Thema: Klimawandel: Klimaschutz - 03/2020

Aus Tansania Information
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Initiativen: Staat und Zivilgesellschaft

Tansania ratifizierte das Pariser Abkommen von 195 Staaten zum Klimaschutz im April 2018. Der Umweltminister bedauerte, dass die USA dem Abkommen nicht beitreten, obwohl sie (pro Person/Jahr) am stärksten zur Erderhitzung beitragen.

Der Staatsminister für Umwelt kündigte eine neue „Nationale Strategie zur Anpassung an den Klimawandel“ an, die das Umwelt-Konzept von 1997 fortschreibt. In Anlehnung an UN-Fragebögen und die Nachhaltigen Entwicklungsziele wird das Nationale Statistikbüro Zahlen und Trends zu Klima-Änderungen ermitteln. Es arbeitet zusammen mit der deutschen GIZ an einer umfassenden Datensammlung. Allerdings müssen die relevanten Informationen aus vielen Ministerien und Institutionen zusammengetragen und abgeglichen werden.

Dar es Salaam schloss sich dem Bündnis von 94 Mega-Städten „C 40“ an, das sich dafür engagiert, die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad zu begrenzen. Neun afrikanische Großstädte entwickeln eine gemeinsame Planung zum Klimaschutz, unterstützt vom deutschen Umweltministerium.

Eine Konferenz unter Leitung der Vizepräsidentin beschloss acht Grundsätze zum Klimaschutz, darunter: günstigere Preise für Flüssiggas, Kontrolle von Politikern, die Umweltschutzgesetze umgehen, Aufforstung von Bergbaugelände, Umwelt-Themen in den Lehrplänen der Schulen.

Auf Holzkohle wird eine 5%-Steuer erhoben. Seit 2019 ist die Ausfuhr von Holzkohle untersagt, mit Ausnahme von Holzkohle-Briketts mit einer Sondergenehmigung.

Das „Forum Climate Change – Forum CC“ (80 Mitgliedsorganisationen) bringt Repräsentanten von Regierung, Entwicklungspartnern, Universitäten, Jugend- und Frauenorganisationen und Medien miteinander ins Gespräch. Es schlug u.a. vor, Klimafragen in den Lehrplänen der Schulen zu verankern. Frauen sollten verstärkt in die Klimadiskussion einbezogen werden. Mit EU-Hilfe schulen Forum CC und „Tanzania National Resource Forum“ TNRF Klima-Aktivisten im Umgang mit lokalen Verwaltungen, um diese für Klimaschutz zu sensibilisieren.

Die Wild- und Waldschutz-Behörden beschäftigen etwa 7.000 Mitarbeitende. Um den immer besser bewaffneten Wilderern und Waldfrevlern entgegentreten zu können, erhielten 280 Mitarbeitende ein Training an Schusswaffen und GPS-Systemen.

Das „Kilimanjaro-Projekt“ will jährlich 1 Mill. Bäume pflanzen und ihr Gedeihen mit einer speziellen App überwachen.

Citizen 03.06.17; 22.05.; 10.12.18; 11.03.19; DN 11., 16.04.19; Guardian 26.04.; 11.05.; 17.08.; 04.11.19; 05.02.20; www.c40.org; www.forumcc.or.tz; www.nbs.go.tz; www.tnrf.org

Nachhaltige Energien

Das Forum CC bedauerte, dass die Entwicklungspartner noch immer die meisten Hilfsgelder für klimaschädliche, große Energie-Projekte geben. Beispiele seien Kohle-, aber auch Gas- und Wasserkraftwerke, die nicht klimaneutral arbeiten und einen hohen Aufwand für Fernleitungen erfordern. Dadurch blieben nur wenige Ressourcen für wirklich nachhaltige Energiequellen wie Strom aus Wind, Solarpaneelen und Geothermie. Zusammen mit der „Panafrikanischen Allianz für Klima-Gerechtigkeit“ PACJA und der schwedischen Entwicklungsagentur SIDA will das „Zivilgesellschaftliche Forum zum Klimawandel“ Regierung und Parlament auf Bedeutung und Vorzüge dezentraler und erneuerbarer Energiequellen aufmerksam machen. Die auf 20 Monate angelegte Kampagne „Drängen auf erneuerbare und alternative Energiequellen“ wird auch von der niederländischen NRO HIVOS unterstützt.

25 afrikanische NROs appellierten im Vorfeld des Gipfeltreffens der Afrikanischen Union im Februar an die Regierungen, die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas nicht mehr auszuweiten. Dies widerspreche den global vereinbarten Klimazielen und sei zudem unwirtschaftlich. Finanzhilfen zur Klimaanpassung sollten vorrangig als Investitionsanreize für Investoren dienen, die nachhaltige Energielösungen anbieten. Die PACJA verlangten von Regierungen, die Finanzhilfen aus Klima-Fonds erhielten, diese ausschließlich für klimarelevante Maßnahmen einzusetzen und nichts für andere dringende Maßnahmen abzuzweigen.

Die UN-Organisation „Nachhaltige Energie für Alle“ unterstützt Solarstrom-Anlagen für Fischergemeinden in Tansania. Das UN-Haus (UNDP-Büros) in Dar es Salaam erhielt eine Solaranlage, die 70% des bisher mit Generatoren erzeugten Stroms liefert.

Die „Organisation für die Entwicklung traditioneller Energien“ TaTEDO entwickelte sparsame elektrische Dampfkochtöpfe und Herde, die 70% weniger Holzkohle verbrauchen. Eine Sekundarschule in Lindi reduzierte damit ihren Holzverbrauch so weit, dass die Schüler statt bisher pro Woche 2 Tage nur noch einige Stunden zur Holzsuche brauchen.

Informationen über Erneuerbare Energiequellen in Tansania bringt eine der nächsten Ausgaben.

Citizen 10.08.19; 10.02.20; DN 03.08.19; Guardian 06.06.; 07.08.; 26.10. 19; www.cantz.or.tz; www.decoalonize.org; www.hivos.org; www.pacja.org; www. seforall. org; www.sida.se/English/where-we-work/Africa/Tanzania; www.tatedo.org

Projekte und Investitionen

Präsident Magufuli bezeichnete das im Bau befindliche Wasserkraftwerk am Rufiji im Selous-Wildschutzgebiet als wichtigen Beitrag Tansanias zum Klimaschutz, da billiger Strom den Holz- und Holzkohleverbrauch reduzieren werde. Allerdings wurden in Vorbereitung des Stausees zunächst einmal 2,6 Mill. Bäume gefällt. Experten hatten wiederholt vor schweren ökologischen Schäden im Schutzgebiet und den Mangrovenwäldern am Unterlauf des Rufiji gewarnt [s. TI April 2019, S.10]. Da die Stromerzeugung von den stark schwankenden Wasserständen abhängt, erhöht das umstrittene Projekt nur bedingt die Versorgungssicherheit.

Bergbau-Minister D. Biteko sagte bei der Eröffnung einer neuen Graphit-Mine im Kilombero-Distrikt, Tansania sei stolz darauf, mit seinem Graphit zur Herstellung leistungsfähiger Batterien und damit zum Klimaschutz beizutragen. Betreiber der neuen Mine ist die australische Firma Blackrock.

DN 28.02.18; 23.01.; 04.02.20