Thema: Landwirtschaft (I): Erfolge - 04/2018

Aus Tansania Information
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Fortschritte, Pläne

Der Düngemittel-Einsatz in Tansania ist mit etwa 3,7 kg/ha (hauptsächlich Stickstoff und Phosphat, laut Weltbank) relativ niedrig (ostafrikanischer Durchschnitt 50 kg/ha). Nachdem das Landwirtschaftsministerium Kunstdünger wieder zentral einkauft, ermäßigten sich die Preise dafür. Die Regierung verdoppelte die importierte Düngermittelmenge auf 450.000 t jährlich und setzte Richtpreise fest. Gebrauchsanleitungen auf Kiswahili sollen den Bauern helfen, Dünger bestimmungsgemäß einzusetzen.

Ein dänisch-deutsches Konsortium (Haldor Topsoe / Ferrostahl) wird eine große Fabrik für Stickstoff-Dünger auf Erdgas-Basis in Kilwa, Lindi-Region bauen. Sie soll etwa $ 2 Mrd. kosten, 4.500 Arbeitsplätze bieten und Tansania zum Exporteur von Ammoniak-Düngern machen. Eine weitere Kunstdünger-Fabrik, von Hamburg finanziert, soll in Kinondoni, DSM entstehen.

Die Kapunga-Reisfarm im Mbarali-Distrikt konnte den ha-Ertrag sowohl auf der Pilot-Farm als auch bei den Vertragslandwirten von 2,1 t in 2006 auf 6,5 t in 2017 steigern. Das Kapunga-Reisprojekt ist im Besitz der privaten ETG-Gruppe.

Der Southern Agricultural Growth Corridor of Tanzania (SAGCOT) ist eine Initiative von Regierung, UNDP, AGRA, Weltbank und Gebern wie USA, UK und Norwegen. Sie soll eine intensive und marktorientierte Landwirtschaft fördern und in naher Zukunft 70 Mill. Menschen ernähren können. Sie soll als Modell für das ganze Land dienen. SAGCOT umfasst die Regionen Iringa, Mbeya, Njombe, Morogoro, Songwe, Rukwa, Ruvuma und Küste.

Bisher wurden $ 566 Mill. investiert, insgesamt sollen für die SAGCOT-Initiative $ 3,5 Mrd. aufgebracht werden. Etwa 17.000 Bauern wandten sich einer kommerziellen Produktionsweise zu. Bis 2030 sollen es 100.000 sein, die 420.000 Arbeitsplätze auf 350.00 ha Land bieten. Die Erträge steigerten sich wesentlich, nachdem pH-Werte der Böden gemessen und entsprechende Gips-Gaben angewandt wurden. Die meisten Bauern konnten mit Hilfe moderner Methoden ihre Erträge in etwa verdreifachen. EU und Aga-Khan-Stiftung finanzieren drei große Reisprojekte in den Regionen Iringa und Morogoro. Dort sollen vor allem Frauen und Jugendliche gefördert werden.

Mit steigender Produktion sollen im Südlichen Korridor Verarbeitungsbetriebe u.a. für Cassava, Getreide, Kartoffeln, Milch, Tomaten und Soja entstehen.

Eine Studie von Misereor in den Regionen Njombe und Ruvuma sieht die Beteiligung tansanischer Großinvestoren und ausländischer Agrarkonzerne wie Bayer, Cargill, Monsanto, Nestle und Unilever an der SAGCOT-Initiative kritisch. Sie bezweifelt, dass die Einbindung kleinbäuerlicher Betriebe in kommerzielle Agrarunternehmen einen Fortschritt darstellt und zitiert kritische Stimmen betroffener Kleinbauern.

Citizen 19.02.; 03.07.; 02.09.17; 15.,16.02.; 05.03.18; DN 22.11.16; 13.04.; 11.03.; 15.05.; 28.08.17; Guardian 16.01.; 23.10.; 08.,09.11.17; 17.01.; 05.,10.03.18; Misereor, „Allianz der Zäune – Großflächige Agrarinvestitionen in Tansania“

Bewässerung

Viele setzen ihre Hoffnung auf künstlich bewässerte Felder, weil dadurch die in Zeiten des Klimawandels unberechenbaren Regenfälle ausgeglichen werden können. Das Landwirtschaftsprogramm „Kilimo Kwanza“ (Landwirtschaft hat Vorrang) der Kikwete-Regierung verfehlte jedoch die angestrebte Erweiterung bewässerter Flächen auf 7 Mill. ha; bis heute werden nur etwa 470.000 ha bewässert, jedoch sollen diese intensiv bewirtschafteten Farmen 25% aller Lebensmittel erzeugen. Das CCM-Manifesto nennt 1 Mill. ha bewässerte Fläche als Ziel bis 2020. Dieser Ausbau würde zwischen TZS 2 und 5 Bill. kosten. Problematisch ist, dass die Bewässerungs-Systeme Flüssen und Seen bereits jetzt so viel Wasser entnehmen, dass Nationalparks und Stromerzeuger darunter leiden.

Die Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen muss sehr fachkundig durchgeführt werden, sonst drohen die Böden langfristig zu versalzen. Die japanische Entwicklungsagentur JICA finanzierte mit TZS 2 Mrd. eine 150-ha-Versuchs- und Lehrfarm des Arusha Technical College. Viele der staatlichen, ebenfalls mit japanischer Hilfe eingerichteten Bewässerungsanlagen sind in schlechtem Zustand und arbeiten mit veralteter Flächenbewässerung anstelle der zeitgemäßen Tropfen-Irrigation. Sie sollten auch solar- oder windbetriebene Pump-Systeme erhalten. Theoretisch können in Tansania 29 Mill. ha bewässert werden. Davon weisen 2,3 Mill. ha ein hohes, 4,8 Mill. ha ein mittleres Potential auf.

Die kuwaitische „Africa Relief Organisation“ investierte $ 1,2 Mrd. in eine Bewässerungsanlage am Rufiji-Fluss im Rufiji-Distrikt, Küstenregion. Dort soll eine hoch mechanisierten Farm Cassava, Mais, Reis und Sesam produzieren. Das Projekt wird allerdings mit dem geplanten Selous-Staudamm um Wasser konkurrieren.

Französische und spanische NGOs entwickelten mit einem Jugend-Camp eine solarbetriebene Tropfenbewässerung mit Regenrückhaltebecken für die Ortschaft Kitumbeine, Monduli-Distrikt. 4.000 Bauern profitieren von einer 1.200-ha-Bewässerungsanlage von World Vision in Karatu (am Eyasi-See), 4.500 von einem ähnlichen Projekt im Moshi-Distrikt.

Citizen 13.12.16; 22.,23.01.18; DN 06.12.16; 22.01.16.03.18;Guardian 06.04.17; 03.02.; 02.03.18

Grundnahrungsmittel, Reserven

Der Landwirtschaftsausschuss des Parlaments äußerte sich zufrieden über die ausreichende Nahrungsmittelproduktion des Landes. Der Ausschuss kritisierte, dass die Regierung mit rasch wechselnden Aus- und Einfuhrverboten die Bauern verunsichere und besonders den Maiserzeugern Verluste beschert habe.

Tansania verbraucht jährlich 1.000.000 t Weizen, aber nur 100.000 t produziert das Land selbst. Das Forschungsinstitut Uyole (ARI) hat schnell reifende, dürre-tolerante und ertragreiche Weizensorten gezüchtet, die an die Verhältnisse im Südlichen Hochland angepasst sind und bis zu 5,5 t / ha liefern. - Immer noch muss Tansania jährlich 100.000 t Zucker einführen.

Citizen 16.02.18; DN 12.05.; 17.10.17; 07.02.18

Alternative Landwirtschaft

Seit 2005 werben die NGOs AfrONet (www.afronet.bio) und TOAM (Tanzania Organic Movement – www.kilimohai.org) für eine biologisch-organische Landwirtschaft in Tansania und Afrika. Ähnliche Ziele verfolgt die Tanzania Alliance for Biodiversity (Tabio). Die Initiative „N2Africa“ des International Institute of Tropical Agriculture trainiert Kleinbauern, vor allem Frauen, im Anbau von stickstoff-bindenden Gemüsesorten.

Die schweizerische „Biovision“ fördert die NGO „Sustainable Agriculture Tanzania“, die bisher etwa 2.500 Kleinlandwirte in der Morogoro-Region in organischen Anbaumethoden für Gemüse ausgebildet hat. SAT arbeitet dabei mit der Sokoine-Landwirtschaftsuni zusammen.

Die neue Firma Elvenagri trocknet und pulverisiert biologisch angebaute Gewürze und Früchte nach EU-, USA- und japanischen Bio-Standards. Vertragsfarmer werden entsprechend aus- und fortgebildet (www.evenagri.com).

Das Büro für Qualitätssicherung (www. tbs.go.tz), die Ardhi-Universität und die UN-Umweltagentur (UNEP) führten Kurse und Zertifizierungskampagnen für Kaffee- und Blumen-Produzenten in der Kilimanjaro-Region durch. Hochwertige Bio-Erzeugnisse seien in Europa leichter als konventionelle zu vermarkten.

Ein UNCTAD-Bericht erhob, dass der Export biologisch produzierter Nahrungsmittel aus der EAC von 2003 bis 2010 um das Zehnfache auf $ 35 Mill. anwuchs. Es sei jedoch noch längere Zeit erforderlich, die Organisation ökologischer Farmer, die Zertifizierung und Vermarktung ihrer Produkte zu subventionieren. Außer Kaffee hätten auch organisch angebaute Ananas, Mangos, Bananen und Kartoffeln gute Absatz-Aussichten. Citizen 12.,15.11.16; 24.07.; 26.10.17; DN 03.10.16; Guardian 07.09.16

Forschung, Gentechnik

Die Ostafrikanische Agrarforschungsgruppe (www.cgiar.org), das Internationale Kartoffelzentrum (www.cipotato.org) und die Saatgut-Prüfungsstelle (www.tosci.go.tz) testen neue, ertragsstarke, krankheitsresistente und klimagerechte Kartoffelsorten, vor allem für Tansanias Südliches Hochland.

14 Kartoffel-Varietäten aus Holland werden in Tansania getestet und vermehrt mit dem Ziel, den ha-Ertrag von derzeit 10 auf 40 t anzuheben. Kartoffeln sind in der Njombe-Region die wichtigste Feldfrucht und das fünft-wichtigste Grundnahrungsmittel Tansanias.

11 neue dürre-tolerante, krankheitsresistente und ertragreiche Maissorten werden zur Zeit getestet. Sie könnten die Erträge auf den etwa 3 Mill. ha Maisanbaufläche in Tansania beträchtlich steigern.

Ein gemeinsames Programm von Nigeria und Tansania wirbt um Vitamin-angereicherte Sorten von Cassava, Mais und Süßkartoffeln, sowie Eisen-reiche Bohnenarten. 44% der Kinder weisen Vitamin-A-Mangel auf, 39% der gebärfähigen Frauen leiden an Anämie. Das Maruku-Forschungszentrum züchtete mit der Sorte „Tanzania 130“ eine klima- und krankheitsresistente Cassava-Varietät, die zudem besonders ertragreich ist.

Mit Hilfe der schwedischen Entwicklungsagentur startete die Universität von Sansibar ein Pilotprojekt zur Kompostierung organischer Haushaltsabfälle, die bisher auf Müllhalden landeten. Spezielle Bakterien- und Hefepilz-Kulturen wandeln die Abfälle in hygienisch einwandfreien Dünger für die städtischen Gemüsebauern um.

Eine Firma in Dar-Es-Salaam stellt Abfallbehälter her, in denen Larven der „Black Soldier-Fliege“ (hermetia illucens) organische Abfälle sehr effektiv kompostieren. Die Larven bilden zudem ein proteinreiches Hühnerfutter, das das teure Fischmehl ersetzen kann.

Das Technologie-Institut (DIT) entwarf eine Klimakammer, in der klima-angepasstes Saatgut getestet und verbessert wird.

18 Forschungseinrichtungen arbeiten daran, Saatgut, Material und Methoden der Landwirtschaft zu verbessern. Sie sind auf der Homepage der Forschungskommission COSTEC aufgelistet: www.costech.or.tz/?page_id=1618.

Die Regierung erlaubt seit Oktober 2017 abgeschottete Feldversuche mit genetisch veränderten Pflanzen (GMO). Die Firma Monsanto plant, in Arusha eine Produktionsanlage für GMO-Samen zu errichten.

Citizen 19.02.; 04.08.; 25.10.17; 10.,19.02.18; DN 10.02.; 06. 04.; 11.10.;03.11.17; Guardian 14.07.; 26.12.17; 11.01.18