Thema: Landwirtschaft (I): Landwirtschaft: Politik und Förderung - 04/2018

Aus Tansania Information
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TZ hat 44 Mill. ha bebaubares Land, wobei allerdings in vielen Regionen die Art der Böden und die klimatischen Verhältnisse nur bestimmte Nutzpflanzen erlauben. Der aktuelle Klimawandel verschärft diese Einschränkungen noch (Karten zu Böden, Regenfällen, Anbau-Eignung etc. auf www. kilimo.go.tz). 33 Mill. ha werden derzeit landwirtschaftlich genutzt.

Oppositionsführer F. Mbowe beklagte, die landwirtschaftliche Erzeugung sei in den letzten drei Jahren nur noch um 1,7% / Jahr gewachsen, während die Bevölkerung jährlich um 2,5% zunehme. Dies verursache starke Preisschwankungen bei Grundnahrungsmitteln. Im Zehnjahresdurchschnitt wuchs die Landwirtschaft um 4,4% und trug 29% zum Bruttoinlandsprodukt bei (mit abnehmender Tendenz).

Die Landwirtschaft ist der einzige Sektor, der mittelfristig die vielen arbeitssuchenden Jugendlichen Tansanias beschäftigen könnte. Dafür müsste sie aber wesentlich attraktiver werden. Auch die von der Magufuli-Administration angestrebte Industrialisierung durch Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Produkte setzt voraus, dass die Erzeuger Qualitätsstandards, zugesagte Mengen und Termine einhalten können. Für die wirtschaftliche Entwicklung und die politische Stabilität des Landes ist es daher entscheidend, wie sich der Landwirtschaftssektor in den nächsten Jahren gestaltet.

Citizen 27.10.; 17.11.16; 09.06.; 31.07.17; Guardian 01.,16.12.16

Akzente der Magufuli-Administration

Die strikten Sparmaßnahmen Magufulis ließen den Absatz von Geflügelfleisch und Eiern drastisch einbrechen.

Abgeordnete aller Parteien betonten, die verheißene Industrialisierung Tansanias sei undenkbar, wenn die landwirtschaftliche Produktion nicht erheblich an Qualität und Quantität zunehme.

Nachdem die erste Phase der „Landwirtschaftlichen Entwicklungsstrategie“ (Agricultural Sector Development Strategy I) wenig ausgerichtet hat, soll die zweite Phase die Fehler der ersten vermeiden (www.extwprlegs1. fao.org/docs/pdf/tan160643.pdf) und damit „die ländliche Armut reduzieren und die Ernährungssicherheit steigern“. Dafür will die Regierung TZS 13 Bill. (€ 5,2 Mrd.) bei 23 Geber-Organisationen einwerben („Basket-Finanzierung“). Schwerpunkte bilden dabei:

  • Nachhaltiger Gebrauch von Land- und Wasser-Ressourcen (TZS 2 Bill.; 15%)
  • Produktivitätssteigerung (8 Bill.; 58%)
  • Kommerzialisierung und wertsteigernde Weiterverarbeitung (1,5 Bill.)

Die meisten Mittel werden den lokalen Behörden zufließen, die sich bisher allerdings als wenig effizient erwiesen haben. Daher wird sie das Präsidentenbüro überwachen und jährliche Auswertungen erstellen.

Offiziell verspricht sich die Regierung Fortschritte durch Wiederbelebung und schärfere Kontrolle von Bauern-Kooperativen. Allerdings haben sehr viele Farmer in der Vergangenheit hohe Verluste durch Misswirtschaft, politisch motivierte Eingriffe und Veruntreuungen in ihren Kooperativen erlitten [s.u. „Rückschläge“]. Viele bevorzugen daher das Modell des Vertragsanbaus. Dabei binden sich Bauern-Gruppen an einen oft privaten Abnehmer und erhalten Saatgut, Düngemittel, Fortbildung und Marktzugang ohne Mittelsmänner. Ähnlich funktioniert das Partnerschaftsmodell in der „Südlichen Wachstumszone“ (SAGCOT, s.u. S. 10 „Erfolge“), wo Großbetriebe kleinere Landwirte an eine kommerziell orientierte Wirtschaftsweise heranführen sollen.

Das Landwirtschaftsministerium will die Bauern in klimagerechten Anbaumethoden fortbilden. Dazu gehören kleine Dämme, um Regenwasser zu speichern und „Zai Pits“, Saat-Mulden von je 30 cm Durchmesser mit Pflanzenresten, die Termiten anziehen, die ihrerseits den Boden lockern und Wasser speichern helfen. Das „Climate Smart Agriculture Projekt“ der FAO (Welternährungsorganisation) wird Reisfarmer in der Iringa-Region fortbilden. Es wird von den USA und der EU finanziert.

In Tansania hergestelltes Saatgut ist dreimal teurer als importiertes. Es soll in Zukunft billiger werden.

Eine Professionalisierung der Landwirtschaft erhofft sich die Regierung vom Southern Agricultural Growth Corridor of Tanzania (www.sagcot.com) [s.u. S. 10].

Finanzminister Dr. P. Mpango sagte beim Besuch des polnischen Montagewerks für Ursus-Traktoren in Kibaha, die Regierung setze auf eine schnelle Mechanisierung der Landwirtschaft. Bisher wurden 204 Traktoren fertiggestellt. 10% der Ackerfläche werden mechanisch, 20% mit Zugtieren und 70% mit der Hacke bearbeitet.

Tansania schloss ein Rahmenabkommen mit der FAO im Rahmen des UN-Entwicklungsplans 2016-21 (UNDAP II). Das $ 18 Mill.-Programm soll besonders Produktivität und Marktzugang verbessern und menschengemachte Umweltprobleme mildern.

Premier K. Majaliwa löste den Kaffee-Entwicklungs-Fonds auf; er habe ohne ersichtliche Tätigkeit Gebühren eingenommen. Auch Zwischenhändler dürfen keinen Kaffee mehr aufkaufen. Dieser darf nur noch auf Auktionen versteigert werden, um den Erzeugern faire Preise zu sichern.

Citizen 17.11.16; 24.08.; 06.09.17; 23.02.18; DN 19.10.16; 13.04.; 10.05.; 22.06.; 28.09.; 09.11.17; 15.01.18; Guardian 25.01.; 07.03.; 10.05.; 06.06.17; www.canafrica.com/wp-content/uploads/2015/06/Tanzania-CSA program.pdf

Staatliche Fördermaßnahmen

Um die junge Generation in die landwirtschaftliche Entwicklung einzubinden, formulierten Landwirtschaftsministerium und FAO (Welternährungsorganisation) einen Fünfjahresplan „National Strategy for Youth Involvement in Agriculture“. Zwar sind (noch) 67% der Jugendlichen mangels Alternativen in der informellen Landwirtschaft tätig, jedoch sind Viele unzufrieden mit den mageren Ergebnissen und ziehen Gelegenheitsjobs in den Städten vor. Die Regierung ruft junge Leute auf, sich zu landwirtschaftlichen Unternehmergruppen zusammenzuschließen und verspricht ihnen Land, Kredite und Ausbildungskurse.

2017/18 werden 1.450 staatliche Landwirtschaftsberater neu eingestellt. Etwa 8.700 solche Experten beraten dann die Bauern landesweit.

Die staatliche Landwirtschaftliche Entwicklungsbank TADB stellt langfristige und subventionierte Kredite für Klein- und kommerzielle Bauern sowie Viehhalter und Fischer zur Verfügung. Bisher hat sie aber erst 3.700 Kunden, da ihr Kapital statt geplanter TZS 800 Mrd. nur 60 Mrd. betrug. Es wurde nun mit Hilfe der Afrikanischen Entwicklungsbank um TZS 270 Mrd. aufgestockt. Die TADB errichtet nach und nach Filialen auf dem flachen Land, zuletzt in der Seen-Region.

Erzeuger landwirtschaftlicher Produkte müssen eine unübersehbare Zahl von Steuern und Abgaben an diverse Behörden leisten, die besonders Verkaufsernten wie Kaffee und Tee verteuern und Korruption begünstigen. Einige dieser Bagatellsteuern hat die Fünfte Regierung bereits gestrichen, weitere Erleichterungen sollen folgen.

Die Regierung gründete eine neue Behörde, die „Land- und Stadt-Straßenbau-Agentur“ (TARURA). Sie soll entlegene Gebiete erschließen und Bau und Unterhalt ländlicher Verkehrswege effizienter machen. Dieser leidet laut Premier Majaliwa unter Inkompetenz und Korruption der ländlichen Verwaltungen. Ihnen unterstehen 109.000 Straßenkilometer, etwa die Hälfte der nationalen Verkehrswege.

Citizen 17.11.16; 28.02.18; DN 25.05.; 06.06.; 03.07.17; Guardian 16.12.16; 29.04.; 03.,16.07.; 11.11.17

NGOs und private Initiativen

Die britische Obtala Ltd. investiert in der Morogoro-Region $ 10 Mill. in Vertragslandwirtschaft und Vermarktung von nachhaltigen Erzeugnissen.

Die AGRA [s.u. S. 8] entwickelte ein Modell zur Finanzierung und gemeinschaftlichen Nutzung von Traktoren, finanziert von der Mastercard-Stiftung. Die Bauern der Regionen Iringa und Mbeya erhalten Schulungen und Organisationshilfen, um ihre Produkte gemeinsam zu vermarkten. Derzeit liegen die Hektar-Erträge für Mais bei 4 t/ha, bis zu 7,5 t sind möglich; der Reisertrag beträgt 2 bis 4 t/ha, erreichbar sind 6 bis 7,5 t.

Der von Dänemark und Schweden finanzierte „Private Agricultural Sector Support Trust“ (www.pass.ac.tz) gewährt landwirtschaftlichen Unternehmer/innen (Gruppen und Individuen) Bürgschaften für Investitionskredite von kommerziellen Banken und hilft ihnen, realistische Geschäftspläne zu erstellen. Schwerpunkte bilden die Regionen (in Klammern Summen der verbürgten Kredite) Arusha (TZS 35 Mrd.), Mbeya (22), Morogoro (18) und Mtwara (11). In der Kigoma-Region finanzierte PASS Palm-Setzlinge aus Costa Rica für 30.000 Farmer. 350 Imker in der Tabora-Region erhielten moderne Bienenstöcke.

Im vergangenen Jahr erhielten 185.000 Farmer Bürgschaften für Kredite in Höhe von TZS 101 Mrd. Insgesamt wandte PASS TZS 300 Mrd. auf. Die betreuten Landwirte können ihre Produktivität beträchtlich steigern und zahlen ihre Kredite zu 95% zurück.

Die belgische TRIAS (www.trias.ngo/en/worldwide/tanzania), die Andreas-Hermes-Akademie (www.andreas-hermes-aka demie.de) und das BMZ fördern gemeinsam Zusammenschlüsse von Bauern und Viehhaltern in den Regionen Arusha und Manyara. Sie erzeugen und vermarkten Frischgemüse, Zwiebeln, Knoblauch, Geflügel und Honig.

Die US African Development Foundation gab Kaffeebauern in der Kilimandjaro-Region TZS 200 Mill. für einen Neustart des Kaffee-Anbaus. Die betreffende Kooperative hatte früher 60 t Kaffee erzeugt, zuletzt jedoch nur noch 10 t, weil hohe Abgaben und Düngerkosten den Anbau unrentabel machten.

Die dänische Rockwool-Stiftung und World Vision Tanzania führen ein Fortbildungsprogramm für 15.000 Kleinbauern in den nördlichen Regionen Arusha, Kilimanjaro und Tanga durch.

Das Borigaram Zentrum für Landwirtschaftstechnik in Kigamboni, Dar-Es-Salaam bietet kostenlose Kurse für Kleinbauern an. Es wird von koreanischen Buddhisten finanziert.

Weitere Zivilgesellschaftliche Organisationen in der Landwirtschaft Tansanias:

  • Alliance for a Green Revolution in Africa, AGRA (www.agra.org).
  • Climate Action Network (CAN) Tanzania (www.cantz.or.tz)
  • Grow Africa umfasst 300 Organisationen und 200 Unternehmen (www.growafrica.com)
  • Open Forum on Agricultural Biotechnology in Africa (www.ofabafrica.org)
  • Tanzania Horticulture Association (TAHA),
  • Farmers Groups Network of Arusha (MVIWATA- Arusha) www.mviwata.org
  • Farmers Groups Network of Manyara (MVIWATA-Manyara)
  • Tanzania Organic Agriculture Movement

Die Stadt Shanghai, China investiert $ 90 Mill. in ein 2.400 ha-Bewässerungsprojekt im Kilosa-Distrikt. Es soll die Ernährungssicherheit steigern und Vorprodukte zur industriellen Weiterverarbeitung liefern. In dem „Kimamba Agricultural Parc“ können Bauern bewässerte Flächen günstig pachten und erhalten Anleitung zum Anbau spezieller Feldfrüchte.

Citizen 29.05.; 30.08.;27.09.; 18.11.17; CAJ-News 03.05.17; DN 06.,08.,26.09.; 22.11.16; 26.01.; 23.04.; 27.01.; 10.06.; 31.08.; 18.11.17; Guardian 19.11.16; 10.06.; 24.11.17

Entwicklungspartner

Südkorea unterstützt im Mkuranga-Distrikt, Küstenregion Dörfer, die sich von der in Südostasien bewährten Dorfentwicklungsbewegung (Saemaul Undong) inspirieren lassen. Die Mitglieder der Gemeinschaftsbewegung konnten ihre Erträge an Cassava, Kokosnüssen und Papaya kräftig steigern. In der Songwe-Region fördert die koreanische Entwicklungsorganisation KRC moderne Farm- und Bewässerungstechniken im Rahmen der SAGCOT-Initiative (s.u. S. 10).

Die AGRA schloss sich mit den Stiftungen Rockefeller und Gates, sowie USAID und Agence Française de Developpement zusammen, um mit $ 280 Mill. und innovativen Methoden die Landwirtschaft in 11 Ländern Subsahara-Afrikas, u.a. Tansania, zu fördern. Schwerpunkte bilden Klimaresilienz und Reduzierung der hohen Ernteverluste.

Die von Kanada finanzierte Firma Halisi Products bietet Bauern in der Arusha-Region einen verlässlichen Absatzmarkt für Mais, Hirse, Bohnen und Reis an. Mit Hilfe der Berater steigerten die Lieferanten ihre Hektar-Erträge.

Venezuela finanziert ein FAO-Entwicklungsprojekt für intensiven Reisanbau in der Morogoro-Region. Es soll die Erträge der lokalen Farmer verdoppeln.

DN 31.10.; 15.11.16; Guardian 21.08.; 20.10.17; Jeune Afrique 15.09.17