Abbau von Soda am Natronsee geplant, Naturschützer protestieren - 10/2007

Aus Tansania Information
Wechseln zu: Navigation, Suche

Pläne

Soda ist ein wichtiger Rohstoff für die Herstellung von Glas, Seife, Wasch- und Färbemitteln, Papier u. a. Man erwartet, dass der Abbau von Soda am Natronsee das Wachstum der chemischen Industrie Tansanias beschleunigt.

Lake Natron Resources Ltd. (LNRL), ein Gemeinschaftsunternehmen der National Development Corporation (NDC) und der Tata Chemicals Ltd., einer indischen Firma, soll am Natronsee Soda gewinnen. Laut Tata Chemicals Ltd. ist der Natronsee eines der wenigen natürlichen Vorkommen von Soda. Die Firma plant, pro Jahr 500.000 t Soda abzubauen, geteerte Zubringerstraßen, eine über den See führende Pipeline für die Soda-Aufschlämmung, ein mit Kohle betriebenes Kraftwerk und Unterkünfte für 1.225 Angestellte zu errichten. Tata hält bei Kenias Magadi Soda Company die Aktienmehrheit.

Die Rail India and Economic Services (RITES) wurden beauftragt, die Transport-Logistik für eine Eisenbahnverbindung vom Natronsee zum Hafen von Tanga zu prüfen. Die NDC forderte die Tanzania Railway Authority und die Tanzania Ports Authority auf, die Eisenbahnlinie Tanga-Moshi-Arusha, bzw. den Hafen von Tanga auszubauen. (DN 12.8.07; East African Standard 27.7.07)

Bedenken

Für die Flamingo-Art Lesser Flamingo, Poemicopterus minor, zu der 75 % aller auf der Erde lebenden Flamingos gehören, ist der Natronsee das einzige noch verbliebene bedeutsame Brutgebiet. Nach der Brutzeit ziehen sie zu anderen Gewässern. Man fürchtet, die Vögel könnten ihr Gelege oder die Jungen verlassen, wenn man sie stört. Die Flamingo-Art Lesser Flamingo steht auf der roten Liste der bedrohten Arten der World Conservation Union 2006.

Das Lake Natron Consultative Forum, eine Gruppierung ostafrikanischer Umweltschutzorganisationen, betont in einer Erklärung, laut Ramsar Convention sei der Natronsee ein Feuchtgebiet von internationalem Rang. Bei einem Projekt mit derartigen Auswirkungen müsse man sich an den Ramsar Site Management Plan halten. Die tansanische Regierung solle die Sodagewinnung nicht unterstützen. Das Umweltkomitee der EAC müsse einschreiten.

Natural History of South Asia, eine internationale Umweltorganisation, verurteilte den Bau der Soda-Fabrik. Sie richtete eine Petitiion an die tansanische Regierung und Tata Chemicals Ltd.

Auch die East African Law Society (EALS) ist gegen den Bau der Fabrik. Die Rechtsgelehrten drängten Präsident Kikwete, das Projekt aufzuschieben, Beratungen zu ermöglichen. Die Anlage gefährde die Flamingos, indirekt auch den Tourismus und das Ökosystem. Der Nakuru-See z. B., nach der Brutzeit ein Sammelpunkt der Vögel, sei dank der Flamingos eine der am meisten besuchten Touristenattraktionen.

Ein Mitarbeiter der British Royal Society for the Protection of Bird Africa (RSPBA) nannte den Plan "verrückt"; er könne zum Aussterben dieser Flamingo-Art führen. (Guardian 20./25.7./8.8.07; Arusha Times 4.8.07; East African 24.7.07; East African Standard 19.7.07)

Diskussionen

Anfang August fand ein Beratungstreffen statt, bei dem Tata Chemicals, tansanische Regierung und Umweltschützer über die sich widersprechenden Ideen diskutierten.

Als Tata zu einem Workshop einlud, wurden Umweltorganisationen an der Teilnahme gehindert. (Guardian 25.7.07; Arusha Times 4.8.07)

Reaktionen der Regierung

Ministerpräsident Lowassa betonte, seine Regierung werde das Projekt weiter verfolgen. "In Kenia gibt es am Lake Magadi ein Soda-Werk. Aber wenn Tansania über den Bau einer ähnlichen Fabrik diskutiert, heißt es, wir zerstören die Umwelt", sagte er erzürnt. Kenia habe in Maasai Mara 4.700 Gästezimmer gebaut. "Jetzt sagt man, wir sollten in der Serengeti keine Hotels errichten."

Die Regierung lässt sich von den Warnungen der Umweltschützer nicht beeindrucken, denn Norconsult (T) Ltd., Unterorganisation der Norconsult International of Norway, hatte nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung grünes Licht für das Projekt gegeben.

Das Soda-Werk liege außerhalb des Ramsar-Gebietes, weil man negative ökologische Auswirkungen vermeiden wolle, erklärte ein NDC-Repräsentant. (DN 1.8.07; Guardian 25.7.07; Arusha Times 4.8.07; East African 24.7.07; East African Standard 19.7.07)