Thema: Umwelt II - Gewässer, Industrie, Abfälle: Abfallbeseitigung, -Verwertung

Aus Tansania Information
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Tanzania befindet sich unter sieben Ländern, die Pilotprojekte des „Health and Pollution Action Plan“ für Länder mit niedrigem und mittleren Einkommen durchführen. Die Aktion der „Global Alliance on Health and Pollution“ will pollutionsbedingte Gesundheitsrisiken und -schäden identifizieren und machbare Reaktionen erarbeiten. Ähnliche Ziele verfolgt ein EU-finanziertes Projekt von UNIDO und „Pure Earth“: „Abmilderung von toxischen Belastungen in einkommensschwachen Ländern“. Tansania ist auch eines von neun afrikanischen Ländern, die mit Hilfe mehrerer UN-Programme eine nationale Abfall-Strategie entwickeln. Als sauberste Städte wurden wiederholt Moshi, Arusha und Iringa ausgezeichnet.

Guardian 19.08.17; 27.02.; 29.11.18; 04.03.19; www.gahp.net; www.pureearth.org www.unido.org

Feststoffe, Plastik, e-Schrott

Allein Dar-es-Salaam produziert jährlich 700.000 t Feststoffmüll. Davon wurden 2017 nur 59% (andere Quelle: 40%) unsortiert auf der Deponie Pugu entsorgt. Plastik, Eisenschrott und Glas sollen zukünftig recycelt werden. Für eine neue Deponie in Kigamboni wird Land gekauft. Die Niederlande versprachen, Dar-es-Salaam bei der Entwicklung eines Entsorgungssystems zu unterstützen.

Der stellvertretende Umweltminister forderte beim Besichtigen der Müllhalden in Njombe und Makambako, Plastikflaschen von kompostierbarem Material zu trennen und sie wiederzuverwerten. Immerhin sammeln Müllverwerter in DSM einen großen Teil der PET-Flaschen ein, die teils in Tansania, teils in China recycelt werden. Die schwedische Entwicklungsorganisation SI DO entwickelte eine Maschine zum Zermahlen von PET-Flaschen.

Ein 2013 verabschiedetes Gesetz zur Beschränkung von Plastikmüll blieb wirkungslos. Zum Januar 2017 sollten Plastikbeutel uneingeschränkt verboten werden, das Verbot erstreckt sich bis jetzt nur auf Folien unter 50 Mikron. Nun kündigte die Umwelt-Abteilung der Vizepräsidentin ein definitives Verbot an. 40% aller verendeten Wildtiere seien an Plastikfolien gestorben. Heiße Speisen, die oft in Plastik-Behältern verkauft werden, stellen ein Gesundheitsrisiko dar. Bei Regenfällen verstopfen die Folien regelmäßig die Kanalisation und führen zu Überschwemmungen.

Tansania verbrauchte 2018 mehr als 2 Mrd. Plastiktüten (56.000 t; andere Quelle: 10 Mrd. Stück) der oft nur einmal verwendeten Behältnisse. Die tansanische Plastik-Industrie beschäftigt etwa 40.000 Menschen. Einige kleine Betriebe stellen inzwischen alternatives Verpackungsmaterial her. Plastikbeutel sind in Eritrea, Kenia, Ruanda und Uganda bereits verboten. Das seit 2017 in der Ostafrikanischen Gemeinschaft geltende Verbot von Polyäthylenfolien wurde in Tansania nicht umgesetzt. Auf Sansibar ist Gebrauch und Einfuhr von Plastikbeuteln seit 2016 verboten.

In ganz Tansania werden weggeworfene elektrische und elektronische Geräte zum Problem. Sie werden in großer Menge neu und gebraucht eingeführt, darunter etwa 40% gefälschte Geräte, vor allem Mobiltelefone. Allein Computer und Kommunikationsgeräte machen 20.000 t e-Schrott im Jahr aus (Bericht des Generalkontrolleurs). Neue Computer werden durchschnittlich 4 bis 8, gebrauchte 5 Jahre lang eingesetzt.

Die Kommission für Informationstechnologie sucht (bisher erfolglos) nach einem Investor für eine Verwertungsanlage für Elektronikschrott. Es gibt keine statistische Information in welcher Menge er anfällt. Die Umweltbehörde NEMC hat nur zwei Mitarbeiter, die Kurse zu dieser Problematik besucht haben. Batterien aus TZ werden zu einem geringen Teil in Belgien und Deutschland aufbereitet. Bleibatterien werden in Tansania verwertet, jedoch unter hoher Bleibelastung der jeweiligen Umgebung.

Eine schwedische Firma sammelt, sortiert und recycelt Feststoffmüll im Distrikt Unguja North. Die Inseln insgesamt erzeugen jährlich mehr als 100.000 t Müll, der zu etwa 50% deponiert wird. Viel Müll fällt bei Touristenhotels an.

Die SIDO (s.o.) entwickelte zusammen mit Universitäten und der Wissenschaftskommission COSTEC eine Mischung aus Kompost-Keimen (Milchsäurebakterien, Hefen, photosynthetisierende Bakterien), die organische Abfälle sehr schnell und ohne Geruchsbelästigung kompostiert. Dieser Kompost ist außerdem billiger und effektiver als Kunstdünger. Kompostierungsanlagen könnten viele Arbeitsplätze schaffen.

Citizen 10.11.16; 28.04.17; 12.02.; 22.10.; 18.11.; 18.12.18; DN 30.03.16; 19.04.; 13.09.; 07.11.; 20.12.18; 15.02.19; Guardian 03.09.16; 26.12.17; 20.,25.01.; 18.02.; 26.09.18; 04.03.19

Wasser, Abwasser, Luft

In Dar-es-Salaam sind nur 10 oder 15% der Haushalte und Betriebe an ein Abwassersystem angeschlossen, wo das verbrauchte Wasser wenigstens teilweise gereinigt wird. Bis 2030 ist eine Anschlussquote von 30 bis 40% angedacht.

Die Wasserbehörde von Arusha baut mit Finanzhilfe der Afrikanischen Entwicklungsbank das Abwassersystem von jetzt 46 auf 276 km aus. Ein 100 ha großer Sammelteich wird das Abwasser für Bewässerungszwecke wieder aufbereiten. Schon jetzt fehlen in Arusha täglich 35 bis 60 Mill. Liter Wasser. Ähnliche Pläne bestehen für Lindi und Sumbawanga, Rukwa-Region, jedoch bisher ohne Finanzierungsperspektive.

Einzig Tanga will mit eigenen Mitteln seine Abwasser-Reinigung bis 2030 von jetzt 9,7% auf 30% ausbauen. Derzeit sind bei 300.000 Einwohnern 2.778 Haushalte an das 36 km lange Abwassernetz angeschlossen, das seit 1945 besteht.

Guardian 29.11.18; 06.03.19

Industrie, Agrarchemikalien

Die Vereinigung der Umwelt-Experten (TEEA) bedauerte, dass die meisten Firmen Empfehlungen, ethische Werte und Gesetze zum Umweltschutz ignorieren. Der Vorsitzende des Forums der Privatwirtschaft, D. Mengi erklärte, nachhaltiges Wachstum gebe es nicht ohne saubere Luft, sicheres Wasser und schonenden Verbrauch von Ressourcen. 80% der tansanischen Industriebetriebe sind im Wami-Ruvu-Becken angesiedelt. Die Wenigsten behandeln oder reinigen ihre Abwässer. Eine Zuckerfabrik bei Morogoro sollte TZS 50 Mill. Strafe wegen Umweltgefährdung zahlen; sie teilte mit, dass sie pleite gehen werde, wenn sie die Strafe auf einmal zahlen müsse.

Zwei Stahlfirmen in DSM wurden verwarnt, weil sie Umwelt und Anwohner mit Abwässern und Rauch belästigten. - Die Behörde für die Export-Sonderzone in DSM muss die Abwasser-Reinigung verbessern, Anwohner hatten sich über stark gefärbtes und übelriechendes Wasser beschwert. Bei der Kontrolle von 200 Betrieben (Hotels, Werkstätten, Tankstellen, Mineure) stellte die Umweltbehörde fest, dass 86% überhaupt kein Umwelt-Zertifikat hatten. Nur 2% erfüllten die Standard-Umweltschutz-Auflagen. Viele toxische Chemikalien gelangten ins Grundwasser und in den Victoria-See.

Viele Bauern wissen nicht, wie gefährlich Insektizide sind, wie wichtig exakte Dosierungen sind und welche Karenzzeiten und Schutzmaßnahmen einzuhalten sind, ganz zu schweigen von Umweltschäden.

Citizen 09.03.; 08.06.18; DN 28.07.16; Guardian17.01.; 29.07.16; 25.08.17; 09.03.18; 04.03.19

Umwelt-Reinigung

Die Distriktskommissarin von Mpanda, Katavi-Region drohte an, alle stadtnahen Begräbnisplätze zu sperren, wenn die Betreiber diese nicht gründlich reinigten. Die verbuschten Friedhöfe böten kriminellen Elementen Unterschlupf. Eine Umweltschutz-Organisation in Moshi propagiert das Pflanzen von Obstbäumen auf Friedhöfen. Sie pflanzte auf zunächst fünf Friedhöfen 200 Avocado-Bäume.

In Dar-es-Salaam ist es bei TZS 50.000 Geldstrafe verboten, auch kleinste Abfälle wie Zigarettenstummel oder Plastikringe von Getränkeflaschen auf die Straße zu werfen. Die Bürger beklagen aber, dass sie keine Abfall-Behälter vorfinden und von den zivil gekleideten Kontrolleuren schikaniert werden. Wer nicht zahlen kann, muss Bestechungsgeld entrichten oder Stunden auf dem Polizeirevier verbringen, bis ein Verwandter zahlt. Die Stadtverwaltung zahlt dem kontrollierenden Milizionär die Hälfte der von ihm eingetriebenen Verwarnungsgelder.

Citizen 03.; DN 15.,29.01.; 25.02.19