Wirtschaft ‐ 05/2026

Aus Tansania Information
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Auswirkungen des Iran-USA-Kriegs

Seit Mitte März bis zum 27. April haben sich die Benzinpreise von 2.864 TZS auf 3.820 TZS und die Dieselpreise von 2.932 TZS auf 3.684 TZS erhöht. Am 2. April entließ Präsidentin Hassan den Chef der Benzinpreisregulierungsbehörde James Mwainyekule, nachdem er spürbare Preissteigerungen von 30 % angekündigt hatte. Die Regierung gibt an, die Treibstoffreserven reichten bis Mitte Mai und die Lieferungen für Mai bis Juli seien gesichert

EastAfrican, 04.04.2026

Es mehren sich die Rufe nach einer Kontrolle der Benzinpreise durch die Regierung. Der informelle Transportsektor (Bodaboda, Daladala, Bajaji) und die kleinen Händler leiden. Erst stiegen die Treibstoff- und dann die Lebensmittelpreise. Die Regierung verspricht Abhilfe über Einnahmenerhöhung (im Bergbau) und Kostenreduzierung. Die Landesbank gibt an, die Inflation trotz steigender Treibstoffpreise im Griff zu haben. Kommentatoren verlangen die Reduzierung der Treibstoffsteuern und -abgaben als Antwort nach dem Vorbild Namibia und Sambia. Außerdem fordern sie die Vergrößerung der Bevorratung.

Citizen, 03.04.2026, Guardian, 04.04.2026

Im Parlament wird über Gegenmaßnahmen diskutiert. Gerufen wird nach einer Preisstabilisierung durch die Regierung wie beim Ausbruch des Russland-Ukraine-Kriegs 2022. Ökonomen warnen, subventionierte Treibstoffpreise stellten keine nachhaltige Lösung dar, vielmehr müsse gespart werden. Die Alternative zum Ölimport sei die Umrüstung der Fahrzeuge auf Erdgas.

Citizen, 08.04.2026

Tansania importiert jährlich fünf Mrd. Liter Treibstoff – 10 % seines gesamten Energiebedarfs. Das Stromnetz sei bereits weitgehend von fossilen Brennstoffen befreit. Gekocht werde noch immer überwiegend mit Holzkohle. Nur 9 % des BSP werde mit Warenproduktion erzielt, das Segment spiele also nicht die zentrale Rolle. Hier seien lediglich die Backup-Generatoren von Diesel abhängig. Auch die Energiewirtschaft sei in großen Teilen von Ölimporten unabhängig. Allerdings basiere die Logistik zu fast 100 % auf fossilen Energien. Tansanier spürten die Belastung also vorrangig an der Zapfsäule, was sich nach und nach auch auf die Lebensmittelpreise auswirke. Eine weitere Preissteigerung erführen Lebensmittel über die Düngerknappheit. Bauern im Kilimanjaro-Gebiet bekämen sie und die verdoppelten Preise bereits zu spüren. Präsidentin Hassan forderte die Bevölkerung zur Sparsamkeit auf und kündigte eine spürbare Verringerung des Regierungs-fuhrparks sowie der Wagenkolonnen an.

Guardian, 09.04.2026

Der Internationale Währungsfonds (IWF) rät Tansania, gezielte und zeitlich befristete Maßnahmen zu ergreifen, um damit Bevölkerungsgruppen mit niedrigem Einkommen und betroffene Wirtschaftszweige zu unterstützen, und zugleich die beschlossenen Entwicklungsziele weiter zu verfolgen. Das Land verbrauche täglich ca. 15 Mio. Liter Treibstoff, die importiert werden müssten. Von umfassenden Maßnahmen wie der Reduzierung die Steuer auf Treibstoff, Rationierung oder anderweitigen Subventionen sei abzuraten. Die Regierung hat Vorschläge gemacht, kompensierend den Bergbau schneller voranzutreiben und die Staatsausgaben zu reduzieren. Der IWF hat das für 2026 erwartete Wachstum für Sub-Sahara-Afrika von 4,3 % auf 4 % gesenkt.

Chanzo, 20.04.2026

Simu-2000-Markt

Am Karfreitag Abend, dem 4. April zerstörte ein Feuer mehr als 500 Stände des Simu-2000-Marktes in Sinza, Dar es Salaam. Premierminister Dr. Mwigulu Nchemba besichtigt den Ort am Ostermontag und ordnet Aufräumarbeiten innerhalb von 24 Stunden an, damit Händler unter provisorischen Bedingungen ihre Geschäfte weiterführen könnten. Er veranlasste die sofortige Einrichtung einer Haltestelle auf dem Markt, um den Handel zu fördern. Vom Feuer betroffene Händler würden bei der Kreditvergabe aus einem Fonds mit gegenwärtig 2,8 Mrd. TZS bevorzugt behandelt.

Dafür zu sorgen, dass tatsächlich nur die Händler, die ihre Stände verloren haben, in den Markt zurückkehren und Unterstützung erhalten, wird als große Herausforderung betrachtet.

Citizen, 07./08.04.2026

Fitch

Im Bericht der Ratingagentur vom 1. April werden die Wachstumsprognosen für Kenia (5,2 % auf 5 %), DR Kongo (5,7 % auf 5,2 %) und Äthiopien (8,2 % auf 8 %) angesichts des USA-Iran-Kriegs nach unten korrigiert. Für Tansania sieht die Agentur eine anfällige Wachstumsprognose mit prognostizierter Inflationssteigerung als Folge der Nahostkrise. Breits am 27.03.2026 hatte die Agentur gewarnt, dass Tansanias Wachstumsaussichten stark beeinträchtigt werden könnten, da das Land fast 62 % seines Treibstoffbedarfs und bis zu 40 % seines Düngers aus den Golfstaaten importiert. Tansanias Tourismusindustrie werde unter den ausbleibenden Touristen, die über die arabischen Länder einreisen, leiden. Sollte der Krieg länger als einen Monat dauern, sei mit noch stärkeren Auswirkungen zu rechnen. Mit zusätzlichen Goldexport (2025: 4,7 Mrd. $; 27 % des Exports) könne das Land gegen die weitere Verschuldung ansteuern, doch sei mit einer Erhöhung von 3,5 % zu rechnen. Das Wachstum werde für 2026 und 2027 weiter bei 6 % erwartet, dennoch dürfe man den Einfluss von Risiken – etwa durch unabsehbare Wettereinflüsse v.a. in der Landwirtschaft – nicht unterschätzen. Wachsende Lebenshaltungskosten durch erhöhte Treibstoff- und Lebensmittelpreise könnten sich ungünstig auf die Stabilität des Landes auswirken.

Guardian, 10.04.2026, EastAfrican, 11.04.2026

Bagamoyo

Der Generaldirektor Gilead Teri der Tanzania Investment and Special Economic Zones Authority (TISEZA) teilte mit, dass Ende 2026 mit der Montage von CNG-Schwer-Lkws im Industriekomplex Special Economic Zone in Bagamoyo begonnen werde. Die chinesische Hongwang Holding Group plant mit diesem Ziel eine Investition von 3 Mrd. $, um die erforderliche Infrastruktur herzustellen. Auch Motorräder, Bootsmotoren und Ersatzteile sollen in der Anlage montiert werden. Damit entstehe in Tansania seit 2021 die fünfte Fahrzeugmontage-Anlage. Die Zulieferer für Ersatzteile sollen gleich zu Beginn mindestens 10 % tansanisch sein. Außerdem sei eine zielgerichtete technische Berufsausbildung mit 5.000 geplanten Arbeitsplätzen vereinbart. Die Anlage sei Bestandteil des Bagamoyo Eco-Maritime-City-Projekts. Bis Ende 2026 sollen ca. 450 CNG-Lkws montiert sein. Zukünftig wird eine Jahresproduktion von 5.000 Einheiten erwartet. Die Stromerzeugung für die Fabrik erfolge mit Erdgas. Der Komplex sei ein Meilenstein für Vision 2050 und die Industrialisierung Tansanias, so Teri. David Zhou, der Chief Executive von HWTZ erklärte, damit werde Tansania zu einem Zentrum der Fahrzeugmontage.

Guardian/Citizen, 10./11.04.2026