Umwelt, Nationalparks ‐ 06/2022

Aus Tansania Information
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Ngorongoro

Zwei Sprecher der Massai im Distrikt Ngorongoro wurden von der Polizei vorgeladen. Die beiden hatten sich gegen die Pläne der Regierung ausgesprochen, die Massai aus dem Schutzgebiet zu entfernen. Die Massai wehren sich seit Monaten gegen erneute Vertreibungspläne. Die Regierung begründet die Absicht damit, dass durch das Wachstum der Bevölkerung und Zuzug von Massai aus anderen Gegenden der Status des Ngorongoro Schutzgebietes als Unesco-Weltkulturerbe gefährdet ist. Dies war den Massai vor 50 Jahren nach ihrer Entfernung aus dem Ngorongorokrater zugewiesen worden. Im März hatte die Regierung bekanntgegeben, dass sie im Distrikt Handeni Land für die Ansiedlung von Massai aus Ngorongoro vorgesehen hat. Hierfür hätten sich bereits 86 Familien mit 453 Personen für eine freiwillige Umsiedlung registriert. Unter ihnen sollen allerdings auch solche sein, die gar nicht in dem strittigen Gebiet leben.

Chanzo 06.05.22

Elfenbeinschmuggel

In Dar es Salaam wurden 12 Tansanier wegen Elfenbeinschmuggels angeklagt. Die Anklage zählte 51 Delikte auf, die sie von 2006 bis 2016 begangen haben sollen. Ihnen wird unter anderem der Besitz von 660 Elefantenzähnen vorgehalten, deren Wert mit TSh 4,6 Mrd (€ 1,7 Mil.) angegeben wird. Aus dem Bericht geht nicht hervor, ob die Angeklagten bereits seit 2016 in Untersuchungshaft einsitzen.

Citizen 21.05.22

Elfenbeinhandel

Tansania fordert die Freigabe des Elfenbeinhandels für bestimmte Staaten. Im Mai schloss es sich einer Initiative der Staaten im südlichen Afrika an und unterzeichnete gemeinsam mit Zimbabwe, Botswana, Sambia, und Namibia die “Hwangweerklärung”. Hwangwe ist ein Nationalpark in Zimbabwe und war Ort der diesjährigen “ African Elephant Conference”. Ziel der Konferenz war es, angesichts der im November bevorstehenden Tagung der Mitgliedsländer des Washingtoner Artenschutzabkommens CITES Unterstützung für die Forderung der südafrikanischen Staaten nach Aufhebung des Handelsverbotes für Elfenbein zu organisieren. Im Artenschutzabkommen haben über 180 Staaten Regeln über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen vereinbart. Dazu gehört ein weitgehendes Verbot für Handel mit Elfenbein. Dieses Verbot wurde für notwendig angesehen, um die drohende Ausrottung der afrikanischen Elefanten durch Elfenbeinwilderei aufzuhalten.

Im vergangenen Jahrzehnt war Tansania ein extremes Beispiel für Wilderei. Zwischen den Jahren 2009 und 2014 verringerte sich die Zahl der Elefanten im Lande um 60%. Von geschätzt 100.000 Tieren wurden in diesem Zeitraum 60.000 getötet. Aber das Land änderte mit internationaler Unterstützung die Organisation der Wildereibekämpfung durch bessere Zusammenarbeit von Wildschutzbehörden, Polizei und Justiz, woraufhin die illegale Jagd zurückging und die Zahl der Elefanten wieder stieg. Bis zum Jahr 2020 hatte die Regierung 11 verdeckte Handelsringe aufgedeckt und 21 Organisatoren bzw. Großhändler verhaftet, unter ihnen auch die chinesische “Elfenbeinkönigin” Yang Fenglan, die wegen des Schmuggels von knapp 2 Tonnen Elfenbein zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde.

Tansanias Nachbar Kenia gehörte zu den afrikanischen Ländern, die das Artenschutzabkommen immer unterstützt hatten und mit der wiederholten Verbrennung von großen Mengen beschlagnahmten Elfenbein publikumswirksame Signale gegen den Handel mit Elefantenzähnen gegeben hatte. Tansania hatte seine Vorräte von beschlagnahmtem Elfenbein nicht verbrannt und mehrfach Sympathien für eine kommerzielle Verwendung dieses Schatzes gezeigt. Im Jahr 2013 durfte ein Journalist das damals auf 90 t geschätzte Stoßzahnlager besuchen, mittlerweile wird geschätzt, dass Tansania über den größten Elfenbeinvorrat weltweit verfügt, für den es aber keine offiziellen Zahlen gibt.

In der “ African Elephant Conference” haben sich zunächst die Staaten im südlichen Afrika zusammengeschlossen, die durch wirksame Maßnahmen die Wilderei erfolgreich bekämpfen konnten und jetzt große Zahlen von Elefanten in ihren Schutzgebieten haben. Botswana, Namibia, Sambia und Simbabwe haben Abkommen über eine Zusammenarbeit in der grenzüberschreitenden Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area (KAZA) getroffen, in der es etwa 300.000 Elefanten gibt. Dies wäre die Mehrzahl der ca. 500.000 Tiere, die es noch in Afrika geben soll. Ihre Vermehrung hat vermehrte Konflikte mit der menschlichen Bevölkerung zur Folge. Zimbabwe schätzt, dass seine Parks 55.000 Elefanten haben sollten, aber es sind bereits um die 100.000. In einem Jahr wurden 60 Menschen von Elefanten getötet.

Die Hwangweerklärung zielt darauf ab, dass man den in der Wildereibekämpfung erfolgreichen Staaten das Recht zugestehen soll, ihre Elefantenvorkommen durch Bejagung auch wirtschaftlich zu nutzen, um aus dem Elfenbeinverkauf Mittel für die Finanzierung der Parks und Programme zur Förderung der Menschen in den angrenzenden Gebieten zu bekommen. Zimbabwe möchte ca. 160 t Elfenbein verkaufen.

Tansania hat sich diesen Forderungen durch Unterzeichnung der Hwangweerklärung angeschlossen, um auch seinen durch Beschlagnahme von gewildertem Elfenbein angesammelten Vorrat wirtschaftlich nutzen und für die Finanzierung seines Naturschutzes einsetzen zu können.

Afrinews 28.05.22, News24 (Südafrika) 27.05.22, National Geographic 20.05.22, ZELA (Zimbabwe) 27 May 2022