Thema: Informationstechnik und Telekommunikation (ICT): Informationstechnologie und Digitalisierung – 9/2019: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 1. September 2019, 06:10 Uhr

Information und (Tele-)Kommunikation über elektronische Medien (Information and Communication Technology - ICT; Kiswahili: Teknolojia ya Habari na Mawasiliano – Tehama) ist der am schnellsten wachsende Wirtschaftszweig in Tansania.

Infrastruktur

Bisher ist Ostafrika hauptsächlich durch das Seekabel EASSy (10.500 km von Sudan bis Südafrika) und das Land- und Seekabel Sea com an das weltweite Internet-Kabelsystem angeschlossen. Nun planen chinesische Firmen das neue Peace Subsea Cable von Pakistan über Ostafrika bis Südafrika. Es soll mit 60 TB/s besonders leistungsfähig sein. Inländische Netzknotenpunkte gibt es in Arusha, Dodoma, Mbeya, Mwanza und auf Sansibar.

Eine direkte Verbindung des tansanischen Netzes mit dem Netzknotenpunkt der SADC (Südafrikanische Entwicklungsgemeinschaft) soll die Kosten für Datenaustausch und Geldtransfers deutlich senken.

Das von China mit $ 35 Mill. finanzierte Zentrum für Informationstechnologie in Kijitonyama, Dar es Salaam (Technologie von Huawei) bietet Datenbank-Dienste für ganz Ostafrika an, sowohl für private als auch für staatliche Kunden. U.a. koordiniert es die ständige Kommunikation aller Regierungsstellen in ganz Tansania. Es verfügt über das Sicherheitsniveau 3, also höher als einfache Datenbanken. Alle staatlichen Stellen wurden aufgefordert, sich dieses Dienstes zu bedienen und auf (offenbar geplante) eigene Lösungen zu verzichten.

Fast die gesamte Infrastruktur-Technologie Afrikas wird von den chinesischen Firmen Huawei und ZTE eingerichtet und gewartet. Sie machen 20% ihres gesamten Umsatzes in Afrika. Huawei hält 22 Verträge über die Einrichtung der neuesten 5G-Technologie und führt einschlägige Tests mit 50 Anbietern durch.

Die staatliche Telekommunikationsgesellschaft TTCL will in den Städten Arusha, Dar es Salaam, Mbeya, Tanga und Sansibar Glasfaserkabel zu Privatwohnungen und WiFi-Spots legen. Allerdings wird ein hoher Abonnementspreis von TZS 200 bis 300.000 genannt. TTCL macht 90% ihres Umsatzes mit Datenverkehr.

Zwar bevorzugen Viele einen Internetzugang über Mobiltelefon, aber große Institutionen wie Schulen und Universitäten benötigen dennoch eine Kabel-Übertragung für die benötigten Datenmengen. Die staatliche TTCL betreibt ein Glasfaser-Basisnetz von insgesamt 7.560 km Länge, hauptsächlich für die Ballungszentren. Es wurde mit Krediten der chinesischen Exim-Bank finanziert ($ 293 Mill.). Die Weltbank hat die Internet-Infrastruktur in Tansania seit 2010 mit $ 100 Mill. gefördert.

Citizen 22.06.17; 27.02.; 29.09.18; DN 23.07.; 02.12.16; 17.01.17; 30.01.18; Guardian 17.01.17; 24.06.; 01.10.18

Verbreitung

Ende 2018 nutzten mehr als 23 Millionen Personen das Internet (43 bis 45% der Bürger). Während nur etwa 850.000 Nutzer einen kabelgebundenen Zugang haben, bedienen sich 96% ihres Mobiltelefons, um Internet-Daten abzurufen. Etwa 45 Mill. SIM-Karten für Mobilfunk sind aktiv.

Die stärksten Wachstumsimpulse für die Telekommunikation werden auch in den kommenden Jahren aus dem Datenverkehr über das Internet kommen. Dabei werden als wichtigste Bereiche gesehen: privates Video-Streaming, Internet-Handel, Lernen über digitale Medien und digitale Verwaltungsabläufe. Auch wenig erschlossene Gebiete werden in den kommenden fünf Jahren über den Funkstandard der 4. Generation LTE Zugang zu Breitband-Übertragungen wie Filmen erhalten.

Neue Funklizenzen im 700-MHz-Band wurden an private Mobiltelefon-Firmen versteigert (etwa $ 20 Mill.). Diese müssen sich zur Abdeckung auch abgelegener Gebiete verpflichten. Ein 10-Jahresvertrag von Vodacom mit dem staatlichen Glasfaser-Basisnetz erschließt auch ländliche Gebiete für das Internet.

Der Preis für ein Breitband-Abonnement war bisher in Tansania vergleichsweise hoch ( 2017: $ 115, entsprechend fast dem doppelten Mindestlohn im Industriesektor). Neuerdings gibt es attraktivere Pauschaltarife, z.B. von Halotel.

Nur knapp 20.000 Nutzer haben sich auf der Domain „.tz“ registriert, die offenbar nicht allzu viel Vertrauen genießt. Eine Werbekampagne soll dies ändern. Alle staatlichen Einrichtungen müssen sich dieser Domain bedienen.

Citizen 15.06.17; 11.04.18; 07.02.19; DN 27.05.18; 14.02.19; Guardian 23.03.; 29.10.; 26.12.18; 25.05.19

Ausbildung und Schulung

Bildungsministerin J. Ndalichako lancierte das neue Exzellenzzentrum für Informationstechnik und Kommunikation (CENIT@EA) an der Nelson Mandela African Institution of Science and Technology in Arusha. Es bietet Studierenden aus Ostafrika Stipendien und Master-Studiengänge an. Schwerpunkt ist die Arbeit mit „eingebetteten Systemen“, die Maschinen oder ganze Anlagen steuern, überwachen und kontrollieren. Das CENIT wird vom deutschen BMZ finanziert und von GIZ, DAAD und mehreren deutschen Universitäten unterstützt und beraten.

Die koreanische NRO E3Empower („energy, education, entrepreneurship“) führt Kurse in Mathematik, Informatik und Ingenieurstechnik in den Regionen Arusha, Dodoma, Mwanza, Singida und Shinyanga durch. Die Teilnehmenden, Grund- und Sekundarschüler/innen sowie Studierende an Hochschulen, lernen mit angepassten technischen Lösungen zu arbeiten. Die koreanischen Experten bedauerten, dass wegen fehlender Software und Kenntnis darüber in vielen Schulen Computer ungenutzt herumstehen.

Das Netzwerk „Digital Opportunity Trust“ (DOT) bietet in Zusammenarbeit mit den Handwerker-Colleges (VETA) jungen Leuten Kurse in Datenverarbeitung und Geschäftsplanung an, wobei besonders junge Frauen gefördert werden, um kulturelle Hemmnisse auszugleichen. Auch Lehrkräfte, die oft informationstechnische Defizite aufweisen, erhalten Nachhilfe.

Oxfam veranstaltete in vier ländlichen Distrikten Zwei-Jahres-Kurse für „verbesserte und verantwortliche Verwaltung durch digitale Techniken“. 200 Animatoren und 50 Influencer wurden ausgebildet, um mit digitaler Unterstützung Entwicklungsprojekte erfolgreich zu begleiten und zu kontrollieren.

Das „College für Informatik und Virtuelle Bildung“ der Uni Dodoma führt Kurse für Lehrkräfte an Sekundarschulen durch, um sie in die Funktionsweise von Computern und einfachen Programmen einzuführen.

Finnland finanzierte mit € 5,8 Mill. die „Buni Innovation Hub“ der tansanischen Wissenschaftskommission COSTEC. Das Programm bildete 5.000 Jugendliche im Umgang mit Computern aus. Die nächste Phase beschäftigt sich mit digitalen Anwendungen in Landwirtschaft, Industrie und Gesundheitswesen.

DN 17.11.16; 30.10.18; 20.02.; 25.08.19; Guardian 28.07.18; 04.,25.02.19; www.cenit-ea.org

IT in der Wirtschaft

Ein Doktorand der Uni Ost-Finnland studierte Verhalten und Probleme der Straßenhändler/innen (machinga). Er entwickelte eine App für Mobiltelefone, die alle Transaktionen des Nutzers erfasst und aufbereitet.

„Twende App“ ermöglicht den Abonnenten, Motorrad- oder Autotaxis zu buchen und online zu bezahlen. Da die Anbieter auf professionelle und ethische Verlässlichkeit überprüft werden, sind die Kunden vor Raub und Betrug durch unseriöse Fahrer geschützt.

„Kitabu App“ ermöglicht Probelesen und Kauf von Büchern in den Formaten PDF und EPUB über Mobiltelefon bzw. Tablet. Junge Autor/innen können über diese Plattform ihre Werke kostengünstig anbieten.

Der digitale Marktplatz „Fundi247“ vermittelt zwischen qualifizierten Handwerkern und potentiellen Kunden.

Google fährt in Ost- und Westafrika ein Mentoren- und Förderungsprogramm für Jungunternehmer. Meist handelt es sich um Geschäftsideen, die auf mobilen Anwendungen basieren, z.B. Apps für Schwangere, Eltern, Landwirte, Viehzüchter, Gesundheitsberatung, elektronische Bücher, Filme in lokalen Sprachen oder Güter bzw. Dienstleistungen auf Teilzahlung.

Die Ostafrikanische Gemeinschaft EAC erwartet von digital gesteuerten Abläufen erhebliche Einsparungen. Beispiele dafür sind: Zahlungen, Elektronische Pässe, Sicherheitsprüfungen, Warenverfolgungssysteme und Drohnen zum Transport von Medikamenten und Blutkonserven in abgelegene Gebiete. Voraussetzung ist, dass die Programme kompatibel sind und durchlässige Grenzen politisch erwünscht sind.

Citizen 18.01.; 12.04.; 19.07.17; East African 17.07.18; Guardian 26.10.17; 13.09.18; Vgl. u. „Telebanking“; www.fundi247.com

IT in Verwaltung und Dienstleistungen

Das elektronische Netzwerk (LAN) der staatlichen Stellen umfasst 177 Behörden und 299 Institutionen. Es wird nach dem Vorbild des indischen Systems aufgebaut. Die neu geschaffene Behörde für e-Government im Präsidentenbüro versucht, die einzelnen Netzwerke zu integrieren und Sicherheitsstandards aufrecht zu erhalten. Viele Dienstleistungen sind inzwischen online verfügbar, z.B. standesamtliche Registrierungen, Visa, Lizenzen, Ausschreibungen, Bewerbungen, Steuerzahlungen, Anträge des staatlichen Beschaffungswesens.

Urkunden über Grundbesitz kann man ab Oktober auch online beantragen und bezahlen. Der Minister für Land und Wohnungen möchte dadurch die zahlreichen ungeplanten Siedlungen schneller formalisieren. Die meisten Wohn- und Betriebsgebäude sind illegal errichtet und ihre Eigentümer haben keine gültige Besitzurkunde. Immer wieder stellten bestechliche Beamte auch Urkunden über bereits vergebene Grundstücke aus. Dies soll nun ein zentrales elektronisches Register verhindern.

Zahlungen müssen über den e-Payment Gateway laufen. Der Haushaltsausschuss des Parlaments wies jedoch darauf hin, dass unter dem Finanzministerium noch sieben ältere elektronische Zahlungs- und Abrechnungssysteme laufen, die im Jahr etwa TZS 3 Mrd. kosten.

Alle Begünstigten des Armutsbekämpfungsprogramms TASAF werden in einer Datenbank erfasst, um Betrüger und fiktive Empfänger aufzuspüren

Aus der „Open Government Partnership Initiative“ zog sich Tansania im Juni 2017 zurück (mit Ausnahme der Stadt Kigoma). Statt dessen wurde eine Website für Bürgerbeteiligung, Beschwerden und Kommentare eingerichtet: www.wananchi.go.tz. Die Verlautbarungen der einzelnen Regionen finden sich jeweils unter www.[Regionsname].go. tz; die der Distrikte unter www.[Distriktsname]dc.go.tz, z.B. www.kitetodc.go.tz.

Für Zigaretten, Bier und Schnaps wurden elektronische Steuermarken eingeführt, was die Einnahmen deutlich verbesserte.

Die Kreditstelle für Studierende (HESLB) stellt die Zahlungen an ihre 123.000 Klienten auf elektronische Anweisungen um. Dies soll die bisher häufigen Verzögerungen vermeiden, die Studierende stark beeinträchtigten und zu unerwünschten Schwangerschaften wegen Finanznot führten.

Das „Juristische Statistik- und Verwaltungssystem“ hält leicht zugänglich Präzedenzfälle vor und automatisiert technische Vorgänge wie Anzeigen, Vorladungen und Terminabsprachen. Es registriert auch alle Arbeitsabläufe und lässt erkennen, was welcher Richter wann getan hat. Jeder Richter muss eine bestimmte Anzahl von Fällen pro Jahr bearbeiten.

Die App „Sheria Kiganjani“ (Rechtsberatung zur Hand) macht Anwälten, Studierenden und Beamten Gesetzestexte, Präzedenzfälle und Rechtsliteratur online zugänglich. Ratsuchende können mit Anwälten (per chat) kommunizieren, ohne lange Reisen auf sich nehmen zu müssen.

Sansibar erfasst die Daten aller Einwohner in einer Datenbank, auf die alle relevanten Behörden zugreifen können.

Die Regierung beauftragte das Technologie-Institut Dar es Salaam (DIT) mit der Prüfung der Blockchain-Technologie (einer dezentralen, fälschungssicheren Datenbank-Verwaltung). Sie kann im Gegensatz zu zentraler Software nicht manipuliert werden und ist in allen Schritten nachvollziehbar. Damit könnten korruptionsanfällige Verwaltungsvorgänge sicherer gestaltet werden, z.B. Grundbücher, Zahlungsvorgänge, Urkunden und Zeugnisse, Wahlergebnisse, Steuergrundlagen oder Produktkontrolle. Bei konsequenter Anwendung würden freilich auch bisher exklusive Informationen der Öffentlichkeit zugänglich.

Ein Pilotprojekt der irischen Firma AID:Tech entwickelte ein block-chain-basiertes Programm für die lückenlose prä- und postnatale Betreuung von Schwangeren und ihren Kindern. Es sichert den rechtzeitigen Zugang zu allen Gesundheitsdiensten und verhindert Missbrauch und Veruntreuungen. Die weltweit ersten „Blockchain-Babies“ wurden im Juli 2018 in Tansania geboren. Generell können mit der Blockchain-Methode im Gesundheitswesen Verwechslungen und Betrug vermieden und die Privatsphäre geschützt werden.

Schon einfache elektronische Buchungssysteme ließen in fast allen Krankenhäusern die Einnahmen in die Höhe schnellen, in manchen Fällen um ein Vielfaches.

Oxfam führt, finanziert von Belgien, ein Vier-Jahres-Programm durch, das mit digitalen Mitteln Transparenz und Verantwortlichkeit bei lokalen Verwaltungen und Entwicklungsvorhaben fördert. Es will der Bevölkerung mehr Einblick und Kontrolle geben.

Das „Dar Teknohama Gründerzentrum“ fördert junge Unternehmen organisatorisch, technisch und finanziell. Eines seiner Programme, „Code lika a girl“ ermutigt Mädchen und junge Frauen zu einer Karriere in digitaler Technik.

Das „Vaccine Management Information System“ hält landesweit Daten über Impfstoffe, Kühlkette und Impfkampagnen vor. Amref Africa erprobt in den Regionen Geita und Shinyanga eine Mobil-App, die alle Impfdaten eines Kindes speichert und die Eltern vor fälligen Impfungen benachrichtigt.

Studierende des ICT-College, Dar es Salaam schufen ein Gerät, das auf einfache Weise Venen lokalisiert („View Vein“) und damit Fehlversuche vermeidet.

Das Gesundheitsministerium unterhält den „Wazazi Nipendeni SMS Dienst“, der 2 Mill. Schwangere und Mütter von Kleinkindern fortlaufend über Ernährung und Erziehung berät.

Die UNESCO und Samsung Africa installierten im Dorf Ololosokwan, Ngorongoro-Distrikt eine Pilot-Anlage des „Digital Village“. Mit Solarstrom betriebene Internetverbindungen vermitteln Bildungsangebote und tele-medizinische Beratung lokaler Gesundheitsdienste durch Experten der Muhimbili Universitätsklinik.

Studierende der St. Joseph Universität entwickelten ein selbstlernendes Diagnose-Gerät für Herz/Kreislauf-Erkrankungen. Es kann in ländlichen Zentren ohne Kardiologen gängige Herzkrankheiten erkennen und Behandlungsvorschläge ausgeben.

Ein IT-Fachmann entwickelt eine App für Schulbücher: www.tovl.ac.tz. Für TZS 2000/Monat können Lehrer, Eltern und Schüler die Lehrbücher online nutzen. Schulbücher kosten TZS 7.500 und mehr.

Citizen 28.04.; 02.08.17; 24.08.; 30.10.18; 26.02.; 23.,30.07.; 06.08.19; DN 21.10.16; 04.01.18; 04.,11.,20.02.; 10.03.; 15.04.; 15.,20.,22.07.; 07.08.19; Guardian 21.03.17; 24.,30.06.; 16.10.18; 04.06.19; www.tanzania.go.tz

Internet: Meinungsfreiheit, Privatsphäre

Mehrere Menschenrechtsorganisationen und der Tansanische Medienrat scheiterten vor dem Berufungsgericht in Mtwara mit ihrem Einspruch gegen die Ausführungsbestimmungen des Gesetzes zur elektronischen Kommunikation von 2018. Das Gericht sah ihre Meinungsfreiheit durch die Regulierungen nicht beeinträchtigt.

Nach dem umstrittenen Gesetz werden TZS 5.Mill. Strafe und/oder 12 Monate Gefängnis fällig, wenn ein Mobiltelefon ohne Passwort betrieben wird. Anbieter von Radio-, Fernseh- oder Kommentar-Kanälen via Internet müssen alle drei Jahre eine Lizenz für TZS 1 Mill. erwerben und jährlich TZS 100.000 entrichten. Besucher von Internet-Cafés müssen sich identifizieren und werden fortlaufend gefilmt. Jeder öffentlich zugängliche Computer muss eine eigene (statische) IP-Adresse haben. Die Regulierungsbehörde für Kommunikation TCRA soll damit schamlose, gewaltverherrlichende und Hass erregende Inhalte sperren. Alle Inhalte müssen auf Kiswahili oder Englisch zugänglich sein, lokale Sprachen sind nur in Ausnahmefällen erlaubt.

Das Informationsministerium bereitet ein Gesetz zum Datenschutz im ICT-Bereich vor. Vertreter von Wirtschaft und Universitäten wurden hierfür zu einer Konsultation eingeladen. Die „Koalition der Menschenrechtsverteidiger“ (THRDC) forderte ein Datenschutz-Gesetz, das behördlichen Zugriffen Grenzen setzt, richterliche Aufsicht festlegt und eine parlamentarische Kontrollinstanz einsetzt. Bisher könnten Polizei und Sicherheitsdienste uneingeschränkt Daten abgreifen, sofern dies dem „öffentlichen Interesse dient“. Was „öffentliches Interesse“ bedeute, müsse rechtlich klar definiert werden. Die Verfassung schütze ausdrücklich die private Kommunikation.

Citizen 29.07.19; Arusha Times 10.12.16; Citizen 06.04.18; DN 31.10.18; 10.01.19; Guardian 01.04.18; 29.07.19Habari leo 19.03.19

IT-Kriminalität

Der „Africa Cyber Security Report 2017“ berichtet, dass afrikanische Banken, Unternehmen und Regierungen 2017 $ 3,5 Mrd. durch kriminelle Aktivitäten wie hacking, phishing und spamming eingebüßt haben. In Tansania betrugen die Verluste $ 99 Mill. Während afrikanische Kriminelle ihre Methoden immer weiter verfeinerten, gäbe es keine kommerzielle afrikanische Sicherheitslösung. Besonders gefährdet seien kleine und mittlere Betriebe, die nicht genügend Mittel für eine effektive Gefahrenabwehr aufwenden könnten.

Sehr angreifbar seien auch Privatleute, besonders Kinder und Jugendliche. Private Daten würden zunehmend über gefälschte öffentliche W-LAN-Netze abgegriffen. - 2020 würden afrikanische Anwender etwa $ 2 Mrd. für IT-Sicherheit ausgeben.

Das „Computer-Notfall-Reaktionsteam“ TZCert warnt vor IT-Gefahren, informiert über Sicherheitsmaßnahmen und nimmt Problemmeldungen entgegen. Die Regierung vereinbarte mit koreanischen und chinesischen Agenturen, im Bereich Datensicherheit zusammenzuarbeiten und Personal fortzubilden.

Die Polizei warnte Wohlhabende davor, Einzelheiten und Fotos über ihren Besitz und ihre Kinder über Soziale Medien mitzuteilen. Mehrere Entführungen seien mit Hilfe solcher Informationen ausgeführt worden. Jugendliche sollten es vermeiden, persönliche Konflikte und schamlose Fotos zu teilen. Solche Informationen seien kaum zu löschen und würden schwere persönliche und berufliche Nachteile zur Folge haben.

Citizen 19.03.18; DN 18.08.16; 20.04.17; Guardian 19.04.; 30.09.18; Mwananchi 15.12.17; www.serianu.com; www.tzcert.go.tz