Zur Situation des Viktoriasees - 05/2006

Aus Tansania Information
Version vom 6. Januar 2019, 21:23 Uhr von Sysop (Diskussion | Beiträge) (1 Version importiert)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Zur Lage

Der Viktoriasee ist der größte Süßwassersee Afrikas. Seine Oberfläche be-trägt 68.000 km5. Wahrscheinlich wird nirgendwo so viel Süßwasserfisch gefangen, pro Jahr 500.000 t. Zu Kenia gehören 6 % des Sees, zu Uganda 43 %, zu Tansania 51 %. Das Viktoriasee-Be-cken hat große Probleme: Bevölkerungswachstum, Entwaldung, veraltete Methoden bei Landwirtschaft und Fischfang, Eindringen fremder Fischarten und Einleitung von Abwässern.

Zur Wasserqualität

Die Wasserqualität verschlechterte sich sehr. Es fehlt an Kläranlagen. Auch Exkremente landen im See, denn wenige Familien haben einen Faulbehälter. Mwanza allein leitet pro Tag mehr als 65 Mio. t Industrieabwässer ungeklärt ein. Die Artenvielfalt der Fische schrumpfte. Von den 500 Fischarten, die es noch vor 30 Jahren gab, seien 300 verschwunden, heißt es.

Sinkender Wasserspiegel

Der Wasserspiegel des Sees sinkt beständig. Allein in diesem Jahr soll er um weitere 2,3 m zurückgegangen sein. In den letzten 40 Jahren war nie ein so niedriger gemessen worden. Das könnte für die den See umgebenden Länder sehr verlustreich werden. Die Ostafrikanische Gemeinschaft (EAC) plant nun, eine hochrangige Konferenz einzuberufen, die über die drohende Umweltkatastrophe des Viktoriasees beraten soll. Betroffen sind Fischfang, Schiffstrans-port, Kommunikation, Landwirtschaft und Wasserversorgung. Für die Schiffe wird das Andocken schwierig. Schuld am Sinken des Wasserspiegels sind vor allem die Schlickablagerungen. Die UNO aber wirft Uganda vor, es entnehme sehr viel Wasser für seine Wasserkraftwerke, fast doppelt so viel, wie ehedem vereinbart wurde, und leite es nicht zurück in den See. Aber Kampala bestreitet das. Schuld sei die Dürre, heißt es. Ein Wasserfachmann des Internationalen UNO-Zentrums für Katastrophenhilfe in Nairobi wies jedoch auch darauf hin, dass die in den See fließende Wassermenge sehr zurückging. 2003 seien es 21,8 Mrd. m; gewesen, 2005 nur 12 Mrd. m;. Die Auswirkungen des sinkenden Wasserspiegels bekommen 30 Mio. Menschen zu spüren. Dort, wo einst Fische schwammen, knabbern nun Ziegen an den grünen Sprossen.

Umweltschutz

Bei einer außerordentlichen Sitzung des Koordinationskomitees des Viktoriasee-Beckens wurde kritisiert, vor allem an den Flussufern und im Wassereinzugsgebiet würden exotische Bäume angepflanzt. Das wirke sich negativ aus auf den Zufluss des Viktoriasees. Das Komitee empfahl, die Lage zu untersuchen, und vorzuschlagen, welche Bäume wo angepflanzt werden sollen. Für die Finanzierung des Lake Viktoria Management Programms bot die Schwedische Entwicklungsagentur (SIDA) etwa 1,3mrd/- TSh an, die EU 3,6mrd/- TSh. Diese Mittel werden vor allem für die Aufforstung des Wassereinzugsgebietes verwendet, für die Entsorgung von Industriemüll, die Pflege des Feuchtgebietes, außerdem für Wasserüberwachung, Bekämpfung der Wasserhyazinthe, Fortbildung und Koordination.

Schädliche Wasserpflanze

Eine bisher unbekannte Art von Wasserpflanze, Chestnut genannt, in Ostasien beheimatet, droht den Viktoriasee zu ersticken. Die im Kampf gegen die Wasserhyazinthe erreichten Erfolge werden nun fast zunichte gemacht. Die Pflanze hat sich in allen Distrikten der Mwanza-Region ausgebreitet. Von anderen Unkräutern unterscheidet sich diese durch ihre Dornen. Deshalb ist es sehr schwierig, die Pflanze manuell zu entfernen. Mit dieser Methode bekämpfte man die Wasserhyazinthe erfolgreich. Sie ging um 80 % zurück.

Belastung mit Schwermetallen

Aus einer Untersuchung: Die im Viktoriasee-Becken arbeitenden Bergleute verursachen starke Verschmutzung des Sees. Doch bei den meisten Fischarten liegt die Bleikonzentration unterhalb der von der WHO empfohlenen Höchstgrenze. Die im großen Stil Gold schürfenden Firmen beeinflussen die Konzentration des Seewassers mit Schwermetallen nicht, denn nur die im kleinen Stil arbeitenden Bergleute verwenden bei der Goldgewinnung Blei. (DN 4.1./21./24.2../ 15./23./27.3.06)