Schwerpunktthema Umwelt II: Klimawandel und Nationalparks: Klimawandel - 11/2014

Aus Tansania Information
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Alarmzeichen und Auswirkungen

Mehrere Studien ergeben, dass Sansibars Zukunft sowohl durch umweltschädliche Aktivitäten als auch durch den Klimawandel gefährdet ist. Bäume werden unbedacht gefällt, Sand und Kies an sensiblen Stellen abgebaut, Bauten in Wasser- und Mangrovenschutzgebieten errichtet, Abwässer und Abfall in die Natur entlassen, die Fischschwärme dezimiert. So mehren sich bedenkliche Anzeichen wie Wassermangel, versalzte Brunnen, unregelmäßige Niederschläge, Temperaturanstieg und Erosion. Die Uni Sansibar zählte jüngst 160 Küstenorte mit fortschreitender Erosion durch das Meer auf. Daher wurden verschiedene Konzepte erarbeitet, z.B. Integrated Coastal Zone Management“, „Strategy and Action Plan“, „Economics of Climate Change in Zanzibar“ und „Zanzibar Climate Change Strategy“.

Der Nationale Umweltrat (NEMC) hält die schweren und unregelmäßigen Regenfälle für Auswirkungen des Klimawandels. Alle Landkreise sollen in einem vom UN-Entwicklungsfonds finanzierten Programm über Folgen des Klimawandels und mögliche Anpassungsmaßnahmen informiert werden.

Andererseits produzieren die Regen- und Nebelwälder seit 1976 jährlich 25% weniger Wasser. Dies gefährdet z. B. an den Hängen des Kilimanjaro Landwirtschaft und Wasserversorgung von 1 Million Menschen.

Die Tiefwasser-Temperaturen im Nyasa- und Victoriasee sind seit 1900 von 0,2 auf 0,7 Grad gestiegen. Dieser Temperaturanstieg zeigt einen langfristigen Trend an und ist vermutlich Ursache dafür, dass die Produktivität der Seen um etwa 20% zurückging.

Malaria und andere Tropenkrankheiten breiten sich zunehmend in höher gelegenen Regionen aus. Dies ist besonders gefährlich, weil dort Viele keinerlei Abwehrkräfte dagegen haben.

Mit zunehmender Trockenheit wandeln sich auch die Ernährungsgewohnheiten. In der Kagera-Region war die Banane das Grundnahrungsmittel, sie wird nun durch Kassava, Kartoffeln und Reis ergänzt, die weniger Wasser brauchen. In anderen Gegenden muss der traditionelle Mais Hirse und Sorghum weichen. Viele Wamaasai haben ihre Herden wegen zu magerer Weideflächen verloren. Sie übernahmen damit auch neue Essgewohnheiten und Berufe. Manche flechten Haare, viele arbeiten als Wachleute.

DN 28.03.; 04.06.; 23.07.; 06.,20.08.; 10.09.; 08.10.14; Guardian 21.04.14;

Warnungen und Appelle

Auf dem Klimagipfel der UN sprach Präsident J. Kikwete als Vorsitzender der „Konferenz der afrikanischen Staatsoberhäupter zum Klimawandel“. Afrika stoße am wenigsten klimaschädliche Gase aus (3% der weltweiten Emission), sehe sich aber mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert. „Die größten Klimaschädiger haben die technischen und finanziellen Mittel, die Situation umzukehren. Wir appellieren an sie, aktiv zu werden und den Rest des Globus zu retten.“

Präsident Kikwete leitete eine Konferenz von 11 afrikanischen Staatsoberhäuptern in Äquatorial-Guinea. Die Teilnehmenden berieten über Möglichkeiten, die Auswirkungen der Klima-Erwärmung zu mildern. Dies sei nur mit einer gemeinsamen Strategie möglich. Da Afrika bisher nur 3% der Treibhausgase produziere, müssten die Industrieländer gedrängt werden, Afrika beim Aufbau einer nachhaltigen Wirtschaft zu helfen. Allerdings müssten auch die Afrikaner die erforderlichen Strukturen bereitstellen, um von den bereits bestehenden Instrumenten (Anpassungsfonds und Grünes-Klima-Fonds) zu profitieren. Die jährlichen Anpassungskosten für Afrika werden für 2020 auf $ 7 bis 15 Mrd. geschätzt. Wenn Afrika eine umweltfreundliche Energiewirtschaft aufbauen solle, koste das $ 22 bis 30 Mrd. pro Jahr.

Vizepräsident Bilal wies anlässlich des Weltumwelt-Tages darauf hin, dass die Auswirkungen des Klimawandels in Tansania bereits deutlich erkennbar seien. Er forderte alle Landkreise auf, die Nationale Klimawandel-Strategie umzusetzen. Insbesondere müsse jeder Landkreis jährlich mindestens 1,5 Mill. Bäume pflanzen. Jede Gebietskörperschaft müsse einen Umwelt-Ausschuss einrichten.

Forscher des Potsdamer Institut für Klima-Auswirkungen erklärten beim 6. Eco Forum Global in Guizhou, China, die Anwohner großer Seen wie des Victoriasees müssten zunehmend mit extremer Dürre und extremen Überflutungen rechnen. Das Pflanzenwachstum würde dadurch beeinträchtigt. In Afrika müsse vor allem der verheerende Holzverbrauch durch – möglichst nachhaltig erzeugte – Elektrizität ersetzt werden. Allerdings geht ausgerechnet die mit umweltfreundlicher Wasserkraft erzeugte Energie zurück, weil nicht mehr genügend Wasser zur Verfügung steht. Bis effiziente Gaskraftwerke arbeiten, verursachen Dieselgeneratoren hohe CO2-Mengen. Ein Sprecher des Energieministeriums sagte, dass z. B. In Mwanza 300.000 Liter schweres Dieselöl täglich zur Stromerzeugung verbraucht würden.

Experten der „Development Partners Group“ (www.tzdpg.or.tz) bescheinigten Tansania ein großes Anpassungsdefizit an Klimafolgen. Dürre- wie Überschwemmungsperioden könnten die Entwicklungsziele ernsthaft gefährden. Die Anpassungskosten werden zwischen $ 100 Mill. und 600. Mill jährlich geschätzt, 2030 könnten sie schon $ 1 Mrd. betragen.

Ein kenianischer Experte der US-Universität in Kenia sagte vor Journalisten, Tansania sei unzureichend auf die Klimaerwärmung vorbereitet. Daher seien Ernährung, Wasser- und Energieversorgung, sowie Eigentum der Bevölkerung demnächst gefährdet, wenn der Umweltschutz nicht absoluten Vorrang bekomme.

Citizen 27.06.; 31.08.14; DN 03.,06.,15.,23.,27.06.; 08.,23.07.14; Guardian 19.12.13

Forschungen und Initiativen

Tansania wird ab 2016 das UN-Programm „Reduzierte Emissionen aus Entwaldung und Waldverarmung“ (REDD+ - www.un-redd.org) durchführen. Dazu errichtet die Sokoine-Landwirtschafts-Uni gemeinsam mit dem norwegischen Wald- und Landschafts-Institut ein Nationales CO2-Überwachungszentrum (NCMC) für $ 5,5 Mill. Dieses soll den CO2-Ausstoß überwachen und die CO2-Bindung durch verbesserte Forstwirtschaft fördern. Bei der 69. UN-Vollversammlung versprach Tansania, den hohen Verbrauch an Holzkohle zu reduzieren, sobald eine Gasverflüssigungs-Anlage besteht. Diese ist für 2016 in Mtwara geplant. Die tansanischen Delegierten forderten die Industrieländer auf, für solche Substitutionen mehr Wissen und Finanzhilfe verfügbar zu machen. Der hohe Holzkohle-Verbrauch zerstört nicht nur große Waldflächen, sondern setzt auch viel klimaschädliches Methangas frei.

Das Zentrum für Klimawandel-Studien der Uni DSM arbeitet mit weiteren Klimaforschungs-Instituten in Großbritannien, Pakistan und Senegal zusammen an einem 5-Jahresprojekt „Wege zu Resilienz in semi-ariden Volkswirtschaften“ (PRISE). In TZ sollen in den Regionen Dodoma, Shinyanga, Singida und Mara Risiken und Chancen des Klimawandels erforscht werden. Dadurch sollen Politiker und Geschäftsleute Anhaltspunkte für fundierte Entscheidungen erhalten.

Der tansanische Wetterdienst (TMA – www.meteo.go.tz) wird jährlich einen Klimabericht für das Land herausgeben. Im jetzt erschienenen Bericht für 2011 werden die katastrophalen Niederschläge im Dezember auf extreme Erwärmung in Nordaustralien und vorherrschende Westwinde zurückgeführt.

Ein gemeinsamer workshop von Climate Action Network, Friedrich-Ebert-Stiftung, Brot für die Welt und Act Alliance sammelte Ideen für eine CO2-arme Entwicklung (Low Carbon Development - LCD). Tansania produziert zwar derzeit noch relativ wenig Treibhausgase. Aber der Ausstoß wird sich bis 2030 versiebenfachen, wenn die aktuellen Entwicklungspläne, die massiv auf Kohle und Gas setzen, verwirklicht werden. Damit würde sich das Land auf eine CO2-basierte Wirtschaft festlegen. Es kann dann auch kaum von den CO2-kompensierenden Finanzinstrumenten profitieren. Es ist daher entscheidend, nach alternativen Energiequellen zu suchen und in allen wichtigen Bereichen wie Landwirtschaft, Transport und Industrie von vornherein auf LCD-Strategien zu achten. Eine einfache Industrialisirung der Landwirtschaft z.B., die Bodenerhaltung und -feuchtigkeit nicht berücksichtigt, bringt weder anhaltende Erfolge noch Reduzierung der Armut. Alle wichtigen Entwicklungsziele setzen voraus, dass der Klimawandel unter Kontrolle bleibt.

Das Landwirtschaftsministerium präsentierte einen „Klima-Resilienz-Plan“. Er soll eine Strategie für die Anpassung der Landwirtschaft an die sich ändernden Klimabedingungen entwickeln. Der Plan bezieht Risikofaktoren wie Erwärmung, Erosion, Entwaldung, Wassermangel und Bestäubungsprobleme ein. Wichtige Daten liefert „Vital Signs“, ein Beobachtungssystem von „Conservation International“, finanziert von der Gates-Stiftung.

Bei einem von der FAO veranstalteten Seminar wurde bekannt, dass Tansania für CO2-reduzierende Maßnahmen und Anpassung der Landwirtschaft etwa $ 500 Mill. benötigen wird. Bisher wurden von europäischen Ländern $ 20 Mill. zugesagt.

Das Institut für Landwirtschafts-Forschung Ukiriguru (Mwanza) befürchtet, dass die bisher sehr guten Reisernten mit ausbleibenden Regenfällen schnell zurückgehen werden. Es empfiehlt den Bauern daher, auf neue Reissorten umzustellen, die statt 125 bis 160 nur noch 106 - 125 Tage zur Reifung benötigen.

Im Rahmen der Aktion „Klimawandel-Anpassung auf Gemeinde-Ebene“ informieren sich Dorfbewohner über die Ursachen der irregulären Niederschläge, die der Landwirtschaft zu schaffen machen. Sie beschlossen, in großem Stil Bäume auf ihrem Gebiet anzupflanzen. Sie werden vom UN-Entwicklungsfonds unterstützt.

Die britische Entwicklungsabteilung und das Institut für Umwelt und Entwicklung (IIED – www.iied.org) beraten 150.000 Einwohner der Distrikte Monduli, Longido und Ngorongoro, wie sie mit der zunehmender Trockenheit leben können. Maßnahmen wir Rückhaltebecken für Regenwasser, Brunnenbohren, nachhaltige Landwirtschaft, Aufforstung und Neuzüchtung von Viehrassen sollen die Klimafolgen abmildern. Die Kosten von TZS 3,5 Mrd. trägt England. Auch das „Longido Green Environment Project“ der „Green Arusha Society“ zielt darauf ab, der Bevölkerung mehr Umweltbewusstsein zu vermitteln. Sie will besonders in Schulen und unter der Maasai-Bevölkerung tätig werden.

Tansanische Unternehmer können sich um zinslose Kredite bzw. Zuschüsse aus dem REACT3-Fonds bewerben (Technologien für erneuerbare Energien und Klima-Anpassung), der vom Afrikanischen Fonds für Unternehmens-Herausforderungen (AECF) getragen wird. Wer pfiffige Ideen dazu hat, wie die ländliche Bevölkerung zu günstiger und umweltverträglicher Energie kommt oder hilfreiche Dienstleistungen zur Anpassung an den Klimawandel entwickeln will, kann Finanzierungshilfen von $ 250.000 bis 1,5 Mill. erhalten.

DN 11.02.; 02.05.; 24.,30.06.; 01.,04.,06.08.; 09.,24.10.14; Guardian 31.08.; 01.,16.