Umwelt ‐ 04/2026

Aus Tansania Information
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Ngorongoro-Naturschutz

Seit 30 Jahren wird über den Status der Ngorongoro-Region, auch mit Menschenrechtsaktivisten diskutiert. Ende 2024 hatte Präsidentin Hassan sich die Klagen der Massai-Vertreter in Arusha angehört und in der Folge im Februar 2025 zwei Kommissionen eingesetzt. Innerhalb von drei Jahren sollte die erste (unter dem Appelationsgerichtsrichter Dr. Gerard Ndika) einen Überblick über den Landkonflikt erstellen und die zweite (unter Staatssekretär Musa Iyombe) über das „freiwillige“ Umsiedlungsprogramm für über 110.000 Menschen aus der Ngorongoro-Region nach Msomera/Handeni und Saunyi/Kilindi in Tanga sowie nach Kitwai/Simanjiro in Manyara berichten. Die Umsiedlung sei nötig zum Schutz der Ngorongoro Conservation Area (NCA) als UNESCO-Weltkulturerbe. NGOs und Anwohner halten den Zusammenhang für vorgeschoben. Im August 2024 hatten sich Hunderte Massai protestierend an der Ngorongoro-Serengeti Road versammelt. Die Regierung hatte den Bau von Häusern versprochen, zugleich aber in den ursprünglichen Gebieten die medizinische Versorgung, Beschulung etc eingestellt, um zur Umsiedlung zu „motivieren“. Zuletzt hatte man die Ngorongoro-Bewohnern Wahllokalen in Msomera zugeordnet, wohin bisher nur 2 % von umgesiedelt waren und hatte sie so faktisch von der Kommunalwahl im Herbst 2024 ausgeschlossen.

In ihrem Bericht hat nun die Iyombe-Kommission festgestellt, dass von 23.000 angestrebten Haushalten nur 1.678 umgezogen sind (7,3 %), von den 4.593 Nutztieren nur 71.546 (5,7 %) und dass die Umsiedlung damit faktisch gescheitert ist. Der 318-Seiten-Bericht bescheinigt schlechte Planung, mangelnde oder keine Einbindung der Massai-Gemeindevorstände und uneinheitliche Anreizrichtlinien. Die 1.559 in Msomera errichteten Häuser stehen komplett leer. Grund: Die Behörden haben mit den Männern verhandelt, während doch bei den Massai die Frauen für den Hausbau zuständig sind. Ein Mann der drei Frauen hat, hat drei Haushalte und braucht drei Häuser. Mit einem Haus allein, wie es vorgesehen war, kann er nichts anfangen. Auch die bereits vorhandenen Anwohner beschweren sich, dass ihnen ihr Land einfach für die neuen Siedler weggenommen worden sei. Die Kommission hat ein umfassendes Reformpaket vorgeschlagen. Die Präsidentin verspricht Korrekturen.

Am 1. Februar war der UNESCO berichtet worden, dass die Regierung die Umsiedlung weiter unverändert vorantreibe. Am 12. März beschwerten sich die Massai, dass noch immer keine Abschlussbericht der beiden Kommissionen vorliege. Am Folgetag lagen dann die Ergebnisse zumindest einer der Kommissionen vor.

Der dann nachgereichte Bericht der Ndika-Kommission bescheinigt, dass menschliche Ansiedlungen mit nomadischer Tierhaltung mit Artenschutz nicht vereinbar seien. Bei Einrichtung des Ngorongoro-Naturschutzgebiets 1959 hätten dort ca. 8.000 Menschen gelebt, 2022 seien es bereits 117.930 gewesen und bis 2050 würden 276.651 Einwohner erwartet. Die Nutztierzahlen seien in vergleichbar Höhe gestiegen. Die Zahl der geschützten Wildtiere nehme ab, mehrere Arten seien bereits verschwunden. Verantwortlich sei der Mensch und der Klimawandel. Die Zahl der Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren nehme zu, ebenso wie Zoonosen. Einbezogen in den Bericht waren auch Pololeti und Natron. Die Präsidentin versprach Korrekturen.

Der tansanische Rechtsanwalt Joseph Oleshangay, der sich seit Jahren für die Interessen der Massai einsetzt, weist die beiden Berichte über Ngorongoro zurück und bezeichnet sie als weder glaubwürdig noch unabhängig. Insbesondere die Ndika-Kommision habe lediglich aus dem Multiple-Land-Use-Model-Bericht von 2019 abgeschrieben. Ngorongoro sei kein Schutzprojekt, sondern diene der Vertreibung der Massai. Die Massai würden sich weiter wehren, gewaltlos.

Tansania wird in den nächsten 20 Jahren 314 Mio. $ mit Jagdlizenzen verdienen.

Chanzo, 12./13./26.03.2026, Guardian, 13./30.03.2026

Rovuma

Malawi, Tansania und Mosambik haben gemeinsam eine Initiative gestartet, um das von der Quelle bis zur Mündung 155.000 qkm umfassende Einzugsbecken des Flusses Rovuma, davon ein Drittel auf tansanischem Boden, und sein durch Entwaldung, Landwirtschaft, Bevölkerungswachstum und Klimawandel unter Druck geratene Ökosystem zu schützen. Das Flussbecken bildet für Millionen Menschen in den drei Ländern die Lebensgrundlage. Unter der Aufsicht der International Union for Conservation of Nature gemeinsam mit dem Global Water Partnership Southern Africa und Wetlands International werden von Global Environment Facility 7,12 Mio. $ investiert. Die Initiative will für Wiederaufforstung (88.620 ha), verbesserte Flächenbewirtschaftung und die Wiederherstellung degradierter Landschaften (280.000 ha) sorgen und soll mehr als 50.000 Menschen direkt zugutekommen.

EastAfrican, 21.03.2026