Zu Kontakten und Spannungen zwischen Christen und Muslimen - 05/2008

Aus Tansania Information
Wechseln zu: Navigation, Suche

Zuwendung und Ablehnung in einer Gemeinde

Ein Pfarrer berichtete, im Korogwe-Distrikt (Tanga-Region) versammelten sich einige Muslime und Christen zu einem gemeinsamen Silvestergottesdienst, um Gott für das gute Jahr zu danken. Aus Sicherheitsgründen wolle er anonym bleiben, weil es im Dorf viele strenggläubige Muslime gebe, sagte er. Man habe gestaunt, dass Jungen und Mädchen und alte strenggläubige Muslime in die Kirche kamen. Anfangs vermutete man, sie würden Unruhe stiften. Man habe gestaunt, als sie Platz nahmen und dem Gottesdienst von Anfang bis Ende ruhig folgten, sangen und beteten. "Ihr Oberscheich sagte, er werde sie ausschließen. Aber sie kommen weiterhin zu den Nachtgottesdiensten, obwohl sie sich nicht taufen lassen." Sie sagten, sie wunderten sich über das, was in der Moschee gelehrt werde, Agitation und Unfrieden. Deshalb glaubten sie, es gebe einen Unterschied zwischen dem christlichen und dem muslimischen Gott. Man ermahne sie, absolut keine Gemeinschaft mit den Chris-ten zu haben, obwohl sie sich nur im Glauben unterschieden, weiterhin aber Geschwis-ter, sogar Blutsverwandte seien. (Msema Kweli 20.1.08)

Pläne für antimuslimische Aktion aufgedeckt

Die Polizei deckte auf, dass Personen, deren Motive nicht erkennbar seien, planten, über Internet und mit Flugblättern gotteslästerliches Material mit feindseligen Fotos, Artikeln u. a. zu verbreiten, was Unruhe stiften könne. Man wisse, dass Gruppen oder Einzelne planten, den Islam lächerlich oder verachtenswert erscheinen zu lassen, sagte der Generalinspektor der Polizei. Man werde angemessen vorgehen. Laut Verfassung hätten die Tansanier Meinungs- und Redefreiheit, aber niemand dürfe den Frieden gefährdende religiös bedingte Animosität anfachen. Das sei strafbar. (DN 9.3.08)

Ehemaliger Muslim jetzt Prediger

Manche Adventis-ten-Gemeinden verwenden bei ihren Versammlungen den Koran, um die Wahrheit der Heiligen Schriften der Bibel zu verdeutlichen. Sie helfe den Menschen, der echten Wahrheit zu folgen und am Ende in den Himmel zu kommen. Ein Prediger mit Namen Omari berichtete, nahezu 300 Muslime seien Christen geworden. Er selbst war Muslim. Nun lässt ihn seine Kirche Versammlungen leiten, in denen die Adventisten den Islam kennen lernen, denn sie sollen wissen, was sie antworten können, wenn Muslime den christlichen Glauben ablehnen. Omari sagte, ein großer Teil des Korans entspreche der Heiligen Schrift und vieles sei anders als das, woran sich die Muslime im Gottesdienst und in ihrer Lebensordnung allgemein hielten. "Sogar der Prophet Mohammed fordert die Muslime im Koran auf, in dem Buch, das vorausging, nämlich der Heiligen Schrift, zu lernen", erklärte er. Omari sprach bereits bei Veranstaltungen in acht Regionen. (Msema Kweli 9.3.08)

Diskussionsveranstaltungen für Christen und Muslime

Dozenten der christlichen Gruppe Injili kwa Wote <Evangelium für Alle> und des Al Jihad Islamic Centre, die verschiedene Gruppen von christlichen und muslimischen Gläubigen vertreten, vereinbarten, in einer ganz neuen Art Lehrveranstaltungen über ihre Religion zu halten. Das Ziel ist, in Frieden einander zu lehren, Hetze, Hass und Unfrieden zwischen den Gläubigen dieser Religionsgemeinschaften zu vermeiden. Die Vorsitzenden der beiden Organisationen sagten, indem sie einander über ihren Glauben informierten, würden bessere Voraussetzungen für Frieden geschaffen. Sie berichteten, diese Vorlesungen würden von christlichen und muslimischen Gläubigen begrüßt. Viele wollten sich beteiligen. Sie erklärten das Vorgehen: Wer etwas vorbringen will, bekommt 20 Minuten. Dann lauscht er dem Beitrag aus der anderen Gruppe. Danach ist Zeit für Fragen und Antworten und endlich je eine Zusammenfassung für Pro und für Contra. Damit ist die Diskussion beendet. Die Zuhörenden dürfen nicht schreien, Missfallen äußern oder lästern; es ist erlaubt, Takbir bzw. Halleluja oder Gelobt sei der Herr zu sagen. (Msema Kweli 9.3.08)

Streit um Bestattung

Während eines Trauergottesdienstes in einer Evang.-Luth. Kirche Dar-es-Salaas drangen Muslime mit den Rufen "Allah Akbar!" ein. Der Tote war 04 vom Christentum zum Islam übergetreten, müsse deshalb nach muslimischem Ritus bestattet werden, forderten sie. Chaos, Anschuldigungen von beiden Seiten. Als weiß gekleidete Angehörige des Verstorbenen versuchten, den Sarg zum Friedhof zu bringen, versperrten Muslime ihnen den Weg. Die lokale Verwaltung verfügte, der Sarg bleibe in der Kirche, bis sich die Familie des Verstorbenen und christliche und muslimische Repräsentanten geeinigt hätten. Gegenseitige Vorwürfe und weinende Angehörige; man verweigere ihnen das Recht zu bestatten, klagten sie. Der Pfarrer sagte, bei seelsorgerlichen Gesprächen habe er gemerkt, dass der Verstorbene zum Christentum zurückgekehrt sei. Der Scheich verlangte eine schriftliche Bestätigung. "Wenn einer kommt, nehmen wir ihn auf", sagte der Pfarrer, ohne schriftlichen Antrag. Aber der Gemeinde sei seine Entscheidung bekanntgegeben worden. Als Beweis legte er das Buch vor, in dem die Abkündigungen eingetragen werden. Der Imam präsentierte einen Brief des Verstorbnen, der zeige, dass er nach muslimischer Ordnung bestattet werden solle. Als einige Muslime sich des Sargs bemächtigen wollten, griff die Polizei ein und zerstreute die Menge.

Die Mutter und die Ehefrau des Verstorbenen gingen vor Gericht. Sie beantragten eine einstweilige Verfügung gegen den betreffenden Scheich und seine Genossen. Sie berichteten, der Verstorbene sei 81 konfirmiert worden. 96 habe er eine Muslima geheiratet. Dem gemeinsamen Kind habe er den christlichen Namen Anna gegeben, was zu Streit und schließlich zur Auflösung der Ehe geführt habe. (Guardian 29.3.08)