Wirtschaft ‐ 04/2026
Energie
Tansania importiert jährlich Petroleum für 2,5 Mrd. $. Um sich vor Marktschwankungen wie jetzt durch den Iran-Krieg und schon zuvor durch den von Russland in der Ukraine angezettelten Krieg zu schützen, hat die Regierung jetzt beschlossen, für 265 Mio. $ ein Lager mit einer Kapazität von 378.000 qm im Hafen von Dar es Salaam zu errichten. Unbegreiflich bleibt, warum Tansania das eigene Erdgaspotenzial weiterhin nicht nutzt. Iran, Pakistan, Argentinien und Ägypten haben vorgemacht, wie es geht und Millionen Fahrzeuge für komprimiertes Erdgas (CNG) umgerüstet.
Chanzo, 06.03.2026, EastAfrican, 07.03.2026
Investment-Ranking
Tansania kann für 2026 mit einem BIP-Wachstum von ca. 6,4 % rechnen. Seit 2021 stieg das genehmigte Investitionskapital von 3,7 Mrd. $ auf geschätzte 10,95 Mrd. $ im Jahr 2025 an. Die Weltbank bewertet das Land im neuen Business Read Index als moderat bis gut vorbereitet, sieht jedoch deutliche Umsetzungslücken bei öffentlichen Dienstleistungen. Schlüsselsektoren für ausländische Direktinvestitionen sind Bergbau, Infrastruktur, Energie, Tourismus und Landwirtschaft.
Im vom Think Tank The European House – Ambrosetti (TEHA Group) erhobenen Global Attractiveness Index für Investitionen (146 Länder) befinden sich die USA auf Platz 1, China auf Platz 2 und Deutschland an dritter Stelle. Tansania belegt in Afrika den 4. Platz. Das geologische Potenzial des Landes wird weltweit mit Platz 15 bewertet. Die Agentur Fitch bestätigte im März das Rating „B+“ mit stabilem Ausblick und Wirtschaftswachstum.
Worldbank.org, 10.03.2026, Citizen, 26.02./10.03.2026, APA-News.net, 10.03.2026
Mobile Money
In Tansania wurde der mobile Geldverkehr 2008 als Annehmlichkeit eingeführt. Mit Stand 12/2025 gab es in Tansania 76 Mio. Mobile-Money-Konten. Damit verfügen mehr als 80 % aller Tansanier über einen Zugang zu mobilen Finanzdienstleistern – ein wichtiger Aspekt im Hinblick auf finanzielle Inklusion. Der Marktführer mit einem Marktanteil von ca 40 P ist M-Pesa (Vodacom) gefolgt von Mixx by Yas (früher Tigo Pese) mit rund 28 % und Airtel Money mit 23 %. Einhergehend gibt es Probleme mit Betrugsversuchen. Außerdem wird die vom Staat erhobene Mobile-Money-Abgabe kontrovers diskutiert, da sie Kleinunternehmer und ärmere Bevölkerungsschichten finanziell belastet.
Citizen, 10.03.2026
Die informelle Wirtschaft macht in Sub-Sahara-Afrika 85 % aus und stellt eine sehr geringe Steuerbasis dar. Tansanias Steuerquote im Verhältnis zum BIP liegt bei 13,3 % (zum Vergleich: Deutschland liegt bei 22-23 %) und damit unterhalb des nationalen Ziels und des Sub-Sahara-Durchschnitts von 16,5 %. Weltbankexperten sehen 15 % als kritische Schwelle für nachhaltiges Wirtschaftswachstum.
Viel Geld wurde investiert, um Kunden zu motivieren, eine e-Quittung zu verlangen, sie tun dies aber nur, wen für sie etwas dabei herausspringt. Doch das Finanzamt benötige eigentlich keine Papierquittung, sondern lediglich einen Transaktionsbeleg. Dieser wäre über Mobile Money möglich, das ja nicht nur Handel ermöglicht, sondern ihn auch dokumentiert. Das Problem: Noch immer bevorzugt die Mehrheit Bargeld. Die Lösung liegt also nicht darin, digitale Geldtransaktionen mit weiteren Gebühren zu belasten, sondern mobile Finanzdienstleistung müsse einfach nur attraktiver sein als Bargeld. Verbesserte Steuererhebung wäre die Antwort auf viele Finanzierungsprobleme.
Chanzo, 10.03.2026
Rostam Azizi
Am 11. März teilt der tansanische Unternehmer Rostam Azizi bei einer Pressekonferenz in Nairobi mit, dass seine Taifa Group vom Aga Khan Fund for Economic Development (AKFED) einen Anteil von 54,08 % an der Nation Media Group (NMG, gegründet 1959, heute verbreitet in vier ostafrikanischen Ländern mit 30 Brands: u.a. EastAfrican und Citizen, 1.000 Mitarbeitern) gekauft habe und jetzt Mehrheitseigner sei. Azizi versicherte, journalistische Standards und editorischen Unabhängigkeit aufrechtzuerhalten. Die AKFED verkauft NMG, um ihr Portfolio zu bereinigen – die NMG war die einzige Mediengruppe im weltweiten Anteilspaket. Azizi hingegen investiert in Medien und Telekommunikation sowie in Bergbau, Landwirtschaft, Immobilien, Häfen, Energie und Bauwesen. NMG-CEO Geoffrey Odundo versprach, die vollständige Aufrechterhaltung aller laufenden Prozesse.
BBC/EastAfrican, 14.03.2026
Nickel
Am 10. März unterzeichneten Burundi und die amerikanische Lifezone Metals ein Exklusivabkommen zum gemeinsamen Nickelabbau im burundischen Musongati (geschätzte 150 Mio. Tonnen Nickelerz). Im benachbarten tansanischen Kabanga entwickelt Lifezone Metals bereits den Nickelabbau. Der Abtransport soll über die neue tansanische Normalspurstrecke in die entstehende tansanische Kahama-Metallraffinerie in Buzwagi, Shinyanga und letztlich über den Hafen von Dar es Salaam erfolgen. Der Streckenabschnitt Uvinza-Musongati (82 km) befindet sich noch in der Planungsphase. Es wird mit einer Bauzeit von 72 Monaten gerechnet. Die Strecke Tabora-Kigoma (406 km) befindet sich im Bau und soll voraussichtlich 2027 fertiggestellt sein, der Abschnitt Dodoma-Tabora (531 km) ist bereits teilweise in Betrieb.
BurundiTimes, 10.03.2026, Citizen, 13./19.03.2026
Dünger
Tatsächlich deckt Tansania seinen Düngerbedarf zu 84 % aus dem Ausland, wobei ca. 40 % aus dem Nahen Osten (Katar) kommen. Der Jahresbedarf übersteigt 1 Mio. Tonnen, wobei 300.000 Tonnen bevorratet sind und bis in den Juli hinein ausreichen sollten. Tansania verfügt über die Kapazität mehr als 1,2 Mio. Tonnen Dünger selbst zu produzieren, doch die Verbraucher bevorzugen ausländische Produkte. Falls der Konflikt im Nahen Osten fortdauert, wird damit gerechnet, dass außer dem Ölpreis auch die Düngerpreise weiter anziehen.
Citizen, 20.03.2026
Tansanische E-Lkws
Masoud Kipanya, der in Tansania vor allem als Cartoonist und Radiomoderator bekannt ist, fertigt in seiner Firma Kaypee Motors in Selbstfinanzierung und mit der Hilfe privater Investoren in Kleinserie die ersten kompakten Elektro-Lkws namens KPA72. Motoren und Batterien werden aus China importiert, alle anderen Teile werden im Land selbst gefertigt. Die maximale Reichweite beträgt bis zu 160 km; der Anschaffungspreis liegt bei ca. 4.000 € und die Nutzlast liegt bei 500 kg. Insgesamt fahren in Tansania bereits über 5.000 E-Fahrzeuge – die höchste Zahl in Ostafrika. Bisher gibt es kein öffentliches Ladenetz, genutzt werden Haushaltssteckdosen.
DailyNews, 19.11.2025, kaypeemotors.co.tz/DW, 23.03.2026