Zu Krankheiten, Gesundheitsproblemen - 02/2006

Aus Tansania Information
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Augenprobleme

Dr. Asha-Rose Migiro, <damals noch Ministerin für Entwicklung der Gesellschaft, Frauen und Kinder>, weihte das sanierte Gebäude der Augenabteilung des Bombo-Krankenhauses (Tanga-Region) ein. Sie berichtete, 3 % der Tansanier könnten schlecht sehen, 350.000 seien erblindet, verusacht vor allem von Grauem Star, Trachom, Vitamin-A-Mangel und Verletzungen der Linse. Sie betonte, alle Schwangeren müssten die Möglichkeit haben, zur Mütterberatung zu gehen und sich untersuchen zu lassen, damit die Kinder vor ansteckenden Krankheiten bewahrt blieben. Viele könnten zu Erblindung führen. Sie lobte die Bemühungen verschiedener NROs im Kampf gegen frühzeitige Erblindung. (Guardian 14.10.05; Observer 16.10.05)

Cholera

Anfang Januar 06 brach in Dar-es-Salaam Cholera aus, vor allem in besonders dicht besiedelten Stadtteilen. Sie ist ein dauerndes Problem der Stadt, weil das Abwassersystem nicht funktioniert und die Einwohner der persönlichen Hygiene nicht genug Aufmerksamkeit widmen. Der Stadtrat startete eine umfassende Aufklärungskampagne, um die Bevölkerung zur bewegen, die Gesundheitsvorschriften zu beachten, ihre Umgebung, die Toiletten sauber zu halten, Trinkwasser abzukochen, die Hände vor und nach dem Essen zu waschen und vieles mehr. Gesundheitsbeauftragte inspizieren Restaurants, Wohnhäuser und andere Gebäude.

Einige Einwohner müssen sich wegen Missachtung der Vorschriften vor Gericht verantworten. Der Gesundheitsbeauftragte versicherte, es fehle nicht an Medikamenten und dem benötigten Material. Im Stadtteil Buguruni wurden bis Ende Jan. 70 Patienten im Krankenhaus aufgenommen. (Guardian 13./18./21./26./29.1.06)

Auch in der Masuguru-Goldmine (Mbinga-Distrikt, Ruvuma-Region) trat Cholera auf. Die Patienten werden in einer Spezialeinrichtung in der Nähe der Mine behandelt. (Guardian 13.1.06)

Elefantiasis

Während der vergangenen fünf Jahre wurden in den Regionen Küste, Lindi, Mtwara und Tanga erfolgreich Kampagnen gegen Elefantiasis durchgeführt. Nun wird auch in Dar-es-Salaam eine Kampagne starten. Dort sollen 30 % der Bevölkerung infiziert sein. Weit mehr Menschen als erwartet erschienen zur Eröffnungsveranstaltung. Als Zeichen für den offiziellen Start der Kampagne schluckten Gesundheitsminister und Regional Commissioner eine Tablette der Sorte, die nun in den Gesundheitszentren verteilt wird. Als Symbol für den Kampf gegen Stigmatisierung der Kranken wuschen sie einigen die Füße. Einmal pro Jahr eingenommen verringern die Tabletten die Infektionsgefahr. Durch medizinische Versorgung der bereits infizierten Personen, eine Operation eingeschlossen, könnte eine Ausrottung der Krankheit erreicht werden. 57 % der Tansanier sind in Gefahr, sich zu infizieren. (DN 5.2.06; Guardian 3./5.2.06)

Familienplanung, Fruchtbarkeit

Bei der Präsentation eines Buches der Familien-planungsgesellschaft Tansanias (UMATI), einer der ältesten NROs Tansanias, sagte Sumaye <damals noch Premierminister>, monogame Ehen und Paare, die dank Familienplanung nur bis zu drei Kinder haben, ermöglichten nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung. Die Bevölkerung Tansanias nehme enorm zu. Die Volkszählung von 2002 habe gezeigt, dass 50 % der Bevölkerung Kinder sind. "Die arbeitsfähige Bevölkerung kann nicht für die vielen Kinder und anderen nicht belastbaren Menschen, die Alten eingeschlossen, sorgen. "Drei Kinder, das ist am besten, vielleicht vier, für den Fall, dass etwas passiert", betonte Sumaye. (Guardian 8.10.05)

In Dar-es-Salaam suchen immer mehr Männer Hilfe für Fruchtbarkeitsprobleme. In einer kürzlich mit Männern im Alter zwischen 24 und 57 Jahren durchgeführten Untersuchung heißt es, schuld an Errektionsstörungen seien vor allem hoher Blutdruck, Drogenmissbrauch und Alkoholgenuss. Ehe sie für ihr Problem professionelle medizinische Hilfe suchen, wenden sich schätzungsweise 85 % der Männer an traditionelle Heilkundige, die ihnen Kräuter verschreiben. Sie wissen nicht, dass solche Fälle auch im Krankenhaus behandelt werden können. (DN 17.11.05)

Herzleiden

Das Tansanische Herzinstitut (THI) benötigt für die Operationen von 20 Kindern mindestens 100m/- TSh. Die Kinder waren aufgenommen, dann aber wegen Geldknappheit wieder entlassen worden. Man wolle Kindern mit chronischen Herzleiden helfen, sagte der THI-Direktor. Das THI habe um Spenden gebeten, aber wenig Rückmeldungen bekommen, fast nur in Form von Zusagen. Das THI erwarte sieben Herzspezialisten aus den USA für eine Woche. Sie würden die Kinder untersuchen und die THI-Mitarbeiter schulen. Die Eltern sollten ihre Kinder bringen, die Untersuchung sei kostenfrei. Es gibt bei Kindern und Erwachsenen immer häufiger Herzprobleme. (Guardian 11.10.05)

HIV/AIDS

Am Muhimbili National Hospital (MNH), dem wichtigsten Überweisungskrankenhaus Tansanias, wurde ein HIV/AIDS-Behandlungszentrum eröffnet. Pro Stunde können hier 1.000 Tests durchgeführt, sowie AIDS und andere chronische Krankheiten besser behandelt werden. Das Zentrum soll das modernste Ostafrikas sein. 82 weitere Krankenhäuser sollen eine ähnliche Einrichtung bekommen. In Tansania sterben täglich 20 Menschen infolge von AIDS. (DN 7.10.95; Guardian 11.1.06; IRIN 6.10.05)

In einem Stadtteil von Dar-es-Salaam bildete die Famliienplanungsgesellschaft Tansanias (UMATI) 25 Fachleute aus, die Familien helfen, Kranke zu Hause zu versorgen, und sie in Krankenpflege anleiten. Für die Beratung der Kranken wurden 58 Freiwillige geschult. (Guardian 5.10.05)

Am Welt-AIDS-Tag (1. Dez.) organisierte die NRO Music Mayday Tanzania im Makumbusho Village Restaurant eine ganztägiges Dance 4 Life-Veranstaltung. Sie sollte junge Leute im Kampf gegen HIV/AIDS zusammenschließen. Es ging vor allem um Tabus und Mythen und das Schweigen rings um HIV/ AIDS. 300 Sekundar-Schüler und -Schülerinnen nahmen an einem Workshop des Dance 4 Life Ausbildungsteams teil. Ähnliche Veranstaltungen gab es in Südafrika, den Niederlanden und in Indonesien, wo 20.000 Jugendliche teilnahmen. (Guardian 30.11.05)

Führende Kirchenleute des südlichen und östlichen Afrika, die sich im Kampf gegen HIV/AIDS zusammenge-schlossen hatten, trafen sich in Dar-es-Salaam zu ihrer Generalversammlung. Sie verurteilten einige Geistliche der Region, die in ihren Predigten den Infizierten von antiretroviralen Medikamen- ten (ARVs) abrieten; denn wer diese nehme, habe nicht genug Glauben. Benjamin Mkapa <damals noch Präsident> warnte in einer Rede vor den Versammelten vor der Gefahr, dass sich HIV/AIDS noch weiter ausbreite, weil man sich darauf verlasse, dass es nun ARVs gebe, sogar kostenlos. (Guardian 27.9.05; Nipashe 26.9.05)

Die Weltbank gewährt für Tansanias Multi-sectoral AIDS-Project (TMAP) Unterstützung in Höhe von 70mrd/- TSh. Davon gehen 5mrd/- TSh an das entsprechende Programm der Regierung von Sansibar (ZMAP). Die Gelder sollen für Bewusstseinsbildung von Menschen aller Schichten eingesetzt werden. (Guardian 22.12.05)

Ende September 05 waren 31.743 Erwachsene und 2.490 Kinder für antiretrovirale Therapie (ART) registriert. Die Regierung bekommt für die Medikamente Hilfe von Geldgebern. Eine Mitarbeiterin der African Medical Reserch Foundation (AMREF) sagte, mehr Menschen sollten den Test machen. Er sei die Voraussetzung für eine ART. Von denen, die einen Test machten, seien nur 7 % infiziert.(Guardian 24.10./10.12.05)

Seit Anfang 05 produziert die Tanzania Pharmaceutical Industries (TPI) in Arusha probeweise antiretrovirale Medikamente (ARVs). Bald soll die Produktion pro Monat auf 100.000 Tabletten steigen. Im Augenblick geht es um Tabletten für Erwachsene, ab Juni 06 auch um Kapseln und Sirup für Kinder. Sie können die Übertragung von der Mutter auf das Kind verhindern. Die ARVs werden kostenlos in 96 von der Regierung bestimmten Zentren verteilt, aber nicht in Apotheken verkauft. Auf dem Schwarzmarkt kann man sie für 30.000/- TSh pro Monatsdosis bekommen. Bei dem Mittel handelt sich um TT-VIR. Entwickelt wurde es 2001 von Dr. Krisana Kraisintu, einer Pharmazeutin aus Thailand. Sie hilft der Firma nun bei der Produktion. Das TT-VIR enthält Nevirapine, Lamivudine und Stavudine. Die Tagesdosis beträgt zwei Tabletten. Eine Monatsdosis kostet 20.000/- TSh. Tansania ist eines der wenigen Entwicklungsländer, das ARVs produziert. (Guardian 8./10./ 15.12.05)

Es heißt, Menschen, die mit HIV/AIDS leben, drohten, sie würden anderen das Virus übertragen. Das sei die Rache dafür, dass die Tanzania Commission für AIDS (Tanaids) und andere Organisationen sie links liegen lasse und für sie gespendete Gelder verplempere. (Guardian12.10.05)

Malaria

Die Tanzania Breweries Ltd. (TBL) startete eine dreimonatige Anti-Malaria-Aktion. "Es kostet uns pro Monat 7m/- TSh, unsere Angestellten und ihre Angehörigen in unseren Kliniken behandeln zu lassen, wozu die Firma verpflichtet sei", sagte ein TBL-Direktor. Das sei kostspielig. Während der letzten drei Monate hätten 33,3 % der Mitarbeiter unter Malaria gelitten. Deshalb habe man beschlossen, allen 1.000 Angestellten Moskitonetze zu geben, zwei pro Familie, denn die meisten hätten zwei bis drei Kinder. "Die TBL erkannte, dass die Malaria ihre Produktivität bedroht", betonte er. In den Brauereien von Mwanza, Arusha, Dodoma, Mbeya, Moshi und Shinyanga werde man auch Informationsprogramme durchführen. "Wir glauben, dass in drei Monaten die Krankmeldungen um mindestens ein Viertel zurückgehen." (Guardian 4.11.05)

China spendete Tansania Malariamedikamente im Wert von 139m/- TSh. Der Botschafter Chinas sagte, die Spende sei nur ein Zeichen für Chinas Unterstützung. Die Gesundheitsministerin antwortete, sie rette mehr als 27.000 Menschen das Leben. Sie bat, die internationale Ge-meinschaft möge Tansania helfen. In Tansania handelt es sich bei 30 % der Krankheitsfälle um Malaria. (Guardian 5.12.05)

Der Präsident von Sansibar, Amani Abeid Karume, startete eine Kampagne gegen Malaria, Kataa Malaria <verweigere dich der Malaria> genannt. Die USA sicherten die Finanzierung für fünf Jahre zu. Das Projekt wird vom Zanzibar Malaria Control Programme in Kooperation mit der Regierung von Sansibar, verschiedenen NROs, lokalen Organisationen, dem privaten Sektor u. a. durchgeführt. In Sansibar steht Malaria bei Erkran-kungs- und Todesfällen zahlenmäßig an erster Stelle. Zwei von fünf Patienten, die ein Krankenhaus besuchen, kommen wegen Malaria. Der erste Schritt des Projekts wird die kostenlose Verteilung von mit Insektiziden imprägnierten Moskitonetzen an Schwangere und Kinder unter fünf Jahren sein. Dafür sind die privaten und öffentlichen Mütterberatungsstellen zuständig. (Observer 18.12.05)

Das Tropical Pesticides Research Institute (TPRI) will die Regierung bitten, zu genehmigen, dass man wieder DDT für den Kampf gegen die Malaria einsetzt. Noch immer sei es das preiswerteste und wirksamste Mittel und für Menschen verhältnismäßig sicher, obwohl es sich in ökologischer Hinsicht als schädlich erwiesen habe. Seit zehn Jahren darf DDT in Tansania in der Landwirtschaft nicht mehr als Spritzmittel eingesetzt werden.. (Arusha Times 7.1.05)

Was weißt du über Malaria? Interviews mit Primarschulkindern:

Grace (7): Ich weiß, das ist eine Krankheit, die von Moskitos übertragen wird. Im letzten Jahr hatte ich Malaria und wurde im Krankenhaus behandelt.

Elvis (6): Ich glaube, das ist eine Krankheit, bei der man husten muss.

Baraka (7): Ich sehe im TV Anzeigen, die erklären, Malaria ist eine lebensbedrohende Krankheit, die von Moskitos übertragen wird.

Yahya (8): Ich glaube, das ist eine schlimme Krankheit, die viele Menschen tötet. Ich tue alles, um mich vor ihr zu schützen.

Vicky (8): Die Malaria wird von Ratten übertragen. Wenn dich eine Ratte beißt, musst du sofort ins Krankenhaus.

Nisha (7): Ich war einmal im Krankenhaus wegen Malaria, aber meine Eltern haben mir nicht erklärt, wie sie übertragen wird.


Natasha (7): Ich weiß nichts über Malaria und noch niemand hat mir etwas erklärt. Manchmal hatte ich Malaria und musste im Bett bleiben.

Gladness (9): Zur Malaria gehören Fieber und Kopfweh und man wird ganz schwach. Ich weiß das, weil ich vor zwei Wochen Malaria hatte und im Krankenhaus behandelt wurde. (Guardian 21.5.05)

Psychische Leiden

Experten meinen, psychische Störungen würden zu einem ernsten Gesundheits- und sozialökonomischen Problem. Sie träten vor allem bei Menschen zwischen 15 und 30 Jahren auf, seien in städtischen Gebieten schwerwiegender als auf dem Land. Verursacht würden sie in mehr als 50 % der Fälle von Rauschmitteln. Verwendet würden diese wegen Stress und Frustration infolge von wirtschaftlichen Problemen. Auch von übermäßigem Alkoholgenuss, vor allem von von dem verbotenen Gongo, müsse man unter allen Umständen abraten, sagte ein Arzt. Es sei unmöglich allen Patienten zu helfen, denn die Möglichkeiten, psychische Störung zu behandeln, seien viel zu gering. In Tansania gibt es nur zwölf Psychiater. In der Psychiatrie des MNH, am KCMC, im Überweisungskrankenhaus von Mbeya, im Mirembe-Krankenhaus in Dodoma, im Mikocheni Hospital und in einer privaten Klinik in Segerea ist je einer angestellt. Wollte man Weltstandard erreichen, bräuchte das Land 300.000 Psychiater, Dar-es-Salaam allein 1.000 statt sieben. Die anderen Einrichtungen haben je einen. "Man muss sehr entschlossen sein, um diesen Beruf zu ergreifen", sagte der Psychia-trie-Professor des MNH. "Die Leute schauen auf uns he-rab, weil wir es mit Geisteskranken zu tun haben. Außerdem ist die Ausbildung sehr hart und lang." (DN 27.10.05)

Zahnbehandlung

Der Verband der Zahnärzte äußerte bei seiner wissenschaftlichen Jahreskonferenz, man sei bereit, mit traditionellen Heilkundigen zusammenzuarbeiten, die Medikamente gegen Zahnschmerzen entdecken, werde auch bei der Erforschung mit den Heilkundigen kooperieren. Es gebe nicht nur die Extraktion. (Alasiri 28.11.05)

Sterblichkeitsrate

Die Zahl der Todesfälle im Kindbett blieb während der letzten vier Jahre unverändert; die von Kindern sank dank Immunisierungsprogrammen, verbesserter Gesundheitsversorgung, mehr Unterricht über vorbeugende Maßnahmen für die Eltern. Unter den Kindern bis zu fünf Jahren sterben von 1.000 Lebendgeborenen 165. Damit steht Tansania laut UNICEF-Statistik unter 192 Ländern auf Platz 22. (Guardian 9./12.12.05)