Wirtschaft ‐ 11/2022

Aus Tansania Information
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Goldesel am Horizont

Das Flüssiggasprojekt in Südtansania hat ein Potential, zu Tansanias Wirtschaft jährlich $ 7 Mrd beizutragen und der Regierung jährlich $ 2 Mrd an zusätzlichen Steuern zu bescheren. Dies geht aus einer Studie der Stanbic Bank Tanzania hervor, einer Tochter des internationalen Standard-Chartered-Finanzkonzerns. Tansania verhandelt seit Jahren mit einem Konsortium aus Shell und der norwegischen Equinor über die Ausbeutung der Erdgasvorkommen im Meer an der mosambikanischen Grenze. Die Verhandlungen waren unter dem verstorbenen Präsidenten Magufuli zum Stillstand gekommen, weil er während der Gespräche das Finanzministerium mit der Neufassung der Vertragsbedingungen beauftragte, worauf hin sich jahrelang nichts mehr bewegte. Präsidentin Samia Suluhu Hassan beauftragte ihren Energieminister Makamba, zügig auf einen Abschluss hin zu verhandeln. Nach Unterzeichnung eines Vorvertrages soll jetzt der endgültige Vertrag bis zum Jahresende abgeschlossen sein.

Laut Stanbic Bank kann das tansanische Flüssiggasprojekt die größte Investition im Energiesektor Afrikas bedeuten. Neben dem Export wird auch mit vermehrter Verfügbarkeit von Erdgas im Lande selbst gerechnet, um so dem nicht nachhaltigen Verbrauch von Holzkohle und der damit verbundenen Abholzung zu begegnen.

Citizen 27.10.2022

Fertigwarenausfuhr gestiegen

Tansanias Ausfuhren von Fertigwaren haben einen neuen Höchststand erreicht. Im Jahreszeitraum bis Ende August wurden verarbeitete Güter im Werte von $ 1,4 Mrd. exportiert, während die Menge vor 2 Jahren lediglich einen Wert von $ 844 Mil. aufwies. Bei den Fertigprodukten handelt es sich um Keramik, Textilien, Zement, Kosmetik, Plastikwaren sowie Eisen und Stahl. Das meiste davon geht nach Sambia, Uganda, Ruanda, Burundi, Kongo, Malawi sowie in asiatische Staaten. Die gesteigerte Industrieproduktion ist im Zusammenhang mit den Sonderwirtschaftszonen zu sehen, in denen gezielt für den Export produziert wird. Laut einem Industriesprecher wirkt sich auch das bessere Geschäftsklima unter der neuen Regierung aus, wobei sich die neu eingeführte Rückerstattung der Mehrwertsteuer für Exportwaren als hilfreich erwies.

Das jetzige Wachstum liegt allerdings noch weit unter den Zielwerten, die für die offizielle Industriestrategie verkündet wurden, mit denen das Land bis 2025 eine Teilindustrialisierung seiner Wirtschaft erreichen will. Bei den jetzigen Ausfuhren von Fertigwaren handelt es sich überwiegend um niedrigschwellige Technologien, bei denen keine hohe Wertschöpfung geschieht. Guardian 11.10.2022

Kleiderschmuggel

Die Vereinigung der Textilproduzenten fordert die Regierung zu Maßnahmen gegen den Kleidungsschmuggel auf. Laut Sprecher Adam Zuku bringen die illegalen Importe die einheimischen Hersteller in Existenznöte und bedeuten für den Staat verminderte Steuereinnahmen. Schmuggelware werde gegen geringere Preise auf den Märkten verkauft, da die Importeure und Händler dafür keine Abgaben zahlen. In Tansania gab es im Jahr 2000 noch 17 Betriebe, die Kleidung herstellten, aber ihre Zahl sei auf derzeit 8 gesunken. Die verbliebenen Betriebe arbeiten mit lediglich 40% bis 60% ihrer Kapazität, weil es an Absatz fehle.

Citizen 27.10.2022

Bilanzsanierung für Tanesco

Die tansanische Regierung wandelte ihre Kredite an die Elektrizitätsgesellschaft Tanesco sowie die Erdölfirma TPDC in Höhe von TSh 5 Tril. (€ 2.1 Mrd) in Aktienbeteiligungen um. Tanesco ist der einzige Stromlieferant im Lande. TPDC sucht im Auftrage der Regierung nach Öl- und Gasvorkommen und betreibt Öl- und Gaspipelines. Beide staatseigene Firmen sind formal privatisiert und sollen kommerziell arbeiten. Dabei nahm die Regierung für ihre Investitionen Kredite auf und gab sie an die Firmen weiter. Dies erschien in der Bilanz als Schulden und bereitete Probleme, wenn die Firmen nun selber für bestimmte Projekte Kredite aufnehmen bzw. mit ausländischen Partnern Gemeinschaftsunternehmen gründen wollte. Durch den Tausch von Schulden in staatliche Beteiligungen können Tanesco und TPDC nunmehr mit verbesserten Bilanzen auftreten.

Citizen 28.10.2022

Falsche Investoren?

Der tansanische Großunternehmer und ehemalige CCM-Politiker Rostam Aziz hat die Regierung aufgefordert, die Gesetze für ausländische Investoren zu überarbeiten. Er beobachte Ausländer, die unter den Bestimmungen für Investoren im Lande aktiv sind, tatsächlich aber nichts produzieren, sondern nur Kleinhandel betreiben und damit Nischen besetzen, die tansanischen Bürgern vorbehalten sein sollten. Aziz waren bei einer Reise in der Region Njombe Chinesen aufgefallen, die Mobiltelefone verkaufen und Wettbüros betreiben. Laut Aziz sei die derzeitige Regelung zu niedrig angesetzt, wonach ein Investor aus dem Ausland $ 500,000 mitbringen müsse, um eine Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung als Unternehmer zu erhalten. Ihm seien Fälle bekannt, wo Chinesen jeweils einige Tausend Dollar zusammenlegen, um den Anschein dieser Summe zu erwecken, und dann für jeden eine Genehmigung erhalten.

Aziz forderte auch eine Reform der Inhalte im Bildungssystem, damit junge Tansanier eher wirtschaftliche Chancen erkennen können, bevor Ausländer diese Nischen besetzen.

Guardian 27.10.2022

Feuer am Kilimandscharo

Seit dem 21. Oktober brannte es wieder im Kilimandscharo-NNationalpark. Das Feuer wurde in der Nähe des Karangacamps auf einer Höhe von ca. 4000 m bemerkt. Wie bei den großen Feuern der Vorjahre brennt das Gebüsch oberhalb der Baumgrenze. Starke Winde fachten das Feuer immer wieder an, das von den Rangern und 400 freiwilligen Helfern mit Brandpatschen bekämpft wurde. Nach ersten Erfolgsmeldungen brach es wieder aus und musste erneut eingedämmt werden. Vor 2 Jahren hatte ein Großbrand mehr als eine Woche lang auf 95 Quadratkilometern gewütet.

Das Wochenblatt East African kritisierte in einem Kommentar, dass die tansanische Regierung immer noch im Dunkeln tappt, was die Ursachen der Feuer an Afrikas höchstem Berg angeht. Auch nach dem Großfeuer vor 2 Jahren gab es nur Vermutungen. Nach wie vor sei die Ausrüstung unzureichend, obwohl im Zuge des Klimawandels mit häufigeren Feuern gerechnet werden muss. Diesmal stand ein einziger Hubschrauber zur Unterstützung der Brandbekämpfer zur Verfügung; hier sei es nötig, dass die benachbarten Staaten gemeinsam Feuerlöschflugzeuge vorhalten.

AFP 25.10.2022, East African 28.10.2022

Recyclegenie

Eine Reportage im Mwananchi berichtet über den Jungunternehmer Gibson Kawago, der als Absolvent einer technischen Hochschule in Dar es Salaam ein Unternehmen aufbaut, in dem er ausgemusterte Laptopakkus wiederverwertet, in denen meist ein Großteil der Zellen noch funktionstüchtig ist. Kawago stellt daraus Akkupakete her, die er mit Solarladung kombiniert. Zusammen mit einem Inverter lassen sich auf diese Weise Lampen, Radios und Fernseher betreiben oder Handys aufladen.

Mwananchi 09.10.2022