümpfen. Letztere seien großflächig für Bewässerungsprojekte leergepumpt und zur Landgewinnung trockengelegt worden.

Citizen 15.,17.,18.01.17; Guardian 15.,17.01.17

Landfragen

In Shinyanga trieb ein Viehhalter seine 3.000 Rinder in eine Farm, die angeblich ihm gehört, ohne jedoch einen Nachweis zu besitzen. Die Dorfältesten appellierten an die Regierung, den Streit zu schlichten.

Der Chef der Küstenregion befahl allen Viehhaltern, die Region innerhalb von 30 Tagen zu räumen, um die eskalierenden Konflikte mit Farmern einzudämmen. Große Viehherden waren in den letzten Jahren aus der Seenregion und Nordtansania an die Küste gekommen.

In mehreren Distrikten der Katavi-Region wurden mehr als 13.000 Rinder aus Wasserschutzgebieten und Waldreservaten vertrieben. Auch 4.000 landwirtschaftlich tätige Personen wurden aus Wasserschutzgebieten in Rukwa und Katavi entfernt, ihre Hütten zerstört und Cannabis-Felder verbrannt.

Die Regierung will seit Langem erhobene Forderungen von durch Wildtiere Geschädigten begleichen. Sie belaufen sich in 80 Distrikten auf über TZS 2 Mrd. Die meisten Schäden entstanden in Bunda und Serengeti in der Mara-Region.

Die Abwasser-Behörde in Dodoma zerstörte alle Felder und Gärten, die näher als 100 m bei den Abwasser-Teichen liegen und mit kontaminiertem Wasser bewässert wurden. Als Begründung wurde die Cholera-Gefahr genannt.

Die seit 50 Jahren bestehenden Grenzstreitigkeiten zwischen den Regionen Arusha und Kilimanjaro konnten immer noch nicht bereinigt werden. Die Regionen waren aus der kolonialen Northern Province entstanden.

Citizen 11.01.17; DN 02.,03.,20.01.17; Guardian 31.12.16; 03.01.17