Wirtschaft ‐ 02/2022

Aus Tansania Information
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Der tansanische Milliardär

Der tansanische Unternehmer Mohammed Dewji wurde im Ranking 2022 der amerikanischen Wirtschaftszeitschrift „Forbes“ als reichster Tansanier und 15-reichster Afrikaner aufgeführt. Sein Vermögen wurde mit $15 Mrd. angegeben. Dewji hatte nach Studium im Ausland 1999 den väterlichen Handelsbetrieb übernommen und binnen 20 Jahren dessen Umsatz von $30 Mil. auf $1,5 Mrd gesteigert. Er hatte eine Reihe von bankrotten Staatsbetrieben aufgekauft, die nach dem Jahr 2000 billig von der Regierung verkauft wurden und sie wieder profitabel gemacht. Von 2005 bis 2015 vertrat er als CCM-Abgeordneter Singida im Parlament. Dewji schloss sich einer Ankündigung anderer Multimilliardäre wie Bill Gates und Warren Buffet an, mehr als die Hälfte seines Vermögens entweder zu Lebzeiten oder testamentarisch für gemeinnützige Zwecke zu stiften.

Im Jahre 2018 wurde er entführt und 9 Tage lang von Unbekannten gefangen gehalten. Er kam schließlich ohne Lösegeldzahlung frei. Da die Polizei den Fall nie aufgeklärt hat, gab es zahlreiche Spekulationen darüber, ob in seine Entführung staatliche Stellen verwickelt gewesen waren.

Citizen 25.01.2022

Gebühren für Stromanschluss

Die staatliche Elektrizitätsgesellschaft Tanesco führt wieder höhere Anschlussgebühren ein, mit denen die städtischen Kunden an den Kosten für die Verlegung der Leitungen beteiligt werden. Für ländliche Kunden soll weiterhin eine nominelle Gebühr von TSh 27.000 (€ 10) gelten. Für Kunden in städtischen Gebieten fallen nunmehr TSh 321.000 für eine Entfernung von 30m an, TSh 515.000 für 70 m und 697.000 für 120m (€ 123, € 197 bzw. € 267).

Die Ankündigung verursachte einen Proteststurm in den sozialen Medien und wurde unter anderem als Verrat an der sozialen Politik des verstorbenen Präsidenten Magufuli bezeichnet. Unter Magufuli war der Ausbau des Stromnetzes vorangetrieben worden, aber zugleich hatte er mehrfach in Entscheidungen der Tanesco eingegriffen, eine im Jahr 2017 geplante Preiserhöhung verboten und vor der Wahl für die allgemeine niedrige Anschlussgebühr von TSh 27.000 gesorgt.

Im vergangenen Jahr hatten sich die Klagen gehäuft, dass die Tanesco keine Anschlüsse mehr vornahm, obwohl viele Kunden bereits die Gebühr hinterlegt hatten. Nachdem Präsidentin Samia im September 2021 ein neues Management für die Gesellschaft ernannt hatte, wurde öffentlich, dass Tanesco keine Mittel mehr hatte, um die bereit angezahlten, aber noch ausstehenden Anschlüsse vorzunehmen. Daraufhin wies die Präsidentin den Energieminister an, kostendeckende Anschlussgebühren einzuführen. Für ländliche Haushalte werden diese weiterhin subventioniert.

Citizen 06.01.2022, DN 05.+15.01.2022, Guardian 06.01.2022, Jamiiforums Januar 2022

Stromausfälle

Die Elektrizitätsgesellschaft Tanesco kündigte Ende Januar Stromabschaltungen für die kommenden 10 Tage an, da an zwei Gaskraftwerken in Dar es Salaam Reparaturarbeiten ausgeführt werden. Ein Kommentar in der Zeitung Citizen versuchte, die Hintergründe der neuerlich häufigen Stromausfälle zu ergründen. Das System der Erzeugung und Verteilung von Strom in Tansania hat demnach mit einer mangelhaften Infrastruktur zu tun, die auf schlechte Planung zurückzuführen ist. Zum einen würden trotz eines begrenzten Verteilnetzes laufend neue Verbraucher angeschlossen, was die oft überalterten Trafos in den Verteilerstationen überfordert. Zum anderen würde einfach zu wenig Strom produziert, obwohl Tansania sich das Ziel gesetzt hat, Industrienation zu werden. Für das Verteilnetz wäre eigentlich die Unternehmensführung der Tanesco verantwortlich, aber sie sei in ihrer Handlungsfreiheit durch politische Eingriffe beschränkt, die ihr keine Entscheidungen über Preise und Tarife belassen. Als Beispiel führte der Kommentar die Erklärung von Energieminister Makamba an, der im Januar beim Besuch eines Umspannwerkes in Arusha verkündete, dass hiermit die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der Tanesco aufzulösen sei, weil sie schlechte Arbeit leiste. Der Kommentar fragte zurück, was dies den Minister angeht; warum lasse er nicht den neuen Tanesco Direktor Maharage Chande (der im Dezember von der Präsidentin berufen wurde) einfach selber seine Arbeit tun und ihn dann für die Ergebnisse verantwortlich machen? (Zumindest war dieser Kommentar mit einer direkten Kritik eines Ministers ein Anzeichen verbesserter Spielräume für Journalisten nach der Ära Magufuli. Red.)

Eventuell ermuntert durch diesen Kommentar meldete sich auch der Berufsverband für Öffentlichkeitsarbeit (Public Relations Society of Tanzania PRST) mit einer Erklärung zu Wort, dass sie beim Minister um Aufklärung für seinen Schritt bittet, der am eigentlichen Arbeitgeber vorbeiging. PRST appellierte an alle Verantwortliche (“einschließlich Minister”) die Grundlagen guter Führung zu respektieren.

Laut Kommentar des Citizen liegt das Problem der Stromausfälle in Tansania letztlich am mangelnden Respekt für verantwortliche Unternehmensführung (“corporate governance”) im Bereich der staatseigenen Betriebe. ”Während Tansanier täglich die Tanesco verfluchen, spielen wahrscheinlich die wirklich Verantwortlichen irgendwo Golf”.

Citizen 27.+29.01.2022; Mwananchi 25.01.2022; Udakuspecially 28.01.2022

Aktien für Bürger

Die Oppositionspartei ACT-Wazalendo schlug vor, die Bewohner Lindis am Aktienkapital der vorgesehenen Gasverflüssigungsanlage in der südtansanischen Stadt zu beteiligen. ACT-Politiker Ado Shaibu schlug vor, 2,5 % des Kapitals der Stadt Lindi zu übertragen, damit die Profite nicht nur bei den Betreiberfirmen Shell / Equinor und der Zentralregierung verbleiben.

Unterdes werden die Vertragsverhandlungen zwischen Regierung und den beiden Gaskonzernen fortgesetzt. Diese waren unter der letzten Regierung gescheitert, nachdem der jetzt verstorbene Präsident Magufuli den bereits ausgehandelten Entwurf abgelehnt und eine neue Rahmenvereinbarung über die Aufteilung der Gewinne gefordert hatte. Die Gaskonzerne wollen auch auf der tansanischen Seite der Grenze nach Mosambik die Gasvorräte unter dem Meeresboden ausbeuten, sie in einer zu erbauenden Anlage verflüssigen und dann exportieren.

Die tansanische Regierung hat jetzt die amerikanische Anwaltskanzlei Baker Botts LLP als juristische Berater für die Verhandlungen engagiert. Baker Botts ist im texanischen Houston ansässig und international auf den Energie- und Technologiesektor spezialisiert.

Bloomberg 25.01.2022, Citizen 06.01.2022

Nickelprojekt

Der australische Bergbaukonzern BHP investiert $ 50 Mil. in das Nickelabbauprojekt Kabanga. Nahe der Grenze zu Burundi will die britische Firma Kabanga Nickel ab 2025 jährlich 40.000 Tonnen Reinnickel, 6.000 t Kupfer und 3.000 t Kobalt fördern. Es wird erwartet, dass weltweit die Nachfrage nach Nickel stark steigen wird, da das Metall für die Herstellung von Batterien benötigt wird. BHP gehört weltweit zu den größten Bergbaukonzernen und engagiert sich mit dieser Investition erstmals seit mehreren Jahren wieder in Afrika. Das zusätzliche Kapital soll dazu beitragen, eine moderne Anlage für die hydrometallurgische Herauslösung des Nickels aus dem Erz zu errichten. Dabei werden die Erze mit starken Laugenflüssigkeiten behandelt. Ein neu entwickeltes Verfahren gilt trotz der dabei eingesetzten Chemikalien als umweltfreundlicher im Vergleich zum Ausschmelzen des Erzes und soll ohne giftige Emissionen betrieben werden.

Citizen 14.01.2022, East African 10.01.2022