Wirtschaft ‐ 05/2022

Aus Tansania Information
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Preissteigerungen

Die wirtschaftlichen Folgen des Ukrainekrieges zeigten sich alsbald auch in Tansania in Preissteigerungen. Sie trafen das Land zugleich mit dem Einsetzen des Fastenmonats, in dem die Preise für einige Bedarfsgüter wie Zucker auch in den vergangenen Jahren stiegen. Jetzt kommen Preissteigerungen für Speiseöl und Weizenmehl hinzu. Der Verbraucherpreis für Mehl stieg nach dem ersten Kriegsmonat um ein Viertel, ebenso die Preise für Chapati, ein beliebtes Grundnahrungsmittel. Die Zeitung Mwananchi beobachtete, dass Brot zwar im Preis gleich blieb, dafür aber deutlich im Gewicht verringert wurde. Mit Preissteigerungen muss auch bei Benzin und Diesel gerechnet werden, was wiederum höhere Transportkosten für alle Güter nach sich ziehen wird.

Tansania hatte vor wenigen Jahren bei Weizen bereits eine Eigenproduktion von 70-80% des Bedarfs, aber dann gaben aufgrund von starken Preisschwankungen viele Bauern diesen Anbau wieder auf. Kritische Stimmen wiesen darauf hin, dass Tansania bei Zucker, Speiseöl und Getreide eigentlich Überschüsse erzeugen müsste, stattdessen aber importieren muss.

Auch die Düngerpreise in Tansania steigen in Folge des Kriegs in der Ukraine. Die Regierung versucht mit Preiskontrollen den Anstieg zu dämpfen, wie Landwirtschaftsminister Mavunde erklärte. Ferner bemühe sich die Regierung darum, die Düngemittelproduktion im eigenen Lande zu steigern. Dabei setzt sie Hoffnungen auf die im Bau befindliche Fabrik der burundischen Firma Itracom, die eine Kapazität von 600.000 t jährlich haben soll.

Mwananchi 04.04.22, Nipashe 23.04.22

Energiekosten

Tansania musste im Jahreszeitraum bis Januar 2022 fast doppelt so viel für den Import von Mineralölprodukten ausgeben wie im Vorjahr. Von daher stiegen auch die Verbraucherpreise für Benzin, Diesel und Petroleum um 28.4% und 20.5%.

Im Februar 2022 allein stiegen Energiepreise für Öl und Gasprodukte dann um 5,8%. Noch stärker war mit über 7% der Preisanstieg bei Holzkohle, die in Tansania für die Mehrzahl der Bevölkerung noch die wichtigste Energiequelle ist.

Marketwatch 04.04.22

Tansanisches Elektroauto

Tansania freut sich über sein erstes Elektroauto. Es ist bisher ein Einzelstück, gebaut von Masoud Kapanya, der sonst sein Geld mit dem Zeichnen von Karikaturen für die Medien verdient. Kapanya stellte das Fahrzeug Anfang April in Dar es Salaam vor. Er hatte daran 11 Monate gebaut. Die Ladezeit beträgt 6 Stunden, die Reichweite mit voller Batterie bis zu 80 Kilometer. Weitere Einzelheiten wurden noch nicht bekanntgemacht. Ende April hatte die Zulassungsbehörde eine Prüfung abgeschlossen und stellte nach Erledigung einiger Auflagen die Zulassung für den Straßenverkehr in Aussicht.

Citizen 03.04.22, DN 28.04.22, Mwananchi 05.04.22

Straßenhändler

Der Tansaniakorrespondent von Aljazeera ging den Straßenhändlern nach, die seit Oktober vergangenen Jahres von ihren Stammplätzen in den tansanischen Innenstädten vertrieben wurden. Auf Anordnung der Präsidentin wurden den “Machinga” genannten Kleinhändlern neue Standorte zugewiesen. Insgesamt sind die interviewten Machinga mit diesen nicht glücklich. Sie beklagen fehlende Kunden und mangelnde Umsätze, die laut Befragten teilweise auf ein Zehntel oder weniger der vorherigen Erträge geschrumpft sind. Ein Befragter gab an, er habe vor der Umsiedlung täglich TSh 100.000 (€40) Umsatz gehabt; jetzt seien es nur noch TSh 10.000 (€ 4), wovon er kaum leben könne. Man habe ihnen kostenlose Verkaufsplätze zugesichert, hierfür würden jetzt von kommunalen Behörden aber TSh 200.000 bis 500.000 verlangt.

In der tansanischen Gesellschaft gibt es diametral entgegengesetzte Sichtweisen über die Machinga. Aus der Sicht der Finanzbehörden sind sie ein Verlustposten, da sie generell keine Steuern zahlen, teilweise auch von Ladenbesitzern eingesetzt werden, um Waren unversteuert zu vertreiben. Aus der Sicht von anderen Ladenbesitzern blockieren sie in den gut besuchten Geschäftsvierteln die Bürgersteige mit ihren Auslagen und erschweren damit den Zugang zu den Ladengeschäften. Aus der Sicht von Stadtverwaltungen und ordnungsliebenden Bürgern hinterlassen sie Berge von Abfall und Müll.

Auf der anderen Seite steht eine Sicht auf den informellen Straßenhandel als kreative Selbsthilfe von Mitgliedern der Gesellschaft, denen das Wirtschaftssystem keine Arbeitsplätze und der Staat keine soziale Unterstützung bieten kann. In ihrer Wirtschaftsform finden Millionen ein Auskommen, sie können sich selbst und ihre Familien ernähren und stellen Waren und Dienstleistungen zu günstigen Preisen den ärmeren Klassen der Bevölkerung zur Verfügung.

Aljazeera 17.04.2022

Machinga in Mwanza

In den sozialen Medien kursiert ein Video, das die Misshandlung von Straßenhändlern in Mwanza durch städtische Ordnungskräfte zeigt. Darin ist zu sehen, wie die Hilfspolizisten einem Machinga seinen Handkarren wegnehmen und die ganze darauf befindliche Ladung Bananen in ihren Lastwagen werfen. Der zuständige Regionalkommissar ordnete daraufhin die Entlassung der beteiligten Angestellten und Suspendierung des zuständigen Abteilungsleiters der Stadtverwaltung an. Die Präsidentin hatte die Entfernung der Kleinhändler aus den städtischen Zentren angeordnet; zuvor sollten ihnen aber alternative Plätze zugewiesen werden und die Aktion sollte ohne Gewalt ablaufen. - Der geschädigte Machinga wurde vom Regionalkommissar und dem dortigen Parlamentsabgeordneten zum Essen eingeladen und für seinen Verlust entschädigt.

Citizen 17.04.22, Miiliardyo TV 20.04.22

Rostam Aziz kauft Tigo

Der tansanische Multimillionär Rostam Aziz hat sich wieder in den Markt der Telekommunikation eingekauft. Gemeinsam mit der madagassischen Axian Group kaufte er für $100 Mil. die beiden Mobilnetzbetreiber Zantel und Tigo. Die neuen Besitzer kündigten den Ausbau der Glasfasernetze im Lande sowie des 4G-Mobilfunknetzes auch in ländlichen Gebieten an.

Aziz war bis zum Jahr 2014 mit 35% an Vodacom Tanzania beteiligt gewesen und durch den Verkauf seiner Anteile zum ersten tansanischen Dollarmilliardär geworden. Er entstammt einer wohlhabenden Unternehmerfamilie, die im Bergbau, einer Beteiligung am Hafen von Dar es Salaam und mit Immobilien in Dubai reich wurde. Rostam Aziz engagierte sich in der Regierungspartei CCM, was seinem Zugang zu Lizenzen nicht abträglich gewesen sein dürfte. Von 1994 bis 2011 war er Abgeordneter von Igunga (Region Tabora) sowie ab 2005 auch Schatzmeister der CCM und Mitglied des Parteivorstands.

Citizen 07.04.22

Steuern für Facebook

Die Steuerbehörde TRA bestellte Vertreter des amerikanischen Internetkonzerns Meta zu Gesprächen über die Besteuerung seiner Internetdienste ein. Meta betreibt Facebook, Instagram und WhatsApp, die in Tansania mehrere Millionen Nutzer haben. Ein Sprecher der TRA sagte, man wolle im Gespräch mit Meta zunächst hören, welchen Steuerregelungen der Konzern in anderen Ländern unterliege, um dann Bestimmungen für Tansania zu entwerfen

Citizen 21.04.22

Tansanisches Nickel

Die Firma Kabanga Nickel sieht verbesserte Chancen für tansanisches Nickel als Folge des Krieges in der Ukraine. Wenn jetzt durch Sanktionen die russische Nickelproduktion aus dem Markt gedrängt wird, öffne das eine Gelegenheit für Tansania. Russland ist der drittgrößte Nickelproduzent weltweit. Der Tagebau in Kabanga in Westtansania soll 2025 mit der Produktion beginnen. Nickel wird für Batterien benötigt.

theafricareport.com 04.04.22

Avocadopreise und Krieg

Avocadobauern im Rungwedistrikt (Region Mbeya) spüren Folgen des Ukrainekonflikts an Absatzproblemen und sinkenden Preisen. Über 2000 Bauern in Rungwe hatten in den vergangenen Jahren mit Unterstützung und Ermutigung durch die Regierung auf ihren Flächen Avocadobäume gepflanzt. Ein Sprecher der Bauernvereinigung sagte jetzt, dass durch den Krieg die Frachtketten gestört sind und sie auf ihren Lagerbeständen festsitzen. Die Masse der Ernte werde ab Dar es Salaam per Schiff in Kühlcontainern exportiert; viele Schiffe seien in russischem Besitz. Vor dem Krieg hätten die Avocadobauern in Rungwe etwa 100 Tonnen wöchentlich auf den Weg gebracht, jetzt gehen nur noch 40 t weg. Wenige Kunden würden über Luftfracht etwa 5-6 t pro Woche abnehmen.

Jetzt würden Zwischenhändler auftauchen, die TSh 600 (ca. € 0,25) anstelle des empfohlenen Verkaufspreises von TSh 1600 (€ 0,65) pro Kilo anbieten.

Citizen 15.04.22