Thema: Landwirtschaft: Landwirtschaftliche Exportprodukte - 09/2020

Aus Tansania Information
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Rohstoffe

2019 wurden mehr als 400.000 t Baumwolle geerntet (2017 133.000 t, 2018 222.000 t). Die wichtigsten Anbaugebiete liegen im Nordwesten in den Regionen Singida, Simiyu, Mara, Shinyanga, Mwanza, Tabora und Kigoma. Das Landwirtschaftsministerium erklärte 2020 im Parlament, es forciere weiterhin den Anbau von Baumwolle. Die Farmer hätten 2,5 Mill. Liter Insektizide, 31.000 t verbesserte Samen und intensive Beratung bekommen. Das Ministerium bemühe sich, alle Baumwoll-Bauern zu erfassen. Es habe 27 Motorräder und 13 Fahrzeuge für Beratungsdienste angeschafft.

Spinnereien in der Shinyanga-Region kauften erheblich weniger Baumwolle an, weil sie auf großen Mengen unverkaufter Garne sitzen. Der Absatz sei wegen des Handelsstreits zwischen den USA und China dramatisch eingebrochen. Chinesische Kleiderfabriken, die für die USA produzieren, sind die Hauptabnehmer tansanischer Baumwolle.

Der Export von Pyrethrum stieg 2020 um 15% auf TZS 15 Mrd. / € 6 Mill. Etwa 2.500 t Trockenblüten gingen nach USA, China, Indien und Japan. Pyrethrum wird im nördlichen und südlichen Hochland angebaut und wird zu Insektiziden, Kosmetika und Medikamenten verarbeitet.

Citizen 14.11.19; 09.07.20; DN 13.11.18; 14.07.19; Guardian 05.05.20; Tanzania Cotton Board TBC: www.tbc.go.tz

Nahrungsmittel

Der Export von Avocados war bisher durch Pflanzenkrankheiten und Schädlinge stark limitiert. Nach erfolgreicher Bekämpfung erreichten Tansanias Exporte nach Europa, USA, Indien, China und Südafrika 2019 9.000 t (vgl. Kenia: 190.000 t und erbrachten TZS 28 Mrd. / € 11 Mill., Tendenz stark steigend. Während bisher meist Kleinbauern Avocados erzeugten, etabliert sich mehr und mehr der Vertragsanbau (outgrowing), auch von ausländischen Investoren finanziert. Dieses Modell erlaubt Erntemengen, die den Export in großen Containern lohnen. Ein Beispiel dafür bieten die Plantagen der Moravischen Kirche an den Hängen des Mount Rungwe in der Mbeya-Region, an die sich etwa 7.000 Kleinbauern angeschlossen haben, nachdem Grundstücksstreitigkeiten beigelegt sind. Auch die schon 2009 gegründete Rungwe Avocado Company produziert mit 4.100 Vertragslandwirten Bio-Avocados für den europäischen Markt. Der Export auf Kühlschiffen vermeidet zudem den klimaschädlichen Lufttransport.

Für ein Kilo Avocadofrüchte werden zwischen 300 und 1.000 l Wasser verbraucht. Der Erzeuger erhält für eine Frucht zwischen drei und 15 €-Cent. Auf einem Hektar mit Avocado-Bäumen kann man etwa € 5.000 jährlich verdienen, etwa 10-mal so viel wie mit Tee. Daher gingen traditionelle Verkaufsernten wie Kaffee, Tee und Bananen in der Region deutlich zurück.

In Wanging‘ombe, Njombe-Region wurden 1.000 Landwirte zum Avocado-Anbau geschult. Eine Fabrik zur Verpackung und Verarbeitung der Früchte soll dort 250 Personen beschäftigen.

Citizen 11.05.20; DN 07.03.19; 24.07.20; Guardian 02.01.19; Mtanzania 02.12.19: Spiegel 30.05.20; www.rungweavocado.com

Cassava / Maniok

China bietet einen riesigen Absatzmarkt für Maniok (Bedarf 20 Mill. t jährlich), sofern die qualitativen Voraussetzungen erfüllt sind. Tansania schloss 2018 ein Partnerschaftsabkommen zur Produktion und Verarbeitung von Maniok mit China. Nachdem krankheits- und dürreresistente Sorten entwickelt wurden, wenden sich Viele dem kommerziellen Cassava-Anbau zu, u.a. in den Zonen Seen und Küste, Mtwara, Lindi und Ruvuma. Die neuen Sorten sind auch ergiebiger: bis zu 7 t/ha. Zurzeit verarbeiten etwa 60 tansanische Betriebe Maniok.

Citizen 20.06.20; DN19.06.; 07.07.20; Guardian 08.08.20

Gewürze, Genussmittel, Medikamente

Farmer im Buhigwe-Distrikt, Kigoma-Region erzeugen jährlich 1.200 t Ingwer, der u.a. nach Burundi, Ruanda und Kongo ausgeführt wird. Ein Hektar erbringt 16 t Ingwer. Die Erzeuger wünschen sich eine lokale Fabrik, die den Ingwer zu Gewürzpulver, Marmeladen, Getränken etc. verarbeitet.

Cashew-Nüsse gelten als „strategisches Exportgut, das in den letzten drei Jahren $ 1,2 Mrd. an Devisen erbrachte. Die Exporte sanken jedoch von 358.000 t 2017 kontinuierlich auf 228.000 t 2020. Die Erzeuger wurden entmutigt durch fehlenden Dünger, schwankende Preise und verzögerte Bezahlung [s.o. Probleme]. Die Regierung hofft, den Trend umzukehren und bis 2025 auf 1 Mill. t jährlich zu kommen. Neue Lagerhäuser sollen die Ernteverluste verringern. Die Aufbereitung der Nüsse in lokalen Anlagen kommt langsam in Gang, u.a. durch chinesische Investoren.

Das Forschungsinstitut NARI teilte mit, die tansanischen Erzeuger könnten jährlich € 12 Mrd. mehr verdienen und zahlreiche Arbeitsplätze schaffen, wenn sie die Cashew-Äpfel (an denen die Nüsse wachsen) verwerten würden; diese werden meist weggeworfen, obwohl man aus ihnen Saft, Wein, Alkohol, Marmelade, Farben, Lacke, Medikamente und Tierfutter gewinnen könnte. Bisher wird nur etwas lokales Bier (ulaka) und verbotener Schnaps daraus gebraut. Auch der Nussbruch könnte gewinnbringend zu einem Aufstrich oder einem Milchersatz verarbeitet werden.

Abgeordnete forderten, den Anbau von Cannabis für pharmazeutische Zwecke zu lizenzieren. Das Gesundheitsministerium prüft pro und contra.

Citizen 22.03.; 13.07.20; DN 04.02.; 13.08.20; Guardian 22.04.; 16.08.20; Naliendele Agricultural Research Institute

Kaffee

Seit 2015 stieg die Kaffee-Produktion von 52.000 auf 215.000 t/Jahr, was dem Land trotz fallender Preise jährlich etwa € 200 Mill. an Devisen einbrachte. Der Exportpreis steht derzeit bei $ 1,5/kg für Robusta und $ 2 für Arabica. Die Regierung erfasst alle Kaffeebauern; bisher wurden 286.397 registriert, davon 101 große Produzenten. Etwa 2,7 Mill. Personen leben vom Kaffee-Anbau. 554 Betrieben verarbeiten Kaffee.

Citizen 17.02.20; DN 30.04.20; TZ Coffee Research Institute

Wein

1.696 Erzeuger in der Dodoma-Region produzieren etwa 15.000 t Trauben. Davon werden lokal etwa 7.500 t zu Wein verarbeitet. Die „Central TZ Wine Comp.“ schloss Anbauverträge mit 700 Landwirten in der Dodoma-Region. Nach gründlicher Schulung könnten sie zum Ausbau geeignete Trauben liefern. Die Regierung will den Weinbau, auch in Regionen wie Ruvuma, Singida, Tabora und Tanga auf ein kommerzielles Niveau heben und bürokratische Hemmnisse abbauen.

DN 13.02.; 25.05.; 03.08.20; Guardian 17.12.19; 16.07.20